Roman | »Eine Art Oper der modernen Zeit, in der die Liebe überall ist.« La Grande Librairie
Maja Ueberle-Pfaff (Übersetzer), Alexandra Baisch (Übersetzer)
»Eine Art Oper der modernen Zeit, in der die Liebe überall ist.« La Grande Librairie
Ein Jahr nachdem er den Élysée-Palast verlassen hat, ist der ehemalige Präsident Dan Lehman ein Schatten seiner selbst. Seine Ehe mit einer Schauspielerin ist nur noch Fassade. Er trinkt, wird in Gerichtsverfahren verwickelt und versucht mit einem Buch in die Medien zurückzukehren, während seine Frau die Rolle ihres Lebens spielt. Ihr Film ist ein Erfolg, wird für die Goldene Palme in Cannes nominiert. Und dort, in diesem Tempel des Kinos, in dem alles Illusion ist, vermischen sich Realität und Fiktion auf verheerende Weise.
Ein mitreißender Roman über die zerstörerischen Auswirkungen der Medienwelt auf Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen – aber vor allem über die Liebe.
Karine Tuil entfaltet in ihrem Roman ein dichtes Geflecht aus Machtstreben, Erfolg, öffentlicher Wahrnehmung und zwischenmenschlichen Beziehungen. Im Zentrum steht der ehemalige französische ...
Karine Tuil entfaltet in ihrem Roman ein dichtes Geflecht aus Machtstreben, Erfolg, öffentlicher Wahrnehmung und zwischenmenschlichen Beziehungen. Im Zentrum steht der ehemalige französische Präsident Dan Lehmann, um den sich eine Vielzahl von Figuren aus Film, Politik und Literatur gruppiert. Diese sind alle auf ihre Weise mit eigenen Konflikten und Sehnsüchten konfrontiert.
Die Autorin stellt ihre Figuren als vielschichtige und komplizierte Menschen dar. Auch die Personen, die wie echte Kotzbrocken wirken, sind in ihren Kämpfen mit sich selbst und der Welt so gefangen, dass man mit ihnen mitfühlen kann. Dieser Eindruck gelingt vor allem auch durch die wechselnden Erzählperspektiven.
Der Einstieg in das Buch gelingt mühelos und zieht einen dann in seinen Bann. Gleichzeitig regt der Roman dazu an, über Beziehungsdynamiken, Lebensentscheidungen und den Einfluss medialer Öffentlichkeit nachzudenken.
„Die Liebeshungrigen“…ein Titel der weniger mit Romantik und wahrere zwischenmenschlicher Liebe zu tun hat, eher mit dem kolossalen Verdrängen der Realität und dem unausweichlichen Fall durch Gier.
Macht ...
„Die Liebeshungrigen“…ein Titel der weniger mit Romantik und wahrere zwischenmenschlicher Liebe zu tun hat, eher mit dem kolossalen Verdrängen der Realität und dem unausweichlichen Fall durch Gier.
Macht beginnt immer mit den Samen Mangel und Gier. Vom wollen und erreichen auf jeden Fall - koste es was es wolle.
Kein Preis scheint zu hoch um „gesehen“ zu werden. Jemand zu sein, der etwas zu sagen hat. Zweifelhafter Ruhm ohne Ehre verliert sich im Alkohol, dem wahren Herrscher, der alles ans Licht bringt.
Karin Tuil hat es geschafft mit unaufdringlichen Worten eine Geschichte unserer Zeit zu konzipieren, die aufzeigt das die Wahrheit nur bedingt, als eine solche betrachtet wird. Sie wird verbogen, kaschiert und verändert, damit das Geschehene zur „Wahrheit“ werden kann. Wo es dient, wird gnadenlos mit brachialem Ansatz ausgenutzt. Doch alles hat seinen Preis. In unserer digitalen Welt verschwindet NICHTS mehr. Alles wird aufgezeichnet und archiviert in Sekunden. Es gibt kein Entkommen der eigenen Lügen.
Was für ein grandioser Roman.
Großartig übersetzt von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch
Die Protagonist:innen von Karine Tuils neuem Roman sind nicht nur hungrig nach Liebe, also vor allem „geliebt zu werden“, sondern auch nach Sex, die Macht, die damit einhergeht, Anerkennung, Erfolg, öffentliche ...
