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Veröffentlicht am 30.11.2020

Die unglaubliche, spannende und berührende Geschichte einer fast vergessenen Ikone

Madame Clicquot und das Glück der Champagne
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Worum geht’s?

Nach dem Tod ihres Mannes übernimmt Barbe Clicquot gegen den Widerstand ihrer Familie den Weinhandel. Sie experimentiert mit verschiedenen Herstellungsformen, bis ihr der perfekte Champagner ...

Worum geht’s?

Nach dem Tod ihres Mannes übernimmt Barbe Clicquot gegen den Widerstand ihrer Familie den Weinhandel. Sie experimentiert mit verschiedenen Herstellungsformen, bis ihr der perfekte Champagner gelingt - doch bevor sie damit auf den Markt kann, fällt Reims in die Hände von Belagerern. Und als wäre das noch nicht genug, ist sie hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch nach Selbstständigkeit und der Liebe zu gleich zwei Männern.



Meine Meinung:

„Madame Clicquot“ von Susanne Popp ist eine perfekte Mischung aus Fiktion und Realität. In ihrem Buch erzählt uns die Autorin aus dem Leben von Barbe, der Veuve Clicquot. Dabei schafft sie es meisterhaft, die geschichtlichen Begebenheiten in ihre Erzählung mit einfließen zu lassen, ohne dass es auch nur eine Sekunde trocken oder langweilig ist. Im Gegenteil: Susanne Popp bringt ihre LeserInnen direkt in das Frankreich zu Beginn der 1800er Jahre. Dabei beschreibt sie nicht nur das Leben von Barbe, sondern lässt auch gezielt kleine Details in die Beschreibung von Landschaft, Häuser und Menschen einfließen, dass man das Land vor sich sieht, den Geruch fast wahrnimmt, das Interieur in den Häusern bildhaft vor sich hat und den Champagner fast schon auf der Zunge prickeln spürt!



Man begleitet Barbe auf Ihrer Lebensreise. Und ich muss sagen: Ich kannte zwar Veuve Clicquot, aber über die Geschichte dahinter habe ich nichts gewusst. Barbe ist eine so starke Frau, absolut bewundernswert, wie sie sich auch gegen die Zwänge, denen Frauen in diesem Jahrhundert unterlagen, behaupten konnte und das Unternehmen zu dem gemacht hat, was es heute noch ist: Einem der bekanntesten und berühmtesten Champagner-Produzenten überhaupt!



Für mich zählt sie zu einen der großen Ikonen der Zeit! Neben z.B. Coco Chanel und Audrey Hepburn ist Barbe Clicquot eine weitere starke Frau, die trotz schwerer Zeiten und schwerer Schicksalsschläge das Leben stolz und aufrecht gemeistert hat.



Auch ihre Entscheidung für das Unternehmen und für ihre Freiheit hat sie letztendlich zu der starken Frau gemacht, die sie ist. Hätte sie sich den gesellschaftlichen Zwängen und ihren Gefühlen ergeben, wer weiß, was aus dem Unternehmen geworden wäre.



Diese Geschichte gemischt mit den historischen Begebenheiten um Napoleon Bonaparte haben das Buch zu einem einzigartigen historischen Roman gemacht, der mich von Anfang bis zum Ende gefesselt hat! Die Ausführungen zu dem Herstellungsverfahren von Champagner und die Entwicklungen hierzu waren absolut beeindruckend! Auch die Geschichte von Barbe hat mich mehr als begeistert und ich kann nicht verstehen, dass ich zuvor noch nie von Ihrem Leben gehört habe – ohne dieses Buch hätte ich wirklich eine außergewöhnliche Frau „verpasst“.



Fazit:

„Madame Clicquot“ von Susanne Popp ist ein historischer Roman, der gekonnt die bekannten historischen Fakten aus der Zeit Bonapartes und aus dem Leben von Barbe Clicquot in eine Geschichte einbinden, die einem zu Herzen geht. Eine Geschichte über eine bemerkenswerte Frau, meisterhaft erzählt in einem Sprachstil, der den Leser nicht nur Leser sein lässt, sondern ihn mitnimmt auf die Reise ins Leben dieser außergewöhnlich mutigen Frau, die hinter der Champagnermarke Veuve Clicquot steht.



Für mich ist Barbe definitiv eine Ikone (nicht nur) der damaligen Zeit und ich freue mich, als Leserin dieses Buches an ihrem Leben ein Stückweit habe teilnehmen dürfen. Ein wirklich großartiges Buch, das mich von Anfang bis Ende gefesselt hat und eine definitive Leseempfehlung von mir!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.11.2020

Der wohl grausamste Kepler, der bislang erschien!

Der Spiegelmann
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Worum geht’s?
Mehrere Mädchen verschwinden und werden – teils Jahre später – ermordet und zerstückelt aufgefunden. Ein anderes Mädchen wird an einem Klettergerüst erhängt gefunden. Ist es eine Hinrichtung? ...

Worum geht’s?
Mehrere Mädchen verschwinden und werden – teils Jahre später – ermordet und zerstückelt aufgefunden. Ein anderes Mädchen wird an einem Klettergerüst erhängt gefunden. Ist es eine Hinrichtung? Eine Machtdemonstration? Wer steckt dahinter? Wie viele Mädchen wurden insgesamt verschleppt und wie viele sind noch am Leben? Ein neuer Fall für Joona Linna, der gemeinsam mit Erik Maria Bark den Wettlauf mit der Zeit aufnimmt.

Meine Meinung:
„Der Spiegelmann“ des Autorenduos Lars Kepler ist der neueste Thriller aus der Reihe um Joona Linna. Wir haben lange warten müssen, bis nach dem offenen Ende aus „Hasenjagd“ die Fortsetzung kam – und leider bekamen wir nicht auf alle Fragen eine Antwort. Dennoch hat sich das Autorenduo auch diesmal wieder selbst übertroffen. Das neue Buch ist bildhafter, grausamer, detailreicher und rasanter, als alle Teile davor! Man wird von der ersten bis zur letzten Seite von dem Tempo der Geschichte mitgerissen – und das Ende: Das hätte ich nicht erwartet! Dennoch ist dieser Kepler auch anders als die Teile davor. Es wird viel aus der Sicht der Opfer bzw. ihrer Angehörigen erzählt, was sonst eher weniger der Fall war, mir aber sehr gut gefallen hat.

Auch die Geschichte selbst hat mich direkt in ihren Bann gezogen. Joona Linn war wieder einmal der perfekte Ermittler und Retter am Ende, wie wir das von ihm gewohnt sind. Und auch Erik Maria Bark und die Auszüge, in welchen er Martin in Hypnose versetzt, haben mir wieder sehr gut gefallen. Man spürt beim Lesen die Ruhe, die sich von Erik auf den Hypnotisierten überträgt.

Die anderen Protagonisten haben mir ebenfalls gut gefallen. Der psychisch kranke Martin und die Art, wie er denkt und agiert – einfach perfekt beschrieben! Und auch die Beschreibung der Orte, das „Vogelhaus“ von Ulrike, die Szenen im „Adlernest“, die Ereignisse auf der Nerzfarm – selten wurde etwas so bildhaft und grauenhaft beschrieben, wie in diesem Buch. Da haben die Autoren sich selbst nochmal übertroffen – mir hat das ganz gut gefallen, aber die detaillierten Darstellungen und Beschreibungen sind auf keinen Fall etwas für schwache Nerven. Selbst hartgesottene Thrillerleser erleben hier nochmal ein ganz anderes Level des Grauens!

Das Ende war wie gesagt überraschend – ich hätte das so nie erwartet!!! Und beim Showdown ging es auch nochmal richtig heiß her und man hat mitgefiebert und mitgezittert. Für mich ein mehr als gelungenes Ende! Und im Epilog kündigt sich anhand eines Anagramms schon der nächste Teil an…

Fazit:
„Der Spiegelmann“ ist der neue Teil der Reihe um Joona Linna aus der Feder des Autorenduos hinter Lars Kepler. Und dieser Teil setzt die Messlatte im Vergleich zu den bislang erschienenen Büchern aus dieser Reihe nochmal ein ganzes Stück höher, was Grausamkeit, Details, bildhafte Darstellungen, rasantes Tempo und Spannung bis zum Ende angeht! Ungewohnt aber sehr gelungen ist die Darstellung oftmals aus der Sicht der Opfer/Bekannten der Opfer, die einen großen Teil einnimmt und mir sehr gut gefallen hat.

Ich wurde von Anfang an mitgerissen bis hin zum absolut überraschenden Ende mit einem nochmals fulminanten Showdown! Das Buch ist wirklich Spannung pur, aber Achtung: Nichts für schwache Nerven! Die bildhafte Beschreibung der Grausamkeiten und der Schauplätze haben es ganz schön in sich und sind härter als alles, was man bislang von den Autoren gewohnt ist.

Für mich ein absolut gelungenes Buch mit einem Epilog, der mich schon dem nächsten Teil aus der Reihe entgegenfiebern lässt. Von mir eine definitive Leseempfehlung nicht nur für Fans von Joona Linna sondern für alle, die Psychothriller lieben!

