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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.09.2020

Schnell gelesen, aber es wirkt lange nach

GOTT
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Ein älterer, aber gesunder Witwer mit Familie hat seinen Lebensmut verloren und möchte sich mit ärztlicher Hilfe suizidieren. Es kommt zu einer Tagung der Ethikkommission, um die Vor- und Nachteile zu ...

Ein älterer, aber gesunder Witwer mit Familie hat seinen Lebensmut verloren und möchte sich mit ärztlicher Hilfe suizidieren. Es kommt zu einer Tagung der Ethikkommission, um die Vor- und Nachteile zu erörtern. Rechtlich ist der Weg bereitet. sodass Ärzte dem Wunsch nachgeben können, doch ist das richtig? Welche Folgen könnte es haben und welche hat es, wenn Ärzte dem Wunsch ihrer Patienten nicht entsprechen? Das Thema wird aus den verschiedensten Blickwinkeln getrachtet und der Leser als Teil des Publikums ist gefragt sich eine eigene Meinung zu bilden.

Nachdem mir „Kaffee und Zigaretten“ nicht so gefiel und „Trotzdem“ zwar interessant, aber nicht ganz das Erwartete war, habe ich hier wieder einen Schirach vorgefunden, der mich einfach nur begeistert hat. An sich bin ich seit der Schulzeit kein großer Freund davon Theaterstücke zu lesen und ich mag unter normalen Umständen auch eher keine offenen Enden, doch hier ist es ganz anders. Ähnlich wie bei „Terror“- welches ich nebenbei ebenfalls gerne empfehle!- gelingt es dem Autor den Leser von der ersten Seite an zu fesseln, mit verschiedenen Meinungen zum Nachdenken anzuregen und das Für und Wider abzuwägen. Selbst wenn man vorher eine scheinbar feste Meinung hatte, ist der aufgeschlossene Leser auch immer wieder am prüfen, ob der eigene Standpunkt tatsächlich so unerschütterlich ist. Schirach scheut sich auch nicht seine Figuren hart zur Sache diskutieren zu lassen und unangenehme Wahrheiten einzubinden. Am Ende muss und darf man selbst abstimmen.
Dabei benötigt der Autor in seinen Dialogen relativ wenige Worte und trotzdem muss man nicht die Kunst des „Zwischen-den-Zeilen-Lesens“ beherrschen, denn es werden die jeweiligen Standpunkte deutlich. Der Rechtssachverständige, das Mitglied des Ethikrates, aber auch ein Mediziner und ein Theologe bekommen Möglichkeit ihre Ansichten zu präsentieren und müssen sich harten Fragen stellen. Doch so klar und hart Schirach die Aspekte des gesellschaftlich relevanten Themas auch darstellt, so richtet und urteilt er nicht. Ob man nun dafür oder dagegen ist, für jeden ist das Buch gelungen, um die eigene Position vielleicht noch zu stärken oder auch um die andere Seite besser zu verstehen, vielleicht sogar die Meinung zu ändern.
In meinem Fall kamen immer wieder Aspekte zur Sprache, die mich ein wenig wanken ließen. Genau das habe ich von dem Buch erhofft und erwartet. Nachdem ich das Buch nun schon vor einigen Tagen beendet habe, habe ich noch immer die gesamte Tagung präsent und beschäftige mich immer wieder mal in einer ruhigen Minute mit dem Thema.

Ein typischer Schirach - relativ schnell gelesen, aber mit so vielen Denkanstößen zum Thema Suizid, dass man sich unweigerlich lange, und aus verschiedenen Blickwinkeln, mit der Thematik beschäftigt. Daher kann ich das Buch nur weiterempfehlen, auch wenn man glaubt gar nicht so sehr von dem Thema tangiert zu sein. Die Fragen „Wem gehört unser Leben?“ und „Wer entscheidet über unseren Tod?“ sind für jeden eine Überlegung wert.
Die drei Essays am Ende des Buches greifen das Thema wissenschaftlich noch einmal auf und ermöglichen leichter eine eigene Meinung zu fassen.

Veröffentlicht am 21.09.2020

Eigenständiger historischer Roman

Das Erbe der Päpstin
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Gisla fristet im frühen Mittelalter mit ihren Töchtern ein trauriges Leben als Sklavin in Dänemark. Eines Tages spitzen sich die Ereignisse zu und Gisla wird ermordet. Freya, die jüngere, aber deutlich ...

