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Veröffentlicht am 11.09.2025

Symbiose zwischen Drachen und Menschen

Wings of Ash 1. Schlafende Drachen
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In einer Welt, die alle Farben und jegliche Wärme verloren hat, sind Drachen mit ihrem übermächtigen Feuer die einzige Hoffnung auf das Ende des Winters. Doch was, wenn dieses Feuer nur durch Gesang hervor ...

In einer Welt, die alle Farben und jegliche Wärme verloren hat, sind Drachen mit ihrem übermächtigen Feuer die einzige Hoffnung auf das Ende des Winters. Doch was, wenn dieses Feuer nur durch Gesang hervor gelockt werden kann? Das Talent, welches für diese sonderbare Symbiose nötig ist, ist selten. Gylda Endurian, bekannt unter dem Decknamen ihrer Ziehfamilie Nuviree, besitzt jene Gabe und wird aufgrund dessen erbarmungslos verfolgt. Eines Tages fällt der Schwindel auf, und sie wird nach Turbitha ins Schloss des Winterkönigs verschleppt, wo sie als Hauptattraktion für seine Veranstaltungen eingesetzt wird. Bis er sie schließlich versteigert und die Feuerzunge ihre Macht im Kampf um die Rückkehr des Sommers einsetzen muss.

Die New-Adult-Romantasy „Wings of Ash – Schlafende Drachen“ von Jana Schikorra bildet den Auftakt zu einer packenden Reihe, die Fae, magische Gaben und Drachen in sich vereint. Der erste Band erscheint am 15. September im MoonNotes-Verlag, die Veröffentlichung der Fortsetzung „Flammen der Verrat“ ist für Mai nächsten Jahres angesetzt. Auf rund 450 Seiten behandelt die Autorin Themen wie Verlust, Rache und tiefgehende emotionale Beziehungen – sowohl zwischen Mensch und Fae, als auch zwischen Mensch und Tier. Dabei wird allerdings verzichtet sie allerdings trotz einiger explizit beschriebenen Gewaltszenen auf eine Triggerwarnung verzichtet.

Die Heldin der Geschichte hat alles verloren. Nicht nur ihre Eltern und Ziehfamilie, sondern auch ihre Freiheit. Als der grauenvolle Winterkönig ihr Versteckspiel aufdeckt und sie gefangen nimmt, hat sie sich mit ihrem tragischen Ende bereits abgefunden. Doch es kommt ganz anders. Der mysteriöse Fae Neven Artemius ersteigert sie und bringt sie weit fort – nur um ihr seinen eigentlichen Plan zu offenbaren: den König zu stürzen und den Winter ein für alle Mal aus Nascania zu verbannen. Allerdings wird dazu weit mehr nötig sein, als nur die Hilfe des kleinwüchsigen Drachens Theo, den der Winterkönig Neven zusammen mit Gylda überlassen hat. Schon bald begeben die beiden sich in ein halsbrecherisches Abenteuer und kommen sich dabei auch auf persönlicher Ebene näher.

Jana Schikorra kombiniert in ihrem Werk bekannte Fantasy-Aspekte, wie zum Beispiel die besondere Schönheit und geschärften Sinne des Fae-Volkes, mit neuen, innovativen Elementen und weiß so sowohl Neueinsteiger des Genres als auch Langzeitleser zu verzaubern.

Die Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren baut sich in einem realistischen Tempo auf, ohne dabei den Trope Enemies to lovers aus den Augen zu verlieren. Der Spice-Level bewegt sich zwischen 3 und 4 Chilischoten auf dem Valkyreader Guide: Es gibt zwei explizit beschriebene Szenen, jedoch keine starke Einbindung von kinks.

Die Autorin beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Perspektive der beiden Protagonisten, sondern überrascht darüber hinaus mit Einblicken aus den Erlebnissen des Winterkönigs sowie einigen Rückblicken, die Aufschluss über Nebencharaktere geben und den Weg für eine Fortsetzung ebnen. Auch die Beweggründe der einzelnen Charaktere werden ausführlich beleuchtet, sodass es nicht schwerfällt, sich in die Hauptcharaktere hineinzuversetzen. Erwähnenswert ist, das hier tatsächlich Gylda im Zentrum steht. Ganz gemäß dem Trope strong female main character trifft sie die Mehrzahl der Entscheidungen und treibt die Handlung vorwärts.

