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Veröffentlicht am 04.04.2026

Kleine Lebensweisheiten

Zeit für meine Träume
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Dieser Roman ist ein liebenswertes, zugleich nachdenkliches Buch, das auf leichte Weise wichtige Lebensfragen berührt. Im Mittelpunkt steht eine 38-jährige Frau, deren Name nie genannt wird. Sie steckt ...

Dieser Roman ist ein liebenswertes, zugleich nachdenkliches Buch, das auf leichte Weise wichtige Lebensfragen berührt. Im Mittelpunkt steht eine 38-jährige Frau, deren Name nie genannt wird. Sie steckt in einer tiefen Lebenskrise: Ihr Mann hat sie für eine andere verlassen, die zudem ein Kind von ihm erwartet. Ein besonders schmerzhafter Umstand, da sie selbst jahrelang vergeblich versucht haben, Eltern zu werden. Verloren und emotional erschöpft trifft sie eher zufällig auf Lotte, eine lebensfrohe Seniorin, die in einer Senioren-WG lebt.

Lotte verkörpert das genaue Gegenteil der Protagonistin: Mit ihrer positiven Grundeinstellung sieht sie selbst in schwierigen Situationen das Gute. Durch die Begegnung mit ihr und den zwei anderen BewohnerInnen der WG beginnt die junge Frau langsam ihre Perspektive zu verändern. Die Lebensgeschichten der älteren Generation zeigen ihr, dass das Leben selten geradlinig verläuft und auch Fehlentscheidungen ihren Platz haben. Gerade diese Erfahrungen vermitteln Mut und machen deutlich, wie wichtig es ist, nicht in der Vergangenheit zu verharren.

Der Roman überzeugt durch einen flotten, angenehmen Schreibstil und lässt sich sehr gut lesen. Trotz seiner Leichtigkeit besitzt er Tiefgang und regt immer wieder zum Nachdenken an. Humorvolle, pfiffige Szenen wechseln sich mit stillen, berührenden Momenten ab. Eine gelungene Mischung, die den Ernst des Lebens mit einem Augenzwinkern betrachtet.

Besonders schön ist die Botschaft des Buches: den eigenen Weg zu gehen, sich seinen Träumen zu stellen und den Blick bewusst auf das Positive zu richten. Fast wirkt die Geschichte wie ein kleiner Ratgeber, der sich geschickt in eine warmherzige Erzählung kleidet.

FAZIT: Ein Buch, das Mut macht, neue Perspektiven eröffnet und zeigt, dass es nie zu spät ist, dem Leben wieder zu vertrauen. Für mich eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 04.04.2026

Düster, verspielt und absolut spannend

Darkly
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Schon vorweg: Der Thriller Darkly von Marisha Pessl hat mich restlos begeistert!

Bereits das schwarze Cover mit der leicht holographisch verspielten Zeichnung ist ein echter Hingucker. Das kunstvoll gestaltete ...

Schon vorweg: Der Thriller Darkly von Marisha Pessl hat mich restlos begeistert!

Bereits das schwarze Cover mit der leicht holographisch verspielten Zeichnung ist ein echter Hingucker. Das kunstvoll gestaltete Stundenglas und die filigranen Ranken laden dazu ein, genauer hinzusehen, denn dazwischen verstecken sich viele kleine Details. Diese Verspieltheit spiegelt perfekt die Atmosphäre des Romans wider.

Auch inhaltlich konnte mich das Buch vollkommen überzeugen.
Der Klappentext hat sofort meine Neugier geweckt: Die 17-jährige Dia setzt sich gegen 600.000 Mitbewerber durch und sichert sich einen der begehrtesten Praktikumsplätze bei der legendären Louisiana-Veda-Foundation.
Noch ganz überwältigt von ihrem Glück, findet sie sich mit sechs weiteren Auserwählten auf einer einsamen Insel wieder. Dort müssen sie sich in dem berühmten Darkly-Spiele Walküre beweisen, um das Verschwinden eines ehemaligen Mitspielers aufzuklären.
Doch können sie auch das Geheimnis um die umstrittene, aber geniale Gründerin und Erfinderin dieser Spiele Louisiana Veda lüften?

