Cover-Bild Öffnet sich der Himmel
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21,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Suhrkamp
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 22.07.2025
  • ISBN: 9783518783429
Seán Hewitt

Öffnet sich der Himmel

Roman | Würde ich alles riskieren für die Möglichkeit der Liebe?

Eine Hymne auf die Überwältigung, die es bedeutet, jung zu sein

James steht an einer Schwelle, bald ist er erwachsen. Und er träumt von einem anderen Leben weit weg: das Dorf hinter sich lassen, die Eltern enttäuschen, dem allen endlich irgendwas Lebendiges, Echtes entgegensetzen. Denn hier in verschlafenen Thornmere im Norden Englands bleibt immer alles beim Alten, seine Runde als Milchjunge, die Gottesdienste, die ewigen Sorgen um seinen kranken kleinen Bruder, die Ausgrenzung der Mitschüler. Doch dann trifft James im Herbst 2002 auf Luke – ein Jahr älter, unverschämt gutaussehend, von seinen verkrachten Eltern zur Disziplinierung aufs Land verschickt – und im Laufe eines Jahres liefert sich James neuen, unkontrollierbaren Kräften aus, einer Sehnsucht, die ihn für immer verändern, einer Frage, die ihn sein Leben lang verfolgen wird: Würde ich alles riskieren für die Möglichkeit der Liebe?

Ein poetischer Roman über das Verlangen der Jugend, über die Zärtlichkeiten, Albträume und Illusionen namens Liebe. Mit den beeindruckenden sprachlichen Mitteln eines großen Dichters bestimmt Seán Hewitt das Gewicht unserer Obsessionen .

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2025

Liebe ohne Kitsch

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James kämpft als schwuler Teenager mit dem engen Korsett eines nordenglischen Dorfes. Nach seinem Outing zieht er sich zurück und macht sich selbst zum Außenseiter. Getragen durch seine Fantasie, ändert ...

James kämpft als schwuler Teenager mit dem engen Korsett eines nordenglischen Dorfes. Nach seinem Outing zieht er sich zurück und macht sich selbst zum Außenseiter. Getragen durch seine Fantasie, ändert sich alles, als er den eigenwilligen und störrischen Luke kennenlernt. Mit ihm erlebt er das erste Mal, was es heißt zu lieben, auch wenn er nicht weiß, ob Luke seine Gefühle erwidert.

Ich kann nicht umher, "Öffnet sich der Himmel" als literarische Wucht zu bezeichnen. Seán Hewitt haucht seinem Protagonisten so viel Begehren, Unsicherheit, Verlangen, sozialisierten Anstand ein, dass ich mehrere Tage nach Beenden des Buches immer noch in James' Gefühlswelt gefangen bin. Der Autor erzählt die Geschichte ohne pathetisch zu sein und frei von jedem Kitsch, zudem ist es auch vollkommen egal, wem seine Liebe gilt, denn sie ist vollkommen. Zugegebenermaßen sind James' Gedanken und Reflexionen fast zu reif für einen Teenager, jedoch bettet Hewitt das Erzählte in eine Rückschau aus Erwachsenensicht - der nunmehr erwachsene James kehrt Jahre nach dem Geschehen in die Ortschaft zurück und schildert so das Jahr, das ihn für immer verändert hat - und wird somit authentisch.

Die Sprache des Erzählers ist dicht und eindringlich, oft habe ich beim Lesen vergessen zu atmen. Mitunter hat der Text seine Längen und das Fortkommen scheint zäh und langsam, allerdings sind die Worte so gesetzt, dass jedes Einzelne seinen treffsicheren Platz hat, nichts erscheint unnötig, um einen in die Gefühlswelt hineinzuversetzen. Andererseits beherrscht der Autor auch nachhaltige Bilder zu erzeugen, die wohl dauerhaft im Kopf verweilen werden. Ganz nebenbei, aber natürlich, wird auch das Thema Armut angesprochen und wie es sich auf das Leben eines Teenagers auswirkt.

Mein Fazit: "Öffnet sich der Himmel" ist ein beeindruckend authentisch erzählter Roman über die erste und prägendste Liebe, die all ihre Fassetten - von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt - durchspielt, ohne dabei kitschig zu sein. Den Protagonisten lernt man dabei so gut kennen, dass es fast schade ist, nicht mehr aus dem weiteren Verlauf seines Lebens zu erfahren. Die stellenweisen Längen sind nicht störend, sondern unterstreichen die Authentizität des Protagonisten - eine absolute Leseempfehlung für alle, die sich in die Gefühlswelt eines Teenagers mitreißen lassen wollen.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Identitätssuche im Norden Englands - poetisch, tiefgängig und wunderschön

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Thornmere, ein kleines Dorf im Norden Englands, alles hier ist James seit er denken kann vertraut, die Kirche, der Pub, der Kanal, die Gassen, jedes einzelne Haus. Und allem ist er als Jugendlicher, fast ...

