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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.05.2020

Grausam und Verstörend

Verity
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Inhalt
Lowen ist eine Kriminal- und Thrillerautorin. Doch ihre Bücher laufen nur schleppend. Das liegt vor allem daran, dass Lowen sich gerne zurückzieht und mit andere Kontakte meidet. Lesereisen sind ...

Inhalt
Lowen ist eine Kriminal- und Thrillerautorin. Doch ihre Bücher laufen nur schleppend. Das liegt vor allem daran, dass Lowen sich gerne zurückzieht und mit andere Kontakte meidet. Lesereisen sind für die junge Autorin nichts, schon gar nicht, nachdem ihre Mutter gestorben ist. Die Vergangenheit sucht Lowen in regelmäßigen Abständen immer wieder heim. Doch eventuell könnte ihre Karriere einen Aufschwung erleben, denn sie wird vom Verlag zu einem Gespräch eingeladen und soll für die berühmte Thriller-Autorin Verity ihr Buch beenden, denn diese hatte einen schweren Autounfall und kann ihr Buch nicht alleine zu Ende schreiben. Lowen ist hin und her gerissen, aber dann überzeugt sie der gut aussehende Jeremy und zugleich Mann von Verity. Um die Recherchen zu vereinfachen, zieht Lowen bei der Familie ein und stößt dabei auf dunkle Geheimnisse…

Beschreibung
Ich habe schon ein paar Bücher von Coolen Hoover gelesen und war immerzu begeistert von ihren wunderschönen Handlungen, in denen die besonderen Arten der Liebe dominierte und einen großen Platz eingenommen haben. Als nun Verity erschienen ist, war ich erst verwundert, als ich es nicht in den Regalen der Jugendbücher vorgefunden habe, sondern auf einem kleinen Tisch bei den Young Adult Regalen. Nachdem ich dann allerdings auf sämtlichen Seiten im Internet dieses Buch entdeckt habe und immer die Sprache davon war, dass es so unfassbar gut ist und spannend, konnte ich nicht anders und musste es unmittelbar lesen. Und was soll ich sagen?! Auch für mich war dieses Buch ein Highlight. Denn ich hätte nie mit einer solchen Geschichte gerechnet!
Sicherlich handelt es sich bei der Geschichte um keine neu erfundene Handlung, allerdings habe ich selber noch kein Buch gelesen, dass eine solche Handlung beinhaltet. 
Interessant war es vor allem, dass man am Ende richtig hinter das Licht geführt wurde und man letztendlich nicht wusste, was wirklich als Wahrheit gelten konnte und was nicht. Teilweise hatte ich schon so Angst nachts auf die Toilette zu gehen, obwohl ich teilweise blutrünstige Thriller und auch Psychothriller lese. Dennoch hat mich die Handlung einfach nicht losgelassen, da sie so verstörend und furchteinflößend ist. Es werden grausame Handlungen so detailliert beschrieben, dass man sich fragt, wie jemand nur so etwas tun kann. Und vermutlich hat mir das Buch deshalb auch so gut gefallen, weil es kein Blatt vor den Mund nimmt und schonungslos die Geschichte von Verity und ihrer Familie erzählt. Das i-Tüpfelchen darauf ist, dass wir sowohl aus der Perspektive von Lowen in die Handlung mitgenommen werden als auch aus der Perspektive von Verity selbst, nämlich in Form von ihrem Manuskript, das einem am Ende mit Unsicherheit zurücklässt und sprachlos macht. Ehrlich gesagt habe ich kurze Zeit überlegt, Coolen Hoover anzuschreiben oder im Internet zu recherchieren, ob ich herausfinden kann, was ihre Gedanken zu dem Ende sind, wie sie für sich das Ende sieht. Diese vielen heftigen, hasserfüllten und grausamen Elemente haben allerdings auch dafür gesorgt, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte und die Seiten nur so vorüber geflogen sind. Der Schreibstil war spannend und flüssig - abgesehen von ein paar Längen, die gerne noch mit mehr Spannungselementen hätten gefüllt werden können, wobei das Buch das sicherlich nicht mehr ins Genre der Romane gefallen wäre.
Die Charaktere fand teilweise unnahbar. Leider konnte ich mit keinem wirklich sympathisieren. Selbst Crew hat in mir manchmal ein mulmiges Gefühl geweckt, während ich bei Verity und Jeremy ein Wechselspiel der Gefühle durchlebt habe. Immer mal wieder war ich davon überzeugt, dass Jeremy hinter all den Geschehnissen steckt. Dann wiederum habe ich dem Manuskript glauben geschenkt und war entsetzt, teilweise angeekelt darüber, was in Verity vorging und konnte mir einfach nicht vorstellen, was sich in ihr abgespielt hat.
Nun möchte ich noch kurz auf das Cover eingehen und naja, es passt zu den bisher erschienen Büchern der Autorin und lässt sich damit gut einordnen. Allerdings sollte vielleicht schon irgendwo vermerkt und verzeichnet werden, dass dieses doch recht leichte und auf der anderen Seite mysteriöse Cover nicht das hält, was es verspricht. Denn eine leichte Liebesgeschichte ist dieses Buch definitiv nicht!

