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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.04.2021

Berührend und fesselnd

Stay away from Gretchen
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Tom Moderath ist ein erfolgreicher Kölner Nachrichtensprecher und entsprechend berühmt ist der, von sich ziemlich überzeugte Anchorman. Seine Mutter Greta, die jenseits der 80 ist, besucht er nur selten, ...

Tom Moderath ist ein erfolgreicher Kölner Nachrichtensprecher und entsprechend berühmt ist der, von sich ziemlich überzeugte Anchorman. Seine Mutter Greta, die jenseits der 80 ist, besucht er nur selten, obwohl sie auch in Köln lebt, aber dann kommt der Tag, an dem er seine Mutter, die völlig orientierungslos auf der Autobahn rumfuhr abholen muss. Es zeigt sich, dass sie eine Demenz entwickelt hat und das stellt den Mittvierziger vor etliche Probleme. Greta ist der Mittelpunkt der Geschichte. Das zeigt sich spätestens beim Zeitsprung in den zweiten Weltkrieg. Wie sie und ihre Familie durchhielten und was sie aushalten mussten, wie ihr Weg nach Heidelberg führte und was dort alles geschah, wird nach und nach berichtet. Durch die Wechsel in 2015 wird Tom deutlich, dass damals irgendwas Bewegendes passiert sein muss und so beginnt der Journalist tiefer zu graben, auch wenn seine Mutter irgendwann nichts mehr dazu sagen will und kann. Dabei wird deutlich: Ein recht unbekanntes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte hat Auswirkungen bis heute.

Zunächst war ich ja schon skeptisch, denn der Untertitel „Ein unmögliche Liebe“ – naja, ich bin nun einmal nicht so der Freund von Liebesgeschichten, daher die Zweifel. Dennoch hat mir irgendwas gesagt, dass ich das Buch kaufen sollte und das habe ich dann auch getan. Zum Glück, denn ich bin echt begeistert von dieser Geschichte. Sie greift so viele interessante und brisante Themen auf und ist dennoch nicht überladen. Der Roman hat mich berührt, gefesselt und teilweise auch fassungslos den Kopf schütteln lassen. Da sind die Ereignisse während des Krieges, aber auch der Umgang mit den Flüchtlingen und den dunkelhäutigen GI´s und manchmal auch das Verhalten von Tom, der mit seiner Bekanntheit, vor allem zu Beginn des Buches, sehr oft unrühmlich umgeht, um es mal vorsichtig zu formulieren. Aber er fängt sich ja nach und nach und bedient nicht mehr sämtliche Klischees und das Verständnis für seine Unsicherheiten wächst. Mit der Zeit habe ich ihn sogar ins Herz geschlossen, denn so arrogant und unangenehm wie er zu Beginn war, so empathisch und engagiert ist er später. Zudem muss man ihm zugutehalten, dass die Situation ja auch wirklich alles andere als leicht ist. Allein schon die Demenz der Mutter ist ein schwerer Schlag, doch dann tun sich ja nach und nach noch mehr Abgründe auf. Und Tom hat es nicht leicht bei seinen Recherchen in eigener Sache, obwohl er tatkräftige Unterstützung erhält, und dass ausgerechnet von einer Frau, die er eigentlich nicht mag…

Zugegeben: Ich war zwar nicht schon nach den ersten Seiten Feuer und Flamme, aber lange gedauert hat es auch nicht. Dabei musste ich feststellen, dass mich der Zeitstrang in der Vergangenheit, während und nach dem zweiten Weltkrieg, extrem gefesselt hat, während jener in 2015 erst ein wenig Fahrt aufnehmen musste. Die Flucht aus Ostpreußen, Gretas Angst um den Vater, die Probleme eine Wohnung zu finden und das Fraternisierungsverbot sind aber auch wirklich sehr fesselnd. Ich will hier gar nicht allzu sehr in die Tiefe gehen, um Leser nicht zu spoilern.
Und dennoch: Rassismus in der US-Armee und der Umgang mit „Brown Babys“ spielen eine zentrale Rolle – eine ganz schön heftige Geschichte, die mir in ihrer Tragweite im Vorfeld so nicht bekannt war.

Wie erwähnt hat mich das Buch einfach extrem gut unterhalten, und bei all den schwierigen Themen gab es auch immer wieder lustige Momente und Dinge, die einem einfach ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Der Schreibstil ist extrem flüssig, bildhaft und somit leicht zu lesen, wenngleich die Inhalte oft schwer verdaulich sind. Die Charaktere sind authentisch gezeichnet, vor allem bei Greta hat mich das tief beeindruckt, denn sie zeigt wie die Erinnerungen so langsam schwinden und was das für die Betroffenen bedeutet. Gefallen hat mir sehr, dass die Autorin auch original Ausschnitte von Texten und Nachrichten einbaut.

Ich will auch gar nicht noch mehr Worte verlieren, denn ich kann dem Buch in der Rezension so und so nicht gerecht werden, aber ich empfehle diesen emotionalen Roman, der mir sicher noch lange im Gedächtnis sein wird, gerne weiter!

