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Veröffentlicht am 10.05.2020

Von krankhaft gesund zu gesundem Genuss. Ein Diätbuch auf Augenhöhe, das einen lehrt auch mal fünfe gerade sein zu lassen

Wellness Rebel. Diätbullshit erkennen und Essen wieder lieben lernen
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Pixie Turner rechnet ab mit Diättrends, Superfood und Gesundheitsbattles. Und das tut sie auf sehr symphatische und kluge Art und Weise.
Ihr Buch "Wellness Rebel. Diätbullshit erkennen und Essen wieder ...

Pixie Turner rechnet ab mit Diättrends, Superfood und Gesundheitsbattles. Und das tut sie auf sehr symphatische und kluge Art und Weise.
Ihr Buch "Wellness Rebel. Diätbullshit erkennen und Essen wieder lieben lernen", erschien bei Lübbe Life im April 2020. Turner ist ehemalige Foodbloggerin, die feststellen musste, dass sie an Orthorexie leidet, einer Essstörung, bei der die übermäßige Beschäftigung mit Lebensmitteln zu psychischen Problemen führt.
Nachdem sie der Branche den Rücken gekehrt hat, lebt sie natürlicher und lebensfroher als zuvor und hat ihr Verhältnis zum Essen für sich optimiert. Ihre Erkenntnisse teilt sie mit den Lesern ihres Buches.

Pixie Turner steigt gleich zu Beginn ein mit ihrem Werdegang als Foodbloggerin und gewährt dem Leser Einblick in den Sog der Gesundheitsfanatiker, denen sie begegnete und die sie selbst zu einem machten.
Nach bedenklich verändertem Essverhalten und einem ungesunden Verhältnis zu dem was einen eigentlich am Leben hält, muss sie sich nach einiger Zeit eingestehen, dass sie unter Orthorexie leidet. Doch in dieser Erkenntnis steckt für Turner eine Chance. Sie erkennt nach und nach die Fallstricke der Foodblogger- und Gesundheitstrendbewegung und erkämpft sich ein neues, ungezwungenes Essverhalten.

In "Wellness Rebel" nimmt Pixie Turner einen mit auf eine Reise durch angesagte Food- und Diättrends und klärt darüber auf, was wirklich dahintersteckt.
Nach einer biochemischen Einführung zum Thema Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß legt sie los und enttarnt einen Diätmythos nach dem anderen. Sie erklärt den Irrsinn mancher Foodbewegungen und stellt wieder den Genuss in den Vordergrund. Und der kann durchaus gesund sein, wie ihr Buch beweist. Nur eben nicht krankhaft gesund, wie sie es jahrelang geglaubt und propagiert hat.

Die Kapitel Gluten, Detox, Fette, Superfoods, Basen, Rohkost und Zucker befassen sich alle zunächst mit der aufgestellten These der jeweiligen Diättrends. Pixie erläutert den Hintergrund und die fehlerhaften Annahmen und schickt direkt Rezepte hinterher, die nicht nur superlecker aussehen, sondern auch genau so lecker sind und dabei viele gesunde Elemente enthalten. Aber eben auch die eine oder andere Zutat, die nicht auf der Hitliste der "Gesundmacher" stehen. Weil sie eben lecker sind und hervorragend zu den gesunden anderen Zutaten passen. Denn Essen soll nun mal auch Genuss sein. Die Fotos zu den Rezepten sind optisch ansprechend und regen einen sofort zum Nachkochen an. Am Ende gibt Pixie einem noch einen Wegweiser in die Hand, nach dem man ganz individuell seinen Weg finden kann, ein Essverhalten im Einklang mit Gesundheit und Genuss zu entwickeln.

"Welness Rebel" ist ein aufschlussreiches Buch, das Diätmythen enttarnt, geschrieben von einer Autorin, die ihren Lesern auf Augenhöhe beibringt, wie man gesundes Essen mit Genuss verknüpfen und zu diesem Zweck eben auch mal fünfe gerade sein lassen kann.

  • Thema
  • Umsetzung
  • Wissen
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.05.2020

Ein Ernährungskonzept, das nur sehr schwer umzusetzen ist

How Not to Diet
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Freut man sich im Voraus im Sinne des Titels auf ein Ernährungskonzept das einen gesund und dauerhaft abnehmen lässt, so bleibt man nach der Lektüre demütig zurück, da einem klar wird, dass man das geforderte ...

Freut man sich im Voraus im Sinne des Titels auf ein Ernährungskonzept das einen gesund und dauerhaft abnehmen lässt, so bleibt man nach der Lektüre demütig zurück, da einem klar wird, dass man das geforderte Konzept niemals ein Leben lang durchhalten wird.

Das Buch "How not to diet" von Dr. Michael Greger erschien Ende April 2020 im Bastei Lübbe Verlag. Greger ist ein in Amerika praktizierender Ernährungswissenschaftler, der es sich zur Aufgabe gemacht hat ohne kommerziellen Hintergrund der breiten Masse den Nachteil industrieller Ernährung zu vermitteln und Ihnen so die Möglichkeit zu geben, bewusst selbst zu entscheiden inwieweit sie sich im wahrsten Sinne des Wortes krank isst.
Über Amerikas Grenzen hinweg bekannt geworden ist Dr. Greger mit seinem Bestseller "How not to die", in dem er den Einfluss von falscher Ernährung auf die Gesundheit und die Lebenserwartung bereits detailliert schildert. "How not to diet" besticht erneut durch seinen großen Umfang. Das Werk liegt schwer in der Hand und lässt bereits vor der Lektüre umfassende Informationen vermuten.

Der Titel "How not to diet" trifft den Inhalt des Buches nicht so ganz. Das Buch ist in fünf Abschnitte geteilt, von denen sich der erste mit den Gewichtsproblemen breiter Bevölkerungsgruppen auseinandersetzt und klassische kommerzielle Diätkonzepte, medikamentöse Versuche und operative Eingriffe erläutert, die bisher verzweifelte Übergewichtige wohl mehr Geld und Gesundheit gekostet haben, anstatt dauerhaft erfolgreich zu sein.
In Abschnitt 2 steigt der Verfasser bereits ein in die Thematik und erklärt die positiven Effekte vollwertiger, pflanzenbasierter und unbearbeiteter Kost. Er geht dabei stark ins Detail und zieht jede Menge Studien zur Erläuterung hinzu. Diese Vorgehensweise zieht sich durch das gesamte Buch. In sehr ermüdendender Art und Weise. Schon im zweiten Abschnitt wird klar: dieses Buch liest sich nicht mal eben weg. An manchen Stellen taucht man tiefer in die Materie ein, als man vielleicht gewillt ist. Die zahlreich angeführten Studien wiederholen sich im Kern häufig, manchmal entdeckt man im Laufe des Buches Widersprüche, die den Leser nach der Lektüre etwas verwirrt zurück lassen.
In Abschnitt 3 gibt Greger eine erneute Zusammenfassung von Abschnitt 2 und zieht ein Fazit aus den in Abschnitt 3 erlernten Grundlagen.
So genannte Abnehmbooster werden in Abschnitt 4 versprochen. Und da gibt es schon das eine oder andere Kapitel, das anhand der drastisch beschriebenen Maßnahmen enttäuscht. Spätestens hier wird dem Leser klar, dass die versprochene Alternative zu Diäten, eben kein unbedingt leicht durchzuführendes Ernährungskonzept ist, sondern doch ein stark einschränkendes Lebensmodell, in dem sich tagtäglich die gesamte Tagesplanung auf die Ernährung, das Körpergewicht und den Kalorienverbrauch konzentriert. Manche Vorschläge sind sogar mit gesundheitlichen Warnungen versehen und erfordern zuvorige, ärztliche Abklärung.
In Abschnitt 5 werden die Ratschläge aus Abschnitt 4 und die Abnehmbooster aus Abschnitt 5 in eine 21 stellige Checkliste übertragen, die dem Leser die Umsetzung vereinfachen soll.

