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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.04.2023

Berührend realistisch!

22 Bahnen
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Das Buch handelt von Tilda, die aus den Widrigkeiten ihres Lebens das Beste macht, den schwierigen Verhältnissen trotzt und dazu neben Mathematikstudium, Brotjob im Supermarkt und dem Schwimmen auch noch ...

Das Buch handelt von Tilda, die aus den Widrigkeiten ihres Lebens das Beste macht, den schwierigen Verhältnissen trotzt und dazu neben Mathematikstudium, Brotjob im Supermarkt und dem Schwimmen auch noch die Verantwortung für ihre jüngere Schwester Ida auf ihren Schultern trägt.
Beide müssen sich immer wieder den toxischen Stimmungsschwankungen der alkoholabhängigen, depressiven Mutter entziehen. Zum Ausgleich entflieht Tilda regelmäßig dem Alltag, indem sie im Schwimmbad ihre 22 Bahnen zieht, bis sie dort auf Viktor trifft und dadurch ein Stück weit von ihrer Vergangenheit eingeholt wird.
Mit dem ersten Aufeinandertreffen verändert sich nicht nur die Schwimmroutine von Tilda, die die Augen nicht mehr von ihm lassen kann, auch anderweitig steht ihre Welt bald Kopf.

Es ist eine aus dem Alltag heraus beschriebene Handlung, die frei von Schnörkeln ein Leben in Deutschland beschreibt, das nicht nur real wirkt, sondern sicher auch so, oder so ähnlich passiert.
Mich beeindruckt hier vor allem, wie aufopferungsvoll sich Tilda um ihre kleine Schwester Ida kümmert, sie beschützt, tröstet und jederzeit für sie da ist. Die Darstellung dieses ausnahmslos liebevollen geschwisterlichen Verhältnis, ganz ohne Streitigkeiten und Groll löst ein unglaublich schönes Wohlgefühl beim Lesen aus. Es erinnert mich auch immer wieder an engen Zusammenhalt der zwischen meiner Schwester und mir besteht, trotz des ähnlich großen Altersunterschiedes.

Es lässt sich nur schwer beschreiben, welche emotionale Kraft in diesen Zeilen steckt.
Es ist auf jeden Fall eine Geschichte, die es verdient, gelesen zu werden und ein starkes Debüt der Autorin.
Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 06.04.2023

Stürme der Begeisterung

Melody
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Als Jurist und Langzeitstudent Tom Elmar von seinem Vater unerwartet den Geldhahn zugedreht bekommt und sich erstmals auf Jobsuche begeben muss, bewirbt er sich auf die Annonce in einer Tageszeitung, hinter ...

Als Jurist und Langzeitstudent Tom Elmar von seinem Vater unerwartet den Geldhahn zugedreht bekommt und sich erstmals auf Jobsuche begeben muss, bewirbt er sich auf die Annonce in einer Tageszeitung, hinter der niemand geringerer als der einflussreiche, vermögende Alt-Nationalrat Dr. Peter Stotz steckt. Dieser beauftragt ihn für den Zeitraum von einem Jahr und gegen eine fürstliche Entlohnung mit der Bereinigung seines Vermächtnisses, um ein gefiltertes Bild seiner selbst zu hinterlassen.
Elmar zieht in dessen Villa ein und neben gemeinsam eingenommenen Mahlzeiten und alkoholgeschwängerten Gesprächen, beginnt sich ein Vertrauensverhältnis zwischen beiden zu entwickeln, in dessen Verlauf Dr. Stotz auch von seiner Verlobten Melody erzählt, die vor über 40 Jahren, kurz vor dem geplanten Hochzeitstermin, spurlos verschwand.
Welches Schicksal steckt hinter diesem Ereignis?
Mögliche Erklärungen dafür gibt es viele, aber die Spuren verlaufen allesamt im Sande.
Auch Tom Elmer fängt an, sich zunehmend für diesen Fall zu interessieren.