  • Cover
  • Spannung
  • Charaktere
  • Handlung
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 28.11.2020

Ein rasanter Thriller in dem nichts ist, wie es scheint!

Wachzustand
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„Sich fragen, ob die Welt wirklich ist, heißt selber nicht verstehen, was man sagt“ (Merleau-Ponty, S. 112)

Worum geht’s?
Felix wacht in einem Wald auf und kann sich nicht mehr an sein Leben erinnern. ...

„Sich fragen, ob die Welt wirklich ist, heißt selber nicht verstehen, was man sagt“ (Merleau-Ponty, S. 112)

Worum geht’s?
Felix wacht in einem Wald auf und kann sich nicht mehr an sein Leben erinnern. Der Zufall führt ihn nach Hamburg, wo er bei der Psychologin Katharina Hilfe sucht. Was hat seine Vergangenheit mit einem neuartigen Hypnoseverfahren zu tun? Und wie hängt der Mord an mehreren Wirtschaftspsychologinnen damit zusammen? Wird das Ergebnis seiner Suche in einem Alptraum enden?

Meine Meinung:
„Wachzustand“ ist das Debut von Stephan Reschke. Das Buch ist nicht nur ein Thriller, sondern gleichzeitig ein Krimi und Gesellschaftsroman, der nicht nur mir unvorhersehbarer Spannung aufwartet, sondern auch noch interessante Ausflüge in die Psychiatrie des Ist und des Seins und gesellschaftskritische Diskussionen zum Thema Hypnose und Wirtschaftscoaching mit sich bringt. Diese Abschnitte sind nicht immer leicht zu lesen, sondern haben durchaus einen intellektuell hohen Anspruch an die LeserInnen, sind aber sehr interessant und bringen dadurch den Verlauf der Geschichte in eine ganz andere Richtung, als man das von „üblichen“ Thrillern gewohnt ist. Der Spannungsbogen im Erzählverlauf hat immer neue, immer höhere Peaks.

Stephan Reschke schafft es gekonnt, seine LeserInnen immer wieder auf falsche Fährten zu führen. Bis zum Ende ist man sich nicht sicher: Was ist Wahrheit? Was nicht? Ist alles nur eine Scheinwelt? Wie viele Realitäten kann es geben? Manchmal mutet das Ganze fast ein bisschen surreal an, wird aber durch medizinische und psychologische Erklärungen immer wieder real und dadurch umso erschreckender! Und selbst am Ende ist man sich nicht sicher: Ist das jetzt die Realität?

Der Protagonist Felix, einer der Hauptprotagonisten, gefällt mir hierbei sehr gut. Das Erleben aus seiner Sicht ist ein ganz neuer Ansatz, der dazu führt, die LeserInnen immer wieder an sich selbst zweifeln zu lassen, ob es denn alles so ist, wie es scheint. Und selbst ganz am Ende kann man die Wahrheit noch nicht so recht glauben. Über ihn hätte ich mir am Ende gerne noch mehr Informationen gewünscht, das kam mir fast ein bisschen zu kurz. Hier sind für mich noch so viele Fragen offen, deren Beantwortung mich doch sehr interessiert hätte!

Auch das Ermittlerteam, allen voran Popescu, ist sympathisch. Popescu, die etwas andere Hauptkommissarin in Latzhose und Strickjacke, die trotz traumatischer Erlebnisse in der Vergangenheit ihr Leben souverän meistert und für die am Ende die Kollegen nicht nur Freunde sondern fast Familie werden. Ich hoffe, wir werden von ihr noch mehr lesen dürfen!

Nur der Monolog am Ende von Markwort empfand ich ein bisschen langatmig – wobei das vielleicht auch Absicht ist, da selbst Popescu das so empfindet. Ansonsten hat mich das Buch mehr als gut unterhalten und bis zum Ende habe ich verzweifelt versucht herauszufinden, welche Erlebnisse real sind und welche nicht.

Fazit:
Das Thriller-Debut „Wachzustand“ von Stephan Reschke ist ein rasanter Thriller, der mich bis zum Ende gefesselt und an der eigenen Wahrnehmung zweifeln lassen hat! Eine perfekte Mischung aus Spannung und Literatur. Besonders gut hat mir die Einbringung der psychiatrischen Aspekte, der Hypnose und bestimmter Krankheitsbilder (ich will nicht spoilern…) gefallen, mit denen Reschke einen fulminanten Thriller geschaffen hat, wie ich ihn zuvor noch nicht gelesen habe. Bis auf kleine Längen war der Spannungsbogen hoch und ich war als Leser immer am Rätseln und immer wieder auf einer falschen Fährte. Und selbst auf der letzten Seite, wenn man die Lösung kennt, drängt sich einem noch die Frage auf: Ist das wirklich die Lösung oder ist die Realität eine ganz andere und nicht das Sein, das sie zu sein scheint?

Ich hoffe sehr, künftig mehr von dem Autor lesen zu dürfen. Daher von mir eine ganz klare Leseempfehlung für alle Thriller-Fans, denen es auch gerne mal etwas „literarischer“ sein darf!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.11.2020

Ein grauenvolles Zukunftsszenario mit einer Scheindemokratie und Sterbeseminaren

Sterbewohl
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Worum geht’s?
Deutschland ist nur noch eine Scheindemokratie, die Kassen sind leer und so wird versucht, den Menschen, die im Rentenalter sind, das Sterben schmackhaft zu machen. Auch Nadja und ihre Freunde ...

Worum geht’s?
Deutschland ist nur noch eine Scheindemokratie, die Kassen sind leer und so wird versucht, den Menschen, die im Rentenalter sind, das Sterben schmackhaft zu machen. Auch Nadja und ihre Freunde sollen an einem sogenannten „Sterbeseminar“ teilnehmen, obwohl sie noch lange nicht mit dem Leben abgeschlossen haben. Ob sie aus dem Seminarhotel zurückkehren werden?

Meine Meinung:
„Sterbewohl“ von Olivia Monti ist ein Kriminalroman, der ein heikles Thema verarbeitet. Deutschland als Scheindemokratie, Menschen, die für die Gesellschaft nichts mehr wert sind, weil sie ihr kein Geld mehr einbringen, und deshalb „entsorgt“ werden müssen, um die Allgemeinheit zu entlasten. Menschen, die daher dazu angeregt werden, etwas für die Gesellschaft zu tun und freiwillige aus dem Leben zu scheiden. Ein sehr schwieriges Thema, das von der Autorin aber perfekt umgesetzt wurde.

Anfangs war ich irritiert von dem Schreibstil und der Erzählung aus der Ich-Form. Aber dann hat mir diese Sicht sehr gut gefallen. Als würde man im Tagebuch von Nadja, der Hauptprotagonistin, lesen. Man hat sich der Gruppe von Nadja, Anna, Max, Fred und Marwa zugehörig gefühlt, nicht nur wie ein außenstehender Leser. Und auch wenn das Buch aus der Sicht der Senioren erzählt wird, die alle mindestens ein viertel Jahrhundert älter sind als ich, war es einfach perfekt! Ich konnte mich in die einzelnen Protagonisten hineinversetzen, habe ihre Gedanken und Beweggründe verstanden. Wünscht sich nicht jeder vom Alter letztendlich dasselbe? Noch ein paar Jahre mit der Familie zu verbringen, vielleicht ein paar Reisen zu unternehmen und einfach nochmal richtig aufzuleben?

Obwohl der Schreibstil leicht zu lesen war, stieg dann auf den letzten Seiten im Showdown die Spannungskurve nochmal so richtig an und ich habe bis zum Ende mit den Protagonisten mitgefiebert. Lediglich am Ende der Teil mir Mortop war für mich nicht ganz passend, für die Geschichte jedoch notwendig. Das ist aber der einzige – klitzekleine – Kritikpunkt, den ich habe.

Und auch jetzt noch hält mich das Thema des Buches fest. Bzw. die Themen. Schwierige Themen, die hier wirklich gut umgesetzt und dargestellt sind. Und die mich sicher noch eine Weile am Denken halten werden!

Fazit:
„Sterbewohl“ von Olivia Monti ist ein Kriminalroman, der es schafft, schwierige politische und sozialkritische Themen in eine leichte Form zu bringen. Die Autorin fesselt einen mit einer Schreibweise an das Buch, bei der man sich nicht nur als Leser fühlt sondern direkt in die Gruppe um Nadja & Co. hineinversetzt. Das Buch hat mich nicht nur von Anfang bis Ende sehr gut unterhalten, sondern auch noch darüber hinaus zum Nachdenken angeregt. Zum Nachdenken, wie schnell aus Fiktion Realität werden kann, wenn wir nicht alle ein bisschen vorsichtig sind.

Für mich ein sehr gutes und unterhaltsames Buch, das ich allen empfehle, die gerne über den Tellerrand hinausschauen und vor schwierigeren Themenbereichen nicht zurückschrecken.



  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.11.2020

Ein wundervoll bildhafter Roman über die Wege des Lebens

Die innersten Geheimnisse der Welt
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Worum geht’s?
Die Krankenschwester Jane verlobt sich mit Valentine, einem Arzt aus Bath. Doch eigentlich liebt sie die schöne Julietta. Um ihr nahe zu sein, führen sie ihre Wege nach London, wo sie vor ...

Worum geht’s?
Die Krankenschwester Jane verlobt sich mit Valentine, einem Arzt aus Bath. Doch eigentlich liebt sie die schöne Julietta. Um ihr nahe zu sein, führen sie ihre Wege nach London, wo sie vor einer schwierigen Entscheidung steht. Wird sie ihr eigenes Schicksal den richtigen Weg führen?

Meine Meinung:
„Die innersten Geheimnisse der Welt“ von Rose Tremain ist ein Roman, der im 19. Jahrhundert in Bath, London und auf Borneo spielt. Vom Schreibstil her und der blumigen Wortwahl der Autorin fühlt man sich direkt in dieses Jahrhundert hineinversetzt. Man erwartet immer, dass gleich Mr. Darsey aus einem der Romane von Jane Austen um die Ecke kommt. Die Autorin schafft es gekonnt, immer wieder Spannung aufzubauen, aber auch, die LeserInnen mit den Beschreibungen der Landschaften und der Natur in eine fast meditative Entspannung zu versetzen, die einem beim Lesen eine absolute Ruhe bringt.

Die Geschichte selbst besteht aus drei Teilen. Zum einen begleitet man Jane auf ihrem Weg nach London zu ihrer Tante, wo sie Julietta kennen und lieben lernt. Jane, die Krankenschwester aus Bath, die von allen der „Engel der Bäder“ genannt wird. Die am Anfang fast ein bisschen hochnäsig und überheblich wirkt, die dann aber in London zu sich selbst, zur Liebe und zum Leben findet und am Ende ein neues Kapitel in ihrem Leben beginnt, das zu ihr passt und sie erfüllt.

Dann die Geschichte von Clorinda, die die Hungersnot von Irland miterlebt hat und dann – gezwungen vom Schicksal – ihre Rubinkette, das Erbstück der Familie verkauft, um in Bath einen Teesalon zu eröffnen, der den Menschen im Ort Treffpunkt und Ruhestätte zugleich ist. Und wo sie den Vater von Jane, Sir William, kennenlernt, der ihr Leben nochmals komplett ändert.

Die dritte Geschichte spielt in Borneo und erzählt das Leben von Sir Ralph, der dort über ein kleines Reich herrscht und versucht, alle seine „Untertanen“ zu glücklicheren Menschen mit einem besseren Leben zu machen. Er lebt dort mit seinem Geliebten Leon, dem er hörig ist und der ihn total in seiner Macht hat. Und das auch versucht, zu seinen Gunsten auszunutzen.

Das Lesen selbst hat mir, nachdem ich in die etwas ungewöhnliche Sprachart hineingefunden habe, unheimlich Spaß gemacht. Die bildhaften Beschreibungen der Autorin waren einmalig. Z.B. die Beschreibung, wie die Ameisen durch den Jungle laufen. Man liest, sieht es vor sich und bekommt eine innere Ruhe. Dann wieder die hektischeren Erlebnisse in London, bei denen man am Mitfiebern war. Diese Mischung aus Ruhe und Spannung finde ich sehr gekonnt.

Lediglich der Zusammenhang der 3 Erzählstränge hat mir etwas gefehlt, hier hatte ich immer darauf gewartet, dass sich am Ende eine Verbindung der Personen ergeben wird, was dann aber leider nicht der Fall war. Hier hätte man m.E. noch viele weitere spannende Abenteuer einbringen können. Dennoch habe ich das lesen des Buches sehr genossen!

Fazit:
„Die innersten Geheimnisse der Welt“ von Rose Tremain ist ein Roman, der einem beim Lesen eine innere Ruhe durch die unglaublichen Beschreibungen der Natur nahebringt und auf der anderen Seite aber auch immer wieder Spannung aufbaut, wenn er einen ins turbulente Leben von London und Paris entführt. Der Sprachstil hat mich direkt ins England des 19. Jahrhunderts versetzt und ich habe mit den Protagonisten mitgefühlt und mitgefiebert. Einziger Kritikpunkt für mich ist, dass es eigentlich 3 Romane sind. 3 Erzählstränge, bei denen ich erwartet hätte, dass sie im Laufe des Buches zusammenführen, die aber m.E. bis zum Ende nichts oder nicht viel miteinander zu tun haben.

Dennoch ein Buch, das ich nur weiterempfehlen kann. Für alle, die Jane Austen und ihre Romane mögen, ist das Buch von Rose Tremain ein absolutes Lese-Muss!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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