Besonders positiv ist mir die bereits angedeutete Beziehung zwischen Drache und Heldin aufgefallen. Diese bildet in diesem Buch einen zentralen Faktor, der auf gelungene Art und Weise immer wieder aufgegriffen wird – so ist die Kommunikation per Telepathie zwar möglich, um mehr über die Gedanken und Lebensweise der majestätischen Geschöpfe zu erfahren, beschränkt sich jedoch auf ein einziges Tier.

Ein Kritikpunkt ist sicherlich das fehlende Gefühl der Gefahr: Zwar trifft die Heldin mit ihrer Gruppe immer wieder auf Komplikationen auf ihrer Reise und muss auch Verluste verzeichnen, jedoch verläuft die Mission alles in allem vielleicht eine Spur zu glatt, weil Konflikte stets schnell gelöst werden. Diese könnte jedoch auch dem Umstand geschuldet sein, dass die Autorin ein spektakuläres Finale für die Fortsetzung plant.

Mit „Schlafende Drachen“ liefert Jana Schikorra den Start in ein fantastisches Abenteuer, welches auch Leser überzeugen sollte, die mehr an Fantasy als Romance interessiert sind und die den Fokus der Handlung eher auf die magischen Wesen legen. Und rundes Werk, dem es an nichts fehlt und das mit einem Cliffhanger ganz deutlich zeigt, dass ein zweiter Band nicht nur im Rahmen des Möglichen liegt, sondern fest geplant ist.

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Water Moon

Water Moon
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Der Roman „Water Moon“ von Samantha Sotto Yambao, erschienen am 14. Januar 2024 im Limes-Verlag, erzählt auf wundersame Art von Schicksal, Vorbeistimmung, und inwiefern es unsere Leben beeinflussen kann. ...

Der Roman „Water Moon“ von Samantha Sotto Yambao, erschienen am 14. Januar 2024 im Limes-Verlag, erzählt auf wundersame Art von Schicksal, Vorbeistimmung, und inwiefern es unsere Leben beeinflussen kann. Oder eben nicht.

Wir begeben uns mit Hana und Keishin, einem hilfsbereiten Fremden, auf die Suche nach ihrem plötzlich verschwundenen Vater. Dieser leitete ein Pfandhaus, das jedoch weder Antiquitäten noch besonders wertvolle Schätze enthält. Stattdessen tauschen seine Kunden Entscheidungen ein, die sie bereuen und erhalten so ihren Seelenfrieden zurück – in Form einer kleinen Kiste Tee. Als unsere Reise beginnt, soll Hana eigentlich das Pfandhaus übernehmen, findet es aber vollkommen verwüstet vor. Und das Schlimmste: eine Entscheidung aus dem Tresor ist ebenfalls unauffindbar. Wurde etwa eingebrochen? Aber falls nicht, wieso sollte Toshio ein solches Chaos hinterlassen, nur um dann zu gehen? Hana entscheidet sich zum ersten Mal in ihrem Leben aktiv für etwas: Sie muss ihren Vater finden, und zwar bevor es zu spät ist. Dann stolpert jedoch ein Kunde herein, der darauf besteht, ihr zu behelfen, und sie in das waghalsige Abenteuer zu begleiten, das ihr bevorsteht. Dabei begeben sie sich immer tiefer in eine Welt, in der der Lebensweg eines jeden bereits in der Kindheit gezeichnet wird und es schwerwiegende Konsequenzen bei Regelbrüchen gibt.