Die Protagonist:innen von Karine Tuils neuem Roman sind nicht nur hungrig nach Liebe, also vor allem „geliebt zu werden“, sondern auch nach Sex, die Macht, die damit einhergeht, Anerkennung, Erfolg, öffentliche Aufmerksamkeit. Dafür versammelt sie nicht nur die zwei Ehepartner, einen Anfang 60jährigen Ex-Präsidenten von Frankreich und seine Frau eine Schauspielerin Anfang 40, sondern auch die Ex-Frau des Präsidenten, welche als Schriftstellerin tätig ist, sowie einige Nebenfiguren wie einen tyrannischen Regisseur Mitte 40, eine naiv-kämpferische Tochter in ihren Zwanzigern und eine Anfang 30jährige C-Schauspielerin. Alle streben nach etwas in dieser Geschichte und man könnte meinen die Überschrift für diese erstrebenswerten Dinge sei „Liebe“, in ihren verschiedensten Ausprägungen.
Nicht ohne Grund werden oben zu den Figuren der Altersbereich genannt, denn Alter spielt in „Die Liebeshungrigen“ eine wichtige Rolle, weil in einigen Altersbereich es einfacher scheint, geliebt zu werden, für was auch immer. Eine hübsche, junge Frau wirkt einfach (im Sinne von problemlos) begehrenswert, auch ein älterer Mann, solange er Macht inne hat. Wird die Frau älter und weniger straff, wird sie in unserer heutigen Gesellschaft weniger begehrt werden. Verliert der ältere Mann seine Macht, ergeht es ihm ebenso. So taumeln die Figuren in Tuils Roman nicht nur umeinander, sondern auch alle auf ihre Weise um das Ziel der Liebe, wie diese auch für die jeweilige Person aussehen mag.
Tuil schafft es durch eine multiperspektivische Erzählstruktur, dass innerhalb einer Gruppe von Menschen, die alle irgendwie miteinander zusammenhängen und entweder teilweise oder ganz in höheren Gesellschaftsschichten agieren, die Bedürfnisse und Zwänge - innere wie äußere - sehr glaubhaft darzustellen. Keine Figur bleibt dabei schablonenhaft. Selbst der tyrannische Regisseur, für den man direkt ein Bild im Kopf hat, ist tiefgründiger angelegt, als erwartet.
Hier hungert jede und jeder nach irgendetwas und wie sich dies von innen begründet sowie von außen sichtbar wird, schlüsselt Tuil mal intensiver mal als Schlaglicht auf. Dabei ist ein Hauptthema der Alkoholismus des Ex-Präsidenten neben sexistischer und sexualisierter Gewalt sowohl in der Welt des Films als auch im Privaten. Jede Figur erfährt auf ähnliche Arten Ablehnung und reagiert auf ihre ganz eigene Art darauf. So heißt es im Roman: „Der Schauspielberuf hat mit dem politischen Amt gemein, dass man mit Ablehnung zurechtkommen muss. [...] Die Sehnsüchte der anderen zu verkörpern, zu verführen, die ganze Zeit, ohne sich des Ergebnisses sicher zu sein - Gefallenwollen ist eine Kunst für sich.“
Wir blicken in „Die Liebeshungrigen“ hinter die Kulissen der Macht in verschiedenen Bereichen. Das ist hoch interessant und äußerst lesenswert. Auch habe ich sehr viel erfahren über gewisse Mechanismen und Vorgänge in den Bereichen Politik und Filmbranche. Ich habe das Buch eingesogen und hatte währenddessen und danach viel Diskussionsbedarf. Genau das kann und sollte ein sehr guter Roman erreichen.
Karine Tuils von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch aus dem Französischen übersetzter 400-seitiger Roman "Die Liebeshungrigen" ist mit einem auf mich zunächst ein wenig befremdlich wirkenden Coverbild ...
Karine Tuils von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch aus dem Französischen übersetzter 400-seitiger Roman "Die Liebeshungrigen" ist mit einem auf mich zunächst ein wenig befremdlich wirkenden Coverbild ausgestattet, das sich jedoch bei fortschreitender Lektüre als überaus passend erwies.
Die spannende vielschichtige Handlung wird in einem kühl und klar wirkenden Schreibstil präsentiert und geht stellenweise ganz schön unter die Haut.
Der ehemalige französische Staatspräsident Dan Lehman ist ein Jahr nach seinem Auszug aus dem Pariser Élysée-Palast depressiv und alkoholabhängig. Seine Frau dagegen feiert Erfolge als Schauspielerin in Cannes.
Ich hatte das Paar Sarkozy-Bruni vor Augen.
