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Veröffentlicht am 18.11.2019

Ein Provinzkrimi voller Humor, derber Sprüche und Klischees

Bülent Rambichler und der störrische Karpfen
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Die Waldner Zwillinge finden im beschaulichen Strunzheim den zweiten Bürgermeister tot im Fischkasten am Weiher. Nach gewissen Diskussionen kommt man überein, dass man eigentlich nur einen informieren ...

Die Waldner Zwillinge finden im beschaulichen Strunzheim den zweiten Bürgermeister tot im Fischkasten am Weiher. Nach gewissen Diskussionen kommt man überein, dass man eigentlich nur einen informieren kann: Hauptkommissar Bülent Rambichler. Er ist im Ort aufgewachsen, seine Eltern leben noch dort und am liebsten würde Bülent nicht zurückkehren, aber immer nur gemütlich Akten wälzen ist nicht und so muss er mit seiner Assistentin die Ermittlungen aufnehmen. Der Fall bekommt besondere Brisanz, denn Bülents Vater hatte Streit mit dem Opfer…

Ich hatte den Vorgänger direkt vor diesem Band gelesen und so die volle Dröhnung Rambichler und Co bekommen. Dazu muss man wirklich Lust haben, sonst ist das ein bisschen arg viel bayrische Originalität, aber ich habe mich köstlich amüsiert. Ist vieles überspitzt? Eindeutig! Aber das Klischees so extrem bedient und überspitzt werden, macht die Geschichte auch aus.

Der Dialekt ist sehr gut zu lesen und die Wortkreationen haben mich ebenso oft schmunzeln lassen, wie lustige Anekdoten, die sich so während der Geschichte ergeben. Vieles ist herb und derb – das sollte man im Vorfeld wissen und sich darauf einstellen. Political Correctness ist hier oft „vergessen“ worden, aber auf humorvolle Weise. Dafür ist der Krimianteil wenig blutig und die Autorin bringt immer wieder neue, mögliche Verdächtige ins Spiel.

Wer gerne etwas turbulente Provinzkrimis mag – und dieser verdient sich das Prädikat „Provinzkrimi“ eindeutig – ist mit dem Buch sehr gut beraten.

Veröffentlicht am 12.11.2019

Derber Humor

Bülent Rambichler und die fliegende Sau
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Bülent Rambichler erwischt es hart. Eigentlich will der Kriminaler bis zur Rente nur ruhig sein Dasein fristen, doch er bekommt eine neue Kollegin, die so gar nicht zu seinem Wesen passt und muss in einem ...

Bülent Rambichler erwischt es hart. Eigentlich will der Kriminaler bis zur Rente nur ruhig sein Dasein fristen, doch er bekommt eine neue Kollegin, die so gar nicht zu seinem Wesen passt und muss in einem Mordfall in seiner Heimat ermitteln.

Dieser erste Band der Reihe ist einfach zum Niederknien! Ist der Provinzkrimi ein wenig skurril? Ein eindeutiges Ja, aber genau das habe ich so erwartet und auch erhofft. Es ist ein Krimi, bei dem sich die Lachmuskeln mal so richtig austoben können, sei es weil eine „Besonderheit“ die nächste jagt oder auch aufgrund der Ausdrucksweise, die oft mehr als überdeutlich ist. Das ist sicherlich nicht jedermanns Humor, denn es wird schon ziemlich derb, aber mir hat es gefallen. Wortwitz, Situationskomik und schwarzer Humor haben mich überzeugt.

Trotz Dialekt ist die Geschichte sehr gut und flüssig zu lesen. Ich finde das Bayrische sehr gut getroffen und es hat einfach Witz – auch die fränkische Mentalität finde ich (als „Laie“) sehr gut, wenn auch wie erwartet sehr überspitzt, dargestellt. Dazu kommen noch sehr besondere Charaktere, die alle auf ihre Art sehr nett und sympathisch sind, allen voran natürlich Bülent (und dessen Vater…). Bayern meets Türkei – eine interessante Mischung! Aber auch Franz und die Zwillinge sind unterhaltsame Charaktere.

