Platzhalter für Profilbild

Arambol

Lesejury Profi
offline

Arambol ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Arambol über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2023

Einfach mutig sein!

Der Morgen (Art Mayer-Serie 1)
0


"Aber hier drin", sie tippte ihm an die Schläfe, "da bist du immer noch der kleine arme Junge, der glaubt, dass er nichts wert ist."

Nach der überragenden Tom Babylon Reihe nun der Auftakt in eine neue ...


"Aber hier drin", sie tippte ihm an die Schläfe, "da bist du immer noch der kleine arme Junge, der glaubt, dass er nichts wert ist."

Nach der überragenden Tom Babylon Reihe nun der Auftakt in eine neue Thriller-Serie: das ziemlich ungleiche Ermittlerteam Artur Mayer (ehemaliger Ex-BKA-Beamter) und Nele Tschaikowski (Kommissaranwärterin) arbeiten gemeinsam an ihrem ersten Fall.

Berlin im eisigen Winter kurz vor dem G20-Gipfel: An der Siegessäule wird eine Leiche gefunden und ein sehr konkreter Hinweis deutet auf den Kanzler der Bundesrepublik Deutschland...

Von Beginn an wird man mit enormen Tempo in eine ultra spannende Geschichte katapultiert. Man mag das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Spuren aus der Vergangenheit: Durch Rückblenden in ihre Jugendzeit erfahren wir viel zur Vorgeschichte der Protagonisten. Zunächst kann man aber nur rätseln wer aus der Jugend-Clique Jahre später wie in die aktuellen Entwicklungen verstrickt ist.

Marc Raabe erschafft sehr glaubhafte Charaktere mit ihren ganz eigenen, individuellen Stärken und Schwächen.
Art und Nele haben mich vollends überzeugt, ein neues Ermittlerduo, das absolut authentisch und sympathisch daher kommt. Unterschiedlicher könnten die beiden eigentlich nicht sein und dennoch verbindet sie ein immer stärker werdendes emotionales Band aus Verständnis und gegenseitigem Vertrauen.

Eine fast 600 Seiten lange wilde Achterbahnfahrt; ein Buch, das schon jetzt einen der vorderen Plätze meiner Liste zum Buch des Jahres 2023 einnimmt. Die Lösung des Falles ist überraschend, lange nicht vorhersehbar und gipfelt in einem dramatischen Finale.

"Der Morgen“ ist der perfekt gelungene Start in Marc Raabes neue Thrillerserie.
Ich freue mich sehr auf die angekündigte "Dämmerung" im Frühjahr 2024.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2023

Was würde Agatha tun?

Windstärke Tod (WaPo Cuxhaven 1)
0


"Die Möwen hatten sich heute früh scheinbar zum Wettschreien verabredet."

Ein Krimi von der Nordsee mit einer gehörigen Portion maritimen Flairs und einer touristischen Führung durch Cuxhaven inklusive: ...


"Die Möwen hatten sich heute früh scheinbar zum Wettschreien verabredet."

Ein Krimi von der Nordsee mit einer gehörigen Portion maritimen Flairs und einer touristischen Führung durch Cuxhaven inklusive: die Kugelbake, die Aussichtsplattform "Alte Liebe", der Steubenhöft, das Feuerschiff Elbe ...
Gut gemacht: Der Stadtplan im Inneren der vorderen Klappen-Broschur erleichtert die Orientierung in Cuxhaven.

Die von Beginn an recht hohe Anzahl an handelnden Personen sowie der sehr schnelle Wechsel zwischen den Schauplätzen haben mich anfänglich leicht verwirren können. Wer war jetzt nochmal genau was und welche Funktion hatte er oder sie?

Der Schreibstil ist recht unkompliziert, das Buch hat sich zügig lesen lassen.
Die vielen Charaktere erscheinen dabei etwas farblos, die Identifikation mit den Protagonisten fällt schwer.

Die Handlung ist durchaus interessant, abwechslungsreich und hat Potential; leider hat mich die Erzählweise nicht wirklich fesseln können. Auch der vereinzelt eingestreute Humor hat nicht immer meinen Geschmack getroffen:
"Lars' Unterlippe bewegte sich wie die Nordsee bei Windstärke 7."

Zum Ende wird alles schlüssig aufgelöst, größere Überraschungen gibt es dabei nicht. Es ist eine eher ruhig erzählte Geschichte, ich hatte mir etwas mehr Spannung erhofft.
Ein finaler Cliffhanger lässt auf eine geplante Fortsetzung schließen.

Vielleicht sehen wir uns wieder in Cuxhaven?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2023

Schuld vergeht nie

Mörderfinder – Mit den Augen des Opfers
0


"Manchmal verschwinden hier Menschen und tauchen nie wieder auf. "

Was ist vor über zwanzig Jahren in Klotten wirklich passiert? Fallanalytiker Max Bischoff ist wieder im Einsatz und macht sich wenig ...


"Manchmal verschwinden hier Menschen und tauchen nie wieder auf. "

Was ist vor über zwanzig Jahren in Klotten wirklich passiert? Fallanalytiker Max Bischoff ist wieder im Einsatz und macht sich wenig beliebt bei den Einwohner des kleinen Moseldorfes, wie auch bei den ermittelnden Kriminalbeamten des KK Koblenz.
Geheimnisse sind in Klotten gut aufgehoben: niemand erzählt irgendwas. Max dreht sich im Kreis: das kollektive Schweigen behindert mehr und mehr seine Ermittlungsarbeit.

Unterstützt wird Max v.a. von seinem Expartner und Freund Horst Böhmer aus Düsseldorf, sowie auch von einer ehemaligen Studentin von ihm: Jana Brosius, inzwischen Kriminalkommissarin auf Probe.
Und schließlich steht ihm der forensische Rechtspsychologe Dr. Marvin Wagner zur Seite; dessen äußerst sprachgewaltige Ausdrucksweise mir sehr gefallen hat. Es macht Spaß ihm wieder "zuzuhören".

Die Handlung des Thrillers ist klar strukturiert und dadurch angenehm flüssig zu lesen. Arno Strobel liefert mit dem neuen Mörderfinder einmal mehr bewährte, routinierte Lesekost ab.

Zwischen einzelnen Kapiteln gibt es mehrfach in kursiver Schrift gehaltene Abschnitte, die Gedanken und Beweggründe aus der Sicht des Täters oder der Täterin schildern.

Größere Wendungen und Überraschungen gibt es nicht, teilweise ist die Handlung durchaus vorhersehbar und hat einige ungewohnte Längen. Zum Ende hin wirkt die Handlung zunehmend konstruiert. Insgesamt ist Band 3 mehr Krimi als Thriller: für den nächsten Mörderfinder ist in puncto Spannung noch Luft nach oben.

Mich hat das Buch dennoch gut unterhalten, ich möchte gerne weiterhin mit Max Bischoff auf Mördersuche gehen. Aber unbedingt (nur) zusammen mit Dr. Wagner:
"Gehaben Sie sich wohl. Auf bald."

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2023

Eine Liebe im Strandcafé

Wo der Seewind flüstert. Die St.-Peter-Ording-Saga
0

"Die eigene Familie darf man nicht im Stich lassen."

Deutschland in den späten 50er Jahren: der Discounter heißt noch Kolonialwarenladen, anstatt bei Amazon bestellt man beim Otto Versand Hamburg. Schalke ...

"Die eigene Familie darf man nicht im Stich lassen."

Deutschland in den späten 50er Jahren: der Discounter heißt noch Kolonialwarenladen, anstatt bei Amazon bestellt man beim Otto Versand Hamburg. Schalke 04 spielt in der Glückaufkampfbahn, der Bikini steht gerade hoch im Kurs. Es ist heiß im Sommer 1959 und das Leben geht seinen Weg.

Viele träumen von Bella Italia und einem Urlaub am Gardasee. Auch das junge Fräulein Sabine aus Gelsenkirchen-Bismarck, doch das Schicksal hat andere Pläne für sie: die deutsche Nordseeküste.

Sprachlich wird man von der Autorin Tanja Kanz ganz wunderbar und einfühlsam in die Mentalität und das Lebensgefühl der Jahre 1959/1960 mitgenommen. Die Lektüre versprüht viel Zeitgeist und der bildhafte Erzählstil läßt die große Kulisse St. Peter Ording präsent sein und lebendig werden. Fast hört man das Geschrei der Möwen und kann die Kraft der Brandung spüren.

Es ist eine sommerleichte Geschichte um wahre Gefühle, eine erste große Liebe, aber auch Sehnsucht, Enttäuschung und Kummer.
Das Schicksal zweier junger Menschen zu einer Zeit, in der Entfernungen noch schier unüberbrückbar scheinen.

Familäre Verpflichtungen zwingen die Hauptcharaktere immer wieder, ungeliebte Entscheidungen zu treffen und einen gänzlich anderen als den erträumten Lebensweg einzuschlagen.

Locker leichte Sommerunterhaltung:
Der Auftakt in die große St.-Peter-Ording-Saga ist gelungen, ich habe mich sehr wohlgefühlt und bin gespannt was die Dünen verheißen und die Gezeiten versprechen...

Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2023

Jeder Mensch hat Fragen

Wo ist die Mitte des Weltalls?
0

"Nun ja wir leben in einer seltsamen Realität..."

Es ist sehr lange her, dass ich das letzte Mal ein populärwissenschaftliches Buch in der Hand gehabt habe, das so viel Spaß gemacht hat. Selbst die Fußnoten ...

"Nun ja wir leben in einer seltsamen Realität..."

Es ist sehr lange her, dass ich das letzte Mal ein populärwissenschaftliches Buch in der Hand gehabt habe, das so viel Spaß gemacht hat. Selbst die Fußnoten sind extrem unterhaltsam und sehr witzig geschrieben.

In den 60er Jahre geboren, habe ich die Anfänge der Raumfahrt bis hin zur ISS miterlebt. Deshalb interessieren mich Astronomie und Astrophysik von jeher.

Das Prinzip von Ursache und Wirkung: im Buch werden Fragestellungen behandelt, die wir uns sicherlich alle schon mal gestellt haben. Wieso sind Reisen in der Zeit nicht möglich? Wenn es unendlich viele Planeten gibt, auf denen intelligentes Leben möglich ist, weshalb ist die Erde dann immer noch nicht von Außerirdischen besucht worden?

Die Themen sind alles andere als trivial (die Lektüre setzt ein gewisses Interesse im Fach Physik voraus), die Erklärungen erscheinen immer schlüssig; viele AHA-Momente inklusive. Natürlich liefert die Lektüre aber keine allumfassende Weltformel die unser Universum erklärt. Leider etwas zu oft lautet die Erklärung: was die moderne Physik nicht ausschließen kann, ist demnach faktisch möglich und somit sogar mehr als wahrscheinlich. Auch wird mir zu oft mit unendlich großen (alternativ unendlich kleinen) unvorstellbaren Dimensionen und Zahlen argumentiert.

Trotzdem schafften es die Autoren mehrfach, mich bei der Erläuterung von komplexen Sachverhalten mit viel Wortwitz zu verblüffen. Es macht einfach Spaß den Gedankens zu folgen und sich auf die formulierten Thesen einzulassen.

Aber mal ehrlich: Spielen eigentlich ehrlich Bananen und eine sehr bekannte Nuss-Nougat-Creme eine so entscheidende Rolle bei der Erklärung unserer Welt? Und wie viele Liter Kaffee haben die Autoren beim Schreiben dieses Buches tatsächlich verschüttet?

Den mehr als 300 Cartoons hätte ich gerne - im wahrsten Sinne des Wortes - mehr Platz eingeräumt. Sie sind gut gelungen, nicht nur Zugabe, aber teilweise unscheinbar klein.

Eine Leseempfehlung für alle, die sich zumindest ansatzweise für Physik interessieren (sollten) und ganz weit über den Tellerrand hinaussehen möchten. Sie sollten bereit sein, viel Vorstellungsvermögen und Fantasie mitzubringen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere