Profilbild von GAIA_SE

GAIA_SE

Lesejury Star
offline

GAIA_SE ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit GAIA_SE über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.05.2026

...aber das Papier ist klasse!

Rosie
0

Von diesen Memoiren aus der Kindheit und Jugend der 1945 geborenen Autorin Rose Tremain bin ich leider enttäuscht worden. Das kleine Büchlein enthält größtenteils blutleere Anekdoten aus dem privilegierten ...

Von diesen Memoiren aus der Kindheit und Jugend der 1945 geborenen Autorin Rose Tremain bin ich leider enttäuscht worden. Das kleine Büchlein enthält größtenteils blutleere Anekdoten aus dem privilegierten Leben der Autorin. Erschwernisse in ihrem Leben durch die fehlende Liebe der Großerltern und der Mutter werden dabei mitunter als Drama dargestellt, wobei es sich für die Leserin nicht wirklich so anfühlt. Die Empathie für die Autorin wird leider nicht durch die Erzählungen und den Schreibstil der Autorin hergestellt. Dieser ist sehr einfach und literarisch langweilig.

Interessant bleiben die Querverweise, wo in ihrem Werk bestimmte Szenen/Orte/Personen aus ihrem Leben Einzug gefunden haben, festgehalten in Fußnoten. Leider habe ich beim Lesen der Biografie keinerlei Interesse entwickeln können, in Werke der Autorin reinzulesen. Schade. Da haben mir Biografien mir bisher unbekannter Personen bisher meist mehr Anregung geben können.

Ergänzt wird das Buch durch zwei Bilderstrecken im ersten und letzten Drittel des Buches. Obwohl das Buch in der Ich-Form geschrieben ist, sind die Bildunterschriften unpersönlich mit z.B. "Roses Mutter Jane...im Alter von 20 Jahren" gestaltet. Auch werden Fotos aus einer Lebensphase der Autorin gezeigt, die im buch überhaupt keine Erwähnung finden.

Letztendlich hat mich tatsächlich am Buch nur das Papier, auf dem es gedruckt wurde, beeindrucken können. Dieses fühlt sich wie Seide an und lässt nostalgisch werden. Man mag gar nicht aufhören mit den Fingern darüber zu streichen. Dies sollte jedoch eigentlich nicht die Hauptstärke eines Buches darstellen. Schade.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.05.2026

Jeder hat seine eigene Wahrheit

Miracle Creek
0

Dieses Debüt von Angie Kim schlüsselt nicht nur detailiert den juristischen Prozess nach einer Explosion in einem kleinen Nest an der Ostküste Amerikas auf, sondern wendet den Blick hin zu den Schicksalen ...

Dieses Debüt von Angie Kim schlüsselt nicht nur detailiert den juristischen Prozess nach einer Explosion in einem kleinen Nest an der Ostküste Amerikas auf, sondern wendet den Blick hin zu den Schicksalen vieler Personen, die damit zu tun hatten und davon betroffen sind. Hier dreht es sich um starke, aufopfernde, verzweifelte, übermenschliche und manchmal auch schwachwerdende Mütter, die sich um ihre behinderten Kinder kümmern, genauso wie um koreanische Einwanderer in den USA, die ihren Platz dort noch finden müssen.

All diese Themen bearbeitet Kim leidenschaftlich und empathisch, sodass der Leser sofort hineingezogen wird in den Pfuhl dieser Kleinstadt. Jeder Prozessteilnehmer scheint seinen eigenen Teil der Wahrheit zu kennen und nur Stück für Stück zu Tage zu fördern. So bleibt das Buch bis zur letzten Seite hochspannend. Die 500 Seiten fliegen nur so dahin. Stilistisch baut die Autorin ihren Roman sehr geschickt auf. Das Buch ist in größere Teile - die einzelnen Prozesstage - eingeteilt. Innerhalb dieser springt die Erzählperspektive von einer Person zur nächsten. Der Leser erfährt nur nach und nach, wie das Gesamtbild der Wahrheit tatsächlich aussieht. Und man lernt bei der Lektüre: Anwälte können aus jedem "Fakt" durch Auslegung und Argumentation Wahrheiten diametral unterschiedlich aussehen lassen. Geschickt fügt Kim außerdem im Buch kleine Darstellungen ein, welche während der Verhandlung zur Anschuung dienen. Dadurch wird man selbst zum Geschworenen, merkt wie stark solche Darstellungen die eigene Meinung verändern und nach kleinen Abänderungen durch den anderen Antwalt wieder umschwappen können. Klasse!

Insgesamt bin ich restlos begeistert von diesem spannenden Roman, welcher sehr authenthisch und empathisch erzählt ist, den ich jedoch aufgrund des recht unauffälligen Covers im Buchladen glatt übersehen hätte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.05.2026

Reiche ich an meiner Seite aus?

Ich an meiner Seite
0

Birgit Birnbacher entwirft in ihrem Roman eine Studie zu dem erstverurteilten Straftäter Arthur, welcher seine Kindheit und Jugend in Spanien verbrachte und zurückgekeht nach Österreich straffällig wird. ...

Birgit Birnbacher entwirft in ihrem Roman eine Studie zu dem erstverurteilten Straftäter Arthur, welcher seine Kindheit und Jugend in Spanien verbrachte und zurückgekeht nach Österreich straffällig wird. Seine Lebensgeschichte sowie sein Weg hin zur Straftat und darüber hinaus in der Resozialisierung erzählt die Autorin in zeitlich und örtlich springenden Episoden aus dem Leben Arthurs.