Fazit
Von mir gibt es für dieses Buch 4,5 Sterne. Ich war sehr begeistert von den Spannungselementen, den vielen Verwirrungen und der Brutalität. Allerdings hätte ich mir davon etwas mehr gewünscht, so dass man das Buch ins Genre der Thriller einordnen kann, denn bei den Liebesgeschichten oder den „Young Adult“ Romanen hat es für mich nichts zu suchen. Nichts desto trotz eine klare Empfehlung und für mich auf eines der Bücher, die ich als ein „Lesehighlight“ deklarieren würde. Die Handlung ist ergreifend, spannend, abartig brutal und krank und dennoch grandios und klasse durchdacht! Und obwohl es nun schon ca. eine Woche her ist, dass ich das Buch beendet habe, beschäftigt es mich noch immer, denn vor allem das Ende hat mich nachdenklich gemacht und ich frage mich noch immer, was wahr ist und was Lüge.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.05.2020

Ein emotionales und spannendes Buch!

In den Augen der anderen
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Inhalt
Jacob ist 18 Jahre und Autist. Ihm wird die Diagnose Asperger-Syndrom zugeschrieben. Sein Alltag wird von Strukturen und Regeln bestimmt, während soziale Kontakte und emotionales Verhalten in den ...

Inhalt
Jacob ist 18 Jahre und Autist. Ihm wird die Diagnose Asperger-Syndrom zugeschrieben. Sein Alltag wird von Strukturen und Regeln bestimmt, während soziale Kontakte und emotionales Verhalten in den Hintergrund rücken. Für Jacob gelten andere Regeln sowohl in der Schule als auch im Haushalt. Freitags werden nur blaue Lebensmittel gegessen, am Dienstag nur rote Speisen und am Donnerstag ist auf dem Teller alles braun. Orange mag Jacob gar nicht, genauso wenig wie offene Haare und Berührungen. Wenn etwas nicht seinen Gewohnheiten entspricht, so ist er in seinem Körper gefangen. Er befindet sich dann in einem leeren schwarzen Raum, aus dem er nur heraus kommt, wenn seine Mutter ihn beruhigt. Jacob weist in solchen Situationen autoaggressives Verhalten auf und schreit. Mit einem ganz speziellen Lied lässt er sich dann meistens beruhigen. Doch gelten für Jacob auch andere Regeln vor Gericht? Denn dort steht er nun und muss seine Unschuld beweisen. Alle Hinweise deuten daraufhin, dass Jacob seine Tutorin ermordet habe. Nur Jacob weiß, was an diesem Nachmittag wirklich passiert ist. Ist Jacob unschuldig, kann sein Anwalt ihn vor den Geschworenen als geistig beeinträchtigt darstellen oder ist er das sogar?