Ich habe mich im Vorfeld auf das Buch gefreut und mir viel davon versprochen. Leider wurde ich in mehrfacher Hinsicht enttäuscht, auch wenn ich dem Buch auch viele Aspekte zu Gute halten muss.
Direkt zu Beginn des zweiten Abschnitts habe ich viel gelernt, auch viel über meine eigenen Ernährungsfehler. Das Buch hat mich stark motiviert, etwas an meiner Ernährung zu ändern und ich habe bereits während der Lektüre viel umgestellt und damit auch schon abgenommen. Ich habe meinen Fleischkonsum auf ein Minimum reduziert, was nicht nur meiner Gesundheit gut tut. Aber: das vorgeschlagene Ernährungskonzept soll schließlich keine Diät sein. Jedoch gestaltet es sich im Alltag sehr schwer. Einladungen von Freunden zu folgen könnte sich in vielen Fällen als denkbar schwierig erweisen. Kindern eine Ernährung zu vermitteln, die sie auch in Kita oder Schule umsetzen können erscheint mir unmöglich. Auch Geschäftsessen oder Geschäftsreisen werden nicht so einfach mit diesem Konzept zu bewältigen sein. In vielen Bereichen muss man sich derart kasteien, dass man in absehbarer Zeit doch einknicken wird. Biologische Umkehrschlüsse, die Greger in Eigenregie zieht, sind nicht endgültig durchdacht. An manchen Stellen widerspricht er sich. Und zu guter Letzt ermutigt er zu gesundheitlich fragwürdigen Methoden (bei 6 % Neigung mit den Füßen bergauf schlafen) und kalorischen Richtwerten (1200 kcal Tagesbedarf für Frauen und 1500 kcal für Männer), die weder gesundheitlich vertretbar sind, noch von dem Konzept einer Diät im klassischen Sinne abweichen. Das bedeutet abschließend: Thema verfehlt.
Nichtsdestotrotz lernt man sehr viel über die Abläufe im Körper, von der guten Wirkung der richtigen Lebensmittel auf Stoffwechsel, Mikrobiom, Gesundheit und Organe, und eben von der schlechten Wirkweise industriell verarbeiteter Lebensmittel. Auch die Arbeitsweise der Lebensmittelindustrie und die enge Zusammenarbeit mit Laboren zu Werbezwecken sind sehr aufschlussreich.

Ich kann das Buch Lesern empfehlen, die sich gerne intensiv mit ihrer Ernährung beschäftigen, den Fokus auf möglichst unverarbeitete pflanzliche Kost legen und sich mit der Wirkweise verschiedener Lebensmittel auf den Organismus beschäftigen möchten. Menschen die auf der Suche nach einem dauerhaften Abnehmkonzept ohne drastische Maßnahmen oder zu viele starke Einschränkungen sind, möchte ich im Vorfeld die Illusion nehmen mit Dr. Gregers "How not to diet" fündig zu werden.




  • Cover
  • Thema
  • Informationen
Veröffentlicht am 03.04.2020

Max und Mux und der Riesenwunschpilz—Abenteuer im Fabelwald mit Wimmelbucheffekt

Max und Mux und der Riesenwunschpilz
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"Max und Mux und der Riesenwunschpilz“ ist ein Kinderbuch des Kommunikationsdesigners Sven Maria Schröder, der nicht nur Autor des Buches ist sondern zeitgleich auch der Illustrator. Erschienen ist das ...

"Max und Mux und der Riesenwunschpilz“ ist ein Kinderbuch des Kommunikationsdesigners Sven Maria Schröder, der nicht nur Autor des Buches ist sondern zeitgleich auch der Illustrator. Erschienen ist das Werk im Februar 2020 im Boje Verlag.

Max und Mux wohnen in einem Fabelwald und sind... ja was sind sie eigentlich. Elfen? Kobolde? Das sei der Phantasie des Lesers überlassen. Auf jeden Fall sind sie die besten Freunde. Max ist der mutigere der beiden, der voller Tatendrang steckt. Dafür ist Mux der Kopf des Duos, der als Buchliebhaber die Tiere des Waldes unterhält. Als Max eines Tages ein geheimnisvolles Pilzbuch findet, beginnt für die beiden ein Abenteuer, das sie so schnell nicht vergessen werden. Zusammen mit ihren tierischen Begleitern Hansi dem Hund und Erika dem Eichhörnchen ziehen sie los um hinter das Geheimnis des blauen Wunschpilzes zu kommen. Ihre Suche ist geprägt von Begegnungen mit außergewöhnlichen Lebewesen und endet ganz anders, als sich die beiden vorgestellt hatten.

Die Idee der Geschichte finde ich originell und nett umgesetzt. Die beiden Hauptcharaktere und ihre tierischen Begleiter wachsen einem schnell ans Herz. Dabei nehmen die Bilder in dem Buch ganz viel Raum ein. Mit Liebe zum Detail hat der Autor auf jede Seite nochmal eine ganz eigene Geschichte gepackt. Das führt dazu, dass man zusammen mit den Kindern immer wieder Neues entdecken kann. Ob es die Hamsterfamilie ist, die einen Fahrradausflug in der unteren Bildecke unternimmt, oder die Mäusefamilie, die von Max und Mux auf ihrer Suche nach der großen Pilzwiese beim Fernsehen gestört wird. Dies gibt dem Buch unglaublich viel mit. Und das, obwohl die Geschichte selbst schon liebevoll ausgedacht und erzählt ist.
Sprachlich ist das Buch dem Lesealter von 4 Jahren + angemessen. Manche Spannungsbögen sind meiner Meinung nach etwas flach- die Problemlösung erfolgt häufig etwas zu schnell und reibungslos. Dafür hält das Ende eine ganz besondere Überraschung bereit, die auch noch die Möglichkeit für eine Fortsetzung offen lässt.

Insgesamt fand ich Max und Mux unterhaltsam, voll netter Ideen und für Vierjährige eine gelungene Bettlektüre. Besonders der Wimmelbucheffekt der Illustrationen steigert das Lesevergnügen und lässt kleine wie große Leser voll in die Kulisse einsteigen. Die Geschichte ist sprachlich und inhaltlich altersgerecht und bietet alles, was ein Kinderabenteuerbuch ausmacht.

  • Spaß
Veröffentlicht am 24.03.2020

Zurück zur Natur mit Phantasie, Spiel und Kreativität

Irmelina Geisterkind - Das Geheimnis der Dorfeiche
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Das am 27.03.2020 im Boje Verlag erschienene Buch "Irmelina Geisterkind" handelt von den Abenteuern der 8 jährigen Juna, die in ihren Sommerferien Bekanntschaft mit dem Naturgeist Irmelina macht und eine ...

Das am 27.03.2020 im Boje Verlag erschienene Buch "Irmelina Geisterkind" handelt von den Abenteuern der 8 jährigen Juna, die in ihren Sommerferien Bekanntschaft mit dem Naturgeist Irmelina macht und eine Welt kennenlernt, von der sie vorher nicht einmal träumen konnte.
Da die Freundschaft zu dem liebenswerten Naturgeist Irmelina in der Menschenwelt geheim gehalten werden muss, stehen den beiden einige Herausforderungen bevor, um den Lebensraum von Irmelina und ihrer Familie nicht in Gefahr zu bringen. Außerdem steht die Initiationsgeschichte von Irmelina Geisterkind im Mittelpunkt, das mit seinem 10.Geburtstag die eine Dorfeiche in Obhut nimmt und erst lernen muss was es bedeutet einer solchen Aufgabe gewachsen zu sein und Verantwortung für ein hilfloses Lebewesen zu übernehmen.

Die Autorin Lydia Ruwe bewegt sich schon länger in der Welt der Kindermedien und hat neben Arbeiten für den Sender Kika, auch als Kinderbuchlektorin gearbeitet bis sie selbst ein Autorenstipendium bekam und so ihren Erfahrungsschatz erweitern konnte. Ihr Kinderbuch "Irmelina Geisterkind" richtet sich an Kinder ab 8 Jahren, die sich gerne mit der heimischen Natur auseinandersetzen und phantasievolle Bücher lieben.

Die Zeichnerin Julia Bierkandt hat sich per Ausbildung zunächst im Bereich Design und Kindermode bewegt um dann freie Illustratorin verschiedener Kinderbuchverlage zu werden. Ihre Zeichnungen für Irmelina Geisterkind sind liebevoll gestaltet. An das Alter der Zielgruppe angepasst übernehmen die Illustrationen nicht den Mittelpunkt der Geschichte, sind monochrom gehalten und regen die Kinder zum Träumen an. Interessant ist der Einsatz von Hintergrundillustration bei dramatischen Szenen wie dem Abschnitt über ein Gewitter, das zugleich einen Höhepunkt im Buch darstellt.

Irmelina Geisterkind ist erst 10 Jahre alt, als es sein Elternhaus verlassen muss, um sich um die alte Dorfeiche zu kümmern, die ihm als Geisterreich zugedacht wurde. Irmelina ist sehr unreif und verhält sich wie eine 10 jährige in der Menschenwelt- was für die Dorfeiche durchaus ungünstig ist. Diese Tatsache wird ihr im Laufe der Geschichte schmerzlich bewusst und lässt sie im Verlauf eines Sommers einiges über Verantwortung und Empathie lernen. An ihrer Seite steht dabei das Menschenkind Juna, das sich vor dem nervigen Nachbarsjungen Moritz versteckt und sich schnell zur besten Freundin des kleinen Naturgeistes Irmelina mausert. Die Tatsache, dass Juna niemandem von der Welt der Naturgeister erzählen darf, und das Naturgeister nur von Kindern gesehen werden, lässt sie in der Menschenwelt anecken und in Erklärungsnot geraten. Ihre Zeit muss sie nun zwangsweise mit dem Nachbarsjungen Moritz verbringen, der sich im Laufe der Geschichte doch noch zu einem Freund entwickelt. Nichtsdestotrotz schafft sie es, Irmelina weiterhin unbemerkt zu treffen und ihr in mehreren Notsituationen hilfreich zur Seite zu stehen.

Insgesamt fand ich "Irmelina Geisterkind" recht unterhaltsam, auch wenn sich mir immer wieder Fragen gestellt haben, die aufgrund von Unstimmigkeiten in Handlung und Logik aufkamen (vielleicht sehe ich dafür den Inhalt zu erwachsen- schließlich gibt es einen Grund weshalb Erwachsene die Naturgeister nicht sehen können 😉).

Am Anfang hatte ich bei dem Buch "Irmelina Geisterkind" etwas Probleme in die Handlung reinzufinden, die Sprache war anfangs etwas sperrig, was aber nach wenigen Kapiteln besser wurde. Auch das Buch selbst wurde da für meine Begriffe kurzweiliger.
Juna wirkt auf mich manchmal etwas überheblich. Gegenüber dem Nachbarsjungen Moritz und gegenüber dem Nachbarn Herrn Roggi, der ihr eigentlich wirklich interessante Sachen beibringen will, dem sie aber nicht richtig zuhört. Immerhin bekommt er am Ende doch noch Aufmerksamkeit und Anerkennung von ihr.
Irmelina Geisterkind erinnert mich in Situationen, in denen Juna und sie Menschen begegnen ein bißchen an den Pumuckl. Das ist sicherlich in der Tatsache begründet, dass Erwachsene Irmelina nicht sehen können und es bei direkten Begegnungen zu solchen Eindrücken kommt.
Bei Ihrer ersten Begegnung mit Irmelina gefällt mir Junas Reaktion, die nicht wie so oft in Kinderbüchern sofort total offen ist für die unglaubliche Begegnung und ersteinmal alle Hinweise überprüft (alle Sinne erfassen das Unfassbare, also muss es stimmen). Dann hat sie Angst. Aber nicht vor dem Geisterkind, sondern davor selbst verrückt zu sein. Das ist schon sehr erwachsen, aber für 8jährige sicher nicht unmöglich.
Als sehr positiv empfand ich die Natur, die eine übergeordnete Rolle spielt, und die für die Geschichte so wichtig ist, dass sie Kinder wieder auf die Idee bringen könnte Natur als Abenteuer aufzufassen. Auch die Spielideen, die Irmelina und Juna entwickeln und mit einfachen Mitteln umsetzen waren meiner Meinung nach pädagogisch sinnvoll und gut integriert!
Die Charakterentwicklung von Moritz und Irmelina sind Punkte, die das Vorankommen der Handlung sehr gefördert haben und sinnvoll eingesetzt wurden. Einer Fortsetzung steht auch aufgrund der Freundschaft, die Juna nicht nur zu Irmelina sondern auch zu Moritz im Laufe des Sommers aufgebaut hat, nichts im Wege.