Gisla fristet im frühen Mittelalter mit ihren Töchtern ein trauriges Leben als Sklavin in Dänemark. Eines Tages spitzen sich die Ereignisse zu und Gisla wird ermordet. Freya, die jüngere, aber deutlich raffinierte Schwester tötet ihren Widersacher und nimmt mit ihrer Schwester Reißaus. Sie suchen nach ihrem Großvater, trennen sich nach gewisser Zeit und Freya geht ihren Weg. Ein sehr turbulenter und spannender Weg, der immer wieder blutige Spuren hinterlässt…

Auch ohne „Die Päpstin“ zu kennen, lässt sich dieses Buch sehr gut lesen, denn die Päpstin ist zwar Thema und spielt in einigen Szenen eine Rolle, jedoch ist es nicht erforderlich das berühmte Buch zu kennen. Ich zumindest kenne „Die Päpstin“ nicht und habe keinerlei Wissenslücken bemerkt. Die Geschichte der tapferen Freya, die als Sklavin in Dänemark mit ihrer Schwester und Mutter ein trostloses Dasein führte, ist eigenständig. Freyas temporeicher, spannender Weg führt sie, oft in Gestalt eines Jungen/Mannes, unter anderem nach Rom, zur Päpstin und ihrem Großvater – doch sie scheint das Unglück anzuziehen und so wird der Leser mit auf eine Reise genommen, die es in sich hat, zahllose Überraschungen bietet, Intrigen, Machtspielchen und dramatische Ereignisse nach sich zieht. Nachdem sie Rom überhastet mit einem Kind verlassen muss und ihre Liebe Aristid ermordet zurücklassen muss, führt ihr Weg die beiden ins Kloster am Chiemsee, wo sie ihre medizinischen Kenntnisse vertieft. Nicht alles läuft glatt, doch dramatisch wird es als ein Widersacher auftaucht, der immer wieder versucht sie zu töten, und auch die Dänen erscheinen immer wieder und verüben Anschläge. Die Frage, wie es Freya ergeht, treibt den Leser um. Es ist ein gelungener historischer Roman, der manchmal überrascht, in einigen Belangen aber auch das Erwartete bietet. Toll fand ich die historischen Personen, die real existierten und auch den meist kurzweiligen Schreibstil, der mich mitten ins Mittelalter versetzte.

In Summe war die Geschichte kurzweilig und trotzdem: Zwischendurch hatte ich ab und an – zumindest wenn Schwester Asta mit von der Partie war – Hänger gehabt. Ihr Verhalten war mir zu extrem, wenn es auch ganz bestimmt nicht wenige dieser Fälle zu jener Zeit gab. Zudem gab es noch das eine oder andere was ich nicht ganz aufgelöst fand, entsprechend gibt es nur vier von fünf Sternen und trotzdem eine Leseempfehlung für diesen spannenden Roman.

Veröffentlicht am 15.09.2020

Umweltschutz geht uns alle an

Groß genug, die Welt zu retten
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Umweltschutz geht alle an – auch und besonders die Kinder, darum ist es auch wichtig sie bereits früh für die Probleme zu sensibilisieren und Auswege und Möglichkeiten aufzuzeigen – genau das macht dieses ...

Umweltschutz geht alle an – auch und besonders die Kinder, darum ist es auch wichtig sie bereits früh für die Probleme zu sensibilisieren und Auswege und Möglichkeiten aufzuzeigen – genau das macht dieses Buch.

Man kann nie früh genug anfangen Kinder schon ein gewisses Umweltbewusstsein zu vermitteln und zu zeigen, dass nicht nur der Einzelne was beitragen kann, sondern wirklich auch jeder – ganz gleich wie jung oder alt. Genau das schafft das Buch! Denn es werden Kinder und Jugendliche mit den verschiedensten Ansätzen vorgestellt. Die zwölf Vorbilder leben auf der ganzen Welt, so wird nicht nur gezeigt, dass es überall möglich ist, etwas für die Umwelt zu tun, sondern auch, dass es uns alle angeht – ganz unabhängig von Hautfarbe oder gesellschaftlichem Status tun sie alle das Gleiche: Sie sorgen sich um unsere Welt. Die Probleme sind verschieden, in Südafrika ist der Schutz der Wildtiere vor Wilderern, während der Deutsche Felix anfing Bäume zu pflanzen, andere machen auf das Müll/Plastikproblem aufmerksam oder setzen sich für regionale, saisonale Produkte ein, usw. Kurz und knapp wird auf einer Doppelseite das Vorbild vorgestellt und in die jeweilige Welt eingeladen.

Dazu gibt es am Ende des Buches nützliche Tipps für den Alltag, wie beispielsweise beim Zähneputzen das Wasser nicht laufen zu lassen oder keine Lebensmittel zu verschwenden. Dazu gibt es auch Tipps wie man „gehört“ werden kann – doch diese Vorschläge sind eher für schon etwas ältere Kinder geeignet.
Umweltschutz und Diversität werden hier vermittelt und das finde ich sehr wichtig und ansprechend.

Die Zeichnungen sind sehr ansprechend und es lässt sich immer wieder Neues entdecken. Das können schon die Kleinsten, den Text kann man dann ja bei Bedarf vorlesen und näher erklären, falls nötig. Das große Format hat mir sehr gut gefallen, so können gleichzeitig mehrere (Kinder) gemeinsam das Buch lesen und anschauen. Viel zu lesen gibt es nicht, da die Erklärungen recht knapp gehalten sind. Hier kritisiere ich die zu klein gewählte Schriftgröße.

Das Buch ist ab vier Jahren empfohlen und das scheint auch sehr gut gewählt – zumindest in der KiTa meiner Schwester zeigte sich, dass die Kinder ab diesem Alter sehr großes Interesse am Thema mitbringen und unbedingt auch etwas tun wollen. Mittlerweile verfügen schon einige Kinder über ein Umweltbewusstsein und in der KiTa wurden auch schon einige Aspekte vor dem Buch aufgegriffen, sodass sich die Kinder sehr gut fühlten, denn Nahrung für Bienen haben sie schon im Frühjahr besorgt, Elterntaxis gibt es kaum, Wasser sparen sie bereits und auch Müll wird kaum produziert bzw. versucht damit noch etwas zu spielen/basteln. Die Erzieherin ist angetan von dem Gesprächsstoff, den das Buch bietet und lobt die Zeichnungen, die allen Kindern Freude bereiten.

Veröffentlicht am 13.09.2020

Genial - wäre das Ende nicht...

Raum der Angst
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Eine Gruppe sich unbekannter Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten wird in einen Escape-Room eingesperrt. Gemeinsam müssen sie die Lösung des Rätsels entdecken. Alles scheint in Ordnung – zumal noch wissenschaftlich ...

Eine Gruppe sich unbekannter Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten wird in einen Escape-Room eingesperrt. Gemeinsam müssen sie die Lösung des Rätsels entdecken. Alles scheint in Ordnung – zumal noch wissenschaftlich begleitet, doch schnell zeigt sich, dass es überhaupt nicht so läuft, wie sich das die Teilnehmer vorgestellt haben. Mit blutigen Konsequenzen…

Das Grundkonzept des Buches hatte mich sehr angesprochen und dann ging es auch schon los. Zunächst lernt man Protagonistin Hannah kennen, die Psychologie-Studentin, die nach ihrem Job in einer Bar entführt wird – was soll das mit einem Escape-Room zu tun haben? Sehr viel, wie sich schon nach wenigen Seiten zeigt. Sofort ist man mitten im Geschehen und lernt die verschiedenen Charaktere kennen. So richtig traut man den meisten nicht über den Weg. In der bunt zusammengestellten Gruppe – so weiß der Leser – kann es ja nicht mit rechten Dingen zugehen oder sind doch alle nur Opfer in einem Spiel um Leben und Tod? Auch der Leser ist hier einfach überfragt. Gleiches gilt auch für die Polizisten, die hier immer wieder mal Einblicke in den aktuellen Stand der Ermittlungen bieten und nach und nach die Tathintergründe offenlegen. Trotz zahlreicher Akteure, Szenenwechsel und Erzählperspektiven ist es spielend leicht der Geschichte zu folgen. Der Leser rätselt automatisch mit und feuert die Teilnehmer regelrecht an. Das Buch hat dank zahlreicher überraschender Wendungen und außergewöhnlicher „Spielarten“ enormen Thrill und ist dazu in einem extrem flüssigen und leichtgängigen Schreibstil verfasst, sodass der Leser mit den Akteuren durch das Buch hetzen kann. Überhaupt hält das Buch alles, was es auf den ersten Anschein verspricht und fast alles ist einfach genial umgesetzt.