Thornmere, ein kleines Dorf im Norden Englands, alles hier ist James seit er denken kann vertraut, die Kirche, der Pub, der Kanal, die Gassen, jedes einzelne Haus. Und allem ist er als Jugendlicher, fast erwachsen, nun überdrüssig. James möchte weg, fliehen aus der Enge der Dorfgemeinschaft, seiner ihn zwar liebenden und wohlmeinenden, aber doch nie ganz verstehenden Familie. Dies umso mehr seit er sein Coming Out hatte, in der Schule wird er seitdem gemieden, die traurigen Blicke seiner Eltern angesichts seiner Einsamkeit erträgt er noch weniger als dieselbige. Diese stille Melancholie und Ziellosigkeit seiner Tage wird unerwartet durchbrochen als Luke in sein Leben tritt. Etwa in James Alter ist dieser vorübergehend bei Freunden seiner Eltern auf einem Bauernhof eingezogen, die Mutter in Frankreich, der Vater vorübergehend im Gefängnis. Alles an Luke ist anders, vielleicht sogar gefährlich und genau das zieht James an. Behutsam nähern sich die beiden Jugendlichen an, testen sich und ihre beginnende Freundschaft aus.

Die Erzählung wird aus der Perspektive von James verfasst und erlaubt uns so tiefe Einblicke in sein Erleben und Empfinden, für das der Autor poetische Bilder findet ohne jeden Kitsch. Mal melancholisch, mal grob, mal zärtlich, oft in einer Art rohen Sanftheit streift der Autor durch die Zeilen und lässt James Lebenswelt, das Leben in Thornmere, und seine Gefühle für Luke auf dem Papier und in unseren Köpfen entstehen. All die Widersprüchlichkeit der ersten Liebe, unerwiderter Liebe und die Zerrissenheit zwischen Sicherheit und Geborgenheit seiner Familie und dem Drang nach der Freiheit er selbst zu sein, können sich im Schreiben Hewitts über James entfalten und machen dessen Verlangen, Scham, Freiheitsdrang, Zweifel und Liebe, zu Luke, wie auch zu seinen Eltern und seinem Bruder Eddie, erlebbar bei der Lektüre.

Öffnet sich der Himmel ist mehr als ein Coming of Age Roman über die erste Liebe und Freundschaft, denn auch die Lebenswelt eines homosexuellen Jungen, speziell in ländlich geprägten Regionen und die besondere Dynamik eingeschworener Dorfgemeinschaften beschreibt Hewitt sanft und eindringlich, ebenso wie die komplexe Familiendynamik in James Familie. Vorsichtig dekonstruiert Hewitt was es in diesem Milieu bedeutet ein Mann zu sein und wie die patriarchal geprägten Bilder und Erwartungen auf James wirken. So wird die Erzählung zugleich zu einer angedeuteten Milieustudie und die besondere Identitätssuche als homosexueller, junger Mann in patriarchalen Strukturen.

In der Komplexität und Tiefe der Erzählung taugt der Roman schon jetzt als Klassiker für mich, der zur wiederholten Lektüre einlädt. Ganz klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 28.08.2025

"...dann hätte ich nur einen Augenblick keine Angst, denn ich wüsste, ich war bereits verloren"

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James ist 16, hat einen 5-jährigen Bruder namens Eddie, der unter Krampfanfällen leidet und fühlt sich in seinem Heimatdorf Thornmere gefangen. Eines Morgens trifft er auf seiner täglichen Milchrunde den ...

James ist 16, hat einen 5-jährigen Bruder namens Eddie, der unter Krampfanfällen leidet und fühlt sich in seinem Heimatdorf Thornmere gefangen. Eines Morgens trifft er auf seiner täglichen Milchrunde den 1 Jahr älteren James, der von seinen verkrachten Eltern aufs Land geschickt wurde.
Seine Mutter hat einen neuen Liebhaber in Italien gefunden, während sein Vater im Knast sitzt. Schnell verliebt sich James Hals über Kopf in den schönen Luke, aber er weiß, dass dieser nicht für immer in Thornmere bleiben wird. Und beruhen seine Gefühle überhaupt auf Gegenseitigkeit?

Dieses Buch lässt sich meiner Meinung nach sehr schwer in Worte fassen. Es hat mich vom ersten Moment an in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen und das liegt nicht nur an Seán Hewitts unglaublich poetischen und emotionalen Schreibstil, sondern hauptsächlich an den Hauptcharakteren James und Luke, deren gemeinsames Jahr mich zutiefst berührt hat.
James wildes und unbändiges Begehren nach Luke war fast greifbar. Ich konnte mich sehr gut in seine Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit und Zukunftsängste hineinversetzen und mich mit ihm identifizieren. Diese rein zufällige Begegnung mit Luke, die sein Leben für immer verändert hat, ihn blind und taub gemacht hat für jede Art von wahrer Liebe und einen Ort, den er Heimat nennen kann. Es waren die kleinen, stillen und verletzlichen Momente, das Zeigen von Schwäche, die James so menschlich und nahbar gemacht haben. Selten hat es ein Protagonist geschafft, mich so sehr zu Tränen zu rühren und sich so fest in meinem Herzen zu verankern. Hewitts tragischen Helden werde ich nie vergessen.

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Starkes Romandebüt

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Angekündigt hat der Suhrkamp-Verlag "Öffnet sich der Himmel" von Sean Hewitt als "Zart, wild und hymnisch" und dabei nicht zu viel versprochen. Das Romandebüt des Autors überzeugt durch eindrückliche Szenen ...

Angekündigt hat der Suhrkamp-Verlag "Öffnet sich der Himmel" von Sean Hewitt als "Zart, wild und hymnisch" und dabei nicht zu viel versprochen. Das Romandebüt des Autors überzeugt durch eindrückliche Szenen und starke Sprache, durch scharfe Zeichnung der Figuren und vielschichtige und nahegehende Darstellung der Gefühlswelt des Protagonisten. Die Handlung zeichnet Hewitt glaubwürdig und die Liebesgeschichte ist feinfühlig, berührend und aufwühlend zugleich. Beim Lesen spürt man die Freude und den Schmerz, die Achterbahnfahrt der ersten Liebe und der Jugend unmittelbar und direkt. "Öffnet sich der Himmel" ist ein Buch, das nachklingt und im Gedächtnis bleibt. Es ist das perfekte Buch für all diejenigen, die "Im Wasser sind wir schwerelos" von Tomasz Jedrowski oder "Calle me by your name" von André Aciman mochten.

Veröffentlicht am 16.08.2025

auf sanfte Art verheißungsvoll

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James spürt nach seinem Coming out eine gewisse Distanz: zu seinem Heimatort, seinen Eltern, den Klassenkameraden. Seine Begierden kann er sich nur heimlich eingestehen, ein Ausleben dessen scheint unmöglich. ...

James spürt nach seinem Coming out eine gewisse Distanz: zu seinem Heimatort, seinen Eltern, den Klassenkameraden. Seine Begierden kann er sich nur heimlich eingestehen, ein Ausleben dessen scheint unmöglich. Die Begegnung mit Luke wird zu einem Schlüsselmoment, einer Manifestation von James Sehnsüchten.

Es ist eine Coming of Age Story, ein überstürztes Erwachsenwerden, die Schwelle der Kindheit noch nicht ganz verlassend. Die verheißungsvolle Stimmung einer ersten, leicht obsessiven Verliebtheit ist deutlich spürbar. Aber da ist noch viel mehr als nur unerwiderte Liebe. Da ist eine besondere Freundschaft, ein inneres sich gegenseitig erkennen und verstehen.

James und Luke sind beide auf ihre jeweils eigene Art Außenseiter. Auch die Familienverhältnisse der beiden sind, obwohl unterschiedlich, gleichwohl schwierig wie angespannt. So finden die beiden Jungen ineinander die Art Freund, die sie so dringend brauchen.

Ich mochte den teilweise schon vorsichtigen, sanften Erzählstil, die innere Unruhe von James bzgl. seinen Gefühlen für Luke wird toll rübergebracht. Die Geschichte flirrt vor kleinen Momenten, die bedeutungsschwer und doch auf bittersüße Art nichtig sind. Liest sich einfach wirklich toll und fängt den Vibe dieser gemeinsamen Zeit zwischen James und Luke gut ein.

Ein feinfühliger Roman, der die Jugend, die Liebe und die Suche nach dem Selbst gut einfängt.

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