Eine Geschichte voller Schmerz, Stärke und Hoffnung
A Girl Named Josie (Breaking Waves 5)Josephine „Josie“ Alanis Blythe ist tot. Zumindest glaubt das die Öffentlichkeit. Nach Jahren auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit als gefeierter Kinderstar hat sie sich unter neuer Identität ein zurückgezogenes ...
Josephine „Josie“ Alanis Blythe ist tot. Zumindest glaubt das die Öffentlichkeit. Nach Jahren auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit als gefeierter Kinderstar hat sie sich unter neuer Identität ein zurückgezogenes Leben aufgebaut. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen an eine Branche, die sie geprägt und gleichzeitig zerstört hat. Doch als ihre Freundinnen in Gefahr geraten und ein Stalker aus ihrer Vergangenheit erneut auftaucht, sieht Josie keine andere Wahl: Sie muss aus dem Schatten treten und sich ihrer Geschichte stellen, um diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die tiefe Narben hinterlassen haben.
Vorweg: Ich kenne die Vorgängerbände der Reihe leider nicht. Dennoch hat mich „A Girl Named Josie“ durch den Klappentext sofort angesprochen, sodass ich das Buch auch ohne Vorkenntnisse lesen wollte. Rückblickend denke ich, dass es sicherlich von Vorteil gewesen wäre, die vorherigen Bände zu kennen, da einige Zusammenhänge vermutlich noch klarer geworden wären und man den Figuren bereits emotional nähergestanden hätte. Gerade zu Beginn habe ich deshalb etwas Zeit gebraucht, um mich in die Geschichte einzufinden und die verschiedenen Beziehungen und Hintergründe vollständig zu durchblicken.
Wirklich gestört hat mich das allerdings nicht, denn nach einigen Kapiteln war ich vollkommen in der Geschichte angekommen.
Besonders beeindruckt hat mich Josie als Protagonistin. Sie ist kein makelloser Charakter, sondern eine zutiefst verletzte und gebrochene Figur, deren Vergangenheit sie bis in die Gegenwart verfolgt. Kristina Moninger zeigt dabei auf erschreckend realistische Weise, welche Folgen früher Ruhm, die Schattenseiten der Filmindustrie, Missbrauch, Manipulation und familiärer Druck für ein Kind haben können. Josies Geschichte macht deutlich, dass die Narben solcher Erfahrungen nicht einfach verschwinden, sondern Menschen ein Leben lang begleiten können.
Gerade deshalb habe ich unglaublich mit ihr mitgefühlt. Ihre Ängste, ihre Unsicherheiten, ihre Schuldgefühle und ihr ständiger Kampf mit sich selbst wirkten authentisch und nachvollziehbar. Viele ihrer Gedanken und Gefühle wurden so greifbar beschrieben, dass ich regelrecht mit ihr gelitten habe.
Gleichzeitig macht das Buch aber auch deutlich, dass Traumata nicht automatisch jede Handlung entschuldigen. Besonders ihr Verhalten gegenüber ihren Freundinnen und Andrea in der Vergangenheit empfand ich stellenweise als sehr toxisch und verletzend. Umso besser hat mir gefallen, dass dieser Aspekt nicht romantisiert oder ausgeblendet wird. Stattdessen reflektiert die Geschichte ihre Fehler und lässt Josie sich damit auseinandersetzen.
Trotz aller Zerbrechlichkeit steckt in ihr eine enorme Stärke. Es hat mich beeindruckt zu sehen, wie sie trotz ihrer Ängste immer wieder aufsteht, weiterkämpft und sich Schritt für Schritt ihrer Vergangenheit stellt.
Auch die Liebesgeschichte hat mir ausgesprochen gut gefallen. Sie nimmt nie zu viel Raum ein, sondern fügt sich harmonisch in die eigentliche Handlung ein. Besonders die langsame Annäherung sowie Josies wiederholte Versuche, Andrea von sich wegzustoßen, um ihn vermeintlich zu schützen, wirkten glaubwürdig und passend zu ihrer Figur. Die romantischen Elemente stehen nie im Vordergrund, sind aber dennoch spürbar und emotional. Dass die Beziehung am Ende nicht mit einem klassischen, vollständig abgeschlossenen Happy End endet, sondern eher offen bleibt, hat mir sogar besonders gut gefallen.
Atmosphärisch konnte mich das Buch ebenfalls überzeugen. Das Setting auf der Insel wurde unglaublich stimmungsvoll beschrieben. Die Schauplätze wirkten lebendig und gleichzeitig lag über allem eine gewisse düstere Grundstimmung, die hervorragend zur Handlung passte. Diese unterschwellige Spannung begleitet die Geschichte beinahe durchgehend und sorgt dafür, dass man ständig das Gefühl hat, dass etwas Bedrohliches im Hintergrund lauert.
Sehr gelungen fand ich außerdem die besonderen Gestaltungselemente innerhalb des Romans. Der Wikipedia-Eintrag über Josie zu Beginn, die Verhörprotokolle sowie die Schlagzeilen und Berichte am Ende lockern den Erzählstil auf und verleihen der Geschichte zusätzlich Authentizität.
Ein weiterer großer Schwerpunkt des Buches ist die Freundschaft. Der Zusammenhalt zwischen den Figuren, ihre Loyalität und die bedingungslose Unterstützung füreinander haben mir sehr gut gefallen. Gerade weil die Geschichte viele dunkle und schmerzhafte Themen behandelt, bilden diese Freundschaften einen wichtigen Gegenpol. Die Verbundenheit innerhalb der Gruppe fühlte sich ehrlich und warm an und hat mir beim Lesen immer wieder ein gutes Gefühl gegeben. Dieser Rückhalt und das Vertrauen untereinander gehören für mich zu den stärksten Aspekten des Romans.
Fazit
Insgesamt ist „A Girl Named Josie“ von Kristina Moninger für mich ein emotionaler, atmosphärischer und gleichzeitig beklemmender Roman über Traumata, Identität, Schuld, Heilung und den Mut, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen. Auch ohne Kenntnis der Vorgängerbände konnte mich die Geschichte berühren und mitreißen.