Küstenwind und Schicksale
Miriam Georg hat es wieder geschafft! Mit Sturmland, dem Auftakt ihrer neuen Saga, hat sie mich von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann gezogen. Obwohl der Roman rund 600 Seiten umfasst, gab ...
Miriam Georg hat es wieder geschafft! Mit Sturmland, dem Auftakt ihrer neuen Saga, hat sie mich von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann gezogen. Obwohl der Roman rund 600 Seiten umfasst, gab es für mich keinen einzigen Moment, der sich in die Länge gezogen hat. Im Gegenteil, ich hätte stundenlang weiterlesen können.
Die Geschichte führt die Lesenden auf die Nordseeinseln Borkum und Norderney um das Jahr 1860. Bereits dieses Setting hat mich sofort begeistert. Statt einer Großstadt erleben wir in diesem Buch das raue, spannende und wunderschöne Inselleben mit all seinen Herausforderungen. Miriam Georg beschreibt die Landschaft, das Meer und den Alltag der Menschen so lebendig, dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, selbst den Wind auf der Haut zu spüren. Am liebsten wäre ich sofort nach Norderney oder Borkum gereist.
Was diesen Roman für mich aber besonders macht, ist die unglaubliche Recherchearbeit. Historische Fakten und fiktive Handlung greifen nahtlos ineinander. Wir erfahren unglaublich viel über das Leben auf den Inseln zur damaligen Zeit. Es geht um die Fischerei, die harten Lebensbedingungen ohne Strom und moderne Medizin, die eisigen Winter, den aufkommenden Badetourismus und die enorme Bedeutung, die das Meer für die Menschen hatte - nämlich sowohl als Lebensgrundlage aber auch als ständige Bedrohung. Besonders spannend fand ich die Einblicke in die Zeit, bevor es eine organisierte Seenotrettung gab, den Umgang und die Recht der Frauen zur damaligen Zeit und damit einhergehend auch mit der medizinischen Versorgung. All diese Details sind so selbstverständlich in die Handlung eingewoben, dass sie die Geschichte noch authentischer machen.
Auch die Figuren sind Miriam Georg hervorragend gelungen. Sie fühlen sich echt an, mit all ihren Ecken, Kanten, Hoffnungen und Ängsten. Besonders Cora hat mich sofort für sich eingenommen. Ihre Geschichte hat mich berührt und gerade zum Ende bleiben rund um ihre Vergangenheit und ihre Zukunft noch so viele Fragen offen, dass ich den zweiten Band am liebsten sofort beginnen würde. Gleichzeitig zeigt der Roman eindrucksvoll die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Arm und Reich sowie das enorme Machtgefälle zwischen Männern und Frauen.
Miriam Georg besitzt für mich eine ganz besondere Gabe, sie schreibt gefühlvoll, bildhaft und mit einer Leichtigkeit, die einen vollkommen in die Vergangenheit eintauchen lässt. Ich lese nicht einfach nur etwas über diese Zeit, sondern lebe während des Lesens mit.
Für mich ist Sturmland ein grandioser und herausragender historischer Roman mit großartigen Charakteren, einer fesselnden Handlung und einem Setting, das lange nachhallt und bewegt. Ein Buch, das mein Herz im Sturm erobert hat und für mich zu den bisherigen Jahreshighlights zählt. Ich kann den zweiten Band kaum erwarten.