Meines Erachtens schafft die Autorin durch ihre lakonische, punktgenaue Sprache, dass wir als Leser zwar ein starkes Interesse an der Geschichte Arthurs und Empathie zu ihm entwickeln, jedoch niemals melodramatisch um unser Mitgefühl gekämpft wird. Aufgrund der sympathischen Hauptfigur entwickelt sich dieses ganz von allein. Auch interessante, verschrobene Nebenfiguren entwirft die Autorin, welche leider bis zum Schluss des Buches ein wenig zu schemenhaft bleiben. Durch diese wird das Buch auch immer wieder aufgelockert und verstockt in Kombination mit der starken Sprache der Autorin nie vollends in dem ernsten Thema der Resozialisierung nach Strafvollzug.

Insgesamt besonders durch die lakonische Sprache der Autorin ein sehr gutes, empfehlenswertes Buch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.05.2026

Eine Meditation über das (Über-)Leben im ewigen Eis und einer fremden Welt

Fremdes Licht
0

Dieser 500 Seiten dicke Roman überrascht ganz grundsätzlich mit einem Fakt: Es handelt sich quasi um zwei Bücher in einem. Zunächst begleiten wir die Ich-Erzählerin Elaine, welche nach einem Raumschiffabsturz ...

Dieser 500 Seiten dicke Roman überrascht ganz grundsätzlich mit einem Fakt: Es handelt sich quasi um zwei Bücher in einem. Zunächst begleiten wir die Ich-Erzählerin Elaine, welche nach einem Raumschiffabsturz auf einem Planet, welcher über und über mit Schnee und Eis bedeckt ist, versucht zu überleben. Dabei kann sie auf Erfahrungen und Geschichten ihrer Inuk-Vorfahren zurückgreifen. Stavaric bindet hier immer wieder geschickt die Sprache der Einwohner Grönlands ein, nicht nur phonetisch sondern auch in der Originalschrift. Außerdem wimmelt der Text von Natur- und Tierbschreibungen. Ich glaube noch nie so viel nebenher beim Lesen eines Romans an Sachwissen erworben zu haben. Die ersten 250 Seiten werden dabei zu einer Mediation über das (Über-)Leben im ewigen Eis mit durchaus nicht wenigen Stellen, an welchen man sich fragt, ob die Protagonistin vielleicht nicht doch schlicht und ergreifend verrückt wird.

Über den zweiten Teil des Buches soll hier gar nicht viel verraten werden. Er steht im Zusammenhang mit Elaine, zeigt jedoch eine vollkommen andere Szenerie. Das muss man aushalten, da die Handlung der ersten Häfte bis zur höchsten Spannung getrieben, abrupt abgeprochen wird, um an ganz anderer Stelle eine Geschichte zu erzählen. Das Duchrhalten lohnt sich jedoch, um im zweiten Teil nochmals ebenso viel zu lernen, wie im ersten. Auch um eine weitere der vielen Bedeutungen des Titels "Fremdes Licht" erfahren zu können. Etwas enttäuscht war ich vom Ende der Plots, kann aber an dieser Stelle es nicht ausführlicher begründen, ohne gleichzeitig etwas vom Ende zu verraten.

Insgesamt ein sehr ambitioniertes Projekt, anspruchsvolle Literatur, die lohnt gelesen und erforscht zu werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.05.2026

Mäßiger Einstieg. Zweite Hälfte okay. 2,5 Sterne.

Offene See
0

Meine Erwartungen an dieses Buch waren nach der Auszeichnung als Lieblingsbuch der Unabhängigen 2020 ehrlich gesagt sehr hoch. So viel vorab: Sie konnten nicht erfüllt werden. Auf der Shortlist befanden ...

Meine Erwartungen an dieses Buch waren nach der Auszeichnung als Lieblingsbuch der Unabhängigen 2020 ehrlich gesagt sehr hoch. So viel vorab: Sie konnten nicht erfüllt werden. Auf der Shortlist befanden sich meines Erachtens interessantere Bücher als dieses.

Myers beschreibt in seinem Roman die Wanderschaft eines Jugendlichen Robert kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von Nord- nach Südengland, wobei er auf Dulcie und deren Schäferhund, sowie ein unerwartetes literarisches Vermächtnis stößt.

Besonders die erste Hälfte des Roman konnte mich nicht einfangen. Diese besteht hauptsächlich aus kitschigen Landschaftsbeschreibungen, bei denen gefühlt jedes Substantiv ein bis zwei bedeutungsschwangere Adjektive vorangestellt bekommen hat. Die Beobachtungen wirken schwülstig und zu diesem zeitpunkt für einen Jugendlichen aus dem Bergarbeiter-Arbeiter-Milieu mitunter zu hochtrabend. Die Sprache wird dann ein wenig zurückhaltender, wenn der Ich-Erzähler auf die raue Dulcie und deren Schäferhund trifft. Leider wirft diese Figur gerade zum Ende hin mit unzähligen Plattitüden und Lebensweisheiten um sich. ... Naja und das Ende ist mit sowieso zu rundgelutscht, zu perfekt, zu happy. Probleme sind in diesem Roman dafür da, einfach mal eben im Vorbeigehen gelöst zu werden. Und das Ganze noch mit einer guten Portion Sozialromantik.

Insgesamt kann ich konstatieren, dass das Buch nicht schlecht geschrieben ist, mich aber auch kaum bewegen konnte. Sympathien entstehen noch am meisten für den Schäferhund Butler. Schade, hier hätte ich mir mehr erwartet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere