Ein Lord, ein Lorbeer, ein Killer
Der Killer im LorbeerWorum geht’s?
Der Lorbeer stirbt. Er ist befallen. Arthur Escroyne setzt alles daran, den Killer seines Lorbeers zur Strecke zu bringen – während seine Verlobte auf tatsächlich relevanter Killerjagd ist. ...
Worum geht’s?
Der Lorbeer stirbt. Er ist befallen. Arthur Escroyne setzt alles daran, den Killer seines Lorbeers zur Strecke zu bringen – während seine Verlobte auf tatsächlich relevanter Killerjagd ist. Denn im Ort wurden zwei Frauen brutal ermordet. Prioritäten sind schließlich eine Frage der Perspektive.
Meine Meinung:
Mit „Der Killer im Lorbeer“ erleben wir den ersten Fall der Arthur-Escroyne-Reihe – von und mit Arthur Escroyne, 36. Earl von Sutherly. Und ich fand es schlichtweg grandios. Man muss britischen Humor mögen, dieses trockene, leicht absurde Understatement – aber wenn man darauf anspringt, fühlt sich dieses Buch an wie ein perfekt aufgebrühter Afternoon Tea.
Arthur erzählt immer wieder aus der Ich-Perspektive und kommentiert mit einer Mischung aus aristokratischer Selbstverständlichkeit und subtiler Selbstüberschätzung. Er lebt in einem charmant heruntergewirtschafteten Schloss, gemeinsam mit Rosie – Detective Inspector und seine Verlobte. Während sie hochkonzentriert einen Serienmörder jagt, beschäftigt sich Arthur mit seinem ganz persönlichen Endgegner: einem offensichtlich hochorganisierten Angriff auf seinen Lorbeer.
Sein Beruf als Designer von Kekspackungen wirkt dabei fast schon beruhigend bodenständig – zumindest im Vergleich zu seinem zunehmend eskalierenden Gärtnerkrieg. Denn Arthur reagiert auf den Befall nicht etwa gelassen, sondern mit einer beeindruckenden Entschlossenheit zur vollständigen Auslöschung. Gift, Säure, alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird in Betracht gezogen. Man könnte sagen: Er zeigt ein gewisses Talent für Überreaktion.
Und genau daraus entsteht dieser herrlich britische Witz. Während im Dorf ein echter Killer mit ähnlicher Methodik unterwegs ist, führt Arthur seinen eigenen, nicht minder engagierten Feldzug gegen das Ungeziefer. Die Parallelen sind so trocken eingestreut, dass man sie fast überliest – bis man plötzlich merkt, wie absurd brillant das Ganze eigentlich ist. Dazu kommt das volle Programm: ein Dorf, das mehr Geheimnisse hat als es Einwohner geben sollte, Klatsch und Tratsch, wunderbar exzentrische Figuren und genug Verwicklungen, um selbst abgebrühte Leser bei Laune zu halten. Trotz aller Leichtigkeit bleibt der Kriminalfall präsent und sorgt dafür, dass man das Buch nicht nur schmunzelnd, sondern auch gespannt liest.
Fazit:
„Der Killer im Lorbeer“ von Arthur Escroyne ist ein Cosy Crime, der britischen Humor in seiner besten Form liefert: trocken, subtil und herrlich bissig. Die Gegenüberstellung von Arthurs überdramatischem Gartenkrieg und Rosies ernsthafter Ermittlungsarbeit sorgt für konstanten Unterhaltungswert. Gleichzeitig überzeugt der Roman mit einer charmanten Dorfatmosphäre und liebevoll gezeichneten Figuren. Die Mischung aus Witz und Spannung ist ausgewogen und funktioniert überraschend gut. Ein Auftakt, der nicht nur unterhält, sondern auch ziemlich stilvoll die Grenzen des Genres austestet.
5 hochherrschaftliche Sterne von mir!