Die meisten Figuren sind recht kompliziert und in verschiedenste Probleme verstrickt. Selbst, wenn mir nicht alle sympathisch waren, weckten manche mein Mitgefühl, denn hinter ihren Schutzfassaden steckten oft Angst, Einsamkeit oder auch Verzweiflung.
Sei es, weil sie erkennen, dass sie ohne Macht und Einfluss weniger Wertschätzung erfahren oder seien es die Auswirkungen der Medien, welche einen Menschen zum Star aufbauen, aber auch eben so schnell wieder verdammen können.
Auf jeden Fall beeindruckte mich das Buch, denn es lieferte mir Stoff zum Nachdenken, weshalb ich es auch gern weiterempfehle.
(Ab dem 15. 05. 2026 unter der ISBN 978-3-423-28522-3 bei dtv.)
In ihrem neuen Roman "Die Liebeshungrigen", im französischsprachigen Original treffender "La guerre par d'autres moyens" ("Der Krieg mit anderen Mitteln") genannt, lässt uns die französische Autorin Karine ...
In ihrem neuen Roman "Die Liebeshungrigen", im französischsprachigen Original treffender "La guerre par d'autres moyens" ("Der Krieg mit anderen Mitteln") genannt, lässt uns die französische Autorin Karine Tuil hinter die Kulissen der Reichen, Schönen und Mächtigen schauen.
Und was man hier zu sehen bekommt, ist kein schönes Bild: hinter dem schönen Glanz verbirgt sich sehr viel Verkommenheit, Intrigen, Manipulation, Verrat und Misogynie. Im clever konstruierten Roman erleben wir abwechselnd viele Perspektiven der Menschen rund um den ehemaligen (fiktiven) französischen Staatspräsidenten Dan Lehman mit.
Dan Lehman selbst hat Schwierigkeiten mit dem Machtverlust und ein immer größer werdendes Alkoholproblem. Von seiner loyalen langjährigen Ehefrau Marianne, mit der er drei erwachsene Kinder hat, hatte er sich im Vorfeld der Wahl für eine weit jüngere Schauspielerin getrennt, mit der er ein weiteres kleines Kind bekommen hat. Doch nun ist auch diese Beziehung nicht mehr gut.
Marianne wiederum ist Autorin und ihr erfolgreiches Buch zum Thema Gewalt gegen Frauen soll verfilmt werden, doch besetzt wird die Rolle ausgerechnet mit der neuen Partnerin ihres Ex-Mannes. Dann gibt es noch den Regisseur Nizan, der nach außen auf Feminist tut, aber eigentlich im Verborgenen zutiefst misogynes Verhalten an den Tag legt und mehrere junge naive Frauen, die sich ebenfalls für modern und feministisch halten, aber auf den erfolgreichen Mann hereinfallen.
Mit Ausnahme der Person Marianne, die durchaus einiges an Souveränität und gereifter Persönlichkeit zeigt, handelt es sich bei allen porträtierten Charakteren um solche mit massiven Charakterschwächen, was insgesamt ein hässliches Bild der Welt der Superreichen, Einflussreichen und Mächtigen zeichnet. Auch wenn man hoffen könnte, dass dieses Bild übertrieben wäre, und sich integre Menschen an der Spitze des Staates wünschen würde, wissen wir doch mittlerweile von vielen Berichten und Recherchen, dass dem leider nicht unbedingt so ist und es gerade da, wo nach außen Glanz, Ruhm, Ehre und Macht groß erscheinen, es oft auch sehr viel innere Leere gibt.
Insofern handelt es sich um ein durchaus authentisches, wenn auch deprimierendes, Porträt eines ganz bestimmten Teils der gesellschaftlichen Oberschicht in Frankreich, das ich gerne gelesen habe und das sehr nachdenklich stimmt in Bezug darauf, was für Charaktere prägenden Einfluss auf Gesellschaften und Länder haben und ob die Mechanismen, die bestimmen, wer erfolgreich ist, verstärkt Narzissten und Psychopathen nach oben spülen bzw. diese Eigenschaften für manche Machtpositionen fast schon Bedingung zu sein scheinen (viele psychologische Studien zur dunklen Triade zeigen da tatsächlich einen Zusammenhang).
Ich kann das Buch jenen, die keine Angst vor Desillusionierung haben und sich für die Abgründe der Eliten in den Bereichen Politik und Medien interessieren, jedenfalls empfehlen: es liest sich leicht und unterhaltsam und hat gleichzeitig durchaus Tiefgang.