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Veröffentlicht am 25.06.2025

Die Vögel und der Tod

Psychopompos
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Die Bücher der Autorin Amélie Nothomb kenne ich schon lange. Sie zeichnen sich durch einen ganz besonderen, einzigartigen Stil und Blick auf das Leben aus. Diesen kann man mögen oder nicht, mir gefallen ...

Die Bücher der Autorin Amélie Nothomb kenne ich schon lange. Sie zeichnen sich durch einen ganz besonderen, einzigartigen Stil und Blick auf das Leben aus. Diesen kann man mögen oder nicht, mir gefallen die neuen Perspektiven, die sich dadurch eröffnen. Wer Amélie Nothomb ein bisschen kennt, weiß, dass sie als Tochter eines Botschafters in verschiedenen Städten und Ländern aufgewachsen ist: in Japan, in China, in New York, in Bangladesch usw. Das deutet sie auch in ihren anderen Büchern immer wieder mal an.

In diesem Buch, wohl einem ihrer persönlichsten, erfahren wir viel von ihrer Lebensgeschichte und ihrem Aufwachsen, eingebettet in ihre Liebe zu Vögeln, die sie ganz besonders faszinieren. Das Buch beginnt mit einer Fabel von einer Kranichfrau, die für ihren Ehegatten wertvolle Umhänge herstellt, auf Kosten ihrer eigenen Gesundheit und ohne dass er dies zu schätzen weiß. Das war ein Einstieg, der mich beim Lesen gleich gepackt und für das Buch geöffnet hat. Danach geht es um die Kindheit der Autorin und die Vögel, die es an verschiedenen Orten gibt oder auch kaum gibt (wie ich durch das Buch gelernt habe, gab es auch eine Zeit, in der Mao die Vögel in chinesischen Großstädten fast ausrotten ließ, weil er sie für die Hungersnot mitverantwortlich machte). Sehr berührt hat mich auch eine Szene, bei der die Autorin als Kind gemeinsam mit ihrer Schwester die Wochenende in einer Hütte in den Wäldern um New York verbringt, frühmorgens schon wach ist, den Vögeln lauscht und sie anhand ihrer Stimmen genau identifizieren kann. Solche stillen, poetischen, nachdenklichen Szenen gibt es viele in dem Buch.

Gegen Ende geht es noch um die mythische Figur des Psychopompos, eine Rolle, die auch dem antiken Götterboten Hermes/Merkur zugeschrieben wird: der, der die Seelen über den Schwellenfluss Styx ins Totenreich geleitet. Hier erzählt die Autorin von ihrem persönlichen Zugang und ihren Erfahrungen mit dem Thema Tod, und dass sie sich früher nicht als eine Psychopompe gefühlt hat, aber nach und nach doch, speziell nach dem Tod ihres Vaters, von dem sie auch danach noch das Gefühl hatte, Botschaften zu empfangen und mit ihm in Kontakt zu sein.

Diese Beispiele zeigen schon: es ist ein ganz besonderes und vielfältiges, nicht leicht einzuordnendes Buch. Es werden verschiedene kleine Facetten aus dem Leben, Denken, Fühlen und Wahrnehmen der Autorin erzählt, es ist nicht unbedingt eine durchgängige Erzählung, obwohl es mit den Vögeln und dem Thema Psychopompos/Tod doch einen roten Faden gibt. Es ist ein kurzes Buch, das schnell gelesen ist, aber das mit seiner Tiefgründigkeit nachwirkt. Bestimmt ist es nicht für alle Menschen geeignet, aber für die, die es schätzen können und wollen und offen für ungewöhnliche Perspektiven sind, kann es sehr bereichernd sein. Ich habe es gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Die eigene Individualität leben und Teil einer strenggläubigen Gemeinschaft bleiben - geht das?

(K)eine von euch
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Bücher von jungen Menschen aus strenggläubigen jüdischen Gemeinschaften, die mit deren strikten Glaubensauslegungen nicht mehr zurecht gekommen sind, hat es in den letzten Jahren einige gegeben. Das bekannteste ...

Bücher von jungen Menschen aus strenggläubigen jüdischen Gemeinschaften, die mit deren strikten Glaubensauslegungen nicht mehr zurecht gekommen sind, hat es in den letzten Jahren einige gegeben. Das bekannteste ist wohl "Unorthodox" von Deborah Feldman.

Wozu also noch ein Buch zu diesem Thema? Was kann das Neues beitragen? Tatsächlich eine Menge. Denn der mutige und authentische Lebens- und Emanzipationsbericht von Yehudis Fletcher hat in sich ein Thema, das es in den bisherigen Berichten so nicht gegeben hat: den Wunsch, an dem Glauben UND an der strenggläubigen Gemeinschaft festzuhalten. Wo andere gegangen sind oder gehen wollten, da kämpft Yehudis Fletcher darum, sie selbst sein und in der Gemeinschaft bleiben zu dürfen. Und das stellt sie und die Gemeinschaft vor eine harte Probe.

Der starke Charakter der jungen Frau hat sich schon als Kind gezeigt, als sie mit 6 Jahren erstmals testen möchte, ob G*tt tatsächlich existiert und ob er es sofort bestrafen würde, wenn man sich nicht an seine Gebote halte: heimlich täuscht sie das obligatorische Händewaschen am Schabbat nur vor und beobachtet, was geschieht: nichts! Ermutigt davon, traut sich die streng gläubig erzogene Tochter eines Rabbis und fünfte von sechs Geschwistern im Laufe ihrer Kindheit und Jugend immer weiter ins unbekannte Land dessen, was jenseits der religiösen Regeln ist, hinaus, rebelliert mit Kleidung und Verhalten, wird verwundet und erlebt die Scheinheiligkeit ihrer eigenen Gemeinschaft, als ein Rabbi, der sie und andere junge Frauen missbraucht hat, von hochrangigen Gemeindemitgliedern zu decken versucht wird.

Bei all dem bewahrt sie sich ihren Kampfesgeist, ihren Mut und ihr Bewusstsein für ihre Individualität... und doch auch die Liebe zu ihrer Gemeinschaft und zu ihrem Glauben. In manchem gibt sie der traditionellen Prägung und den Wünschen der Familie erst einmal nach: heiratet einen Mann, den sie kaum kennt, lässt sich dann scheiden, nachdem sie Gewalt durch ihren Ehemann erlebt hat, heiratet erneut einen fast Unbekannten (ein längeres Kennenlernen ist in der sehr konservativen Gemeinschaft nicht möglich), bekommt drei Kinder mit ihm, und spürt den immer stärker werdenden Ruf ihrer lesbischen sexuellen Neigung, die sie seit ihrer Jugend geahnt, aber doch zu unterdrücken versucht hat. Als sie sich von ihrem zweiten Mann trennt und eine Beziehung mit einer Frau eingeht, ist das noch einmal ein stärkerer Regelbruch als je zuvor. Doch Yehudis möchte ihre religiöse Gemeinschaft nach wie vor nicht verlassen, kann das gut gehen? Und wenn ja, wie könnte es ihr gelingen?

"(K)eine von euch" ist ein humorvoll, kraftvoll und authentisch geschriebenes Buch einer unglaublich mutigen jungen Frau, die mit aller Kraft für sich einsteht und darum kämpft, so leben zu dürfen, wie es ihr entspricht und wie es sich für sie richtig anfühlt, aber gleichzeitig zu der Gemeinschaft, den Menschen und dem Glauben, die ihr so wichtig sind, in Verbindung zu bleiben. Es ist ein gut lesbares und unterhaltsames Buch, das aber gleichzeitig tief berührt und nachdenklich macht über das, was uns trennt und was uns miteinander vereint, trotz aller ideologischen Unterschiede. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Vielseitiges und hochwertiges Kartenset zum Thema Farben

Magic Colours Cards - 32 Inspirationskarten mit Booklet
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Magic Colour Cards von Klausbernd Vollmar ist ein vielseitig anwendbares und hochwertiges Kartenset. Es besteht aus 32 großformatigen und robusten Karten, auf denen jeweils eine Farbe sowie dezente, dazu ...

Magic Colour Cards von Klausbernd Vollmar ist ein vielseitig anwendbares und hochwertiges Kartenset. Es besteht aus 32 großformatigen und robusten Karten, auf denen jeweils eine Farbe sowie dezente, dazu passende Bilder oder Symbole und Schlagwörter zum damit verbundenen Thema abgebildet sind.

