Cover-Bild Miracle Creek
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: hanserblau in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 512
  • Ersterscheinung: 09.03.2020
  • ISBN: 9783446266308
Angie Kim

Miracle Creek

Roman
Marieke Heimburger (Übersetzer)

Wie weit würden wir gehen, um unsere schamvollsten Geheimnisse zu bewahren? „Mit durchdringender Menschenkenntnis führt Angie Kim tief in das Innenleben ihrer Charaktere.“ (Los Angeles Times)

In der Kleinstadt Miracle Creek in Virginia geht ein Sauerstofftank in Flammen auf. Zwei Menschen sterben – Kitt, die eine Familie mit fünf Kindern zurücklässt, und Henry, ein achtjähriger Junge. Im Prozess wegen Brandstiftung und Mord sitzt Henrys Mutter Elizabeth auf der Anklagebank. Und die Beweise sind erdrückend. Hat sie ihren eigenen Sohn ermordet? Während ihre Freunde, Verwandten und Bekannten gegen sie aussagen, wird klar: In Miracle Creek hat jeder etwas zu verbergen.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.04.2020

Miracle Submarine

1

Miracle Creek ist eine KLeinstadt in Amerika, dort leben Pak und seine Frau Young sowie die Tochter Mary. Sie sind vor einigen Jahren aus Korea ausgewandert um ihrer Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen. ...

Miracle Creek ist eine KLeinstadt in Amerika, dort leben Pak und seine Frau Young sowie die Tochter Mary. Sie sind vor einigen Jahren aus Korea ausgewandert um ihrer Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen. Pak betreibt einen HBO-Tank in dem schwerkranke und autistische Kinder einer Sauerstoffbehandlung unterzogen werden. Doch eines Tages explodiert ein Sauerstofftank und zwei Menschen sterben: Henry, ein 8-jähriger Junge sowie Kitt, eine Frau, die 5 Kinder hinterlässt. Angeklagt wegen Brandstiftung und Mord wird Elizabeth, Henrys Mutter, doch hat sie wirklich das Feuer gelegt, das ihr Kind und ihre beste Freundin das Leben kostete? Jeder, der mit dem Fall zu tun hat, scheint etwas zu verbergen und erst nach und nach kommen die Geheimnisse im Laufe des Prozesses ans Licht.

Angie Kim erzählt die Geschichte in mehreren Abschnitten, die den Verhandlungstagen entsprechen. Zunächst scheint alles klar, Elizabeth ist schuldig, sie hat das Leben als alleinerziehende Mutter mit einem autistischen Kind nicht mehr ausgehalten, hat ihr Kind sowohl psychisch als auch physisch misshandelt. Doch der Prozess bringt den Leser immer wieder zum Zweifeln, kann eine Mutter wirklich so etwas schreckliches tun? Und was ist mit den ganzen anderen Personen, die am Tag der Explosion anwesend waren? Kim hat es geschafft, dass ich mir nie sicher sein konnte über dieses Unglück und wie es dazu kam. Die Sympathien wehcseln während des Lesens immer wieder, man hat ein Bild von den Personen, doch plötzlich ist wieder alles ungewiss. "Miracle Creek" ist unglaublich spannend und fesselnd geschrieben, es hat mich gepackt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Den ausschweifenden Schreibstil, den manche Leser bemängeln konnte ich so überhaupt nicht feststellen. Eher im Gegenteil, ich bin fast durch die Sätze geflogen, so flüssig und prägnant hat Kim selbst vermeintlich nebensächliches beschrieben. Erst am Ende verknüpfen sich alle Personenstränge zu einem Gesamtbild, das noch viel schockierender war, als es zu Beginn erschien.

Ich fand alle Figuren sehr lebensecht, sie hatten ihre Ecken und Kanten, ihre Geheimnisse udn versuchen irgendwie in ihrem Leben zurecht zu kommen. Alle haben irgendwo in ihrem Charakter eine Eigenschaft, die den Leser dazu neigen lässt, mit ihnen zu sympathisieren. Doch dann kommt ein anderer Charakterzug, eine Tat o.ä. ans Licht und man beginnt die Situation zu überdenken. Die Figuren denken immer wieder Dinge, für die sie sich später schämen, die man als Leser jedoch trotzdem nachvollziehen kann, die man vielleicht selbst schon mal gedacht hat, wenn man von anderen genervt ist, wütend oder ängstlich. Dadurch konnte ich mich sehr gut in die Personen hineinversetzen, man hatte beim Lesen das Gefühl mit im Gerichtssaal zu sitzen und die Verhandlung hautnah mitzuerleben.

Kim schreibt in ihrem Roman nicht nur die Explosion und die Gerichtsverhandlung. Sie spricht auch andere Themen an, die sie meisterhaft in die große Rahmenhandlung einbaut. Wie ist es für Pak und seine Familie, in einem fremden Land, wo die Bewphner sie schräg anschauen, neu anzufangen. In einem Land, in dem Asiaten oft auch als sexueller Fetisch betrachtet werden. V.a. Mary fällt es schwer, in Miracle Creek Fuß zu fassen und Freunde zu finden. Sie ist wütend auf ihre Eltern, weil diese die neue Sprache so schlecht beherrschen, weil sie es nicht schaffen, geachtet zu werden und sich durchzusetzen. Auch Unfruchtbarkeit und verzweifelte Versuche ein Kind zu bekommen werden ein Thema. Was dieses 'Versagen' mit einer Beziehung anstellen kann, wie es zwei Menschen, die sich doch eigentlich lieben, auseinandertreibt. Und wie ist es für Eltern, für Mütter mit einem kranken Kind zu leben, einem Kind, das sie nicht verstehen können, das so anders ist, als andere Kinder, ein Kind zu dem sie nicht durchdringen können und das sich nicht selbst verständlich machen kann. Wie weit würden Eltern für ihre Kinder tun, um diese zu schützen, um ihnen ein normales Leben zu ermöglichen? Wie ist es für Frauen, wenn sie sich einem Mann unterordnen sollen, wie schaffen sie es aus dieser Beziehung zu entkommen, was löst ein männlicher Übergriff in ihnen aus?

Kim webt alle diese Themen in ihrer Geschichte ein und haben mich beim Lesen sehr nachdenklich gemacht. Die Figuren konnten mich berühren und gleichzeitig mitreißen, "Miracle Creek" ist ein sehr faszinierendes und rundum gelungenes Debüt von einer Autorin, von der wir hoffentlich noch mehr lesen werden in der Zukunft.

Veröffentlicht am 29.03.2020

Eines der großartigsten Bücher, welches ich je gelesen habe!

1

Inhalt:
Als im Sommer 2008 in der Kleinstadt Miracle Creek die Scheune der Familie Yoo in Flammen aufgeht und dabei zwei Menschen zu Tode kommen; ist dies erste der Anfang einer Geschichte, deren Anfang ...

Inhalt:
Als im Sommer 2008 in der Kleinstadt Miracle Creek die Scheune der Familie Yoo in Flammen aufgeht und dabei zwei Menschen zu Tode kommen; ist dies erste der Anfang einer Geschichte, deren Anfang und Ende unter Lügen und der verzweifelten Suche nach der Wahrheit verborgen liegen.
Doch als der Gerichtsprozess knapp ein Jahr später eine Schuldige gefunden hat, beginnt die Fassade der Beteiligten zu bröckeln und die Wahrheit sucht ihren Weg an die Oberfläche.
Doch wer hat wirklich Schuld an den Ereignissen von vor einem Jahr oder ist die Angeklagte etwa wirklich Schuld am Tod ihres eigenen Sohnes ?

Meine Meinung:
Dieses Buch ist für mich eine der größten literarischen Neuentdeckungen der letzten fünf Jahre. Denn selten habe ich eine so faszinierende Art erlebt, wie eine Geschichte erzählt wird, so emotional, spannend und von literarischem Können geprägt, dass man voller Erstaunen dem Geschehen des Buches entgegen blickt und dieses kaum mehr aus der Hand legen kann.

Die literarische Präzision der Schriftstellerin Angie Kim ist dabei wirklich bemerkenswert, sie erschafft eine Geschichte, die komplex und durch viele Personen geschildert wird. Dabei lösen die so fein und präzise, beinahe minutiös ausgearbeiteten Charaktere eine solche Sogkraft, durch ihre Ambivalenz aus, dass man erstaunt vor der Geschichte verweilt. Denn das großartige ist, ihre Charaktere sind keinesfalls perfekt, oder leicht zu durchschauen, sie sind zutiefst menschlich und dabei manchmal hassens- und liebenswert zugleich. Sie zeigt uns durch ihre Protagonisten die fragwürdigen Fassetten eines Menschen und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Und dabei entwickelt sie etwas so wichtiges:
Einen Charakter, den man zunächst für seine Taten verurteilt und dem man im nächsten Augenblick mit Tränen in den Augen Verständnis entgegen bringt. Dies streitbare Ambivalenz trägt die ganze Geschichte.

Kein Handlungsstrang ist dabei klar oder mit einer Emotion verbunden, ganz im Gegenteil. Eine Handlung befeuert die nächste und dabei ist der Grund dahinter niemals klar oder trivial. Diese Stärke und die schriftstellerische Präsenz der Autorin, Geschildertes oft unbeurteilt zu lassen, es dem Leser zu überlassen,dieses zu interpretieren, ist die große Stärke des Buches. Sich mit streitbaren Themen auseinander zu setzen ohne dabei eine Meinung aufgezwungen zu bekommen.

Und ganz nebenbei ist dieses Buch spannend wie ein herausragender Thriller und gerade deshalb kann man das Ende des Buches kaum erwarten. Da man endlich wissen möchte, wer denn nun die Schuld trägt an diesem furchtbaren Unglück aus dem Jahre 2008...

Mein Fazit:
Ein unglaubliches spannendes Buch, das beinahe die Qualitäten eines Pageturners hat. Welches streitbare Themen und Charaktere hervorbringt, die ebenso vom Leben geprägt und vielschichtig gezeichnet sind, wie es das echte Leben ist. In meinen Augen ein zutiefst kluges, moralisch wichtiges Buch, da es uns Lesern nicht die Dinge zu hören gibt, die wir hören wollen. Ganz im Gegenteil, manchmal so hassenswerte, aber authentische Aussagen, regen uns Leser plötzlich zum Nachdenken an und rufen wider Erwarten Verständnis hervor.

Ein wichtiges und literarisch wertvolles Buch, welches von einer schriftstellerischen Feinheit und Aufmerksamkeit der Autorin getragen wird.
Herausragend!

Veröffentlicht am 28.03.2020

Lebensentscheidende Kausalitätsketten

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Die Einwandererfamilie Yoo aus Südkorea hat sich im kleinen Dörfchen Miracle Creek in Virginia, USA eine neue wirtschaftliche Existenz aufgebaut: eine Anlage zur Sauerstofftherapie (HBO). Am ...

Die Einwandererfamilie Yoo aus Südkorea hat sich im kleinen Dörfchen Miracle Creek in Virginia, USA eine neue wirtschaftliche Existenz aufgebaut: eine Anlage zur Sauerstofftherapie (HBO). Am 26.8.2008 kommt es dort zu einer Explosion, bei der eine Frau und ein kleiner Junge ums Leben kommen. Ein Jahr später folgt der Prozess, bei dem die Mutter des Jungen angeklagt wird, den Brand gelegt zu haben...

Am Anfang war ich vorsichtig, was die Erwartungen an dieses Buch betrifft. Romane, in denen wie hier ein Verbrechen aus allen möglichen Perspektiven beleuchtet wird, zudem noch teilweise im Gerichtssaal, können - müssen aber nicht - langatmig sein. Hier hatte ich auch noch vor den 500 Seiten Respekt und der ziemlich kleinen Schrift, in der das Buch gesetzt ist. Aber ich muss sagen, schon nach ca. 100 Seiten hatte mich das Buch absolut am Haken und ich wollte unbedingt wissen, wer für den Tod von Henry und Kitty in der Überdruckkammer von Miracle Creek verantwortlich war.

Die Frage des "Was wäre, wenn…" treibt viele Figuren in diesem Buch um. Die meist spontanen Entscheidungen, die wir im Laufe unseres Lebens mitunter ganz beiläufig treffen, welchen Einfluss haben sie auf unsere weitere Existenz? Die Thematisierung der Tatsache, dass nur eine winzige Kausalkette von Entscheidungen den Verlauf eines Lebens vollkommen verändern können, gefällt mir sehr. Es ist etwas, über das ich mir auch schon oft Gedanken gemacht habe.

"Miracle Creek" ist auch vor allem ein Roman über die Existenz von Einwandererfamilien in den USA und ihren Spagat zwischen den Identitäten. Die Entbehrungen, im speziellen Fall das Vorschicken der Familie und Zurücklassen der koreanischen Väter - genannt "Gänseväter" - und der schwere Neubeginn in einem fernen Land, werden anschaulich geschildert. Auswandern schlägt auf die Psyche, man ist ein neuer Mensch, ggf. mit neuem Namen (Mary statt Meh-hee-yah), muss sich ein neues Leben aufbauen, so wie Pak Yoo und seine Familie. Dann die Hoffnung, dass das Glück im Aufbau der neuen geschäftlichen Existenz begründet sein könnte, die plötzlich mit dem Funken eines Streichholzes zu Asche wird.

Der andere große Themenkomplex, der im Roman verhandelt wird, sind behinderte Kinder, ihre Eltern (v.a. Mütter) und ihr Platz am Rande einer Gesellschaft, die auf Perfektion aus ist. Für die Mütter im Roman ist die Behinderung ihrer Kinder die Katastrophe ihres Lebens, das sich zwischen Selbstaufgabe, Aufopferung, Verzweiflung und einer stoischen Akzeptanz abspielt.

Wie ich gelesen habe, hat der Roman viele Übereibstimmngen mit dem Leben der Autorin Angie Kim. Wie ihre Figur Mary kam auch sie als Teenager von Südkorea nach Baltimore und schließlich nach Virginia, wo sie heute lebt. Wie die Angeklagte im Buch hat auch sie einen Sohn, der in Sauerstofftherapie war. Der Roman hat also autobiografische Züge, was ihn besonders authentisch macht.

Angie Kim erzählt in einer bestechend klaren, schnörkellosen Sprache ein absolut realistisches Szenario, das sich tatsächlich so irgendwo in Amerika hätte abspielen können. Die Figuren sind gezeichnet von ihrer Lebenssituation, die sie wie ein deterministischer Käfig scheinbar gefangen hält. Der mit jedem Kapitel alternierende Perspektivenwechsel ist ein erzählerischer Kniff, der absolut zu der Geschichte passt.

Während der Lektürezeit des Buches habe ich mich dabei ertappt, wie ich gedanklich immer wieder nach "Miracle Creek" gereist bin und vor mich hin gerätselt habe, wer denn nun jetzt der oder die Schuldige ist. Das Buch hat also das Potenzial, die Gedanken, die man vor dem Einschlafen hat, zu bevölkern - ein starker, fesselnder, noch lange nachhallender Roman!


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Veröffentlicht am 18.03.2020

Eine Tragödie

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Während einer Therapiesitzung explodiert der „Miracle Submarine“ genannte Überdrucktank, den die koreanische Einwandererfamilie Yoo auf ihrem Grundstück betreibt, um Patienten unterschiedlichster Art mit ...

Während einer Therapiesitzung explodiert der „Miracle Submarine“ genannte Überdrucktank, den die koreanische Einwandererfamilie Yoo auf ihrem Grundstück betreibt, um Patienten unterschiedlichster Art mit reinem Sauerstoff zu behandeln. Bei dem Unglück sterben zwei der im Tank befindlichen Patienten, vier weitere werden schwer verletzt. Der Tat angeklagt wird eine der Mütter, die sich so ihres behinderten Sohns entledigen wollte. Doch wollte Elizabeth ihren Sohn wirklich töten und brachte sie deshalb so viele andere in Gefahr?

Das Buch beginnt als Gerichtsthriller. Ein Jahr nach dem Unglück beginnt der Prozess gegen Elizabeth. Die Kapitel sind den einzelnen beteiligten Personen gewidmet, die entweder im Prozess aussagen müssen oder als Zuschauer zugegen sind. So erfährt man als Leser viel über die Gedankenwelt der einzelnen Personen – aber auch viele Geheimnisse, die jeder der Beteiligten zu verbergen versucht. So wandelt sich der Roman von einem Gerichtsthriller zu dem Psychogramm eines Unglücks, bei dem viele kleine Schritte zur Katastrophe führten.

