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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.03.2020

Wunderschön illustriert mit toller Nachricht

Heute nicht
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Auch Kinder haben mal einen schlechten Tag – das Essen schmeckt nicht, das Zimmer muss aufgeräumt werden, die Eltern/Geschwister nerven, kurz: alles ist doof, nichts macht Spaß und man ist traurig. Heute ...

Auch Kinder haben mal einen schlechten Tag – das Essen schmeckt nicht, das Zimmer muss aufgeräumt werden, die Eltern/Geschwister nerven, kurz: alles ist doof, nichts macht Spaß und man ist traurig. Heute ist alles doof, aber wie sieht es vielleicht morgen aus? Da kann es schon wieder ganz anders aussehen!

Gerade in diesen Zeiten lege ich das wunderschön illustrierte Buch allen ans Herz. Für Kinder ist die Corona Krise oft nicht ganz greifbar. Warum darf man nicht zu Freunden, den Großeltern, nicht zur KiTa/Schule? Und immer nur zu Hause sitzen wird auf Dauer langweilig… Alles mag grau erscheinen und genau dann brauchen Kinder die Zuversicht, dass alles auch wieder besser werden kann. Nur die Frage ist eben, wann genau das kommen wird. Manchmal dauert es eben etwas länger – aber dieses „morgen“ wird kommen. Genau das können die Eltern ihren Kindern erklären.
Auch wenn wieder alles „normal“ läuft, ist das Buch zu empfehlen, denn Traurigkeit von Kindern wird altersgerecht thematisiert. Die Tiere, ob Bär, Löwe oder Lama, haben Sorgen, mit denen sich Kinder identifizieren können und genau diese Tiere zeigen auch Auswege und Möglichkeiten, um wieder fröhlich zu sein. Die Reime sind sehr gelungen und vermitteln in aller Kürze eine lehrreiche Nachricht – wo Schatten ist, muss auch Licht sein!
Die Illustrationen sind übersichtlich, farbenfroh, laden zum längeren Betrachten ein und auch für Erwachsene einfach schön anzusehen.

Zum Aufmuntern und zeigen, dass Sonnenschein auf Regen folgen kann, bietet sich das wundervoll illustrierte, farbenfrohe Buch an – und das nicht nur aktuell.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2020

Wenn die Gerüchteküche brodelt wird es spannend...

Das Gerücht
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Eine Kindermörderin soll sich in einer kleinen, beschaulichen Küstenstadt niedergelassen haben. Bei der Tat war Sally McGowan selbst erst zehn Jahre alt und auch rund 50 Jahre später kennt man noch den ...

Eine Kindermörderin soll sich in einer kleinen, beschaulichen Küstenstadt niedergelassen haben. Bei der Tat war Sally McGowan selbst erst zehn Jahre alt und auch rund 50 Jahre später kennt man noch den Namen der Täterin, die nun mit einer neuen Identität ausgestattet im Ort leben soll. Joanna, die mit ihrem sechsjährigen Sohn zurück in ihre Heimat gezogen ist, hält zunächst nichts von den Gerüchten, aber um in den inneren Kreis aufgenommen zu werden, rutscht ihr dann doch mal da, mal dort was raus, sodass sie das Gerücht befeuert und es auch für sie ganz persönlich brenzlig wird.

Mordende Kinder sind ein schwieriges Thema. Wie soll man sie bestrafen? Wie sollen die Angehörigen des Opfers damit umgehen? Sind Kinder überhaupt eines Mordes fähig? War es vielleicht eher ein Unfall? Wie geht man mit dem mordenden Kind um, sobald es erwachsen ist? Fragen über Fragen.

Es beginnt ganz langsam, ein Gerücht wird unter Müttern am Schultor verbreitet – soweit Alltag. Doch dieses Gerücht nimmt schnell Fahrt auf. Eine Kindermörderin in der Stadt, wem kann man noch trauen? Hat diese Mörderin vielleicht schon ein Auge auf ein Kind geworfen? Ist die Frau noch gefährlich und wie sieht sie aus? Falsche Anschuldigungen mit teils verheerenden Folgen bleiben nicht aus, es gibt online Drohungen und Joanna, die das Gerücht angeheizt hatte, um ihrem Sohn den Start in der neuen Heimat leichter zu machen, befürchtet, dass sie sich und ihren Sohn in Gefahr gebracht hat. Zu Recht?

Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Seiten folgen bei mir nur so dahin und ich bin wirklich froh mich mit in diese englische Kleinstadt begeben zu haben. Die Geschichte ist fesselnd, es gibt auch Einschübe aus Sicht der Kindermörderin, die dem Leser ganz schön zusetzen. Nach dem beschaulichen Beginn hatte ich mich regelrecht in einen Leserausch versetzt und wollte unbedingt wissen, wie alles enden wird.

Ich habe zwar zum Ende hin mit meinen Vermutungen genau ins Schwarze getroffen (bis auf das eine oder andere Detail, was die Autorin wirklich gut gemacht hat), trotzdem fand ich das Buch quasi von Seite eins an unterhaltsam, interessant und/oder spannend. Vor allem Joanna, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, war mir direkt sympathisch und ihre Ängste und Unsicherheiten, die sich nach und nach einstellen, sind absolut nachvollziehbar.