Mit den Karten kann man auf verschiedene Arten arbeiten, von denen einige im Buch vorgestellt sind: einfach eine Tageskarte ziehen, mit zwei Karten zwei Aspekte eines Themas beleuchten oder auch mit fünf Karten komplexere Legemuster durchführen.

Der Hauptteil des beiliegenden Booklets - das ein richtiges kleines Taschenbuch in der Größe der Kartenschachtel ist - beschreibt die verschiedenen Farben und ihre Energien und Wirkungsbereiche. Dabei geht es zuerst um die Primärfarben Blau, Rot und Gelb, dann um die Sekundärfarben Grün, Orange und Violett (jeweils in warmer und kalter Ausprägung), aber auch Modefarben, Metallfarben, unbunte Farben und bunte Grautöne finden ihren Raum.

Zur jeweiligen Farbe finden sich allgemeine Informationen, Symbolik, Zuordnung zu Chakren und Sternzeichen sowie Anwendungsmöglichkeiten in Zauber und Ritualen (eine gewisse Esoterik-Affinität ist also von Vorteil, um mit den Karten zu arbeiten - allerdings kann dieser Teil auch problemlos weggelassen werden), Wirkung im Raum und der Kleidung sowie als Autofarbe, Heilwirkung und Anregungen für den Alltag.

Das Kartenset kann für verschiedene Anwendungsmöglichkeiten genutzt werden: es eignet sich natürlich als Orakel, aber man kann es auch ganz unabhängig davon einsetzen, um mehr über Farben zu lernen und ein besseres Gefühl für die verschiedenen Farben zu bekommen. Bei mir wird es einen festen Platz in meiner Orakelsammlung bekommen.

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Veröffentlicht am 21.06.2025

Die Schärfe von Munition und Erinnerungen

Ámbar
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"Jeder entschärft seine Erinnerungen, so gut er kann, damit sie so wenig wie möglich wehtun." (S. 252)

Ámbar ist erst 15, doch ihre Kindheit ist schon seit einigen Jahren vorbei. Atem- und heimatlos zieht ...

"Jeder entschärft seine Erinnerungen, so gut er kann, damit sie so wenig wie möglich wehtun." (S. 252)

Ámbar ist erst 15, doch ihre Kindheit ist schon seit einigen Jahren vorbei. Atem- und heimatlos zieht sie mit ihrem Papá, dem Gangster und Killer Víctor, von einem heruntergekommenen Motel zum nächsten, von einem Ort zum anderen. Immer wieder muss sie dabei Identitäten, Namen, persönliche Geschichte hinter sich lassen und ihr Äußeres verändern, um von den vielen Feinden, die ihr Vater sich gemacht hat, nicht erkannt zu werden. Regelmäßig muss sie Schnitt- und Schusswunden ihres Vaters flicken und auch den Umgang mit Waffen hat er ihr schon früh beigebracht. Eine abgeschrägte Schrotflinte trägt sie immer mit sich herum.

In vielem ist Ámbars Leben sehr trostlos. Viele Tage und Stunden verbringt sie in gesichtslosen Motels, wartend auf ihren Vater. Kaum hat sie sich an einem Ort eingelebt und zaghaft begonnen, Freundschaften zu schließen, muss sie schon wieder fort. Dabei sehnt sie sich nach dem normalen Leben eines Teenagersmädchens, wünscht sich ein Tattoo und beginnt, sich für junge Männer zu interessieren. Víctor macht ihr durchaus immer wieder Versprechungen, dass sie an einem Ort bleiben könnten, doch halten kann er diese nie. Und auch nun ist ihm wieder ein Feind auf den Fersen, dem es schon gelungen ist, Víctors besten Freund zu töten und ihn selbst schwer zu verwunden.