Dia, aus deren Perspektive der Thriller erzählt wird, ist mir von Anfang an ausgesprochen sympathisch. Sie ist eigensinnig, eigenwillig, auf eine charmante Weise exzentrisch und fast schon altmodisch in ihrer Individualität. Gerade weil sie sich nicht anpasst und konsequent ihren eigenen Weg geht, wirkt sie unglaublich authentisch. Im Vergleich dazu verblassen viele der anderen Figuren, was ihre starke Persönlichkeit nur noch mehr unterstreicht.

Die Handlung ist durchgehend packend. Die Idee, ein Spiel, das ursprünglich als ein Holzbrettspiel konzipiert wurde, in die Realität zu übertragen, ist ebenso faszinierend wie beklemmend. Ich habe bis zur letzten Seite mitgefiebert. Immer wieder sorgen überraschende Wendungen für Spannung, und selbst auf den letzten Seiten hält der Roman noch einen echten Knalleffekt bereit.

FAZIT: Ein ideenreicher, fesselnder Thriller, der von der ersten bis zur letzten Seite begeistert. Für mich ein absolutes Lesehighlight und tatsächlich ein Buch, an dem ich nichts auszusetzen habe.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Spannend, düster und nicht immer leicht zu durchschauen

Vesselless – Mein verräterisches Herz
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Nizzara, Tochter des Königs von Zarr, wächst in einer Welt auf, die von ständigen Intrigen, Machtkämpfen und tödlichen Duellen geprägt ist. Um ihren Thron zu sichern, wird sie von ihrem Vater gezwungen, ...

Nizzara, Tochter des Königs von Zarr, wächst in einer Welt auf, die von ständigen Intrigen, Machtkämpfen und tödlichen Duellen geprägt ist. Um ihren Thron zu sichern, wird sie von ihrem Vater gezwungen, eine Vessel zu tragen, einen nicht abnehmbaren Ring, mit dem der Träger einen Geist an sich binden und dessen Macht und Fähigkeiten nutzen kann.

Die Handlung wird abwechselnd aus der Perspektive der beiden Hauptcharaktere Nizzara und Dagen erzählt. Ihre Gefühle und Gedanken wirken dabei sehr authentisch und nachvollziehbar. Vor allem Nizzaras Persönlichkeit ist stark, vielschichtig und mir äußerst sympathisch. Obwohl sie den ständigen Repressalien ihres Vaters ausgesetzt ist, versucht sie, Freiräume und Möglichkeiten zu finden, um ihr Mitgefühl und ihre Menschlichkeit zu bewahren. Dabei gerät sie immer wieder in Konflikt mit ihren Pflichten und den an sie gestellten Erwartungen.

Der Weltenbau ist äußerst innovativ und komplex. Der Leser begegnet Wesen aus unterschiedlichen Dimensionen, die bis zum Ende hin rätselhaft bleiben. Im letzten Viertel des Buches werden die Zusammenhänge jedoch zunehmend komplizierter und für mich teilweise schwer zu durchschauen. Hier hätte ich mir stellenweise etwas mehr Klarheit gewünscht.

Die Atmosphäre des Buches ist durchweg bedrohlich und düster. Die Kämpfe und Duelle sind bildhaft und grausam geschildert, was für mich gut zur finsteren Grundstimmung passt, aber möglicherweise nicht jedermanns Geschmack ist.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Ich fand sofort in die Handlung hinein, und die Spannung wird konstant hochgehalten, bevor sich die Ereignisse zum Ende hin regelrecht überschlagen. Die Liebesgeschichte zwischen Nizzara und dem Geist Dagen entwickelt sich sehr langsam und findet in einem fiesen Cliffhanger ein abruptes Ende.

FAZIT: Ein spannender Fantasyroman mit innovativem Weltenbau, der zum Ende hin viele Fragen offenlässt. Trotz kleinerer Schwächen spreche ich eine klare Leseempfehlung aus und freue mich bereits auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Gesellschaftsstudie

Prep
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Die 14-jährige Lee schafft es in den 1990er-Jahren mit einem Stipendium und gegen den Willen ihrer Eltern auf das Eliteinternat Ault bei Boston. Dort muss sie sich unter Mitschülern behaupten, die größtenteils ...

Die 14-jährige Lee schafft es in den 1990er-Jahren mit einem Stipendium und gegen den Willen ihrer Eltern auf das Eliteinternat Ault bei Boston. Dort muss sie sich unter Mitschülern behaupten, die größtenteils aus sehr elitären Kreisen entstammen. Das Buch begleitet Lee vier Jahre lang.