Insgesamt ein sehr gelungenes Debüt (4,5 Sterne) , welches auch zum Nachdenken anregt und ich gerne empfehle!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2020

Erschütternd und bewegend

Loyalitäten
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Theo ist ein 12-jähriges Scheidungskind. Soweit teilt er das Schicksal vieler Kinder, doch seine Eltern reden überhaupt nicht mehr miteinander, zerrütteter könnte eine „Familie“ nicht sein und jede Woche ...

Theo ist ein 12-jähriges Scheidungskind. Soweit teilt er das Schicksal vieler Kinder, doch seine Eltern reden überhaupt nicht mehr miteinander, zerrütteter könnte eine „Familie“ nicht sein und jede Woche lebt er bei einem anderen. Sein depressiver Vater hat seine Arbeit verloren und Theo muss den Schein der Normalität aufrecht erhalten. Und auch seine Mutter ist verbittert, lässt Theo nach einer Woche bei seinem Vater ihre Launen an ihm aus…Der Druck auf den Jungen steigt und er sucht sich einen Ausweg. Mit seinem Freund Mathis trinkt er in der Schule Alkohol, um zu vergessen und sich leicht zu fühlen. Das bleibt nicht folgenlos und wird von einer Lehrerin bemerkt.

Ein bewegender Roman, der zeigt, wie Kinder die bedingungslose Loyalität gegenüber ihren Eltern leben – komme was will. Sie können dabei selbst unter die Räder kommen und kaum einer merkt etwas. Entweder sind die Erwachsenen zu sehr mit sich selbst beschäftigt, nehmen Symptome/Auffälligkeiten nicht ernst oder sie trauen sich nicht gegen einen möglichen Widerstand anzugehen. Ja, es mag sein, dass die betroffenen Eltern nicht gerne hören, dass mit ihrem Kind etwas nicht stimmt, aber im Sinne des Kindes ist es besser einfach nicht locker zu lassen, denn manche Abwärtsspirale ist vielleicht irgendwann nicht mehr rückgängig zu machen.

Das Verhalten der sogenannten Eltern hat mich wütend und sprachlos zugleich gemacht. Das gemeinsame Kind kann man doch nicht so zum Spielball machen und so blind für dessen Gefühlswelt werden. Beim Vater ist es vielleicht noch irgendwie zu verstehen, denn Depressionen sind so, aber die im Vergleicht gesunde Mutter müsste doch etwas merken und – im Sinne ihres eigenen Sohnes handeln.

Auch die Loyalität zwischen Freunden ist ein zentrales Thema. Wie lange macht man bei Aktionen, die einen selbst nicht überzeugen mit, wie lange deckt man den Freund und wann ist es Zeit die Notbremse zu ziehen? Was ist Loyalität und wo beginnt die „falsche“ Loyalität?
Lehrerin Helene, die eine alles andere als schöne Kindheit hatte, versucht Theo zu helfen und gerät selbst ins Straucheln und auch Mathis Mutter beäugt -aufgrund ihrer Vergangenheit- die Freundschaft ihres Sohnes zu Theo kritisch.

Aus verschiedenen Perspektiven schildert die Autorin die Geschichte, sodass der Leser zahlreiche Blickwinkel einnehmen kann und ein unheimlicher Sog entsteht, der den Leser vorantreibt, sodass ich das dünne Buch binnen eines Tages gelesen hatte. Man fiebert und hofft einfach mit. Manchmal möchte man die Figuren schütteln und anschreien, dass sie endlich mal richtig hinsehen sollen. Das Thema als solches, aber auch die zwischenmenschlichen Beziehungen sind interessant dargestellt.

Auch diesen aufwühlenden Roman aus der Feder der – aus meiner Sicht begnadeten Autorin – kann ich daher nur empfehlen. Man fragt sich auch selbst, wie man reagieren würde, ob man vielleicht schon stumme Hilfeschreie nicht gehört hat…Es ist ein dünnes Buch, aber eines mit einer unglaublichen Wucht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2020

Wenn der Glaube zu weit geht

Ein wenig Glaube
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Lyle und Peg leben zufrieden im ländlichen Wisconsin. Sie haben alles was sie brauchen und nun ist auch ihre Adoptivtochter Shiloh mit ihrem 5-jährigen Sohn zurück – alles scheint gut. Lyle verbringt viel ...

Lyle und Peg leben zufrieden im ländlichen Wisconsin. Sie haben alles was sie brauchen und nun ist auch ihre Adoptivtochter Shiloh mit ihrem 5-jährigen Sohn zurück – alles scheint gut. Lyle verbringt viel Zeit mit dem kleinen Isaac, besucht seine Freunde, zeigt ihm die Welt, die der eigene vor Jahrzehnten verstorbene Sohn nie sehen konnte. Doch Shiloh beginnt sich jedoch von ihren Eltern abzukapseln, denn sie gehört einer Sekte an und wird eine immer treuere Anhängerin…

Der Glaube ist hier das zentrale Thema. Hier reicht der Glaube schon bis zum Irrglauben mit furchtbaren Auswirkungen. Immer wieder hört man gerade aus den USA von Fällen des „Gesundbetens“ – das kann nicht funktionieren! Warum ich das erwähne? Weil hier eine Mutter, die zwar nicht ganz gewöhnlich ist, aber dennoch einen gewisse Vernunftbegabung an den Tag legte, dem furchtbaren Irrglauben eines Sektenführers folgt und der Schulmedizin den Rücken kehrt – nicht folgenlos.

Ich habe kein Problem mit dem Glauben – solange niemand darunter leiden muss. Wenn Erwachsene sich mit ihren Entscheidungen – und ausdrücklich nur sich selbst – schaden – ihre Sache, doch Dritte, und insbesondere Kinder, dürfen nicht darunter leiden müssen. Wobei man hier wohl besser zwischen Glaube und Fanatismus unterscheiden sollte. Letzterer ist einfach nicht nachvollziehbar und schlicht gefährlich. Wie schmal der Grat sein kann und wie schnell man von tiefgläubig zu fanatisch schwankt, wird hier deutlich. Ich höre an der Stelle besser auf mich weiter reinzusteigern, denn das habe ich beim Lesen bereits schon. Manches Mal hätte ich gerade Shiloh zu gerne geschüttelt…

Was tun als Außenstehender? Kann man überhaupt was tun oder treibt man mit gutgemeinten Aktionen den Gläubigen weiter in das System rein? Diese Frage stellt sich auch Lyle. Die tiefe Unsicherheit ist schier mit Händen greifbar und man weiß auch als Leser nicht immer, was man dem Betroffenen raten würde.

Der Schreibstil ist extrem bildhaft und ansprechend. Sehr flüssig, emotional und an sich leicht zu lesen. Der Autor wirft große Fragen auf, zeigt die Gefahren von Sekten und ihre Manipulationsstrategien, sowie die Wichtigkeit der Familie, der Liebe und des Zusammenhaltes.

Ein berührender und trauriger Familienroman, der mich nachdenklich stimmte, manchmal zum Lachen und gelegentlich fast zum Weinen brachte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2020

Interessantes von der Baustelle

Wieso? Weshalb? Warum? Fahrzeuge auf der Baustelle
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Was passiert in der Montagehalle, wie kommen die Fahrzeuge zur Baustelle und welche gibt es überhaupt? Wie werden Tunnel, Straßen, ein Stadion oder Spielplatz gebaut und wie verlegen die Baufirmen eigentlich ...

Was passiert in der Montagehalle, wie kommen die Fahrzeuge zur Baustelle und welche gibt es überhaupt? Wie werden Tunnel, Straßen, ein Stadion oder Spielplatz gebaut und wie verlegen die Baufirmen eigentlich Rohre?

Wer schon immer wissen wollte, wie vielseitig Bagger, Kran und Co sind, ist mit diesem Buch sehr gut beraten. Ich habe einiges gelernt, denn von einer Laufkatze hatte ich bisher noch nie gehört, wenn ich auch das Teil kannte und bisher immer eine umständliche Umschreibung anstelle eines Fachbegriffes abgegeben habe. Nur ein Beispiel, denn es gab insgesamt viele Fachbegriffe, die jedoch gut, also kindgerecht (wenn auch nicht kleinkindgerecht) erklärt werden, selbsterklärend oder auch dank der Bilder nachvollziehbar sind (Zwillingsreifen, Ausleger). Auch klärt sich, warum manche Bagger Reifen haben, andere Ketten oder auch wie Beton, Kies und Co zur Baustelle kommen.

Wer die Reihe kennt weiß um das gelungene Hardcover-Format, das zum gemeinsamen Lesen und Entdecken einlädt. Durch die stabile Ringbindung lässt sich trotz der großen Seiten gut blättern. Die Klappen bieten immer wieder Überraschungen, teils witzig, teils informativ und bei dem Thema auch gut eingesetzt, ob nun um zu verdeutlichen, wie ein Laster etwas abkippt oder wie ein Tunnel gebohrt wird. Beim ersten Öffnen der Klappen muss man etwas aufpassen, danach geht es aber sehr leicht. Auf den schönen, detailreichen Bildern gibt es immer wieder Neues zu entdecken.
Positiv werte ich auch, dass viele Frauen auf der Baustelle zu finden waren. Das hatte ich nicht unbedingt so erwartet, fand ich aber genauso gut wie der kurze Ausblick in die Zukunft der Baufahrzeuge!

In der KiTa kam das Buch sehr gut an. Vor allem die Jungs hatten großes Interesse und auch schon ein paar Kenntnisse, doch die Erzieherin konnte doch noch neue Infos dank des Buches vermitteln. Besonders beliebt war das Öffnen der Klappen. Kinder können sich auch mal allein damit beschäftigen, jedoch werden Nachfragen sicher nicht ausbleiben…

  • Cover
  • Erzählstil