Regt zum Nachdenken an
HomesickRein durch den Schreibstil wäre ich sehr einfach in den Text gekommen, aber die vielen Kurzkapitel von nur einer Buchseite haben es mir etwas erschwert. Ich konnte mich gar nicht so schnell einfinden, ...
Rein durch den Schreibstil wäre ich sehr einfach in den Text gekommen, aber die vielen Kurzkapitel von nur einer Buchseite haben es mir etwas erschwert. Ich konnte mich gar nicht so schnell einfinden, da kam schon wieder ein anderes Setting, eine neue Szene, andere Figuren.
Ich fand es merkwürdig, dass Mara ihren Chef oder generell immer als "Erwachsene" bezeichnet hat, als wäre sie ein Kind und nicht 26. Genauso als die Mutter ihres Freundes quasi am Telefon für ihn Schluss macht. Fand es beim nächsten Treffen richtig peinlich, als er später um halb 10 seine Mom anruft, um ihr zu sagen, dass er länger mit seiner Freundin abhängt, und die Mutter sagt, okay ich werde nicht aufbleiben. Das hatte für mich gar nichts von einer erwachsenen Beziehung, sondern Richtung Teenies. Keiner der Figuren hat verantwortlich für sich und sein Leben übernommen. Tom und Mara haben sich entweder angeschwiegen oder sie ihn bemuttert.
Die "dramatische Fernbez." habe ich auch nicht verstanden bei einer Entfernung von 90-120min.
Generell habe ich ein erwachsenere, reflektiertere Figuren erwartet wg des Alters, aber man sollte das Buch als Übergangsphase zum Erwachsenwerden lesen.
Der Schreibstil hat mir letztlich sehr gut gefallen, die Kapitel waren später nämlich länger. Zwischenzeitlich hat mich der Plot durch das Hin und Her etwas verloren, aber es gab auch einige spannende Szenen.
Bei Tom war ich mir wie Mara nie sicher, ob ich Mitgefühl haben soll oder mir Verantwortung wünsche. Die Darstellung der Depression und seiner Überarbeitung ist hingegen wirklich gut gelungen und hat vieles erklärt. Das Ende erschien mir realistisch gelöst, die Trennung nur wg der 2h Distanz nicht 100% überzeugend, wenn es sich um die wahre Liebe handelt.
Insgesamt haben mir die Idee und die Erzählweise gut gefallen und ich schwanke, zu streng mit den Figuren zu sein und nicht streng genug. Es regt zum Nachdenken und Diskussionen an. Definitiv interessant, aber nicht ganz das, was ich erwartet habe.