Unplayed Love
Unplayed Love (Unwritten, Bd. 2)„Unplayed Love“, eine Sapphic Romance von Teresa Sporrer, veröffentlicht am 27. September letzten Jahres im Loomlight-Verlag (Thienemann) gewährt uns realistische Einblicke in die Cosplay- und Gamingszene, ...
„Unplayed Love“, eine Sapphic Romance von Teresa Sporrer, veröffentlicht am 27. September letzten Jahres im Loomlight-Verlag (Thienemann) gewährt uns realistische Einblicke in die Cosplay- und Gamingszene, setzt dabei aber zwei außergewöhnliche junge Frauen in den Vordergrund. Figuren, die auf eine besondere Art echt wirken und eine Liebesgeschichte, die in diesem Genre ihres Gleichen sucht.
Gute, lesbische Romanzen sind vor allem im englischsprachigen Raum verbreitet, werden aber leider in den seltensten Fällen auch auf Deutsch übersetzt, was sehr frustrierend sein kann. Glücklicherweise hat sich auch die österreichische Autorin Teresa Sporrer an diesem Genre versucht und gleich einen Volltreffer gelandet. Das Buch steht im Zusammenhang mit den Titeln „Unwritten Love“ (2024 veröffentlicht) und „Untold Love“ (für April diesen Jahres geplant). Allerdings handelt es sich nicht um eine Trilogie – vielmehr ist jedes Buch in sich abgeschlossen. Stattdessen tauchen die Nebencharaktere aus „Unplayed Love“ als Protagonisten in „Unwritten Love“ auf. Eine innovative Art, mehrere Titel im selben Setting zu veröffentlichen, ohne, dass man als Leser gleich gezwungen ist, sich für eine ganze Reihe zu verpflichten.
Am Anfang des Buches finden wir einen Hinweis auf die Triggerwarnung, die sich auf den letzten Seiten befindet, sodass jeder selbst entscheiden kann, ob man eventuelle Spoiler in Kauf nehmen möchte, oder nicht. Diejenigen, die sich dafür entscheiden, werden mit einer passenden Playlist überrascht, die man sich beim Lesen anhören kann, um noch tiefer in die Geschichte einzutauchen. Äußerlich überzeugt das Buch mit einem verspielten Design und floralen Motiven im Farbschnitt – was auf den ersten Blick so gar nicht zur Gamingwelt passen will. Erst bei näherem Hinschauen erkennt man dann, dass die Farben des Covers die der lesbischen Pride Flag widerspiegeln – ein cleverer, kleiner Twist, der Eindruck hinterlässt! Zur besseren Immersion erwarten uns zu Beginn eines jeden Kapitels auch kleine Auszüge aus Artikeln, Podcasts oder Interviews sowie der Name der Protagonistin, deren Perspektive wir verfolgen.
Heidi Dawson ist 25 Jahre alt und Schauspielerin. So richtig verliebt war sie eigentlich noch nie, nicht einmal, als sie mit ihrem Kollegen und Exfreund Julian Collins zusammen war. Heute ist er glücklich vergeben und die drei sind gut miteinander befreundet. Trotzdem hat Heidi das Gefühl, noch nicht richtig angekommen zu sein und ständig nur eine Rolle zu spielen. In ihrem Streben nach Perfektion kontaktiert sie Serenity Meyer – die Topgamerin des Videospiels „Legions of Purgatory“, zu dem gerade eine eigene Serie produziert wird. Heidi darf eine der Hauptfiguren sprechen, kennt sich aber überhaupt nicht aus und hofft auf Insiderwissen. Serenity, in der Szene auch „Slayer“ genannt, arbeitet unterdessen unermüdlich auf die Weltmeisterschaft hin. Endlich will sie es allen beweisen: nicht nur ihr eigenes Können, sondern auch, dass Frauen im E-Sport Erfolg haben können und sich in dieser männerdominierten Szene nicht zu verstecken brauchen. Beide Protagonistinnen haben im Leben schwierige Erfahrungen gemacht und sind verletzlich, was ihnen eine Menschlichkeit verleiht, die vielen Romanfiguren fehlt.
„Unplayed Love“ beschäftigt sich mit aktuellen Themen, repräsentiert mit vielen Anspielungen verschiedene Gemeinschaften und Minderheiten, wie die Transgender-Community, verzichtet dabei allerdings auf Klischees und spricht öffentlich Vorurteile aus, die queere Personen sich tagtäglich anhören müssen. Auch problematische Aspekte in der Cosplay-Szene, wie zum Beispiel die Annahme einiger Conventionbesucher, sie hätten das Recht Cosplayer zu objektifizieren und zu berühren, werden kritisch thematisiert. Leser, die mit den Communities vertraut sind, werden ihre Freude an den zahlreichen Pop-Culture-Referenzen zu Anime und Manga haben und über die Andeutungen schmunzeln können. Damit schließt die Erzählung allerdings auch Leser aus, die sich nicht so gut in diesen Bereichen auskennen und googeln müssen, um den Witz zu verstehen. Trotzdem wissen die geistreichen, bissigen Dialoge der Charaktere mit viel Sarkasmus zu überzeugen. Auch im Bereich Spice lässt das Buch keinesfalls zu wünschen übrig, was im Genre Sapphic Romance eher eine Seltenheit darstellt.
Alles in allem ist Teresa Sporrer mit „Unplayed Love“ eine überzeugende, außergewöhnliche gut recherchierte Romanze gelungen, die komplexe Themen und Probleme der Queer-Community anspricht, den Fokus aber trotzdem auf Figuren legt, die nicht zuletzt wegen ihrer Unsicherheiten realistisch wirken und die Geschichte damit zu etwas ganz besonderem machen.
Ein echtes Highlight des Genres Sapphic Romance.