Beschreibung
Bei diesem Buch handelt es sich um ein Buch von Jodi Picoult, welches schon seit einiger Zeit auf meinem SuB lag. Was mich abgeschreckt hat war in erster Linie die dicke des Buches (681 Seiten) und die recht kleine Schrift und das obwohl ich bereits einige Bücher und Hörbücher von Jodi Picoult verschlungen habe und bislang immer sehr begeistert war. Jodi Picoult zeichnet sich durch ihren tollen Schreibstil aus und die einzigartigen Handlungen, die den Leser ständig zum Nachdenken anregen und einen nicht mehr loslassen. Ihre Geschichten gehen unter die Haut und ganz tief ins Herz.
Auch „in den Augen der Anderen“ hat mich nicht enttäuscht und die etwa 681 Seiten gingen wie im Fluge vorüber. Dies liegt einerseits an der wunderbar überlegten Handlung von Jodi Picoult, andererseits an ihrem Schreibstil und den unterschiedlichen Charakteren, die hier thematisiert werden und eigene Kapitel erhalten.
Nachdem man Jacob und seine Familie kennengelernt, geht die eigentliche Handlung auch schnell los. Ähnlich wie Jacobs Eltern weiß auch der Leser nicht, weshalb Jess umgekommen ist, ob Jacob sie umgebracht hat oder nicht. Das spannende daran ist, dass man im Gegensatz zu Jacobs Mutter, seinem Anwalt und auch den Ermittlern, bereits weiß, dass Theo irgendwas mit dem Tod von Jess zu tun hat oder zumindest genaueres darüber weiß. So hat man als Leser das Gefühl, dass man einigen Personen etwas voraus ist. Der Autorin gelingt es allerdings wirklich gut, auch den Leser immer wieder zweifeln zu lassen und ehrlich gesagt habe ich mich gegen Ende des Buches damit abgefunden, dass Jacob wohl der Täter ist, was für mich total frustrierend war. Denn obwohl Jacob mit all seinen Macken vielleicht auch etwas anstrengend sein mag, gehört es dennoch zu seinem Asperger-Syndrom und macht ihn aus und liebenswert. Ich hatte das Gefühl, dass ich Jacob so gut kennengelernt habe und er mir unheimlich nahe stand. All die Jahre, die seine Mutter Emma mit ihm verbracht hat, all die Erfahrungen, die sie mit Jacob gemacht hat, habe ich innerhalb von ein paar Stunden erfahren können und fühlte sich an, als hätte ich diese vielen Jahre mit Jacob und seiner Familie gemeinsam verbracht. Und obwohl Jacob immer sagt, dass er keine Freunde hat, so hatte ich doch das Gefühl, dass viele mit ihm befreundet waren. Denn insbesondere bei seinen neuen Bekanntschaften stößt er unmittelbar auch Sympathie. Selbst Rich Matson geht auf Jacob ein und spricht sehr freundschaftlich mit ihm. Auch Oliver sein Anwalt hat schnell einen Draht zu Jacob. Denn mit seinem Charme und seiner unermüdlichen Ehrlichkeit, gelingt es Jacob doch immer wieder alle von sich zu überzeugen. Gleichzeitig wird dem Leser natürlich auch die anstrengenden Seiten vor Augen geführt und man erfährt medizinische Details und Eindrücke, die einem die Welt eines Autisten erkennen lassen. So waren auch die Kapitel um Jacob super interessant, da man hier einen Eindruck davon gewinnen konnte, wie Jacobs Denk- und Handlungsweisen sind.
Auch die Denk- und Handlungsweisen von Jacobs Mitmenschen werden einem näher gebracht. Und das alles auch eine so authentische und herzliche Weise, dass ich zu keiner Zeit etwas in Frage gestellt habe. Wir lernen quasi den gesamten Alltag on Jacob kennen. Die unendliche Liebe von Emma zu ihrem Sohn, die Liebe von Theo zu seinem älteren Bruder die durch die ständige Aufmerksamkeit, die Jacob zu kommt, etwas gedämmt sein mag.
Der Prozess nimmt einen großen Platz in diesem Buch ein und steht mit seinen Nebenhandlungen im Fokus. Ich fand den Prozess zwar total interessant und unheimlich real, allerdings hatte dieser auch einige Längen. Dies ist tatsächlich mein einziger Minuspunkt, was das Buch anbelangt. Ansonsten hat es für mich alles erfüllt, was es zu einem Buch braucht. Naja, bis auf das Cover vielleicht noch. Ich kann hier nicht wirklich einen Zusammenhang finden, aber viel wichtiger ist ja auch der Inhalt des Buches.

Fazit
Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt und mir erneut aufgezeigt, dass Jodi Picoult eine wirklich tolle Autorin hat und keinesfalls nur Unterhaltungsromane schreibt, sondern Romane, die zu jederzeit eine Message übermitteln, zum Nachdenken anregen und den Leser auch nach dem Auslesen des Buches nicht mehr los lässt. Dieses Buch ist spannend, emotional, interessant und informativ. Von mir gibt es 4,5 Sterne, da sich die Handlung für mich an einigen Stellen in die Länge gezogen hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.04.2020

Ein liebevoll geschriebenes Buch mit etwas Magie

Die kleinen Geheimnisse des Herzens
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Inhalt
May ist 110 Jahre alt und langsam wird sie immer schwacher. Außer die kleine Tamsin - dem 6-jährigen Nachbarsmädchen - und ihrem Vater Andy, hat May keine weiteren Kontakte zu den Bewohnern aus ...

Inhalt
May ist 110 Jahre alt und langsam wird sie immer schwacher. Außer die kleine Tamsin - dem 6-jährigen Nachbarsmädchen - und ihrem Vater Andy, hat May keine weiteren Kontakte zu den Bewohnern aus dem Dorf. Doch das Leih-Oma Projekt soll dies nun ändern. Die 20 Jahre jüngere Julia soll sich von nun an um May kümmern. Dies kommt May sehr gelegen, denn May zerrt von Erinnerungen anderer Menschen, um selber mehr Energie zu erhalten und wieder zu Kräften zu kommen. Da trifft es sich gut, dass Julia alte Briefe ihres verstorbenen Mannes gefunden hat, über die sie ein Buch schreiben möchte. Doch je mehr May von diesen Erinnerungen aufnimmt, desto vergesslicher wird Julia. Wofür wird May sich entscheiden - für mehr Lebensjahre oder für die Freundschaft?

Beschreibung
Ich habe bislang noch kein Buch Celia Anderson gelesen und auch noch nichts über ein Buch von ihr gehört. Der Name allerdings hat mich sehr an Cecelia Ahern erinnert, genauso wie der wunderschöne Klappentext und das so schön gestaltete Cover. Aufgrund der Pressestimmen habe ich ein leichtes und romantisches Buch erwartet, was auch an Intrigen und Geheimnissen nichts zu wünschen übrig lässt und welches im Stil von Katie Ford und Rosamunde Pilcher geschrieben ist. Die Landschaft wurde dabei auch hervorragend getroffen. Insbesondere auf den ersten Seiten hat man sich Pengelly gut vorstellen können. Eine wunderschöne Landschaft am Meer, ein kleines Dorf mit älteren Menschen die auch gerne mal etwas Tratschen, aber dennoch zusammenhalten. Meine Erwartungen wurden auch bis zu dem Zeitpunkt getroffen, bis es magisch wurde. Für mich hat das einfach nicht mit dem Thema des Buches zusammen gepasst, bzw. mit meinen Erwartungen. Ich habe einen Roman erwartet, eine Liebesgeschichte, ein Rosamunde Pilcher Buch - wie es auf dem Buchrücken stand. Leider ist auch von Seite zu Seite die Szenerie in den Hintergrund gerückt und es traten Charaktere auf, die zwei Kapitel eingenommen haben und dann wieder verschwunden sind, ohne dass ihnen eine zentrale Rolle zugekommen ist. Die Protagonisten allerdings waren verlässlich da und auch einige Nebencharaktere waren konstant.
May macht wohl die größte Entwicklung der Protagonisten mit. Man lernt sie kennen als eine mürrische, egoistische und sozial distanzierte Frau. Sie ist abweisend, stur und auch etwas zickig. May lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen und kann auch sehr nachtragend werden. Sie ist selbstbewusst und mischt sich auch gerne mal in Angelegenheiten ein, die sie im Prinzip nichts angehen. Als Julia in ihr Leben tritt ändert sich ihr Verhalten allerdings immer etwas mehr. Sie öffnet sich stetig und ihre harte Fassade beginnt zu bröckeln. Mit der Zeit erkennt sie in Julia eine wahre Freundin und stellt die Freundschaft später auch über ihre eigenen Bedürfnisse. Ihr hohes Alter von 110 Jahren lässt sich mit Sicherheit auf die geklauten Erinnerungen zurückführen, allerdings merkt man May dieses Alter überhaupt nicht an. Ich fand es etwas überzogen und denke, dass die 100 Jahre zu erreichen auch schon ein großes Ziel sind und eine ebenso hohe Zahl. In diesem Zusammenhang fand ich es von der Autorin weniger gut durchdacht, aus May und Julia ein „Leih-Oma-Projekt“ zu machen, denn Julia ist nur 20 Jahre jünger als May und damit etwa 90 Jahre alt. Auch ihr merkt man das Alter überhaupt nicht an und ich konnte nicht nachvollziehen, aus welchem Grund man zwei ältere Damen für ein Projekt dieser Art zusammen bringt. Vermutlich hätte die Autorin hier einen anderen Zweck des Zusammentreffens der Beiden Damen initiieren können, denn das „Leih-Oma-Projekt“ ist ein weiteres Thema, welches in dem Buch kein Thema mehr wird, was ich sehr schade finde.
Ins Herz geschlossen habe ich vor allem Andy und Emily. Insbesondere Andy scheint so ein liebevoller Vater zu sein, der immer nur das Beste für seine Tochter möchte und leider auch etwas zurückhaltend und schüchtert ist. Denn es fällt ihm äußert schwer sich gegen Candice durchzusetzen und Emily seine Liebe zu gestehen. Man merkt ihm den Verlust seiner Frau an. Celia Anderson hat hier einen tollen Charakter geschaffen, der authentisch und bodenständig ist und das Herz am rechten Fleck hat. Andy ist ehrlich und vorsichtig. Emily ist Andy ähnlich, weshalb die Beiden wahrscheinlich auch gut zueinander passen. Emily ist genauso verantwortungsbewusst wie Andy, allerdings eher was ihren Beruf betrifft. Es fällt ihr genauso schwer sich durchzusetzen und Entscheidungen zu treffen, die ihr gut tun. Was mich jedoch sehr verwundert hat ist, dass sie kaum große Emotionen durchlebt, als sie ihre Fehlgeburt bekommt. Die Thematik der Schwangerschaft kam genauso schnell auf, wie sie wieder abgehakt wurde. Ein weiterer Handlungsstrang, der innerhalb des Buches nicht weiter verfolgt wurde.
Ich denke, dass die Autorin viele wundervolle Ideen hatte, doch an der Umsetzung hat es etwas gefehlt. Es gibt einfach zu viele Handlungsstränge, die nicht alle vertieft werden konnten. Dies betrifft sowohl die Liebesgeschichte zwischen Emily und Andy als auch die Liebesgeschichte zwischen Julia und Tristram, die Erinnerungen von May, die Vergesslichkeit von Julia, die Geheimnisse um Charles und die Briefe. Ich denke dabei aber bspw. auch an die Fehlgeburt von Emily, an den Besuch ihres Chefs, an die Tochter von May, an den Opalring - der ja im Prinzip eine wichtige und zentrale Rolle spielt, an Max und Colin u.v.m. Wirklich sehr schade, denn die Grundgedanken hätten so viel Stoff und Input liefern können. Dabei hätte sich die Autorin doch ausleben können und wenn das Buch am Ende ein Wälzer geworden wäre oder sie es in eine Dilogie oder Trilogie unterteilt hätte.

Fazit
Ich gebe diesem Buch leider nur 3,5 Sterne. Es war für mich zwar ein wirklich schönes Buch, aber es hat mich nicht von sich überzeugen können. Mir fehlte der Tiefgang, die Romantik und der rote Faden. Zu viele Themen wurden nur angeschnitten, ohne sie zu vertiefen oder erneut aufzugreifen. Das Buch basiert auf einem Leih-Oma-Projekt, was nie wieder thematisiert wird und quasi keinen Sinn ergibt, wenn man bedenkt, dass man zwei alte Dame dazu veranlasst Zeit miteinander zu verbringen. Insgesamt etwas zu weit her geholt und nicht gänzlich durchdacht, genauso wie der Diebstahl der Gegenstände und der kleinen magischen Momente.
Ein Buch mit viel Potential!

