Ein Buch voller Menschlichkeit
Der Roman spielt in einem süddeutschen Dorf der frühen 1970er-Jahre und erzählt von Menschen, die zwischen Pflichtbewusstsein, gesellschaftlichen Erwartungen und der Sehnsucht nach einem selbstbestimmten ...
Der Roman spielt in einem süddeutschen Dorf der frühen 1970er-Jahre und erzählt von Menschen, die zwischen Pflichtbewusstsein, gesellschaftlichen Erwartungen und der Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben ihren eigenen Weg suchen.
Bislang habe ich alle Romane von Ewald Ahrens gelesen, und mit jeder Neuerscheinung habe ich den Eindruck, dass es ihm gelingt, sein ohnehin hohes literarisches Niveau noch einmal zu steigern. Auch „Zwei Leben“ hat mich tief beeindruckt. Mit großer Einfühlsamkeit und Menschenkenntnis beschreibt Ahrens Figuren, die authentisch und lebendig wirken. Nichts an ihnen erscheint konstruiert; vielmehr begegnet man ihnen wie echten Menschen, deren Hoffnungen, Ängste und Entscheidungen einen unmittelbar berühren. Man begleitet sie nicht nur durch die Handlung, sondern fühlt und leidet mit ihnen.
Besonders beeindruckt hat mich die atmosphärische Dichte des Romans. Die ländliche Welt der 1970er-Jahre wird so anschaulich und detailreich geschildert, dass man meint, selbst über die Felder zu gehen, den Duft frisch gemähter Wiesen wahrzunehmen oder am Küchentisch Platz zu nehmen.
Die Sprache des Autors ist klar, unaufdringlich und zugleich von poetischer Kraft. Ohne große dramatische Effekte entfaltet die Geschichte eine tiefe emotionale Wirkung.
Wer die bisherigen Werke von Ewald Ahrens schätzt, wird auch diesen Roman mit großer Begeisterung lesen.