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Veröffentlicht am 10.05.2022

Solider Fall, aber Kluftinger hat es mal wieder in sich...

Affenhitze (Kluftinger-Krimis 12)
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Eine Sensation wurde im Allgäu entdeckt. Der erste aufrechtgehende Menschenaffe stammt wohl aus der Gegend und Paläontologen sind fleißig am Arbeiten. Nun soll das gefundene Artefakt "Udo" präsentiert ...

Eine Sensation wurde im Allgäu entdeckt. Der erste aufrechtgehende Menschenaffe stammt wohl aus der Gegend und Paläontologen sind fleißig am Arbeiten. Nun soll das gefundene Artefakt "Udo" präsentiert werden, selbst der MP ist anwesend. Kluftinger rechnet mit nichts Bösem, doch dann wird eine echte, frische Leiche gefunden. Der MP zieht schnell von dannen, während Kluftinger und sein Team die Ermittlungen aufnehmen. Und es gibt zahlreiche Verdächtige, denn das Opfer ist der Entdecker von Affe Udo, der sich schon einige Feinde gemacht hat, beispielsweise sind sich die Wissenschaftler untereinander nicht grün. Zudem gibt noch zahlreiche andere "Interessen", die durch die Arbeit der Paläontologen beeinträchtigt werden. Erschwert wird es zudem durch eine extreme Hitzewelle.

Ich bin irgendwann mittendrin in die Reihe eingestiegen und habe wirklich Gefallen an Klufti und Co gefunden – nur irgendwie hat es mich hier nicht so mitgerissen. Das Gezeter hat mich einfach nicht mehr so zum Schmunzeln gebracht und auch der Fall als solcher war an sich gut, aber eben auch nicht mehr. Aber zurück zum Persönlichen: der Zwist zwischen Klufti und seinem Hausarzt Langhammer ist einfach nicht mehr unterhaltsam. Und das Klufti jetzt so ganz langsam nicht mehr ganz hinter dem Mond lebt und Facebook für sich entdeckt ist neu, aber nicht unbedingt sehr überzeugend, gerade für einen Interims-Polizeipräsidenten ist sein Auftreten wohl nichts, was unbemerkt bzw. unkommentiert bleiben würde. Aber nun gut, seine trottelige Art wird ja auch hingenommen...Und auch wenn das bisschen negativ klingt, so hatte ich schon den einen oder anderen Schmunzler, manchmal musste ich auch wirklich lachen. Dennoch - irgendwie wirkt es ein bisschen arg ausgelutscht. Gefallen hingegen hat mir wieder das Lokalkolorit.

Nun zum Fall. Der hatte echt Potenzial, welches auch weitgehend genutzt wurde. Lange tappte ich im Dunklen und ich war wirklich sehr neugierig, was nun wirklich hinter allem stecken könnte. War es etwas Fachliches? Ging es um wirtschaftliche Gründe oder sonst was? Natürlich werde ich nichts verraten, aber ich fand es letztlich gut aufgelöst, wenn auch Klufti mehr oder weniger über die Lösung stolperte - aber so kennt man ihn ja.

Man kann hier problemlos in die Reihe einsteigen und einfach einmal austesten, wie man mit Klufti zurechtkommt.

Veröffentlicht am 01.05.2022

Unrealistisches Ende, viele blasse Charaktere

Das verschlossene Zimmer
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Maries Mutter verließ sie, als sie ein kleines Kind war. Seitdem lebt Marie mit ihrem Vater, einem angesehenen und kompetenten Arzt allein in Krakau. Es ist das Jahr 1939, eine schwierige Zeit, auch in ...

Maries Mutter verließ sie, als sie ein kleines Kind war. Seitdem lebt Marie mit ihrem Vater, einem angesehenen und kompetenten Arzt allein in Krakau. Es ist das Jahr 1939, eine schwierige Zeit, auch in Polen und genau hier beginnt die mittlerweile zum Teenager gereifte Marie nach ihrer Mutter zu suchen. Im verschlossenen Zimmer ihres Vaters. Sie findet auch etwas, Erinnerungen setzen ein, doch richtig greifbar ist nichts. Ihr Vater bleibt verschlossen wie eh und je.

Ein Kind, dass seine Mutter sucht. Das funktioniert eigentlich immer für mich, ob in der Gegenwart oder in anderen Zeiten. 1939 bietet dabei natürlich ein besonderes Setting und schnell war klar, dass ich das Buch lesen möchte. Marie erschien mir als nettes Mädchen, mein Mitgefühl war schnell geweckt und auch das Interesse, was wohl wirklich mit der Mutter geschehen ist.

Der Plot hatte Potential und über eine ganze Weile fand ich das Buch auch wirklich in Ordnung bis gut. Der Schreibstil war okay, wenn auch nicht berauschend, immerhin zwei/drei Charaktere haben mich gefesselt und ich fand es gut gemacht, wie in Polen der Antisemitismus und vor allem die Angst vor einem weiteren Krieg dargestellt wurde. Es kommt jedoch ein Aber – okay, es sind mehrere „Aber“! Das Ende fand ich sowas von enttäuschend und schlecht gemacht. Zwischendurch dachte ich „wäre ja ein Ding, wenn die Mutter…“ (um nicht zu Spoilern dazu nicht mehr) und dann vergaß ich diesen „abwegigen“ Gedanken, weil viel zu abstrus für meinen Geschmack. Und dann kam es exakt so und nicht anders. Eine herbe Enttäuschung, die mir das gesamte Buch ein wenig madig gemacht hat, dabei gefiel es mir in weiten Teilen gut. Ein weiteres „Aber“ sind die teils sehr blassen und einseitig dargestellten Charaktere, und zwischendurch gab es mal da, mal dort einen Durchhänger (meist als es um fast schon mittelalterliche Ansichten ging), aber in Summe hatte das Buch schon Potenzial. Ich dachte lange, dass da noch eine gute Geschichte kommen wird, doch als sich dieses für mich unglaubwürdige Ende immer deutlicher abzeichnete, war quasi der Ofen ganz aus.

Das Buch hatte Potenzial und Möglichkeiten, leider wurden sie fast alle verschenkt durch unglaubwürdige Wendungen. Da ich zwischendurch aber doch immer mal wieder Gefallen an Teilen der Geschichte fand gibt es immerhin noch zwei Sterne.

Veröffentlicht am 19.04.2022

Das war keine Bergmannsche "Hoch-Zeit"

Man muss sich nur trauen (Die Online-Omi 16)
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Heiraten, das ist ganz schön aufwändig, vieles gilt es zu regeln und zu beachten, besonders für ältere Leute, wie Renate Bergmann im bereits 16. Band deutlich aufzeigt. Renates Freundin Getrud heiratet ...

Heiraten, das ist ganz schön aufwändig, vieles gilt es zu regeln und zu beachten, besonders für ältere Leute, wie Renate Bergmann im bereits 16. Band deutlich aufzeigt. Renates Freundin Getrud heiratet und Renate übernimmt das Gros der Planungen, von Kleid über Blumen und Essen bis zur Organisation des großen Tages.

Hochzeit ist nicht so mein Thema mehr oder vielmehr habe ich so häufig damit am Rande zu tun, dass ich bestens im Bild bin. Daher oder trotzdem war schnell klar, dass ich die Bergmannschen Theorien dazu kennenlernen will. Anfangs war ich auch noch angetan, doch das flaute schnell ab. Mir war es einfach ein bisschen zu viel des Guten. Es fehlte die gewohnte Kurzweil und die abschweifenden Geschichten fand ich auch nicht so richtig prickelnd. Da hatte Renate schon deutlich besser Storys. Natürlich habe ich auch immer wieder mal gelacht, aber so einen richtig Zug zum Buch hatte ich nicht und musste mich zwischendurch immer wieder mal regelrecht zwingen es weiterzulesen. Dann war es auch dank des flüssigen Schreibstils und der Berliner „Schnauze“ völlig in Ordnung, aber eben leider nicht mehr. Renate macht als Hochzeitsplanerin einen ordentlichen Job, aber so richtig begeistern konnte sie mich damit nicht. Auch ihre Weisheiten und Rückblicke in die Vergangenheit haben mich nicht so begeistert, ihre Gesellschaftskritik fand ich zu platt. Zudem hat sie mich und meinesgleichen „beleidigt“ und ich musste unbedingt während des Lesens meine Frisur richten (also den Knödel entfernen…).