Das Buch präsentiert sich in innovativer Form: nicht nur das wunderschön gestaltete Cover überzeugt, sondern auch der Buchumschlag selbst: Dieser ist faltbar und verwandelt sich mithilfe der Anleitung im Vor- und Nachsatz in ein Origami-Schiffchen, wie wir ihnen zu hunderten im Laufe der Geschichte begegnen werden. Eine spannende Neuerung, die das Lesen noch ein wenig mehr Immersion verleiht. Viele werden sich jedoch schwer daran tun, den schönen Umschlag auf diese Art und Weise zu „zerstören“. Die Sahne auf der Torte wäre hier ein zusätzlicher Umschlag gewesen, sodass jeder Leser ohne Hemmungen falten kann, das Buch allerdings trotzdem geschützt bleibt.

Die Autorin sticht durch einen besonders blumigen Schreibstil hervor, welcher der Geschichte eine gewisse Leichtigkeit und Eleganz verleiht. Es fällt schwer, den Rhythmus der Handlung zu beschreiben, jedoch gestaltet sich das Leseerlebnis sehr flüssig und harmonisch, ohne irgendwelche Brüche, trotz etwaiger Ortswechsel und Zeitsprünge. Die Geschichte entfaltet eine besonders entspannende Wirkung, auch wenn die Spannung durchaus nicht zu kurz kommt. So kommt es, dass man das Buch gar nicht erst aus der Hand legen möchte, aber trotzdem keinerlei Aufregung aufkommt. Unvorhersehbare Wendungen finden sich trotzdem.

Auch der Einfallsreichtum ist bemerkenswert: Yambao überrascht immer wieder mit originellen Fantasy-Elementen, die jedoch allesamt perfekt mit der malerischen Schönheit der Handlung harmonieren. Der Nachtmarkt, der verloren gegangene Gegenstände wie einzelne Socken und Erinnerungen verkauft, bildet da nur ein Beispiel. Ganz nebenbei lernt man auch einige japanische Wörter und setzt sich mit der faszinierenden Kultur des Landes auseinander. Zu Beginn eines jeden Abschnitts finden wir dabei ein japanisches Sprichwort in Kanji samt deutscher Übersetzung.

Damit ist der Roman nicht nur für Fans von Manga, Anime und asiatischem Essen eine Empfehlung, sondern darüber hinaus für alle, die dringend einmal alles um sich herum loslassen und sich in einer anderen Welt treiben lassen wollen.

Am ehesten lässt sich die Geschichte als whimsical, cozy Romantasy beschreiben, die zur Reflexion über das eigene Leben anregt. Der Roman lädt zum Träumen ein und weiß den Leser mit seiner Tiefsinnigkeit zu verzaubern. Ein fantastisches Setting, welches uns andererseits allerdings auch vor Augen führt, dass jede scheinbar unwichtige Entscheidung Folgen hat – und das in der Fähigkeit, diese Entscheidungen zu treffen, die Freiheit liegt.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Blossoms of Fire

Blossoms of Fire
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Der Fantasy-Roman „Blossoms of Fire“ von Cosima Lang überzeugt als alleinstehender Band vor allem mit seinem malerischen Setting: Vor der Küste Schottland liegt die Vulkaninsel Rùm, die nicht nur einen ...

Der Fantasy-Roman „Blossoms of Fire“ von Cosima Lang überzeugt als alleinstehender Band vor allem mit seinem malerischen Setting: Vor der Küste Schottland liegt die Vulkaninsel Rùm, die nicht nur einen einzigen, sondern gleich einen ganzen Drachenclan zu bieten hat. An der Seite von Kräuterhexe Briar kommen wir ihrem einzigartigen Geheimnis auf die Spur.

Das Buch erschien am 25. April 2025 im Loomlight Verlag und umfasst 396 Seiten.

Formal fällt zunächst die Triggerwarnung ins Auge, auf die gleich zu Beginn hingewiesen wird. Die potentiell aufwühlenden Elemente werden auf der letzten Seite des Buches aufgelistet, sodass der Leser selbst frei entscheiden kann, ob er Spoiler in Kauf nehmen möchte, oder lieber gleich mit der Lektüre beginnt.