Ich war zuvor nie in einem Escape Room, aber jetzt hätte ich mal so richtig Lust darauf. Für Zartbesaitete ist das Buch allerdings so gar nicht geeignet, denn es tun sich nicht nur menschliche Abgründe auf und wird sehr blutig, sondern teilweise auch wirklich nur martialisch – genau wie man es einem zwiegespaltenen „Gott“ wie Janus eben zutraut.

Einzig das Ende hat mich gar nicht überzeugt, nicht nur blieb eine zentrale Frage offen, sondern es ist so zwanghaft ausgelegt schon Appetit auf mindestens einen weiteren Band zu machen, dass es einen faden Beigeschmack hat. Daher ein Stern Abzug und trotzdem werde ich den Nachfolger sicher auch lesen.

Veröffentlicht am 13.09.2020

Die menschliche Seite einer brillanten Wissenschaftlerin

Madame Curie und die Kraft zu träumen
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Marie Curie hat mich schon immer fasziniert, trotzdem habe ich bisher zu ihrem Werdegang kaum mehr gelesen, als in der Schule erfordert – das musste ich nun dringend nachholen. Der Mensch hinter der fantastischen ...

Marie Curie hat mich schon immer fasziniert, trotzdem habe ich bisher zu ihrem Werdegang kaum mehr gelesen, als in der Schule erfordert – das musste ich nun dringend nachholen. Der Mensch hinter der fantastischen Wissenschaftlerin steht hier im Fokus und genau das fand ich besonders gelungen. Wer war die Frau, die in Polen ihre Liebe zur Wissenschaft entdeckte und in Frankreich auslebte? Welche Herausforderungen musste sie bewältigen und wie vereinbarte sie Familie und Wissenschaft? Man lernt zunächst die junge Mania kennen, ihren Hass auf die russischen Besetzer, die allen Polen ihre Identität versagen. Außerdem ihre Familie, die nicht unter der Herrschaft der Russen, sondern auch von Krankheiten gebeutelt wird. Frauen war es in Polen nicht erlaubt zu studieren und die Mittel im Ausland zu studieren hatte nicht jeder….auch die Manias Familie nicht. Doch Mania wäre nicht sie, hätte sie nicht auch dafür einen Weg gefunden; nicht nur für sich, sondern auch für ihre Schwester Bronia. Als es dann auch Mania möglich ist nach Paris zu reisen, benennt sie sich in „Marie“ um. Sie lernt nicht nur glaublich viel an der Universität, sondern auch ihren späteren Mann, Pierre Curie kennen und lieben. Privat und beruflich passen die beiden einfach perfekt zusammen, sie arbeiten Hand in Hand und unbeirrt – trotz aller Widrigkeiten und das waren nicht nur die gesundheitlichen Probleme, die durch die radioaktive Strahlung entstanden oder das jahrelange Ignorieren der Leistungen Marie Curies (ihr Mann hat ihren Anteil an den Forschungen immer sehr in den Fokus gerückt).

Die Autorin hat einen interessanten Weg gefunden Marie Curie selbst erzählen zu lassen. Die Erzählerin hat immer wieder gezeigt, wie wissbegierig sie war und unter welchen emotionalen Schwierigkeiten sie all das erreichte, was sie berühmt gemacht hat. Nicht immer war sie obenauf, ganz im Gegenteil, viele Hürden waren fast zu hoch für Mania/Marie und trotzdem hat sie an ihren Träumen festgehalten. Die Marie Curie, die ich vor Augen hatte, war eine schüchterne Wissenschaftlerin durch und durch – an sich ja nichts schlimmes, aber hier wird deutlich, dass sie auch eine liebende Mutter und Frau, aber auch Schwester und Freundin war. Ängste, Nöte und Sorgen kennt jeder – auch eine so brillante und hartnäckige Wissenschaftlerin wie Curie.

Insgesamt ein unterhaltsames Buch, welches mir diese Wissenschaftlerin und ihre anderen Facetten deutlich näher gebracht hat. Der Schreibstil ist ansprechend, sodass ich durch die Geschichte in ihren verschiedenen Zeitebenen nur so durchgerauscht bin. Natürlich sollte man bei all dem nicht vergessen, dass es sich um einen Roman handelt und nicht um eine Biografie – entsprechend ist manches vielleicht ein wenig oberflächlich, aber einen guten Überblick bekommt man auch so.