Irgendwie hatte dieses Buch bei mir nicht so gezündet, wie die meisten Vorgänger, aber ich fand zwischendurch immer wieder mal einen Band schwächer. Trotzdem bin ich Fan von Renate und hoffe, dass sie wieder zu alter Stärke zurückfinden bzw. meinen Geschmack wieder besser treffen wird.

Veröffentlicht am 15.04.2022

Spannung? Fehlanzeige!

Der dreizehnte Mann
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Zwei Männer wollen einer Journalistin ein Interview geben. Thema: Ihre Kindheit und Jugend bei einem pädophilen Pflegevater. Als wäre das nicht schon schlimm genug, waren sie Teil eines Experiments, unterstützt ...

Zwei Männer wollen einer Journalistin ein Interview geben. Thema: Ihre Kindheit und Jugend bei einem pädophilen Pflegevater. Als wäre das nicht schon schlimm genug, waren sie Teil eines Experiments, unterstützt von Berliner Jugendämtern. Kinder aus schwierigen Verhältnissen sollten bei Pädophilen ein besonders liebevolles Zuhause finden… Endlich soll das Ganze öffentlich gemacht werden, doch dann verschwindet einer der Männer und der zweite scheint auch in Gefahr zu sein. Wer will den Skandal mit allen Mitteln geheim halten? Anwalt Rocco Eberhardt und Rechtsmediziner Justus Jarmer engagieren sich in diesem brisanten Fall.

Nach dem ersten extrem spannenden Band hatte ich wieder ein fulminantes Feuerwerk erwartet, doch leider gab es nur ein Wunderkerzchen, dazu ein ziemlich kurzes… Spannung ist in diesem Buch so gut wie gar nicht vorhanden. Die Momente, die sicher richtig spannend hätten sein können, waren dann irgendwie ziemlich mau ausarbeitet, dafür waren andere Aspekte, die auch im Rückblick nicht viel beigetragen haben, immer und immer wieder Thema, zum Beispiel die „Beziehung“ von Rocco und der Staatsanwältin (langweilig!). Es mag bezüglich der juristischen Aspekte so einiges nah an der Realität sein, aber es war deutlich zu staubig und trocken erzählt. So plätschert die Geschichte vor sich hin, man wartet auf die Knaller (um noch einmal das Bild des Feuerwerks zu bemühen), aber es warten fast nur Rohrkrepierer.

Ganz schön viel Kritik und dennoch war ich nicht auf ganzer Linie enttäuscht, denn die beiden Autoren haben ein schwieriges Thema angepackt und das finde ich schon mal gut. Was da gelaufen ist – es ist unglaublich, dass Kinder und Jugendliche tatsächlich einer solchen Situation ausgesetzt wurden. Unfassbar und mir war das bis dato auch nicht bekannt. Ein bisschen Gesellschaftskritik und Einblicke in das sicher nicht immer ganz saubere politische Geschäft gibt es on top. Leider geht es da aber auch nicht in die Tiefe, sondern es wird ein bisschen an der Oberfläche rumgekratzt.

Nach „Die 7. Zeugin“ ist dieses Buch einfach eine Enttäuschung. Rocco und Jarmer haben hier weniger zusammen funktioniert, der Fall war extrem langweilig präsentiert (obwohl er auf jeden Fall Potenzial hatte), dennoch liest sich das Buch schnell weg. Und das ist auch gut so, denn da die Spannung fast in Gänze fehlt, kein Spannungsbogen erkennbar war, wäre es mit einem „schwierigen“ Schreibstil sicher von mir abgebrochen worden. Ein Wort noch zur Auflösung: Leider hatte ich es genauso befürchtet, aber das mag einfach dem Fakt geschuldet sein, dass ich schon einiges in der Richtung gelesen habe.

Da Grundthema bot interessante Möglichkeiten, die aus meiner Sicht leider ungenutzt blieben. Ich bin sehr enttäuscht und kann diesen Band entsprechend auch nicht empfehlen.

Veröffentlicht am 11.04.2022

Facettenreicher zweiter Band

Das Mädchen und der Totengräber (Die Totengräber-Serie 2)
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Wien, 1894 – Im Kulturhistorischen Museum wird ein brisanter Fund gemacht. Ein führender Ägyptologe taucht plötzlich als Mumie auf. Leo Herzfeldt ermittelt in diesem Fall. War das ein Mord oder etwa doch ...

Wien, 1894 – Im Kulturhistorischen Museum wird ein brisanter Fund gemacht. Ein führender Ägyptologe taucht plötzlich als Mumie auf. Leo Herzfeldt ermittelt in diesem Fall. War das ein Mord oder etwa doch ein Fluch? Derweil werden junge Männer, offensichtlich Stricher, entmannt und dazu stirbt auch noch ein Tierpfleger nach einer vermeintlichen Raubtierattacke im Tiergarten, der aktuell auch eine sogenannte Völkerschau zeigt. Herzfeldts Freundin Julia muss all das fotografieren und auch für den Totengräber Augustin Rothmayer läuft nicht alles rund.

Nach dem sehr überzeugenden ersten Teil der Reihe musste ich dieses Buch unbedingt haben und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass ich auf weitere Bände hoffe. Auch dieser zweite Teil hatte all das, was ich im ersten schätze. Eine sehr interessante, brisante Geschichte, ein spezielles Setting in einer anderen Zeit. Wie Herzfeldt und Kollegen ermitteln ist einfach spannend. Die modernen Ermittlungsmethoden sind gerade erst am kommen und das macht die Sache sehr interessant. Die Geschichte ist extrem facettenreich und es gibt nicht nur den einen Fall, sondern ein ganzes Bündel an größeren oder kleineren Dingen, die Herzfeldt und Co aufzuklären und zu regeln haben. Dabei wird es nicht nur spannend, sondern auch teils brandgefährlich. Interessant sind auch die sozialen Unterschiede, die in diesem Buch wieder sehr schön ausgearbeitet sind. Herzfeldt sieht wirklich alles auf der Suche nach der Wahrheit, von den herrschaftlichen Villen bis hin zu in der Kanalisation lebenden Menschen.

Das Buch ist, wie man es von dem Autor nicht anders kennt, sehr gut recherchiert und er bringt auch wieder sehr viele Aspekte unter, bei denen man echt etwas lernen kann. Hier zu nennen sind beispielsweise die verschiedensten Bestattungsarten aus aller Welt, die kurz angerissen werden. Aber auch der Zeitgeist wird gut dargestellt und man hat einfach immer das Gefühl mit Leo unterwegs zu sein, ob im Kommissariat oder sonst wo. Dazu tragen auch die gut ausgearbeiteten und interessanten, teils skurrilen Charaktere bei, die das ganze Bild rund machen. Das Buch liest sich gut und schnell, es gibt zahlreiche Überraschungen und Wendungen, sowie ein überzeugendes Ende, dass einfach Lust auf mehr macht. Die Kombination aus historischem Buch und Krimi ist dem Autor einfach wieder richtig gut gelungen, daher muss ich einfach fünf Sterne vergeben.

Ich empfehle die Reihe gerne weiter und auch wenn man theoretisch ohne Vorkenntnisse mit diesem Buch zurechtkommen sollte, so würde ich mit Band eins starten.