Jedes Kapitel trägt den Namen eines Heilkrautes oder einer Pflanze, welches im Laufe des Abschnitts eine Rolle spielt. So lernt man ganz beiläufig einige ihrer Anwendungsbereiche kennen. Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass das Verkaufen von Waldmeister Kopfschmerzen lindern kann? Hieraus ergibt sich eine völlig neue, informative Komponente der Geschichte, die mich besonders fasziniert hat. Die Länge der Kapitel ist dabei ideal für eine kurze Kaffee- oder Teepause: im Schnitt enthalten die Abschnitte zwischen 7 und 15 Seiten.

Die Orte, die in der Geschichte benannt werden, existieren tatsächlich, was sicherlich dem ein oder anderen Anreiz für einen Kurztrip bietet. Die Erzählung beginnt zunächst im traumhaften Edinburgh und führt uns später auf eine raue Insel westlich von Schottland.

Was das Genre betrifft, mischt die Autorin romantische und fantastische Elemente, um diese kunstvoll miteinander zu verstricken. Dabei beschränkt man sich nicht nur auf die Existenz von Drachen, sondern trifft auch Zwerge und selbstverständlich Hexen an. Jedoch würde ich das Buch auf der Skala etwas weiter Richtung Roman verorten, da das Element der fantastischen Wesen zwischenzeitlich nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Unsere Protagonistin, Briar Delga, dürfte den meisten Lesern sympathisch sein: Ein starker, weiblicher Charakter, der sich nicht den Mund verbieten lässt. Im Umgang mit anderen Charakteren zeigt sie sich extrovertiert und selbstbewusst. Am Rande wird außerdem beschrieben, dass sie keine Modelmaße hat, ihren Körper aber schön findet, so wie er ist. Das immer noch aktuelle Thema Body Positivity wird somit im Roman aufgegriffen. Darüber hinaus tritt im Verlauf der Geschichte auch ein lesbischer Nebencharakter auf, was die Erzählung inklusiv und LGBTQIA+-freundlich macht. Trotzdem benennt Briar auch einige ihrer Schwächen, was ihr wiederum Menschlichkeit verleiht und sie als Figur greifbar macht: Im Rahmen eines Festes gibt sie zu, dass die bevorstehende soziale Interaktion ihr Angst macht und sie „planen muss, damit [sie sich] entspannen kann“ (vgl. S. 198).

Darragh bildet als angeblicher Draufgänger zuerst einmal das genaue Gegenstück. Muskulös gebaut und mit nautisch anmutenden Tattoos auf dem Oberkörper füllt er sicher das Klischee eines Schotten, den so leicht nichts aus der Bahn werfen kann, zur Gänze aus. Umso bedeutungsvoller erscheint dadurch die Offenbarung, dass auch ihn Ängste und der ein oder anderen unausgefochtene Zwist mit seinem Bruder Basil plagen. Die Vergangenheit der beiden erklärt die Motive hinter ihren Handlungen und gibt beiden Charakteren die nötige Tiefe.

Darüber hinaus kann natürlich keine Hexe, die etwas auf sich hält, ohne tierischen Begleiter auskommen. Um was, beziehungsweise um wen genau es sich handelt wird hier noch nicht verraten, es sei aber gesagt, dass es sich um eine eher unkonventionelle Verbündete handelt, die der Handlung einerseits viel Witz und andererseits eine mystische Nuance verleiht.

Positiv aufgefallen sind mir die durchweg ungewöhnlichen Namen der Charaktere, welche ihre Persönlichkeiten jedoch gut widerspiegeln. Gleichzeitig handelt es sich, soweit ich das beurteilen kann, um altenglische Namen, die das Setting des Romans respektieren.

Die Dynamik zwischen den beiden Protagonisten ist ebenfalls bemerkenswert: Besonders scheinbar nebensächliche Momente, die die Gewohnheiten und Traditionen im Drachenclan näher beschreiben, überzeugen mit ihrer Immersionskraft. Trotzdem ist anzumerken, dass das Buch sich definitiv nicht für ein jüngeres Publikum eignet – wie die Triggerwarnung bereits vorbringt gibt es einige sehr explizite Szenen.

Stellenweise wirkt die Entwicklung der romantischen Beziehung und auch die Handlung selbst leider etwas gehetzt: wichtige Momente wie der erste Kuss finden im Roman relativ früh statt. So steigen wir auch nach wenigen Seiten sofort mit einem großen Ereignis in den eigentlichen Plot ein. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist dies allerdings dem Umstand geschuldet, dass die Autorin ein in sich geschlossenes Leseerlebnis bieten wollte und eine ausführlichere Beschreibung einen Anschlussband verlangt hätte.

Dennoch kommt die Spannung in den letzten Zügen der Geschichte nicht zu kurz, da nach Abschluss der Haupthandlung noch ein letztes Rätsel auf unsere Kräuterhexe wartet, das sie um jeden Preis lösen muss. Allerdings sollte man hier nicht aus ein komplexes Gespinst aus Intrigen und ineinander verworrenen Lügen hoffen: Der Fokus der Erzählung liegt bis zum Schluss auf der Beziehung zwischen den Hauptfiguren und nicht darauf, den Leser in die Irre zu führen, wie es in so manchem Kriminalroman sicherlich der Fall gewesen wäre. Für meinen Geschmack fiel die finale Auflösung deshalb leider ein wenig antiklimaktisch aus.

Alles in allem hat sich „Blossoms of Fire“ als Romantasy-Erzählung, die den Mut hat, vieles anders zu machen als es im Genre üblich ist, definitiv einen Platz auf meinem Bücherregal erkämpft. Die Handlung spricht eine Vielzahl von Interessenkreisen an – sei es Hexen oder Magie im Generellen, Drachen oder auch Kräuterkunde. Trotzdem kommt die Erzählung ohne einen zweiten oder dritten Band aus, was heutzutage eher die Ausnahme bildet. Auch wenn die Konflikte, die die Geschichte bietet, etwas zu schnell aufgelöst werden, kommt dennoch etwas Spannung auf.

Wer ein Buch mit Charakteren sucht, die einem schnell ans Herz wachsen und eine Handlung, die eine gewisse Gemütlichkeit ausstrahlt, aber dennoch nicht auf fantastische Wesen verzichtet, der ist hier genau richtig. Für Romanleser, die ins Romantasy-Genre hineinschnuppern wollen, ist „Blossoms of Fire“ ebenfalls eine echte Empfehlung.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Anima Daemonis

Anima Daemonis
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Der Fantasy-Roman „Anima Daemonis“ von Mandy Rauch, erschienen Ende letzten Monats im Phantorion-Verlag bei Ludwigswinkel, wartet mit dem größten Plottwist seit George Orwell auf, der noch lange nachhallt. ...

Der Fantasy-Roman „Anima Daemonis“ von Mandy Rauch, erschienen Ende letzten Monats im Phantorion-Verlag bei Ludwigswinkel, wartet mit dem größten Plottwist seit George Orwell auf, der noch lange nachhallt. Die Geschichte entführt uns auf 297 Seiten in die tiefsten Abgründe der Hölle, wo Dämonen menschliche Seelen unermüdlich läutern um ihnen eine Wiedergeburt zu erlauben. Jedoch ist unsere Protagonistin keineswegs eines natürlichen Todes gestorben oder gar ermordet worden. Nein, sie hat sich ganz bewusst dazu entschlossen, sich das Leben zu nehmen, um in der sagenumwobenen Unterwelt nach einem ganz besonderen Dämon zu suchen.

Auf den ersten Seiten des Buches finden wir gleich eine Triggerwarnung, denn Teile der Handlung könnten potenziell verstörend wirken und negative Emotionen auslösen. Darunter fällt sicherlich auch der Selbstmord der Protagonistin. Eine sinnvolle Neuerung, die von immer mehr Autoren und Autorinnen aufgegriffen wird und neuerdings auch vorne im Buch positioniert wird, statt ganz hinten, wo sie leicht übersehen werden könnte. Von der Handlung wird dennoch nichts verraten, weshalb man sich keine Gedanken um Spoiler machen muss.
Das Buch wartet mit einem schönen mehrfarbigen Farbschnitt auf und auch die ungewöhnliche Schriftart wirkt sehr wertig. Jedoch scheint das Hauptmotiv auf dem Cover etwas unglücklich positioniert, da leicht nach links verschoben. Bei genauerem Hinsehen sind auch Positionierungsmarkierungen sichtbar. Es könnte sich bei meinem vom Verlag zur Verfügung gestellten Exemplar jedoch auch um einen Fehldruck handeln.
Unsere Protagonistin ist Änlin, jedoch wechseln wir hin und wieder auch zur Perspektive von Mephisto: dem Dämon, den sie hofft, zu finden. Der Name über dem Kapitel gibt jeweils an, wessen Sichtweise behandelt wird. Die Abschnitte sind etwa 10 Seiten lang und damit weder zu lang noch zu kurz für eine kurze Pause oder einen ruhigen Moment vor dem Schlafen. Dabei deutet ein kleines Emblem jeweils an, wann wir die Gegenwart für einen kurzen Rückblick verlassen, was der Geschichte die nötige Struktur verleiht. Über diese Flashbacks erschließt sich Stück für Stück die Vergangenheit der Charaktere. Trotz der vielen Persönlichkeiten mit teils eigensinnigen Namen fällt es trotzdem nicht schwer, der Handlung zu folgen. Ein schönes Extra wäre allerdings eine Karte der Hölle gewesen, sodass man sich Änlins Weg noch besser hätte vorstellen können.

Der Roman spielt mit unserem Verständnis des Lebens nach dem Tod und der Wesen der Unterwelt. Denn in „Anima Daemonis“ sind keineswegs die Dämonen die verachtenswerten Gestalten, getrieben nur von Boshaftigkeit und Sünde, sondern die Menschen. Seelen, die sich versündigt haben, bleibt bekanntlich der Eingang zum Paradies verwehrt und sie fahren stattdessen zur Hölle. Doch dass es mitunter die Dämonen sind, die sich vor diesen dunklen Seelen fürchten, die sie eigentlich rehabilitieren sollen, ist ein eindeutig weniger Häufig behandelter Umstand. Ein spannender Gedanke, der uns während der gesamten Lektüre weiterhin begleitet. Das Buch scheint außerdem von einer oder mehreren Mythologien inspiriert zu sein, die aber nicht namentlich genannt werden und damit schwer zu identifizieren sind.
Über einen direkten Einstieg starten wir gleich ins Geschehen und begleiten Änlin auf ihrer ereignisreichen Reise; sehen durch ihre Augen wie Seelen bestraft werden und welche moralischen Abgründe sich auftun. Und eben diese sollen auch für unsere Hauptcharaktere von zentraler Bedeutung werden. Mit der Königin der Hölle, Morwen, schließt Mephisto ein Wette ab. Wird Änlin es schaffen, zu ihm zu kommen, ohne dabei ihre Reinheit einzubüßen?
Im weiteren Verlauf bietet das Buch zahlreiche starke, weibliche Charaktere, die für Spannung sorgen. Schließlich will man auch wissen, ob die Protagonistin ihr Ziel tatsächlich erreichen wird oder ob sie doch aufgeben muss. Dabei liegt der Fokus jedoch eher auf dem Plot als auf den Figuren, die stellenweise doch etwas emotionslos und hölzern wirken.
Erst gegen Ende offenbart die Geschichte allerdings ihre Vielschichtigkeit und zeigt, was sie so lesenswert macht. Fans von Thrillern sollten hier allein schon aufgrund des Elements des Mysteriösen auf ihre Kosten kommen. Alle Fäden kommen schließlich an einem Punkt zusammen und alle Fragen werden beantwortet – in einer Wendung, die weder ich, noch irgendjemand unserer Lesegruppe kommen gesehen hat.
Eine Fortsetzung der Geschichte ist wohl eher ausgeschlossen, denn Änlins Geschichte ist erzählt, es sei denn, etwas verändert sich. Dann wäre die Möglichkeit für eine Romanze mit Mephisto da, jedoch halte ich dies eher für unwahrscheinlich.
Alles in allem hat mich „Anima Daemonis“ trotz anfänglicher Startschwierigkeiten letztendlich doch voll und ganz überzeugt. Ein weiterer Beweis dafür, dass auch kleinere Verlage mitunter echte Juwelen veröffentlichen und es nicht immer der neueste Dark Fantasy Roman von Piper oder Bastei Lübbe sein muss. Die Geschichte ist vielschichtig und verworren, jedoch klar erzählt, sodass es sogar empfehlenswert ist, das Buch noch ein zweites Mal zu lesen, nachdem man erst einmal über den enormen Plottwist Bescheid weiß. Eine klare Empfehlung von mir, auch für Genrefremde, denn hier kommen viele verschiedene Elemente zusammen, die dafür sorgen, dass der Leser ein echtes Abenteuer erleben kann.

