Profilbild von Archer

Archer

Lesejury Star
online

Archer ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Archer über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.02.2025

Wild Wild West East

Kummersee
0

Vor mehr als dreißig Jahren hat die Polizistin und Personenschützerin Lena im Kummersee ihren Bruder verloren, der bei dem Versuch, sie zu retten, selbst ertrunken ist. Die damals Neunjährige war überzeugt ...

Vor mehr als dreißig Jahren hat die Polizistin und Personenschützerin Lena im Kummersee ihren Bruder verloren, der bei dem Versuch, sie zu retten, selbst ertrunken ist. Die damals Neunjährige war überzeugt davon, ein Monster gesehen zu haben, doch niemand glaubte ihr. Jetzt kehrt Lena mit Vermessern in ihre alte Heimat zurück, doch niemand ist davon begeistert. Die Vermesser sollen herausfinden, ob man ein Atomendlager in der Gegend anlegen kann; nicht nur Umweltschützer gehen auf die Barrikaden. Dann stirbt zuerst einer der Vermesser, dann jugendliche Umweltschützer und Lena erkennt, dass alles nicht nur mit dem Kummersee zusammenhängt, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit.

Ich weiß gar nicht so recht, was ich von der Geschichte halten soll. Der Prolog war sehr stimmig und konnte gut mitnehmen, doch dann ging es mit der Gegenwart und der erwachsenen Lena weiter. Und ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass Lena mit ihren psychischen Problemen überhaupt Polizistin hätte werden können, geschweige denn Personenschützerin. Aber gut. Die Geschichte plätschert eine Weile wie der Kummersee vor sich hin, bis dann die Morde geschehen. Was nach dann nach einer eher zähen Ermittlung folgt, lässt schon manchmal an den Kopf greifen. Die von Angstzuständen geplagte Lena, die noch nie ihrem Leben getaucht ist, geht bei Nacht und Nebel in ein offenes Wasser, taucht auf zehn Meter runter und verteidigt sich da unten gegen ausgebildete Kampfschwimmer. Als wäre das nicht genug, dreht der Autor danach erst völlig auf, als wollte er den etwas zu ruhigen Anfang irgendwie ausgleichen und macht zum Schluss eine wilde All-Out-Shooting-Story draus, bei der gefühlt alle Leute, die im Buch vorkamen, drauf gehen. Dass die Begründung für all die Geschehnisse dann mit einer an den Haaren herbeigezogenen Ost-West-Geschichte erklärt werden, hat mich dann auch nicht mehr groß gestört. Ich sag's, wie es ist: Dank des guten Sprechers erhält das Buch noch wohlwollende 3 Punkte.

Veröffentlicht am 22.02.2025

Libertatem

The Stars are Dying
0

Alle hundert Jahre gibt es im Königreich einen Wettkampf, das Libertatem. Wer sein Land vertritt und gewinnt, der sorgt dafür, dass eben dieses Land im nächsten Jahrhundert nicht von Vampiren heimgesucht ...

Alle hundert Jahre gibt es im Königreich einen Wettkampf, das Libertatem. Wer sein Land vertritt und gewinnt, der sorgt dafür, dass eben dieses Land im nächsten Jahrhundert nicht von Vampiren heimgesucht wird. Astraea kann sich nicht an ihr Leben erinnern. Vor fünf Jahren wurde sie blutend von Hektor gefunden und gerettet und lebt seitdem verborgen in seinem Etablissement. Ihre einzige Freundin ist Cassia, die demnächst für ihr Land zum Libertatem antreten soll. Astraea begleitet sie - doch als Cassia getötet wird, bleibt ihr nichts anderes übrig, als selbst im Libertatem anzutreten. Dabei wird sie von dem geheimnisvollen Nyte unterstützt, den außer ihr niemand sehen kann, und anderen Leuten, die alle ihre eigene Agenda haben und mehr über Astraeas Vergangenheit zu wissen scheinen als sie selbst.

Die Idee dieses Buch hat mich von Anfang an gepackt und auch die ersten hundert Seiten waren recht ansprechend. Doch plötzlich gab es einen Bruch. Wo anfangs noch ein roter Faden erkennbar war und das Ganze auch recht nachvollziehbar anmutete, wird die Geschichte plötzlich wirr, verlor den roten Faden und jegliche Logik. Astraea ist natürlich keine ausgebildete Kriegerin und das verlangte ja auch keiner - zumal ganz ehrlich, die "Prüfungen", die beim Libertatem drankamen, ließen den Verdacht aufkommen, dass jemand Hunger Games bei Wish bestellt hat. Aber was man verlangen kann, ist eine Entwicklung des Hauptcharakters, sprich Astraeas. Diese Frau jedoch zeichnete sich von Anfang bis zum Ende durch übertriebene Unfähigkeit aus. Seltsamerweise schien das niemanden zu stören, alle, die eh auf ihrer Seite waren, versicherten ihr immer wieder, dass sie alles für sie täten. Ich hatte das Gefühl, dass Astraea selbst beim Schuhebinden überfordert gewesen wäre (vielleicht wurden deshalb Schuhe mit Klettverschluss erfunden?). Sie wurde permanent von allen anderen gerettet, schwankte ständig zwischen "Hui, bin ich stark" und "Uh, das kann ich nicht". Ja, sie wurde von ihrem "Retter" kleingehalten und mit Tabletten ihre Fähigkeiten unterdrückt, aber das erklärte trotzdem nicht, warum sie sich so gar nicht weiterentwickelte.

Das Schlimme ist auch, dass sich die Geschichte las, als hätte die Autorin sämtliche gerade gehypten Bücher miteinander vermischt. Es gab keinerlei Überraschungen bei den Dingen, die irgendwie logisch waren - auch wenn diese Dinge immer seltener vorkamen. Was mich auch massiv gestört hat, war, dass Astraea lediglich einen verräterischen, toxischen und manipulativen Mistkerl (Hektor) gegen einen anderen (Nyte) ausgetauscht hat. Nyte sollte als der mysteriöse, morally grey Bookboyfriend rüberkommen, war aber einfach nur ein Ar... - ihr wisst schon. Diese furchtbare Abhängigkeit, die Astraea zu Nyte hatte, sollte als star crossed verkauft werden, ebenso das sinnlose Hin und Her aus "Liebe" und Hass, aber es waren einfach nur noch sinnlos aneinandergereihte Szenen, die für Irritierung selbst bei den wohlgesonnensten LeserInnen sorgten. Mir kam das Buch wirklich so vor, als wären lediglich die ersten paar Seiten lektoriert worden und ab da hätte man ein nicht überarbeitetes Manuskript verwendet. Ich bin einfach nur frustriert, weil das Buch so, so viel Potenzial gehabt hätte und so völlig gegen die Wand gesetzt wurde. 1.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 17.02.2025

Alpha & Omega

The Fake Mate – Die Liebe ist eine Bestie für sich
0

Mackenzie ist Ende 20 und Assistenzärztin an einem großen Krankenhaus. Außerdem ist sie eine Werwölfin und Omega. Um den Datevorschlägen ihrer Oma zu entkommen, behauptet sie, sich mit jemanden zu treffen. ...

Mackenzie ist Ende 20 und Assistenzärztin an einem großen Krankenhaus. Außerdem ist sie eine Werwölfin und Omega. Um den Datevorschlägen ihrer Oma zu entkommen, behauptet sie, sich mit jemanden zu treffen. Zum Glück ist der mürrische Kardiologe und Alphawerwolf Noah in einer ähnlichen Situation. Er muss dem Krankenhausvorstand eine Gefährtin präsentieren, also faken die beiden eine Beziehung. Was ihnen nicht bewusst ist: Zwischen Alphas und Omegas herrschen besondere Bedingungen und so wird ihre Beziehung sehr schnell nicht nur nicht fake, sondern auch sehr körperlich und emotional.

Okay. Ich gestehe, die Bücher von Ali Hazelwood sind mein guilty pleasure und hier haben wir eine Geschichte vorliegen, die sich relativ offensichtlich sowohl an Lovehypothesis als auch an Bride bedient. Das hätte mir gar nicht so viel ausgemacht, wenn die Handlung gut entwickelt worden wäre oder wir einen schönen Schreibstil hätten. Doch schon da hapert es an allen Ecken und Enden. Unsere Charaktere werden als mega intelligent beschrieben, sind aber scheinbar außerstande, die einfachsten Zusammenhänge zu begreifen. Noah, der ach so geniale Kardiologe, kommt manchmal so absolut begriffsstutzig daher; ansonsten war er awkward und mürrisch. Während Mackenzie etwas mehr Fleisch auf den literarischen Rippen hatte, aber außer Fröhlichkeit und eine Vorliebe für Suppen blieb mir von ihr nichts in Erinnerung.

Der Schreibstil ist zwar meistens recht gefällig zu lesen, aber es wurde so viel gegrinst, gelacht oder gelächelt, dass für nichts anderes mehr Platz blieb. Vor allem stört es mich gewaltig, wenn Sätze gelacht werden. Und das auf jeder Seite. Und auch wenn ich Sex(szenen) so sehr mag wie jeder andere, so brauche ich nicht gefühlt die Hälfte von 600 Seiten mit Sex. Anstelle der Annahme, dass Sex sells, hätte man sich lieber bei der Prämisse und vor allem der Logik der Geschichte mehr Zeit nehmen sollen.

Mackenzie zum Beispiel ist beinahe 30, lässt sich von ihrer Oma aber vorschreiben, ob sie endlich mal einen Mann findet? Die Oma ist sicherlich nett, aber so übergriffig, dass es einen gruseln konnte. Das galt übrigens auch für sämtliche "FreundInnen" und Bekannte, die in dem Buch vorkamen. Sollte wahrscheinlich als besonders lustig oder freundschaftlich rüberkommen, aber was sich die Leute da in Beziehungen einmischten, war creepy. So richtig lächerlich war übrigens der Schluss. Der fiese Antagonist: wurde übrigens nur als fies von sowohl Mackenzie als auch Noah beschrieben, denn eigentlich - ohne dass ständig mitgeteilt wurde, er sei fies - war er nur freundlich und hat nicht mal halb so viel gelächelt oder gegrinst wie der ach so mürrische Noah. Bei Noah ist es allerdings hach-hach-hach, bei ihm war es immer "schleimig". Wie auch immer. Der megageniale Noah lässt sich allen Ernstes von jemandem erpressen, der einfach was behauptet. Wo am Ende Aussage gegen Aussage stehen würde und es sowieso noch einen Diskriminerungsparagraphen gibt, da zieht der mächtige Alpha winselnd seinen knotigen Kolben ein, um "Mackenzie nicht zu schaden". Selten so einen Stuss gelesen, sorry.

Das einzig Positive, was mir zu dieser Story einfällt, ist, dass Noah keine Red Flag war und sich Mackenzie oft als relativ tough erwies. Ansonsten kommt mir das Ganze eher wie eine Fanfiction zu verschiedenen Ali-Hazelwood-Stories vor, allerdings ohne auch nur annähernd diese Qualität zu erreichen.

Veröffentlicht am 15.02.2025

Hüter des Kelches

Campion. Tödliches Erbe
0

Albert Campion ist wohl das, was man am besten als Universaldilettant bezeichnet. Wohlhabend genug, um nicht arbeiten zu müssen, setzt er sein außergewöhnliches Gehirn ein, um außergewöhnliche Fälle zu ...

Albert Campion ist wohl das, was man am besten als Universaldilettant bezeichnet. Wohlhabend genug, um nicht arbeiten zu müssen, setzt er sein außergewöhnliches Gehirn ein, um außergewöhnliche Fälle zu lösen. Manchmal sogar, bevor ein Verbrechen geschieht, wie es im Falle der Familie Gyrth scheint. Seit vielen hundert Jahren ist diese Familie Hüter eines besonderen Kelches und auf den hat es eine ungewöhnliche Verbrecherbande abgesehen. Campion tut sich mit dem Sohn und der Tochter des Hauses zusammen, um dieses Verbrechen zu verhindern. Dabei helfen ihm nicht nur seine grauen Zellen, sondern auch Verbündete in allen Teilen des Landes und aus allen Schichten.

Das ist kein Krimi, wie man ihn heutzutage noch zu lesen bekommt, dennoch fand ich ihn sehr unterhaltsam und kurzweilig. Erstaunlich modern sind hier alle, obwohl das Buch in den 30igern des 20. Jahrhunderts geschrieben wurde. (Für Leute, die damit kognitive Probleme haben: Das ist etwa 90 Jahre her.) Gut gefallen hat mir, dass Frauen hier keine Nebenrolle spielten und nicht nur ihren eigenen Kopf hatten, sondern auch ihr eigenes Ding machten. Eher ungewöhnlich sind die Ermittlungsmethoden unseres Helden, aber andererseits ist so ein Netzwerk aus Leuten das, was wir heute übers Internet regeln und ich fand es einfach nur mega. Ein bisschen zu schnell ging mir die Auflösung, aber alles in allem ist das eine Wiederentdeckung, bei der ich gegen weitere Fälle überhaupt nichts einzuwenden hätte.

Veröffentlicht am 12.02.2025

Kleopatras Vermächtnis

Geheimnisse des Nil, Band 1 - What the River Knows
0

Inez ist die Tochter reicher Argentinier, die in Ägypten Ausgrabungen finanzieren und deshalb immer ein halbes Jahr lang dort verbringen. Zu gern hätte Inez sie begleitet, doch ihre Eltern haben immer ...

Inez ist die Tochter reicher Argentinier, die in Ägypten Ausgrabungen finanzieren und deshalb immer ein halbes Jahr lang dort verbringen. Zu gern hätte Inez sie begleitet, doch ihre Eltern haben immer abgelehnt. Und jetzt erreicht sie ein Brief mit der Mitteilung über den Tod ihrer Eltern. Inez ist wild entschlossen herauszufinden, was mit ihnen passiert ist und schafft es tatsächlich, nach Ägypten zu gelangen, obwohl das Ende des 19. Jahrhunderts nicht einfach ist. Doch weder ihr eigener Onkel noch dessen Mitarbeiter Whit wollen sie in Ägypten haben und sie verbergen viele Geheimnisse vor ihr. Als Inez mit einem magischen Ring in Berührung kommt, sieht sie Visionen von Kleopatra und plötzlich ist sie für mehrere Parteien interessant - und gefährdet.

Ich wollte diese Geschichte so sehr mögen, dachte ich doch, es würden Peabody-Vibes kommen. Und ja, manchmal bekam man das auch, aber das wurde überschattet durch die furchtbare Beziehung, die zwischen diesem Whit und Inez konstruiert wurde. Whit ist widerlich. Er behandelt die junge Frau von oben herab, stinkt permanent nach Alkohol und tut eigentlich nie was anderes, als "lässig irgendwo gegenzulehnen". Woher Inez ihre Faszination für ihn entwickelte, war mir schleierhaft. Andererseits war auch Inez nicht die hellste Kerze auf der Torte und sie wechselte ihre Meinungen schneller als ihre Unterwäsche. Witzig auch, dass ihr Onkel und sie immer die Gier der Briten und deren Ausgrabungsverhalten und den Diebstahl ägyptischer Kultur verurteilten, allerdings: Was machten sie denn mit dem Zeug? Als ob irgendwelche Nichtägypter sich bei Ausgrabungen anders verhalten hätten. Im Übrigen musste Inez immer nach Luft schnappen oder theatralisch reagieren. Und obwohl sie die Ich-Erzählerin ist, weiß sie immer genau, dass sie rot oder blass wird. Wahrscheinlich hat sie ständig den Spiegel vor der Nase gehalten. Richtig magisch wurde die Geschichte auch nicht, dafür kam mir dieser Teil etwas zu kurz. Und ein Tuch, das um den Hals getragen wird und aus dem magisch kochendes Wasser tropft, mit dem man seinen Kaffee aufbrüht, finde ich tatsächlich eher eklig, besonders wenn man bedenkt, wie sehr man schwitzt und dreckig wird.

Mir sind auch einige Fehler in dem Buch aufgefallen und das Korrektorat scheint auch Probleme mit dem Imperativ zu haben, denn es heißt zum Beispiel "Tritt zurück" und nicht "Trete zurück". Solche Sachen kamen immer mal wieder vor. Statt in einen Farbschnitt sollten Verlage lieber in ordentliche Korrektorate investieren. Ach so: Was der Fluss weiß? Keine Ahnung. Der spielte keine wirkliche Rolle und weiß wohl selbst nicht, was er hier im Titel zu suchen hatte.