  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Figuren
Veröffentlicht am 23.04.2020

Fehlende Emotionen

Only you – Alles beginnt in Rom
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Inhalt
Letty und Alf führen zwei unterschiedliche Leben. Doch was sie gemeinsam haben ist die Leidenschaft zum Tanzen und ihre kleinen Probleme und Schicksalsschläge des Alltags, die ihre Welt verändern. ...

Inhalt
Letty und Alf führen zwei unterschiedliche Leben. Doch was sie gemeinsam haben ist die Leidenschaft zum Tanzen und ihre kleinen Probleme und Schicksalsschläge des Alltags, die ihre Welt verändern. Beide nehmen Reißaus und fliehen nach Rom. Hier schreiben sich Letty und Alf für einen italienisch Kurs ein. Während Alf locker ist und auf alle Menschen zugeht, lebt Letty eher zurück gezogen. Sie meidet andere Menschen und öffnet sich nur schwer. Jedes Wort, das sie spricht, wählt sie mit bedacht. Alf fühlt sich sofort zu Letty hingezogen. Je mehr er sich bemüht, desto mehr öffnet sich Letty. Schließlich verlieben sich die Beiden ineinander. Doch Alf hat noch eine Freundin und Letty eine Vergangenheit, die es ihr unmöglich macht geliebt zu werden - oder? Und ausgerechnet diese beiden Aspekte, sind eine Schnittstelle im Leben der beiden Protagonisten…


Beschreibung
Dies ist mein zweites Buch von Kate Eberlen. Zuvor habe ich bereits „Miss You“ gelesen, allerdings muss ich gestehen, dass ich mich an dieses Buch kaum noch erinnern kann. Allerdings weiß ich noch, dass ich es gelesen habe, kurz nachdem ich in London war und dort hing überall Werbung von dem Buch. Aus diesem Grund war ich sehr gespannt, auf das Buch von Kate Eberlen. Aus diesem Grund hatte ich mit „Only You“ gleich tolle Assoziationen, die eine große Lust in mir geweckt haben dieses Buch zu lesen.
Das Cover hat diese Lust noch zusätzlich verstärkt. Denn auch wenn die Farben eher stechend sind - und somit in der Buchhandlung direkt ins Auge fallen - empfinde ich die Kombination aus dem hellen orange und dem leichten lila relativ beißend und dennoch ansprechend. Das Cover wirkt schön frisch und schreit nach Sommer und Frühling. Es wirkt als verberge sich dahinter einer wunderschöne Liebesgeschichte, die einen zutiefst berührt und von Leidenschaftlichkeit geprägt ist. Auf jeden Fall assoziiere ich dieses Cover nun mit Rom, denn in Rom lernen sich unsere beiden Protagonisten - Alf und Letty kennen.
Die ersten 60 Seiten habe ich regelrecht verschlungen. Ich war sofort im Geschehen, habe Rom vor meinen Augen gesehen, das Klima auf der Haut gespürt und mich sofort wohlgefühlt. Hinzu kam die wunderschöne Sprache und die Leidenschaft zum Tanzen, die Letty und Alf miteinander teilen. 
Sowohl italienisch als auch das Tanzen ziehen sich durch den gesamten ersten Teil des Buches und machen die Geschichte zu etwas Besonderem - wer nun keine Lust bekommt selber zu tanzen und eine neue Sprache zu lernen? All dies sorgt dafür, dass die Handlung einen ganz besonderen Flair erhält und man sich selber vor Ort befindet.
Vor allem Alf ist derjenige, der immer wieder zum Tanzen anregt und sich nicht davor scheut italienisch zu sprechen. Er ist der selbstbewusstere der beiden Protagonisten, auf Instagram sehr aktiv und scheut nich davor zurück, neue Kontakte zu knüpfen. Sein Weg führte ihn nach Rom, da er sein Abitur nicht bestanden hat, seiner Familie wichtige Informationen vorenthalten hat und sich ihnen gegenüber nicht geöffnet hat. Außerdem hat er eine Freundin, Gina, die an seiner Schule unterrichtet hat. Auch sie ist mit ihm nach Rom gereist, um einen Neustart zu initiieren.
Letty hingegen ist schüchtern, zurückhaltend und im Vergleich zu ihren Problematiken sind Alfs Probleme nichtig. Doch auch diese sind Grund dafür, weshalb sie nach Rom flüchtet und hier versucht abzuschalten und ihrem Alltag zu entfliehen. Letty distanziert sich von anderen Menschen und öffnet sich nur mit ganz viel Zeit und Zuspruch. In Alf findet sie eine Person, der sie sich öffnen kann. Beide Protagonisten verlieben sich ineinander. Doch genauso schnell wie das Glück kommt ist es ihnen auch schon wieder zerronnen.
Der kleine Ausflug in die Vergangenheit - die der Liebe von Letty und Alf nun folgt - hat dem Buch sehr gut getan, denn zwischenzeitlich fehlte mir immer wieder die Lust, das Buch zur Hand zu nehmen und weiterzulesen. Ich hatte zwar ein grobes Bild der Protagonisten, allerdings fehlten mir mehr Informationen, die Vergangenheit. Ich hatte viele Fragezeichen und hinzu kam noch der erzählende Schreibstil der Autorin, der leider nicht wirklich flüssig war und kaum auf der emotionalen Ebene angesiedelt war. Die Handlung war recht oberflächlich geschildert und die Charaktere drehten sich im Kreis.
Zwar wird das Buch nicht emotionaler durch die Vergangenheit, aber man bekommt als Leser einen besseren Draht zu den Charakteren, kann ihre aktuellen Handlungen und Charaktereigenschaften besser nachvollziehen. Teilweise möchte man die Protagonisten einfach nur schütteln und sie dazu bringen, ihre Vergangenheit zu überwinden und neue Hoffnung und Kraft zu schöpfen. Dies sind allerdings die Momente, die mich motiviert haben, das Buch weiterhin zu lesen und es nicht abzubrechen, weil es so langweilig war. Denn einige Stellen in diesem Buch, hätten definitiv einer Kürzung bedurft.

Fazit
Ich bin sehr hin und her gerissen, was die Bewertung dieses Buch betrifft. Wenn ich an den Anfang des Buches denke, so würde ich vermutlich eher 3 Sterne vergeben, die Vergangenheit und auch der Teil 3 des Buches haben sie hingegen gut gefallen, daher würde ich eher 4 oder sogar 4,5 Sterne geben. Mein Gefühl sagt mir 3,5 Sterne sind für dieses Buch angemessen. Es hat mich nicht vollends gepackt, aber es war auch nicht so, dass ich das Buch überhaupt nicht mochte. Vermutlich muss man sich einfach auf den ungewöhnlichen und distanzierten Schreibstil der Autorin einlassen, um dieses Buch lieben zu können.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.04.2020

Ein schöner Sommerroman, dem diesmal etwas die Leichtigkeit fehlt

Sommerflimmern
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Inhalt
Ariane lebt schon von klein auf an auf der wunderschönen Insel Rügen. Sie ist hier aufgewachsen und kennt die Bewohner und ihre Geschichten Bestens, zumindest dachte Ariana das bislang. Doch als ...

Inhalt
Ariane lebt schon von klein auf an auf der wunderschönen Insel Rügen. Sie ist hier aufgewachsen und kennt die Bewohner und ihre Geschichten Bestens, zumindest dachte Ariana das bislang. Doch als sie die rüstige Dame Trudi mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus einliefert, berichtet sie Ariane von ihrer Tochter Astrid, der sie Bescheid geben soll. Doch eine Telefonnummer und einen Nachnamen erhält Ariane nicht. Also begibt sie sich in die Wohnung der älteren Dame und durchsucht ihre Fotoalben. Hier stößt sie auf eine Vergangenheit, die sie Trudi nicht zugetraut hätte. Wie es scheint hat Trudi nicht nur eine verschollene Tochter, sondern auch Enkelkinder. Ariane weiß nicht wieso der Kontakt zu Astrid und ihren Kindern abgebrochen ist, aber sie macht sich auf die suche nach Astrid und stößt stattdessen auf den liebevollen und etwas ungepflegten Enkelsohn. David ist wirklich so herzallerliebst und entspricht auch noch Arianes Geschmack. Allerdings versucht er irgendwas vor ihr Geheim zu halten. Hat eine Beziehung einen Sinn, wenn David Ariane nicht gänzlich vertraut und er ihr seine Geheimisse nicht anvertrauen mag?

Beschreibung
Dies ist nun die dritte Geschichte von Marie Merburg aus der Rügen-Reihe, die mich erneut sehr begeistert hat.
Diesmal ist das Ganze etwas mehr in der Vergangenheit angesiedelt, die Stimmung leicht bedrückend und dennoch wieder mit ganz viel Liebe, Romantik und Herz geschrieben. Allerdings hält das Cover diesmal nicht unbedingt das, was es verspricht. Denn die wundervolle Landschaft kommt in diesem Teil etwas zu kurz, dafür kommt der Familiengeschichte etwas mehr Aufmerksamkeit zu. All das hat mich aber überhaupt nicht gestört, ganz im Gegenteil. Für mich war es ein erfrischender Teil, der gezeigt hat, dass Marie Merburg mehr drauf hat, als nur leichte Sommerlektüren zu schreiben. Es werden teilweise sehr ernste Themen behandelt, wie die Krankheit MS - die tatsächlich aber erst am Ende des Buches thematisiert wird, der Bruch mit der Familie, Fehlgeburten, Mutter-Tochter-Beziehungen uvm. Dennoch bleibt die Stimmung auf der Insel Rügen leicht und fröhlich und tut dem Sommerroman keinen Abbruch. Was ich dennoch etwas schade fand war, dass auch Jule hier mit sich selber zu kämpfen hat und unter der aktuellen Situation mit ihrer Tochter teilweise sehr leidet. Übertrieben und weit her geholt war das keinesfalls, aber es hat die Stimmung in diesem Buch etwas herunter gezogen.
Ähnlich wie in Teil eins und zwei trifft man auch hier wieder auf einige bekannte Gesichter und somit ist das Wohlbefinden gleich wieder vorhanden. Die Hauptrolle übernimmt in diesem Teil Ariane, die man bereits in Teil zwei genauer kennen gelernt hat. Schon in diesem Teil mochte ich Ariane sehr gerne und somit bin ich in ihrer eigenen Handlung gut angekommen und konnte mich sofort auf sie einlassen. Schön fand ich auch, dass hier wieder ein Charakter erschaffen wurde, der bodenständig und authentisch ist. Denn mit dem Geschäft von Ariane läuft es nicht gut und auch ihre Figur entspricht nicht denen eines Models. Hinzukommt noch, dass sie wieder bei ihren Eltern einziehen musste und man hautnah miterlebt, dass Arianes Mutter ein Problem mit dem Lebensstil von Ariane hat. Und obwohl Ariane ihrer Mutter immer wieder zu verstehen gibt, dass sie sich nicht in ihr Leben einmischen soll, tut sie es immer wieder. Diese Handlungsstrang zieht sich durch das gesamte Buch und wird immer mal wieder erwähnt. Dies zeigt, dass Marie Merburg alle Handlungsstränge geschickt miteinander in Verbindung setzt und keinen außer acht lässt.

Fazit
Auch diese Handlung hat mir wieder sehr gut gefallen und ich habe sie erneut ganz schnell weggehört. Ich habe mich regelrecht in die Rügen-Reihe verliebt und werde mich nun dem - hoffentlich - vorerst letzten Teil der Reihe widmen. Ich hoffe so sehr, dass es danach ganz schnell weitergeht! Für Teil drei der Rügen-Reihe gibt es diesmal nur 4,5 Sterne. Das Handlungsgerüst war gut aufgebaut und gewählt, auch die Teile aus der Vergangenheit fand ich schön und mal etwas Neues, Ariane ist mir sehr sympathisch gewesen. Allerdings war mir die Geschichte etwas zu bedrückend, da nicht nur die traurige Geschichte von Trudi und Astrid thematisiert wird, sondern auch die kleinen Probleme von Ariane und ihrer Mutter und dann auch noch die Überforderung, die Jule so sehr zu schaffen macht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere