Absolute Empfehlung
„Du bist nicht gut darin, eine Frau zu sein. Aber du bist hervorragend darin, ein Mann zu sein.“ – dieser Satz fasst die Grundspannung von Of Ice and Fire – Eissonne perfekt zusammen.
Der Einstieg in die ...
„Du bist nicht gut darin, eine Frau zu sein. Aber du bist hervorragend darin, ein Mann zu sein.“ – dieser Satz fasst die Grundspannung von Of Ice and Fire – Eissonne perfekt zusammen.
Der Einstieg in die Geschichte ist direkt intensiv: In Jördys sieben Fjorden entscheidet die Sommersonnenwende über Leben und Tod. Männer werden ausgewählt, um sich in einem brutalen Wettkampf zu beweisen. Nur die Stärksten überleben, binden sich mithilfe eines Serums an Drachen und werden zu Nordwächtern.
Ember jedoch ist nicht vorgesehen für diesen Weg. Ihr Schicksal scheint besiegelt – eine arrangierte Ehe. Doch als ihr Zwillingsbruder kurz vor der Auswahl stirbt, ergreift sie die einzige Chance auf Freiheit: Sie nimmt seinen Platz ein.
Was folgt, ist eine Geschichte, die stark an Mulan erinnert, gepaart mit der tödlichen Dynamik von Die Tribute von Panem. Und genau diese Mischung funktioniert hier unglaublich gut.
Ember ist eine beeindruckende Protagonistin. Sie ist nicht perfekt – im Gegenteil. Sie kämpft, scheitert, geht über ihre körperlichen und emotionalen Grenzen hinaus. Gerade das macht sie so greifbar. Der Überlebenskampf ist nicht nur physisch, sondern auch psychisch extrem intensiv dargestellt.
Besonders gelungen ist die Erzählweise im Single POV. Man ist konstant nah an Ember dran, erlebt jede Entscheidung, jede Angst und jede Hoffnung unmittelbar mit. Das hohe Erzähltempo sorgt zusätzlich dafür, dass kaum Raum zum Durchatmen bleibt.
Die Welt ist rau, erbarmungslos und faszinierend zugleich. Die Drachen spielen dabei eine zentrale Rolle – und sind definitiv mehr als nur ein klassisches Fantasy-Element. Hier steckt eine eigene, spannende Idee dahinter.
Auch die Nebencharaktere sind stark ausgearbeitet, und die Beziehungen zwischen ihnen bleiben stets von Misstrauen durchzogen. Denn die zentrale Frage bleibt:
Kann man jemandem vertrauen, wenn am Ende nur einer überlebt?
Der Romance-Anteil ist angenehm zurückhaltend. Die Entwicklung bleibt subtil, fast zerbrechlich, und drängt sich nie in den Vordergrund. Stattdessen liegt der Fokus klar auf dem Überlebenskampf und der inneren Entwicklung der Figuren.
Ein absolutes Highlight sind zudem die Illustrationen von Jana Stehr selbst. Sie verleihen dem Buch eine besondere Tiefe und machen es auch optisch zu etwas Besonderem.
Und dann dieses Ende…
Der Plot Twist kam unerwartet und hat nochmal alles auf den Kopf gestellt. Genau so muss ein Auftakt enden: schmerzhaft, überraschend und mit einem starken Bedürfnis nach mehr.
Fazit:
Düster, mitreißend und emotional intensiv.
Eine Geschichte über Identität, Freiheit und Überleben – mit starken Charakteren und einer gnadenlosen Welt.
Für mich ein klares Highlight und eine große Leseempfehlung.