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Veröffentlicht am 06.07.2025

Bis mein Herz wieder schlägt

Bis mein Herz wieder schlägt
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„Als Emery das erste Mal stirbt, ist sie erst fünf Jahre alt.“ – Seite 5
Der Roman „Bis mein Herz wieder schlägt“ von Becky Hunter, erschienen im Juni diesen Jahres im Droemer-Verlag, erzählt auf 347 Seiten ...

„Als Emery das erste Mal stirbt, ist sie erst fünf Jahre alt.“ – Seite 5
Der Roman „Bis mein Herz wieder schlägt“ von Becky Hunter, erschienen im Juni diesen Jahres im Droemer-Verlag, erzählt auf 347 Seiten eine Geschichte über Verlust, der Frage nach dem Sinn und der Sehnsucht nach einem unerreichbaren Seelenverwandten.
Wir befinden uns zunächst in Cambridge, England, wo wir sofort mit einem Satz ins Geschehen starten, der zum Stirnrunzeln anregt. Wie kann das sein, dass „[…] Emery das erste Mal stirbt […].“? Schließlich ist es ja nun Mal gemeinhin bekannt, dass man nur einmal stirbt, nicht wahr? Tja, bei unser Protagonistin liegen die Dinge ein wenig anders. Sie wurde mit einem Herzfehler geboren, der dazu führt, dass ihr Herz beim aller kleinsten Schock ohne jede Vorwarnung aufhören kann, zu schlagen. Wird sie nicht innerhalb von Minuten wiederbelebt, trüge sie permanente Schäden davon, oder sogar Schlimmeres. Damit ist Emery Wilson ständig darauf angewiesen, im Alltag von jemandem begleitet zu werden und gezwungen, Risiken aller Art weitestgehend zu vermeiden. Dies hat natürlich starke Auswirkungen auf ihr gesamtes Leben. Doch trotz aller Vorsicht – oder aus purer Rebellion gegen das starre Korsett, dass ihr ihre Krankheit auferlegt hat – geschieht es im Laufe der Jahre leider immer wieder, dass unsere Hauptfigur für kurze Zeit stirbt. In diesem Momenten begleiten wir sie und lernen an ihrer Seite Nick kennen. Was genau seine Aufgabe ist, das weiß er selbst nicht, allerdings begleitet er nun schon seit geraumer Zeit Seelen auf dem Weg ins Jenseits. Dabei ist es ihm allerdings selbst niemals vergönnt, die mysteriöse Zwischenwelt zu verlassen, in der er und Emery bei jedem ihrer Anfälle aufeinander treffen.

Damit weist das Buch eine ungewöhnliche Erzählstruktur auf: Wir verfolgen nicht Emery’s Alltag, sondern sehen immer wieder nur Ausschnitte aus ihrem Leben – eben immer dann, wenn ihr Herz gerade wieder einmal ausgesetzt hat. Das hat wiederum zur Folge, dass der Leser sowohl Nick als auch die Regeln der Zwischenwelt erst Stück für Stück kennenlernt. Zwar ist es somit um einiges schwieriger, sich mit den Charakteren zu identifizieren, dennoch bietet diese Vorgehensweise eine seltene Möglichkeit, die Entwicklung der Figuren zu verfolgen. Damit sind nicht nur Nick und Emery gemeint, sondern auch ihre Freunde und Familie, die ebenfalls Wege finden müssen, mit der schweren Herzerkrankung umzugehen. Emery selbst fällt es dabei jedoch wohl am schwersten, die Balance zwischen dem Leben für den Augenblick und der Vorsicht zu finden. Damit eckt sie bei ihren Angehörigen auch immer wieder an. Auch wir stellen uns immer wieder die Frage: Inwieweit können Überraschungen gemieden werden, ohne dass das Leben jeglichen Wert verliert?

„Bis mein Herz wieder schlägt“ beschreibt eine Liebe, die nicht sein kann und den Kampf zurück ins Leben. Damit setzt sich das Buch von einem Großteil der Romane ab, dessen Figuren in den allermeisten Fällen sich in weit günstigeren Ausgangsbedingungen befinden. Geschickt verschafft die Autorin unseren Protagonisten aber ein wenig mehr Raum für die Entwicklung ihrer Beziehung: In der Zwischenwelt herrscht ein anderes Zeitkontinuum als in der realen Welt. Das ist auch nötig, denn die beiden haben keinerlei Möglichkeit, außerhalb von Emery’s Anfällen miteinander zu kommunizieren. So stellt sie sicher, dass Romantik aufkommen kann, ohne den Anschluss zur Realität zu verlieren. Dabei bewegen sich die intimeren Szenen des Buches zwischen spice-Level 1 und 2: Einige Handlungen werden zwar recht explizit beschrieben, schließlich wird dann aber vorgespult.
Die LGBTQIA+-Community wird am Beispiel von Emery’s Schwester Amber einbezogen, die mit einer Frau zusammen ist. Hunter erwähnt hier auch die Schwierigkeiten, denen lesbische Paare sich im Alltag stellen müssen, etwa das Verbot einer Ehe, welches in England noch bis 2013 galt.

Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen, vor allem, da es Abwechslung geboten hat. Ich bin eigentlich kein großer Fan von Romanen, da mir die ewigen Liebesgeschichten meist einfach zu eintönig sind. Hier befinden die Figuren sich aber in einer ungewöhnlichen Lage, die alles verändert. Außerdem spielt die Autorin mit der ewigen Frage, was uns wohl nach dem Tod erwarten könnte. Sie zeichnet das Bild einer friedlichen Zwischenwelt, beeinflusst von positiven Erinnerungen und einem Abschied vom Leben, bei dem keine Seele jemals alleine gelassen wird – eine sehr tröstliche Vorstellung.
Dennoch trifft Emery einige problematisch Entscheidungen, was dazu führt, dass nicht jeder Leser letztendlich mit der Protagonistin sympathisiert. Deshalb hat mich die Geschichte gegen Ende leider nicht mehr so sehr fesseln können. Die Handlung verliert stellenweise leider auch durch zu stark gescriptete und überspitzte Momente an Emotionalität. Das Ende wird hier natürlich nicht vorweg genommen, aber auch dieses wird bei einigen auf Widerspruch treffen. Eingefleischte Romanleser könnten hier jedoch anderer Meinung sein.
Alles in allem bietet „Bis mein Herz wieder schlägt“ eine interessante Idee für eine ungewöhnliche Liebesbeziehung, die auch Fans anderer Genre ansprechen wird. Gefühle sind bei der Lektüre vorprogrammiert. Wer jedoch auf einen Hauptcharakter hofft, in den man sich hineinversetzen kann und dessen Schicksal nachhaltig berührt, à la „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ (Anna McPartlin), der wird hier mit großer Wahrscheinlichkeit enttäuscht.
Die Chance, dass das Buch fortgeführt wird, schätze ich gering ein, denn Emery’s und Nick’s Geschichte ist zu Ende.

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