Der Spannungsaufbau entsteht unterschwellig und so beiläufig, dass es anfangs kaum bewusst wahrgenommen wird und doch fesselt die Geschichte um das Schicksal von Melody von Beginn an. Der Plot glänzt mit der von Martin Suter gewohnten Raffinesse durch zahlreiche Überraschungsmomente.
Auf den geschickt von ihm eingestreuten Fährten, wandelt man beim Lesen immer wieder zwischen Wahrheit und Fiktion.
Ebenso facettenreich und ausgereift, wie die Handlung an sich, empfinde ich die auch Charaktere. Es ist eine Geschichte von der ich mich am Ende nur schweren Herzens trenne.
Ganz klar ein Highlight!

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Veröffentlicht am 03.04.2023

Klare Leseempfehlung!

Nomaden der Ozeane – Das Geheimnis der Meeresschildkröten
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Eine wundervolle Hommage und ein Appell an die Rettung einer ganz besonderen Spezies, die nicht nur bezaubernd, intelligent und beeindruckend ist, sondern leider auch vom Aussterben bedroht.

Ich konnte ...

Eine wundervolle Hommage und ein Appell an die Rettung einer ganz besonderen Spezies, die nicht nur bezaubernd, intelligent und beeindruckend ist, sondern leider auch vom Aussterben bedroht.

Ich konnte gar nicht anders, als die Einladung der Autorin anzunehmen und direkt in dieses Buch und damit in die verborgene Welt der Meeresschildkröten abzutauchen.

Wer hier ein ödes, langweiliges oder gar oberflächliches Sachbuch über Schildkröten erwartet, wird glücklicherweise enttäuscht!

Die Seiten sind stattdessen vollgespickt mit interessanten Fakten und wissenswerten Details über diese einzigartigen Tiere. Wer hätte gedacht, dass ihre urzeitlichen Vorfahren in Größe und Gewicht mit einem VW Käfers mithalten konnten, oder dass sie über einen unglaublich gut ausgeprägten Geruchssinn verfügen und sich am Magnetfeld der Erde orientieren oder aber auch an Arthritis leiden können?!
Insgesamt werden hier 7 verschiedene Arten von Meeresschildkröten genauer beschrieben:
Vom Tieftauchchampion Lederschildkröte, über die Bastardschildkröte, die ihre Eierablage gewöhnlich als Massen-Event zelebriert, bis hin zu den Gärtnern der Unterwasserwelt - den grünen Meeresschildkröte. Es wird ausführlich auf die Lebensräume, Besonderheiten, Unterschiede und Gewohnheiten eingegangen. Das Ganze ist so unterhaltsam erzählt, dass sich das Buch ähnlich wie ein Pageturner liest, mir dabei immer wieder ein Schmunzeln entlockt, aber vor allem auch bewegt und erschüttert, weshalb ich das ein oder andere Tränchen verdrücken muss. Besonders gut gefallen mir zu dem die zahlreichen beeindruckenden Fotos, Skizzen und die Illustrationen von Inka Hagen, die das Geschriebene sehr anschaulich machen und das Gesamtbild perfekt abrunden. Man kommt letztlich gar nicht umher, sich in diese wunderschönen Panzertierchen zu verlieben. Um so eindringlicher wirken die Kapitel, die aufzeigen, wie der Klimawandel, Wilderei, die “Geister der Meere” und andere Umweltverschmutzungen, die noch übrigen Meeresschildkröten schrittweise weiter ausrotten.
Ein echtes Herzens-Sachbuch für mich, das ich sicher immer mal wieder zur Hand nehmen werde.

Ganz viel Schildkrötenliebe und eine absolute Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 29.03.2023

Ein unbekannter Blickwinkel

Die Bibliothek der Hoffnung
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Eine Geschichte nach einer wahren Begebenheit. Es geht um eine unterirdische Bibliothek, die sich zu Zeiten des 2. Weltkriegs in der U-Bahnstation “Bethnal Green” befand und zum Treffpunkt vieler Menschen ...

Eine Geschichte nach einer wahren Begebenheit. Es geht um eine unterirdische Bibliothek, die sich zu Zeiten des 2. Weltkriegs in der U-Bahnstation “Bethnal Green” befand und zum Treffpunkt vieler Menschen wurde.