Wer (bayrische) Provinzkrimis mag, ist mit dem unterhaltsamen Buch sehr gut beraten, aber eine Leseprobe empfehle ich, denn der Humor ist schon ein bisschen speziell und sicher nicht jedermanns Sache.

Veröffentlicht am 06.11.2019

Interessantes Thema, aber in der Umsetzung nicht überzeugend

Stalker
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Stalking ist ein an sich schon spannendes Themenfeld – zumindest solange man nicht Objekt einer solchen Obsession geworden ist. Darum habe ich mich auch schon auf das Buch gefreut. Dozentin und Buchautorin ...

Stalking ist ein an sich schon spannendes Themenfeld – zumindest solange man nicht Objekt einer solchen Obsession geworden ist. Darum habe ich mich auch schon auf das Buch gefreut. Dozentin und Buchautorin Siobhan gibt einen Kurs für kreatives Schreiben am College und trifft dort auf Alex. Er ist etwas jünger, aber das stört ihn nicht. Blitzartig hat er sich in seine Dozentin verliebt und das hat weitreichende Folgen – nicht nur für die beiden…

Der Beginn war relativ langweilig, denn das Einführen der Personen dauerte mir ein wenig zu lange und ich vermisste diesen typischen Thrill, den solche Stalkingbücher entwickeln. Aber nun gut, irgendwann wurde es dann doch noch spannend und da man aus der Perspektive von Siobhan und Alex die Geschichte in Tagebuchform präsentiert bekommt, entwickelt sich nach und nach eine interessante Geschichte. Ein Problem war sicher auch, dass ich die handelnden und erzählenden Figuren nicht mochte und deren Innenleben nicht ganz nachvollziehen konnte.

Dass das Buch in zwei Teile gegliedert ist, hatte einen gewissen Verdacht bei mir geweckt und ich lag damit auch richtig. Das nahm mir ein wenig die Freude, aber nicht so lange, denn je weiter das Geschehen vorangeschritten ist, desto überzeugender - wenn auch ziemlich, ziemlich "bekloppt" - fand ich es. Vielleicht hatte ich mich auch nur endlich in den etwas außergewöhnlichen Schreibstil bzw. Erzählweise eingefunden.

So richtig begeistert war ich nicht, wenn das Buch auch viele Wendungen (einige davon aber wenig überraschend…) mit sich brachte, die teils wirklich heftig waren. Trotz aller „Heftigkeit“ könnte es genauso passieren, wenn entsprechende Voraussetzungen gegeben sind.

Unter dem Strich hat mich das Buch leider nicht überzeugen können, zu dem Thema gibt es einfach deutlich bessere Bücher.

Veröffentlicht am 02.11.2019

Interessanter Cold Case

Bis ihr sie findet
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1983 gehen sieben Schulfreunde im Wald zelten. Es gibt eine Menge Alkohol, Drogen und auch sexuelle Spannungen – soweit nicht ganz außergewöhnlich, doch am Morgen ist die 14-jährige Aurora spurlos verschwunden. ...

1983 gehen sieben Schulfreunde im Wald zelten. Es gibt eine Menge Alkohol, Drogen und auch sexuelle Spannungen – soweit nicht ganz außergewöhnlich, doch am Morgen ist die 14-jährige Aurora spurlos verschwunden. Erst 30 Jahre später wird ihre Leiche gefunden. In den Cold-case ermittelt DCI Jonah Sheens, der bereits vor 30 Jahren bei der Suche half und das Opfer kannte. Wird der Täter nach so langer Zeit noch ermittelt werden können? War es einer der Freunde oder vielleicht doch ein Fremder? Alle Ansätze werden neu aufgerollt…

Ja, man muss das Rad nicht neu erfinden, aber dieses hier kam für mich zu Beginn nicht so ganz in die Gänge. Ich hatte schon befürchtet, dass es auch nichts mehr werden wird, doch dann wurde das Buch immer und immer besser. Entgegen meiner Befürchtungen hatte der Hauptermittler doch nicht ganz so große Probleme (mich nervt es, wenn Ermittler versoffen oder schlimmeres sind…) und die Dynamik im Team der Ermittler gefiel mir gut.

Sehr lange, fast bis zum Ende des Buches war ich immer wieder auf der falschen Fährte, verwarf diesen oder jenen Verdacht, als sich Neues ergab und kam quasi erst mit dem Ermittler gleichzeitig auf des Rätsels Lösung und selbst da, wäre ich noch nicht jede Wette eingegangen, denn man wie ja nie…

Die Auflösung fand ich gelungen, der Schreibstil ist weitgehend gut, die Komplexität der Geschichte ansprechend statt überfordernd, die Perspektivwechsel und Zeitsprünge sind sehr gut gemacht und – bis auf den Beginn und manches, was nicht ganz 100% logisch war.

Da am Anfang viel Potential verschenkt wurde und ich es stellenweise doch etwas zu langatmig fand, geht es nicht über 3,5 Sterne hinaus, obwohl ich gerne und viel miträtselte ab der Mitte des Buches. Wenn es eine Fortsetzung gibt, bin ich aber wieder dabei.

Veröffentlicht am 29.10.2019

Hatte deutlich mehr erwartet

Das Geschenk
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Milan ist Analphabet und versucht das zu vertuschen. Gar nicht so einfach…besonders schwierig wird es, als er beobachtet, wie ein Mädchen weinend in einem Auto einen Zettel hochhält und er glaubt, dass ...

Milan ist Analphabet und versucht das zu vertuschen. Gar nicht so einfach…besonders schwierig wird es, als er beobachtet, wie ein Mädchen weinend in einem Auto einen Zettel hochhält und er glaubt, dass sie entführt wurde. Kann er ihr helfen? Hat er vielleicht nur etwas missverstanden oder steckt sie in Schwierigkeiten? Wie kann er ihr helfen?

Mit Spannung hatte ich das neue Buch erwartet und die Aufmachung des Buches hatte mich dermaßen angesprochen, dass ich es einfach sofort haben musste. Man kann sich ja ruhig selbst mal beschenken, aber nach der Lektüre muss ich festhalten, dass es wahrscheinlich für die Preisklasse was Ansprechenderes gegeben hätte – leider. Doch es war kein totaler Reinfall, der Beginn hatte mich so gefesselt, dass ich das Buch in einem Rutsch zur Hälfte gelesen habe. Ich wollte unbedingt wissen, wie es zu dem extrem brutalen Einstieg ins Buch kam. Positiv war auch wieder Fitzeks temporeicher Schreibstil mit den meist kurzen Kapiteln und zahlreichen Zeit- und Perspektivwechseln. Die Begeisterung war noch voll da, als ich am gleichen Tag erneut zum Buch griff, legte sich aber mit der Zeit deutlich. Ich kann nicht einmal ganz genau benennen, warum mich die Geschichte, die an sich interessant war und auch zum Nachdenken anregt (wie würde ich mich entscheiden? – leider kann ich darauf nicht näher eingehen, um nicht zu viel zu verraten…) nicht richtig fesseln konnte. Irgendwie hätte ich da mehr von Fitzek erwartet.

Auch das Ende – dieses Mal weniger verworren, als das sonst der Fall ist – fand ich nicht richtig überzeugend. Den Thrill, der gewöhnlich von seinen Geschichten ausgeht, habe ich hier so nicht wahrgenommen. An sich war es schon über weite Strecken spannend, aber weniger, als man das von ihm gewöhnt ist, denn das übliche Verfolgungsspielchen und vor allem das Verwirrspiel war hier weniger gelungen bis nicht vorhanden.

Ich fand das Thema rund um den Analphabetismus toll, aber leider fand ich die Umsetzung nur semigut. Ja, die Probleme mit denen Analphabeten täglich zu tun haben werden thematisiert, aber ich hätte doch ein wenig mehr erwartet. Auch die ganzen Hintergründe haben mich nicht ganz überzeugt, die Beziehung zu seiner Freundin Andra erschien mir in Teilen wenig nachvollziehbar und auch manches andere fand ich auch etwas sehr, sehr unrealistisch…

Unter dem Strich kein völliger Reinfall, aber auch ganz und gar nicht, was ich mir von dem Buch versprochen habe.