Platzhalter für Profilbild

hardcovergirl

Lesejury-Mitglied
offline

hardcovergirl ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit hardcovergirl über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.04.2026

Vielschichtig

Die Liebeshungrigen
0

Karine Tuil entfaltet in ihrem Roman ein dichtes Geflecht aus Machtstreben, Erfolg, öffentlicher Wahrnehmung und zwischenmenschlichen Beziehungen. Im Zentrum steht der ehemalige französische ...

Karine Tuil entfaltet in ihrem Roman ein dichtes Geflecht aus Machtstreben, Erfolg, öffentlicher Wahrnehmung und zwischenmenschlichen Beziehungen. Im Zentrum steht der ehemalige französische Präsident Dan Lehmann, um den sich eine Vielzahl von Figuren aus Film, Politik und Literatur gruppiert. Diese sind alle auf ihre Weise mit eigenen Konflikten und Sehnsüchten konfrontiert.

Die Autorin stellt ihre Figuren als vielschichtige und komplizierte Menschen dar. Auch die Personen, die wie echte Kotzbrocken wirken, sind in ihren Kämpfen mit sich selbst und der Welt so gefangen, dass man mit ihnen mitfühlen kann. Dieser Eindruck gelingt vor allem auch durch die wechselnden Erzählperspektiven.

Der Einstieg in das Buch gelingt mühelos und zieht einen dann in seinen Bann. Gleichzeitig regt der Roman dazu an, über Beziehungsdynamiken, Lebensentscheidungen und den Einfluss medialer Öffentlichkeit nachzudenken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.04.2026

Was zur Hölle

Verlorene Schäfchen
0

In der komplett absurden und überzeichneten Welt der Familie Flynn in ihrer ebenso absurden und überzeichneten Kleinstadt hat jedes ihrer Mitglieder seine ganz eigenen Probleme. Von einer Affäre ...

In der komplett absurden und überzeichneten Welt der Familie Flynn in ihrer ebenso absurden und überzeichneten Kleinstadt hat jedes ihrer Mitglieder seine ganz eigenen Probleme. Von einer Affäre mit dem Nachbarn über die zwielichtigen Aktivitäten der eigenen Firma bis hin zu Schönheitswettbewerben für innere Schönheit und einer Radikalisierung durch eine Online-Freundschaft laufen diverse Plot-Stränge kreuz und quer. Und immer ist das, was passiert, auch ein Angriff auf das eigene Komikzentrum. Der Schreibstil ist flüssig, die Charaktere sind liebenswert und trotz fünf Schichten Sarkasmus, der über allem liegt, dreidimensional genug um nicht eine Parodie ihrer selbst zu werden. Der Plot zieht sich gegen Ende gut genug zusammen, um ein schlüssiges Ende zu ergeben; gleichzeitig wäre das aber eigentlich gar nicht notwendig gewesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2026

Nachdenkliche Schmetterlinge

Das Jahr der Schmetterlinge
0

Lea Korsgaard will innerhalb eines Jahres alle Schmetterlinge sehen, die es in ihrem Heimatland Dänemark zu sehen gibt. Was als eine Art Tagebuch mit vielen Informationen über Schmetterlingsarten anfängt, ...

Lea Korsgaard will innerhalb eines Jahres alle Schmetterlinge sehen, die es in ihrem Heimatland Dänemark zu sehen gibt. Was als eine Art Tagebuch mit vielen Informationen über Schmetterlingsarten anfängt, wird schnell zu einem Exkurs in die Philosophie, Literatur und Theologie. Gefühlt hatte jeder Naturwissenschaftler und Autor in einer bestimmten Generation eine unfassbare Passion für Schmetterlinge. Ebenso geht es um die symbolische Bedeutung der Tiere. Man fiebert richtig mit der Mission der Autorin mit und lernt dabei viel über die Natur, ihren Alltag und die Passion der anderen Schmetterlingssucher:innen. Das Buch ist zudem noch mit den gefundenen Schmetterlingen illustriert. Ich persönlich fand die Mischung aus Reisetagebuch, diversen Exkursen und immer ausführlicher werdenderen Appellen an unser Umweltbewusstsein sehr fesselnd.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2026

Süßmausig

Pina fällt aus
0

Nachdem mich "Ava liebt noch" von Vera Zischke bereits in seinen Bann gezogen hat, hatte ich große Hoffnungen für die Geschichte rund um Pina und ihren autistischen Sohn Leo.
Pina erzieht ihren ...

Nachdem mich "Ava liebt noch" von Vera Zischke bereits in seinen Bann gezogen hat, hatte ich große Hoffnungen für die Geschichte rund um Pina und ihren autistischen Sohn Leo.
Pina erzieht ihren mittlerweile erwachsenen Sohn alleine, sie gestaltet ihren Alltag in militärischer Präzision. Sie lebt abgeschottet von ihren Nachbarn und funktioniert einfach. Bis sie es nicht mehr tut und einfach umkippt. Sie liegt wochenlang im Krankenhaus und niemand kümmert sich um Leo, bis ihre Nachbarn es einfach tun. Die Autorin schafft es, so vielen Figuren Leben einzuhauchen, die sich alle ein knapp 300 Seiten langes Buch teilen muss. Aber es funktioniert trotzdem. Die Geschichte ist rührend und spielt immer knapp an der Grenze zu übermäßigem Kitsch, ohne diese dabei zu überschreiten. Ich konnte das Buch nicht weglegen und habe am Ende ein paar Tränchen verdrückt :)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2026

Eine lange Reise durch zwei Leben

Die beste aller Beziehungen
1

"Verheirate dich, du wirst es bereuen; verheirate dich nicht, du wirst es auch bereuen. Heirate oder heirate nicht, du wirst beides bereuen."

Mit diesem Zitat von Kierkegaard starten wir in ...

"Verheirate dich, du wirst es bereuen; verheirate dich nicht, du wirst es auch bereuen. Heirate oder heirate nicht, du wirst beides bereuen."

Mit diesem Zitat von Kierkegaard starten wir in die äußerst komplexe Beziehung zwischen Martina und Gustav. Die beiden streiten sich um Freiheit und ums Gebundensein, um den Sinn der Liebe, der Heirat, der Bedeutung von Sexualität, der Monogamie, der Politik und des restlichen Lebens. Die Debatten, die darum entstehen, sind in den Jahrzehnten seit der Ersterscheinung 1976 kein bisschen weniger relevant geworden. Nur gibt es jetzt weniger Anstandsdamen.
Zwischendurch wird der Roman etwas langatmig, was aber sehr gut zur steigenden Frustration und Eskalation zwischen Gustav und Martina passt. Man kann dadurch richtig mitfühlend, wie nervenzehrend die gemeinsame Geschichte eigentlich ist.

Fazit: Das Konzept der Situationship gab es auch schon in den 1970ern und es war auch da schon kacke.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere