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Veröffentlicht am 22.01.2021

Ein ungleiches Quartett und eine spannende Story

Dark
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Eine Frau wird an einer Tankstelle von einem jungen Mädchen überfallen. Statt es der Polizei zu melden, legt die Überfallene, Blair, selbst das Geld in die Kasse zurück und lässt das Mädchen, von dem sie ...

Eine Frau wird an einer Tankstelle von einem jungen Mädchen überfallen. Statt es der Polizei zu melden, legt die Überfallene, Blair, selbst das Geld in die Kasse zurück und lässt das Mädchen, von dem sie glaubt, dass es auf der Flucht ist, mit ihrem Wagen ziehen. Wie Recht Blair, eine verurteilte Mörderin, mittlerweile auf Bewährung draußen, hatte, weiß sie erst, als ihre ehemalige Mitgefangene und Freundin Sneak vor ihrer Tür steht und sie um Hilfe bittet. Sneaks Tochter ist verschwunden und wie sich rausstellt, war sie die junge Frau an der Tankstelle. Eine rasante und brisante Suche nach dem Mädchen startet.

Der turbulente Beginn hatte mich erst einmal völlig aus dem Tritt gebracht und ich war verwundert über Blairs Reaktion, denn ich würde da eher was anderes erwarten, aber naja, Blair ist, wie man noch im Laufe des Buches merkt, eben ein bisschen anders als der Durchschnitt, aber bei weitem noch die normalste Figur in diesem abgefahrenen Buch. Die anderen drei Frauen, die drogenabhängige Diebin Sneak, die Gangsterbraut Ada und die gefrustete Polizistin Jessica könnten kaum unterschiedlicher sein, dennoch sind sie - das verrät bereits das Cover - die letzte Chance des Mädchens.

Allein schon wie dieses unglaubliche Quartett zusammenfindet war gelungen, und das beste ist wirklich, dass sie sich nicht mal mögen, sondern nur aufgrund der schwierigen Umstände zueinander finden und sich dann am Riemen reißen, damit jede ihr Ziel erreicht. Unberechenbare Handlungen, irrsinnige Aktionen und ein kleiner putziger Hugh Jackman haben mich mal schmunzeln, mal den Kopf schütteln lassen. Skrupel kennen manche der handelnden Personen wirklich keine und das führt nicht selten zu Szenen, die sich zartbesaitete Menschen besser nicht so genau vorstellen sollten...
In Teilen ist dieses Buch irgendwie krank, aber trotzdem so mitreißend, dass ich es einfach nicht weglegen konnte. Dazu die gelungene Hintergrundstory, zu der ich hier kein Wort verlieren werde, die Handlungsstränge, die nach und nach verknüpft werden und die wechselnde Erzählperspektive - Blair und Jessica - haben mich echt überzeugt. Mich persönlich hat das Ende einerseits sehr positiv überrascht, andererseits war es auch irgendwann ein wenig absehbar und ich hätte anderes erwartet.

Ich hatte bisher noch kein Buch von Candice Fox gelesen, aber das wird sich nun ändern, denn ich finde sowohl ihren Schreibstil, als auch ihre Figuren in diesem Buch so gelungen, dass ich einfach auch mal die anderen Reihe zumindest antesten muss und während ich das tue, empfehle ich dieses Buch (möglicherweise einen Reihenauftakt?!) weiter.

Veröffentlicht am 18.01.2021

Ganz nett

Das Windsor-Komplott
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Im Schloss Windsor wird gefeiert, die Queen mittendrin. Alles scheint gut zu laufen, sogar das Tanzbein wird begeistert geschwungen. Am Morgen dann der Schock: Der russische Pianist, der noch am Abend ...

Im Schloss Windsor wird gefeiert, die Queen mittendrin. Alles scheint gut zu laufen, sogar das Tanzbein wird begeistert geschwungen. Am Morgen dann der Schock: Der russische Pianist, der noch am Abend mit der Queen getanzt hatte, ist tot. Doch er ist -entgegen den Berichten- nicht einfach gestorben….die Szene ist viel brisanter. Und die Queen beginnt mit ihrer Assistentin Rozie im Hintergrund ihre eigene Ermittlung.

Die Grundidee hat mich einfach überzeugt und entsprechend musste ich das Buch einfach haben. Zu Beginn war ich auch noch sehr angetan, denn die Einblicke in Windsor und das königliche Leben mit all den Protokollen und Co haben auf mich einen sehr authentischen Eindruck gemacht. Und doch hat sich mit der Zeit das Interesse deutlich reduziert, irgendwann hatte ich gar nicht mehr so richtig Lust das Buch überhaupt in die Hand zu nehmen. Das mag auch an dem anbiedernden Personal der Queen und sogar des MI5 gelegen haben, denn irgendwann wurde es mir einfach zu viel. Vielleicht aber auch daran, dass gar nicht die Queen direkt „ermittelt“ hat, sondern „nur“ im Hintergrund manchen Faden zog, an einem Fall, der mir zu verworren war. Dazu die teils trockene Erzählweise und schon war die anfängliche Begeisterung dahin.

Ich habe einfach viel mehr erwartet – mehr Witz, mehr Esprit und vor allem einen interessanteren oder zumindest überzeugenden Fall. Die Queen ist gut dargestellt wie ich finde, zumindest könnte ich mir vorstellen, dass sie so ist und besonders gefiel mir Phillip, der immer wieder für einige Schmunzler gesorgt hat. Gelungen ist auch die Figur Rozie, die bei den Ermittlungen hilft und wirklich was drauf hat, mehr als man vielleicht auf den ersten Blick vermuten mag.

Mein Fazit: Prädikat "Ganz nett" passt hier wie Faust aufs Auge, für mich war es das mit der Queen, den zweiten Teil werde ich wohl eher nicht mehr lesen. Für Royal-Fans ist das Buch sicher richtig gelungen, für Krimi-Fans dagegen weniger.


Veröffentlicht am 13.01.2021

Volltreffer!

Die siebte Zeugin
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Es ist ein ganz gewöhnlicher Sonntag in Berlin; der Beamte Nikolas Nölting winkt seiner Tochter, als er mit dem Rad zur Bäckerei aufbricht. Alles scheint ganz normal, doch dann überfällt Nölting einen ...

Es ist ein ganz gewöhnlicher Sonntag in Berlin; der Beamte Nikolas Nölting winkt seiner Tochter, als er mit dem Rad zur Bäckerei aufbricht. Alles scheint ganz normal, doch dann überfällt Nölting einen Polizisten vor der Bäckerei, nimmt dessen Waffe an sich und schießt in der Bäckerei um sich. Nachdem er zwei Personen angeschossen und eine erschossen hat, lässt er sich widerstandslos festnehmen und schweigt. Was mag ihn zur Wahnsinnstat bewogen haben?
Diese Frage stellt sich jeder, auch die Frau des Täters, die verzweifelt nach einem Verteidiger sucht und ihn mehr oder weniger zufällig in Rocco Eberhardt findet. Eberhardt, der den Fall spannend findet und der Frage nach dem „Warum“ auf den Grund gehen will, nimmt den aussichtslosen Fall an. Doch auch ihm sagt sein Mandat nichts. Über Wochen, Monate schweigt sich Nölting aus, doch Eberhardt ermittelt mit seinem Freund und Detektiv an dem brisanten Fall. Immer mehr zeichnet sich ein Verdacht ab, aber der Mandant redet nicht, jedoch schaltet sich eine Clan-Größe ein und es wird noch richtig gefährlich…
Besonders gelungen ist der Schreibstil. Die kurzen Kapitel machen es kaum möglich das Buch aus den Händen zu legen und ich bin daher auch binnen eines Tages mit dem Buch durch gewesen. Wobei mir das meist so geht, wenn der Name Tsokos (mit) auf dem Cover steht, denn der Name steht nicht nur für Spannung, sondern auch für tolle Einblicke in die Realität eines Rechtsmediziners. Dass der Co-Autor Florian Schwiecker auch aus seinem Fachgebiet als Verteidiger, die Geschichte erzählt, wird schnell deutlich. So weiß man zudem, dass die Geschichte möglichst authentisch ist. Die Charaktere fand ich gelungen gezeichnet und vor allem waren die privaten Momente ausgewogen, also nicht ausufernd, sondern nur dann Thema, wenn sie die Geschichte auch tatsächlich voranbringen.
Der Justiz-Thriller hat nur einen Fehler und das ist seine Kürze mit 315 Seiten. Zu gerne hätte ich direkt noch viel mehr gelesen und das Ende des Buches verspricht schon einen weiteren Teil, der den Anwalt Rocco Eberhardt sehr fordern wird und ich bin sicher: Jarmer wird dabei auch eine gewichtige Rolle spielen.
Für mich ist dieser Auftakt ein Volltreffer, denn selbst als die Hintergründe irgendwann zu erahnen bzw. klar waren, stellte sich die Frage, wie Eberhardt weiter vorgeht und welches Ergebnis er erreichen wird. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und empfehle derweil das Buch gerne weiter.

Veröffentlicht am 13.01.2021

Überzeugt auf ganzer Linie

Böses Blut
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Vor knapp 40 Jahren verschwand die junge Ärztin und Mutter Margot Bamborough plötzlich spurlos. Ihre Tochter möchte endlich Gewissheit und engagiert Strike und Robin mit dem Fall. Die Suche nach der Wahrheit ...

Vor knapp 40 Jahren verschwand die junge Ärztin und Mutter Margot Bamborough plötzlich spurlos. Ihre Tochter möchte endlich Gewissheit und engagiert Strike und Robin mit dem Fall. Die Suche nach der Wahrheit ist in diesem eiskalten Cold-Case alles andere als einfach, scheint sogar manchmal völlig aussichtslos, aber die Detektei gibt alles und es wird gefährlich…
Strike ist gerade bei seiner Familie in Cornwall, als eine Frau ihn bittet den Fall ihrer verschwundenen Mutter zu übernehmen. Die Ungewissheit belastet die Frau, ihre ganze Familie. Die Detektei hat eigentlich genug Fälle, dennoch beginnt er mit den schwierigen Ermittlungen, die vor 40 Jahren schon alles andere als normal abliefen. Margot wollte sich mit einer Freundin treffen, doch kam nie in der Bar an. Der damalige Ermittler hatte gesundheitliche Probleme, sodass die Ermittlungen auch in der Gegenwart alles andere als leicht werden… Zudem sind zwischenzeitlich zahlreiche Personen bereits verstorben oder nicht mehr auffindbar.
Es ist der bisher weitaus stärkste Band der Reihe, sowohl seitentechnisch, als auch inhaltlich. Der Fall hat es wirklich in sich, die Ermittlungen sind besonders und spannend – die Auflösung habe ich so nicht kommen sehen. Besonders gelungen – wie immer – ist der Schreibstil. Es fühlt sich tatsächlich so an, als würde man ein Jahr mit Strike und Robin ermitteln. Mir gefällt in dieser Reihe auch, dass die Entwicklungen in der Detektei und auch die Charaktere und deren Entwicklung weiten Raum einnehmen. Die Entwicklung der Beziehung von Strike und Robin habe ich gerne verfolgt und allein die beiden bieten wieder zahlreiche Momente zum Schmunzeln, aber auch zum Kopfschütteln.
Wie die Ermittlungen geführt werden, wie alte Dokumente eingearbeitet werden und wie die Interviews immer wieder neue Fragen und Probleme aufwerfen, haben mir sehr gut gefallen. Über allem schwebt die Frage: Was ist mit Margot passiert? Ist sie vielleicht doch freiwillig gegangen? Wenn ja, warum?
Es sind immerhin knapp 1200 Seiten, mit zig Handlungssträngen zu dem alten Fall und viel Privatem der Ermittler – ganz so, wie es die Fans der Reihe kennen und mögen und doch laufen alle Fäden geschickt zusammen und es bleiben am Ende keine Fragen offen. Strike und Robin bleiben schließlich hartnäckig…komme was will. Schon jetzt freue ich mich auf den nächsten Fall
Es ist möglich hier in die Reihe einzusteigen, denn die Fälle sind immer in sich geschlossen, jedoch empfehle ich die Vorgänger, weil die Entwicklung der Charaktere und der Detektei eine wesentliche Rolle in den Büchern spielen.

Veröffentlicht am 28.12.2020

Auftakt nach Maß

Kinderklinik Weißensee - Zeit der Wunder
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Zwei kleine Mädchen feiern den Geburtstag der Älteren mit der Mutter. Mutter Elisabeth leidet unter starken Schmerzen und doch feiert sie mit ihren Mädchen. Doch dann verstirbt die Mutter. Die Mädchen ...

Zwei kleine Mädchen feiern den Geburtstag der Älteren mit der Mutter. Mutter Elisabeth leidet unter starken Schmerzen und doch feiert sie mit ihren Mädchen. Doch dann verstirbt die Mutter. Die Mädchen machen sich auf, denn sie wollen nicht ins Waisenhaus – doch genau so kommt es. Doch beiden wird es ermöglicht das Abitur abzulegen und sie beginnen in der ersten deutschen Kinderklinik in Weißensee ihre Ausbildung zur Krankenschwester. Auch dort ist die Herkunft der Mädchen immer wieder ein Thema…
Historische Romane mit medizinischem Hintergrund haben es mir schon früh angetan und ich finde es immer wieder spannend, wie die Menschen früher zurechtkommen mussten. Gerade die Pädiatrie steckt hier erkennbar noch in den Kinderschuhen und es ist sehr interessant die Einblicke zu erhalten. Noch spannender ist allerdings die Geschichte der Schwestern Marlene und Emma, die ihren Weg, allen Widrigkeiten trotzend, gehen wollen. Die Charaktere der Schwestern, aber auch vieler anderer werden schön ausgearbeitet, zudem hat mich auch der runde, kurzweilige Schreibstil quasi auf ganzer Linie überzeugt. Genial fand ich, dass die Autorin an einigen Stellen zu überraschen wusste und eben nicht die Wege eingeschlagen hat, die man so von einem historischen Roman erwarten würde. Die Geschichte ist auf mehreren Ebenen spannend, man fiebert mit den Schwestern mit, aber auch mit erkrankten Kindern und natürlich gibt es auch Personen, denen man alle wünscht – nur nichts Gutes…
Ich bin richtig begeistert, empfehle diesen Auftakt sehr gerne weiter und freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung dieser rundum gelungenen Geschichte! Die Autorin war mir bisher unbekannt, aber ich werde sie im Auge behalten. Und beim nächsten Berlinbesuch werde ich versuchen einen Abstecher zur alten Klinik zu machen, denn es gab sie tatsächlich, wenngleich die Geschichte als solche fiktiv ist.