Nebenher behandelt das Buch viele schwierige Themen: Einwanderung und Fremdenhass, Autismus, Ausgrenzung, Freundschaft und Feindschaft. Zunächst gelang es der Autorin auch, mich mit den kleinen Schritten, die zur Wahrheit führen, zu begeistern, doch leider fand ich das Buch im weiteren Verlauf oft viel zu ausführlich und viel zu weit ausholend. Klar ist es wichtig, den Tag aus Sicht aller Beteiligten zu sehen, mitzuerleben, wie sich die Katastrophe anbahnt, aber viele Dinge hätten einfach nicht so ausführlich erklärt werden müssen.

Die Momente im Prozess, wenn sowohl Staatsanwalt als auch Verteidigung ihre kleinen Tricks ausspielten, haben mir sehr gut gefallen, aber vieles, was nebenher passierte, hat mich leider auch etwas gelangweilt.

Am Ende ist Miracle Creek eine traurige Geschichte über den Tod eines Kindes, die aber auch zeigt, was eine Mutter, deren Kind besondere Pflege und Fürsorge braucht, alles tun muss, um kleine Fortschritte zu erlangen – und wie sehr sie das aushöhlen kann.

Ein guter Roman, der mir aber an vielen Stellen einfach etwas zu ausführlich und zu langatmig war, weshalb ich 3 von 5 Sternen geben möchte!

Veröffentlicht am 26.05.2020

Emotionale Verflechtung von Ereignissen

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Die Autorin Angie Kim hat ihrem Roman den Namen „Miracle Creek“ gegeben. Wer jetzt bei einem Wunder an eine aufmunternde und vielleicht fröhlich stimmende Geschichte denkt, der wird von dem Buch wohl eher ...

Die Autorin Angie Kim hat ihrem Roman den Namen „Miracle Creek“ gegeben. Wer jetzt bei einem Wunder an eine aufmunternde und vielleicht fröhlich stimmende Geschichte denkt, der wird von dem Buch wohl eher enttäuscht werden. Aber das verrät einem vielleicht auch schon der Klappentext des Romans. Es geht um ein Unglück, ein Mordprozess wird geführt – und im Mittelpunkt des Romans steht die Frage, ob Elizabeth, die des Mordes bezichtigt wird, wirklich ihren eigenen Sohn umbringen wollte und damit auch den Tod weiterer Menschen in Kauf nahm.
Aber das ist nicht das einzige Element der Geschichte. Die Autorin webt ein komplexes Konstrukt aus menschlichen Dramen. Da ist die koreanische Einwandererfamilie, die im weitesten Sinne an dem festhält, was man als den „American Dream“ bezeichnen könnte – die Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA. Da ist ein Ehepaar, das Probleme hat und ein Ehemann, der sich etwas Unverzeihliches zuschulden kommen lässt. Und da ist die Frage, ob Elizabeth ihr von den Bedürfnissen ihres Sohnes bestimmtes Leben satt hatte und ein absolut unverzeihliches Verbrechen begangen hat, um dieses Leben zu ändern.
Im Wechsel und aus verschiedenen Perspektiven entfaltet sich die Geschichte vor den Augen des Lesers. Stück für Stück kommt eine tragische und schockierende Wahrheit ans Licht – geschickt und absolut mitreißend erzählt von Angie Kim. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und vermittelt eindringlich die Emotionen, die in den einzelnen Protagonisten toben. Auch wenn man von einigen Entwicklungen sicher mehr schockiert ist, als von anderen und für manche Protagonisten weniger Verständnis hat als für andere – die Geschichte fesselt den Leser definitiv.
Allerdings war mir die Auflösung und das Ende ein wenig zu kurz abgehandelt – die Entwicklungen ganz zum Schluss wurden nicht mehr detailliert abgehandelt, sondern eher zusammengefasst. Mir hat da ein bisschen mehr gefehlt, sodass ich insgesamt auf eine Bewertung mit vier von fünf möglichen Sternen komme und mich auf jeden Fall auf weitere Werke der Autorin freue.

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