Wir lernen Clara Button und Ruby Munroe kennen, zwei junge engagierte Bibliothekarinnen und Freundinnen, wenn auch sehr unterschiedlich, die das Herz dieser Bibliothek bilden.Während Clara durch den Krieg zur kinderlosen Witwe geworden ist, führt Ruby ein geradezu ausschweifendes Leben, ohne sich binden zu wollen. Dies liegt unter anderem daran, dass sie tagtäglich mitansehen muss, wie ihr ständig alkoholisierter Stiefvater Viktor, ihre Mutter misshandelt, ohne dass diese den Mut findet, ihn zu verlassen. Clara macht vor allem ihre eigene Familie und der Chef das Leben schwer, der gegen die täglichen Vorlesestunden für die Kinder und strikt gegen die Ausleihe von Liebesromanen an die Fabrikarbeiterinnen ist und generell die Ansicht hat, dass Frauen ausschließlich hinter den heimischen Herd gehören. Und dann verbreitet auch noch ein Triebtäter Angst und Schrecken, dem Clara, Dank des Eingreifens von Sanitäter Billy, knapp entkommen kann.

Leid und Verlust, Liebe und Hoffnung, liegen hier sehr dicht beieinander, doch keine der beiden Frauen lässt sich davon unterkriegen.
Und was gibt es eine für schönere Message, als die, dass auch in Kriegszeiten, Bücher ein Rettungsanker für alle Menschen sind!

Ein vollkommen fesselnder historischer Roman, der einen für mich bisher unbekannten Blickwinkel auf die Geschehnisse im 2. Weltkrieg eröffnet und ein schönes Hörbuch mit passender Sprechstimme, das mich wieder einmal begeistert hat und ich nun sehr gerne weiterempfehlen möchte.

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Veröffentlicht am 08.03.2023

Bunt, wie das wahre Leben

Alle Farben meines Lebens
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Für mich fängt die Geschichte mit einem Kloß im Hals an. Drei Kinder, die bei einer psychisch kranken Mutter aufwachsen, unsichtbar sein müssen, jeder Tag wird zum Spießrutenlauf.
Alice ist 8 Jahre alt, ...

Für mich fängt die Geschichte mit einem Kloß im Hals an. Drei Kinder, die bei einer psychisch kranken Mutter aufwachsen, unsichtbar sein müssen, jeder Tag wird zum Spießrutenlauf.
Alice ist 8 Jahre alt, als sie entdeckt, dass sie die Aura der Menschen um sich herum in den unterschiedlichsten Farben sieht, je nachdem, in welcher Stimmung sie gerade sind. Mit der Zeit lernt sie auch die einzelnen Farben deuten und sich diese Fähigkeit zunutze zu machen.
Doch während ihr älterer Bruder Hugh, zu dem sie ein enges Verhältnis hat, wegzieht, ist sie über Jahre in dem toxischen Dunst ihrer Mutter Violet gefangen, während ihr kleiner Bruder sogar kriminell wird und im Gefängnis landet.
Ihre Lage scheint lange ausweglos, bis sie unvermittelt einem Menschen ohne Farben begegnet.

Nach einer längeren Durststrecke endlich mal wieder eine starke Geschichte von Cecilia Ahern, die überzeugt.
Kein Liebesroman, sondern die Geschichte über ein Leben, in dem vieles nicht so läuft, wie es sollte. Ungerechtigkeiten sind an der Tagesordnung, verpasste Chancen und mangelndes Durchsetzungsvermögen und Selbstbewusstsein legen der Hauptprotagonistin immer wieder Steine in den Weg, aber ihre besondere Begabung erweist sich auch Retter in der Not.

Ein wunderschönes Hörbuch mit einer sehr angenehmen Erzählstimme, die große Gefühle und unzählige vielschichtige Emotionen weckt und mich sehr berührt hat.
Wieder einmal ein Hörbuch-Highlight, das ich sehr gerne weiterempfehlen möchte!

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