Herzklopfen in Wimbledon
Flora steckt in einem Scherbenhaufen: Ihr wurde gekündigt und ihr Freund hat sie betrogen und zwar ausgerechnet mit ihrer Nachbarin. Um Abstand zu gewinnen und endlich konzentriert an ihrer Graphic Novel ...
Flora steckt in einem Scherbenhaufen: Ihr wurde gekündigt und ihr Freund hat sie betrogen und zwar ausgerechnet mit ihrer Nachbarin. Um Abstand zu gewinnen und endlich konzentriert an ihrer Graphic Novel zu arbeiten, plant sie einen Sommer in einem idyllischen Cottage außerhalb von Wimbledon, weit weg vom Trubel des berühmten Tennisturniers. Ihre eigene Wohnung vermietet sie für diese Zeit unter. Doch noch bevor die Reise los geht, stürzt das Dach ihres Cottages ein und plötzlich steht sie ohne Bleibe da. Die einzige Lösung: Sie muss kurzfristig wieder in ihre Wohnung zurück. Blöderweise wohnt dort bereits Kieran O’Sullivan, berüchtigter Tennisstar und Bad Boy der Saison, der sich weigert auszuziehen. Was als unfreiwillige Zweck-WG beginnt, ist von Streit, schlagfertigen Wortgefechten und jeder Menge Spannung geprägt – doch hinter Kierans mürrischer Fassade verbirgt sich mehr, als Flora zunächst ahnt.
Der Schreibstil von Katherine Reilly in „Match Point“ ist angenehm flüssig und modern, mit genau der richtigen Portion britischem Humor. Ich habe besonders geliebt, wie pointiert die Dialoge geschrieben sind. Die Schlagabtausche zwischen Flora und Kieran fühlen sich lebendig an: manchmal bissig, manchmal herrlich komisch, aber immer authentisch. Reilly schafft es, dass sich die Gespräche natürlich anfühlen und nicht konstruiert wirken. Gerade in den hitzigeren Szenen musste ich mehr als einmal schmunzeln.
Die Atmosphäre des Romans ist ein absolutes Highlight für mich. Dieses Spannungsfeld zwischen öffentlicher Aufmerksamkeit und dem Wunsch nach Rückzug wird meiner Meinung nach wunderbar eingefangen. Ich hatte beim Lesen permanent dieses sommerliche Gefühl: Erdbeeren mit Sahne, Sonnenschein, überfüllte Straßen und gleichzeitig das Bedürfnis nach einem ruhigen Rückzugsort.
Flora mochte ich sofort. Sie ist verletzlich, ohne schwach zu sein. Ihr Liebeskummer ist nachvollziehbar, aber sie definiert sich nicht darüber. Besonders schön fand ich ihren kreativen Kern. Ihre Arbeit an der Graphic Novel gibt ihr Profil und macht sie für mich greifbar. Sie hat Träume, Unsicherheiten und Ecken und Kanten. Ihre innere Entwicklung vom Rückzug nach dem Betrug hin zu neuem Selbstvertrauen ist für mich glaubwürdig erzählt.
Kieran hingegen ist zunächst der klassische Bad Boy: mürrisch, verschlossen, arrogant. Doch nach und nach bröckelt diese Fassade. Ich mochte, dass seine Verletzlichkeit nicht überdramatisch inszeniert wird, sondern sich langsam in kleinen Momenten zeigt. Seine öffentliche Rolle als gefeierter und gleichzeitig kritisch beäugter Sportler steht im starken Kontrast zu seinem privaten Ich. Gerade diese Diskrepanz fand ich spannend.
Was mir besonders gefallen hat, ist zudem, dass „Match Point“ trotz seiner Leichtigkeit auch ernstere Themen streift: öffentlicher Druck, Selbstzweifel, Vertrauensbruch, Neuanfang. Diese Aspekte verleihen der Geschichte mehr Tiefe, ohne sie zu beschweren. Es bleibt eine sommerliche, romantische Geschichte, aber eben keine oberflächliche.
Wenn ich einen kleinen Kritikpunkt nennen müsste, dann vielleicht, dass manche Wendungen vorhersehbar sind. Doch mich hat das beim Lesen überhaupt nicht gestört. Für mich lebt dieser Roman nicht von überraschenden Plot-Twists, sondern von der Chemie zwischen den Figuren – und die stimmt einfach.
Fazit
Insgesamt ist „Match Point“ von Katherine Reilly für mich die perfekte Mischung aus Humor, Herzklopfen und Sommer-Feeling und damit ein echtes Wohlfühlbuch mit zusätzlich emotionaler Tiefe.