Zwischen den Stühlen
Worum geht’s?
Nela lebt bei ihrer Mutter, einer überzeugten Kommunistin, die am Aufbau der Sowjetischen Besatzungszone beteiligt ist. Ihren Vater hat sie seit über zehn Jahren nicht gesehen. Doch dann ...
Worum geht’s?
Nela lebt bei ihrer Mutter, einer überzeugten Kommunistin, die am Aufbau der Sowjetischen Besatzungszone beteiligt ist. Ihren Vater hat sie seit über zehn Jahren nicht gesehen. Doch dann steht er plötzlich wieder vor ihr – inzwischen Mitglied der CIA. Kann Nela ihrem Vater trauen? Und stimmt wirklich alles, was ihre Mutter ihr über ihr Leben im geteilten Berlin erzählt hat?
Meine Meinung:
Der historische Roman „Die geheime Mission“ von Titus Müller hat es wirklich in sich. Er spielt in einer Epoche, über die ich weder in der Schule noch durch andere Bücher bislang viel erfahren habe. Gerade deshalb hat mich die Geschichte umso mehr fasziniert und neugierig gemacht. Der Schreibstil ist lebendig, stellenweise aber auch anspruchsvoll. Vor allem die Kapitel aus Gerhards Sicht verlangen Konzentration, da hier zahlreiche geschichtliche Fakten geschickt in die Handlung eingewoben werden.
Die Kapitel aus Nelas Perspektive lesen sich dagegen leichter. Sie ist eine spannende Figur, die buchstäblich zwischen den Stühlen steht: Ihre Mutter ist überzeugte Kommunistin, ihr Vater arbeitet für die CIA und Nela selbst muss erst herausfinden, wem sie glauben und welchen Weg sie gehen will. Und dass bei Richtig und Falsch die Grenzen manchmal gar nicht so eindeutig verlaufen.
Der Krieg ist erst wenige Jahre vorbei, Deutschland befindet sich im Umbruch und Berlin ist in verschiedene Besatzungszonen geteilt. Im Verborgenen entstehen Geheimorganisationen, Spionagenetze werden aufgebaut, Agenten eingeschleust und Menschen manipuliert. Wem kann man vertrauen? Wer spielt ein doppeltes Spiel? Ebenso eindrucksvoll schildert Titus Müller den Aufbau der Berliner Luftbrücke, mit der die Bevölkerung trotz der Blockade mit Lebensmitteln, Kohle und Medikamenten versorgt wird, und zeigt, wie beide Seiten versuchen, die Menschen für ihre Ideologie zu gewinnen.
Für mich war vieles davon völliges Neuland, gleichzeitig aber unglaublich fesselnd. Zwischen den politischen Entwicklungen stehen Nela, ihre Mutter mit ihrer Parteiarbeit und ihr Vater mit seinen Einsätzen für die CIA. Doppelagenten müssen außer Landes gebracht werden, Nelas Kollege verschwindet plötzlich spurlos und ständig schwebt die Frage im Raum, wem man überhaupt noch glauben kann. Titus Müller lässt diese Zeit authentisch und spannend wieder lebendig werden. Er verbindet historische Fakten mit einer packenden Handlung und hat in mir den Wunsch geweckt, noch viel mehr über diese Epoche zu erfahren. Ein Roman, der Aufmerksamkeit fordert, diese aber mit einer dichten Atmosphäre und jeder Menge Spannung belohnt. Und ganz ehrlich: Diese Geschichte schreit doch förmlich nach einem zweiten Band!
Fazit:
„Die geheime Mission“ ist ein historischer Roman, der Wissen und Spannung gekonnt miteinander verbindet. Anspruchsvoll, authentisch und unglaublich atmosphärisch erzählt Titus Müller von einer Zeit, in der Misstrauen zum Alltag gehörte und jede Entscheidung weitreichende Folgen haben konnte. Wer Geschichte nicht nur lesen, sondern erleben möchte, sollte dieses Buch unbedingt entdecken.
5 Sterne von mir.