Positiv kann ich auch noch den "Praxisabschnitt" bewerten, der eine kleine Baumkunde umfasst. Und das Basteln von Seedbombs. Auch für Stadtkinder sicherlich ein Anreiz, mal im Park den Blick auf die Bäume zu werfen und Bestimmungsversuche anzustreben. Oder den Bienen ein bißchen Futter auf die Wiesen zu werfen und sich dann nach ein paar Wochen über bunte, selbst gepflanzte Blüten zu freuen!

Irmelina Geisterkind ist eine unterhaltsame Geschichte eines Sommers, die die heimische Natur gekonnt in den Mittelpunkt rückt und Kindern die Augen für diese ein bißchen weiter öffnen kann.



  • Spaß
Veröffentlicht am 18.01.2020

Geschichte zum Anfassen - Ulf Schiewes "Der Attentäter" läd ein zu einer Zeitreise nach Sarajevo 1914

Der Attentäter
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Der historische Roman „Der Attentäter“ von Ulf Schiewe handelt von vor dem Attentat an Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau im Jahr 1914. Wie bekannt ist, war das Attentat einer der Auslöser des 1. ...

Der historische Roman „Der Attentäter“ von Ulf Schiewe handelt von vor dem Attentat an Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau im Jahr 1914. Wie bekannt ist, war das Attentat einer der Auslöser des 1. Weltkriegs, der wenige Wochen danach ausbrach. Im Buch werden die letzten sieben Tage vor dem Attentat und das Attentat selbst thematisiert. Dabei wird die Handlung aus verschiedenen Perspektiven geschildert. Franz Ferdinand, seine Frau Sophie, ein fiktiver Polizeibeamter, der Hinweisen auf ein mögliches Attentat nachgeht und die Attentäter selbst, werden auf diese Weise beleuchtet. Originale Zeitungszitate lassen den Leser noch ein Stück weiter in die Zeit eintauchen. Auf diese Weise erreicht der Autor, dass die Leser nicht nur das geschichtliche Ereignis näher betrachten können, sondern dass ihm auch die Beweggründe aller Beteiligten klarer werden und er die Ereignisse des Sommers 1914 besser begreift.

Im Sommer 1914 überschlagen sich die Ereignisse nur wenige Tage vor dem Besuch des Thronfolgers Franz Ferdinand mit seiner Frau in Sarajevo. Ulf Schiewes Leser werden Zeugen der letzten Vorbereitungen zu einem der folgenreichsten Attentate der Geschichte. Die Perspektive der Attentäter selbst ist geprägt von Ängsten, Hass, Überzeugung und Unsicherheit. Die jungen Männer werden von ihren Gefühlen übermannt, hadern mit sich und ihren aussichtslosen Leben. Die an Schwindsucht leidenden Jugendlichen zeichnen sich aus durch Tatendrang und Selbstzweifel. Als Leser wird einem mit jedem Moment, den das Attentat näher rückt, bewusst dass es sich bei den Attentätern nicht um skrupellose Radikale gehandelt hat, sondern um viel zu junge Revolutionäre, die sich ihres Handelns und dessen Folgen nicht vollkommen bewusst waren. Sie erhofften sich in ihrem todkranken Zustand einen schnellen, dem Vaterland dienlichen Tod.
Franz Ferdinand zeichnet sich durch Naivität, Narzissmus und Selbstüberschätzung aus. Bis zum Schluss hält er sich für Sicher, ist jedoch wankelmütig. Im Laufe der Zeit bekommt er neben seiner cholerischen Art, doch auch etwas durchaus Verletzliches. Die Liebe zu seiner Frau Sophie, die er gegen jeden Widerstand auslebt, zeigt dass er durchaus ein Herz hat und seine Gefühle eine zentrale Rolle spielen. Zeitweise überrascht er durch Zweifel, die aber nur kurz aufflammen und nicht ausreichen sich oder seine Frau vor dem unausweichlichen Ereignis zu retten.
Sophie bringt dem Leser die Rolle der Frau näher und schafft es neben der Darstellung der angepassten Ehefrau 1914 auch Ausnahmen anzuführen, die in der Geschichte auch als Frau eine bedeutende und bewegende Rolle gespielt haben.
Zuletzt sei hier ein gewisser Polizeiinspektor Markovic erwähnt, den es im wahren Leben nie gegeben hat. Er ermittelt als fiktive Person gegen die möglichen Attentäter. Er übernimmt die Rolle der Person, die andere warnt. Er weiß von den Anschlagsplänen, kennt sogar die Namen von mehreren Männern und ist den Jungen immer knapp auf den Fersen. Mit dieser fiktiven Person zeigt Ulf Schiewe, wie irrational mit dem Besuch des Thronfolgers in Sarajevo umgegangen wurde. Es hätte durchaus mit einer solchen Tat gerechnet werden können. Viele Fehlentscheidungen und ein unnötig großes Selbstvertrauen der Österreicher in Sarajevo haben das Attentat erst möglich gemacht und trotz Warnschuss (bzw. „Warnexplosion“), das Ende genommen, das aus den Geschichtsbüchern bekannt ist.

Ulf Schiewe gelingt es mit dem Perspektivenwechsel, die Sommertage in Sarajevo glaubwürdig darzustellen und den Leser mitfiebern zu lassen. Interessanterweise fiebert der Leser mit jeder Protagonistengruppe mit. Es gelingt ihm, die Personen so darzustellen, dass alle mit ihrer Haltung und ihrem Charakter überzeugen. Man wird als Leser hineingezogen in die Ereignisse und versteht die verschiedenen Seiten. Auch wenn das unausweichliche Ende durch die Geschichte vorgegeben ist, hofft man bis zum Ende, dass die Pläne scheitern (weil man weiß, welche verheerenden Folgen das Attentat hatte). Schaut man sich nach der Lektüre des Buches Bilder der Ereignisse im Internet oder in Geschichtsbüchern an, dann bekommen die Gesichter Charakter und etwas Vertrautes. Man kann hier durchaus von erlebter Geschichte sprechen.
Der Autor schafft es mit seinem Perspektivenwechsel immer mehr Spannung aufzubauen. Auch Verfolgungsjagden nach den Attentätern, die nur knapp erfolglos enden erzeugen einen Spannungsaufbau, so dass es dem Leser schwerfällt, das Buch aus der Hand zu legen. Durch die Nähe, die man zu den einzelnen Charakteren aufbaut, fiebert man mit und möchte immer mehr erfahren. Schiewe gelingt es, ein authentisches Bild vom Sommer 1914 in Sarajevo zu zeichnen und Geschichte als spannenden Thriller wiederzugeben.

Der „Attentäter“ ist ein lesenswertes Buch, in dem es dem Autor gelingt, den Leser Geschichte hautnah miterleben zu lassen und auf jeder Seite kurzweilig, spannend und authentisch zu unterhalten.

  • Spannung
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  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Thema