Der Schreibstil ist leicht und angenehm zu lesen. Erzählt wird die Geschichte ausschließlich aus der Ich-Perspektive, wodurch man direkten Einblick in Lees Gedanken und Gefühle erhält. Dennoch fiel es mir schwer, eine wirkliche emotionale Verbindung zur Protagonistin aufzubauen. Obwohl Lee durchaus authentisch wirkt, blieb sie für mich distanziert. Ihr Verhalten ist stark von Unsicherheit und mangelndem Selbstwert geprägt. Dies zieht sich leider konsequent durch die gesamte Handlung und passt für mich irgendwie nicht zu dem Mädchen, das sich gegen ihre Eltern durchsetzt, um in einer elitären Schule aufgenommen zu werden. Ihre anhaltende Unsicherheit empfand ich mit der Zeit eher als anstrengend bis nervend und leider konnte ich im Verlauf der Geschichte kaum eine Entwicklung erkennen.

Insgesamt würde ich dem Buch das Prädikat „interessant“ verleihen. Besonders die detaillierten Beschreibungen des Internatslebens und der dortigen Rituale sind gelungen. Ebenso spannend ist die Darstellung der sozialen Spannungen zwischen Stipendiaten und der privilegierten Schülerschicht. Hier zeigt sich die Stärke des Romans als Gesellschaftsstudie.

Allerdings verliert sich die Autorin stellenweise in ausführlichen Beschreibungen, wodurch die Handlung oft langatmig wirkt. Wirkliche Spannung kommt nur selten auf. Die Erzählung plätschert über weite Strecken dahin. Mehrfach hatte ich das Bedürfnis, Passagen zu überfliegen und musste mich teilweise zum Weiterlesen motivieren.

Insgesamt hatte ich mir deutlich mehr erhofft. Insbesondere vermisse ich stärkere Konflikte und eine klarere Entwicklung der Protagonistin.

FAZIT: Eine interessante, detaillierte Darstellung des Lebens und der sozialen Strukturen an einem Eliteinternat, der es jedoch an Spannung fehlt. Daher keine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Faszinierend, beklemmend und deprimierend

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Ich bin ziemlich zwiegespalten aus diesem Roman gegangen.
Die auf dem Klappentext angekündigte Ausgangssituation hat mich sofort fasziniert: 39 Frauen und ein Mädchen lebt abgeschottet unter der Erde, ...

Ich bin ziemlich zwiegespalten aus diesem Roman gegangen.
Die auf dem Klappentext angekündigte Ausgangssituation hat mich sofort fasziniert: 39 Frauen und ein Mädchen lebt abgeschottet unter der Erde, ohne Erinnerung an ein Leben davor, bewacht von wenigen schweigsamen Männern. Der Grund für ihre Gefangenschaft ist unbekannt.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist die gedankliche Tiefe. Die Geschichte wirkt wie ein philosophisches Experiment über Freiheit, Identität und das, was vom Menschsein übrig bleibt, wenn alles Vertraute wegfällt. Das Mädchen, das nie einen Namen erhält und von den anderen nur "Kind" genannt wird, führt durch diese trostlose und hoffnungslose Welt. Der Schreibstil ist wunderschön, klar und unaufgeregt.

Gleichzeitig war die Lektüre für mich anstrengend. Äußerlich passiert kaum etwas. Fast alles spielt sich in den inneren Monologen des Mädchens ab. Die zahlreichen Wiederholungen, die Stille und die kreisenden Gedanken waren für mich als Leserin teilweise wirklich ermüdend.

Die Stimmung des Romans ist durchgehend melancholisch bis depressiv. Die Atmosphäre empfand ich als sehr erdrückend. Hoffnung blitzt zwar ab und zu auf, ist aber sehr unbeständig und wird immer wieder von einer tiefen Resignation überschattet.

Ob ich es als feministischen Roman bezeichnen würde, weiß ich nicht. Für mich steht weniger ein klares politisches Statement im Vordergrund als vielmehr eine existenzielle Auseinandersetzung mit Isolation und Sinnsuche.

Auch das Ende ließ mich etwas ratlos und auch frustriert zurück, denn eigentlich bleiben alle Fragen offen und die depressive Stimmung hält sich.

FAZIT: Ein ungewöhnliches, intensives Buch, das zum Nachdenken anregt, das ich aber nicht uneingeschränkt empfehlen kann.

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