"Ámbar" ist ein rasanter Roadtrip-Coming-of-Age-Thriller-Noir, und damit insgesamt ein sehr gelungener Genremix. Spannend wie ein Thriller und gleichzeitig tiefgründig wie eine Gesellschaftsstudie der untersten Sozialmilieus Argentiniens, die durchdrungen von Überlebenskämpfen, patriarchalen Denk- und Verhaltensweisen und Gewalt sind - und mitten drin eine toughe, intelligente und selbstbewusste junge Frau, die versucht, in all dem Dunkel ihren Weg zu finden, für sich einzustehen und erwachsen zu werden.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es hat mich gut unterhalten und gleichzeitig nachdenklich gemacht über die Bedingungen, in denen Menschen leben und was sie mit uns machen. Immer wieder finden sich kleine Sprachperlen und Einladungen zur tieferen Reflexion in diesem Buch, wie zum Beispiel diese aus einem Gespräch zwischen Ámbar und ihrem Papá zum Thema Gewissen, als er zu ihr folgendes sagt:

"Gewissen ist Luxus, Ambareté. Was für Reiche. Die haben ein reines Gewissen, weil sie andere dafür bezahlen, dass sie sich die Hände für sie schmutzig machen, andere, die sich ein Gewissen nicht erlauben können." (S. 249)

Ein gelungenes und vielseitiges Buch, das ich einer breiten Leserschaft empfehlen kann, sofern man bereit ist, sich auf einen sehr düsteren Noir mit viel Gewalt einzulassen. Wer das aber kann und will, wird mit guter Unterhaltung, authentisch gezeichneten Figuren und vielen Impulsen zum Nachdenken belohnt.

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Sehr umfangreiches und detailliertes, dabei aber spannend erzähltes Werk

Kampf ums Unbewusste
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Mehrere Jahre hat das Ehepaar Christina von Braun und Tilo Held - sie Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Filmemacherin, er Psychiater und Psychoanalytiker - an diesem umfangreichen Werk gearbeitet. Trotz ...

Mehrere Jahre hat das Ehepaar Christina von Braun und Tilo Held - sie Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Filmemacherin, er Psychiater und Psychoanalytiker - an diesem umfangreichen Werk gearbeitet. Trotz der vielen Details und des Umfangs liest sich das Buch überraschend flüssig und unterhaltsam.

Es beginnt bei den Anfängen der Entstehung eines Konzeptes für das Unbewusste, das dann bekanntlich Sigmund Freud aufgenommen und umfangreich ausgebaut hat. Sehr interessant wird auf die sowohl jüdischen als auch christlichen Einflüsse auf die Psychoanalyse eingegangen, den Streit um die Bedeutung des Sexuellen und noch so einiges mehr. Danach geht es darum, wie verschiedene verbrecherische Regime, die Nazis genauso wie die Sowjets, das Unbewusste für ihre Zwecke zu manipulieren versucht haben.

Nach einem Abriss der Weiterentwicklung der Psychoanalyse in der Nachkriegszeit geht es um aktuelle Themen wie Gendertheorie und Transsexualität, ebenso wie um den Einfluss der Medien vom Fernsehen übers Internet bis zu künstlicher Intelligenz, die vorgibt, mit uns therapeutisch zu interagieren, sowie um Trauma und aktuelle Entwicklungen in dem Feld.

Mich persönlich hat etwa das erste Drittel des Buches beim Lesen am meisten angesprochen. Da habe ich unglaublich viel über geschichtliche Zusammenhänge im Kontext der Psychoanalyse und des Unbewussten gelernt. Danach wurde das Buch für mich etwas weniger interessant, als es in der Mitte des Buches ausführlich um das derzeit so aktuelle und gehypte Transgender-Thema ging. Ob ich das dem Buch anlasten kann, dafür habe ich noch keine abschließende Beurteilung, mir war es zu viel - es passt aber zu den Forschungsschwerpunkten der Autorin. Auch in den darauf folgenden Kapiteln hat sich noch so einiges Interessantes gefunden, allerdings haben sie mich etwas weniger gefesselt als die sehr stringente und gut aufgebaute Erzählweise im ersten Kapitel, was möglicherweise der Themenvielfalt geschuldet ist.

Das Buch kann ich also jenen empfehlen, die sich gerne bis in die Tiefe mit der Geschichte und Instrumentalisierung des Unbewussten und der Psychoanalyse auseinandersetzen möchten, von deren historischen Anfängen bis zu aktuellen Themen des heutigen Zeitgeistes. Vorwissen in diesem Bereich kann nicht schaden und insgesamt ist es eher ein Buch, das sich an Fachleute richtet, allerdings durchaus auch für interessierte und gebildete Laien lesbar ist, da die meisten Konzepte sehr gut erklärt werden.

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