Veröffentlicht am 13.04.2021

Spannend und brutal

Die Stimme der Rache
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Der Black Rose Killer entführt seine Opfer, tätowiert und misshandelt die Frauen, bevor er sie wieder freilässt. Doch die Freilassung gehört nur zum Spiel, denn später holt er sich seine Opfer wieder und ...

Der Black Rose Killer entführt seine Opfer, tätowiert und misshandelt die Frauen, bevor er sie wieder freilässt. Doch die Freilassung gehört nur zum Spiel, denn später holt er sich seine Opfer wieder und bringt sie um. Nun schlägt er wieder zu und das, als ein Opfer ans FBI übergeben werden soll. Francis Ackermann und Nadia Shirazi geraten mitten in den Fall, einen Fall, der besonders Nadia beschäftigt. Sie gilt als das erste Opfer von Black Rose…
Endlich war es soweit, Teil zwei der neuen Reihe um Ackerman jr. ist erschienen und ich musste als Fan natürlich direkt wieder zuschlagen, denn schon der erste Teil hatte mir richtig gut gefallen. Ich mag diesen Typen einfach und verfolge gerne, wie er mit seinen Dämonen kämpft und sie für die gute Sache einsetzt. Auch wenn er nicht mehr töten möchte, ist der Sonderberater des FBI unter dem Namen „Franklin Stine“ ein brandgefährlicher Mann – zumindest für Verbrecher. Einen Vorgeschmack bekommt man schon beim actionreichen Beginn der Geschichte, die es wieder wirklich in sich hat und menschliche Abgründe aufzeigt. Der Killer ist extrem rücksichtslos und an Brutalität kaum zu überbieten. Aber der Back Rose Killer hat mit Ackerman einen fast übermenschlichen Gegner. Seine Aktionen und seine Leidensfähigkeit wirken nicht immer authentisch und mit der Realismusbrille sollte man das Buch nicht lesen – aber mir hat das nichts ausgemacht. Sie Spannung ist einfach extrem hoch, das Actionpotenzial ebenso. Ich bin regelrecht durch die Seiten gehetzt, hilfreich war dabei nicht nur die Geschichte als solche und seine Charaktere, sondern auch der rasante Schreibstil sowie die kurzen Kapitel. Gefallen hat mir auch der Ackermansche Humor, der immer und immer wieder aufblitzte und natürlich die Überraschungen und Wendungen, die das Buch bietet. Wie immer sollten Zartbesaitete lieber anderes lesen, denn es gibt teilweise sehr genaue Beschreibungen von wirklich extrem brutalen Morden.
Doch es hat auch eine interessante psychologische Ebene, zudem zeigt es auch gesellschaftliche Missstände auf, denn Menschen am Rand der Gesellschaft sind schon länger verschwunden, doch die Behörden haben nicht wirklich reagiert. Interessant fand ich auch, dass man den Mörder als Leser fast von Beginn an kennt. Gelungen fand ich auch, dass hier ein US-Marshal mit von der Partie war, der so anders ist als Ackerman und der mit den Methoden Ackermans zunächst auch alles andere als einverstanden ist. Fast schon habe ich bedauert, dass die beiden doch so schnell einen Draht zueinander gefunden haben, denn da wäre sicher noch ein wenig mehr Potenzial gewesen… trotzdem würde mir fast schon wünschen, dass dieser Knox mal wieder einen Auftritt erhält.
Ich freue mich schon auf den nächsten Teil und hoffe, dass es wieder ähnlich spannend wird.

Veröffentlicht am 09.04.2021

Herrlicher Ausflug in den Garten

Fertig ist die Laube
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Gunter, der Lebensabschnittsgefährte von Renates Freundin Gertrud, muss unters Messer. Das Problem: Er hat einen Garten und der will auch während seiner Abwesenheit bewirtschaftet werden. Gertrud und Renate ...

Gunter, der Lebensabschnittsgefährte von Renates Freundin Gertrud, muss unters Messer. Das Problem: Er hat einen Garten und der will auch während seiner Abwesenheit bewirtschaftet werden. Gertrud und Renate nehmen sich der Parzelle an und was sie da vorfinden ist „interessant“. Ein bisschen Gießen und Unkraut jäten – das reicht nicht. Aber Renate Bergmann wäre nicht Renate Bergmann, würde sie nicht auch das in den Griff bekommen…

Aktuell bin ich viel im Gewächshaus, säe, wässere und freue mich, wenn die Saat aufgeht. Zwischendurch brauche ich aber auch andere Arten der Zerstreuung und daher kam der neue Renate-Bergmann an sich schon wie gerufen, aber das Thema passte ja wie Faust aufs Auge. Die rüstige Rentnerin ist eine einzige Erfolgsgeschichte aus meiner Sicht und das kommt nicht von ungefähr. Renate nimmt kein Blatt für den Mund, nennt Dinge beim Namen und ist auch immer Neuem gegenüber sehr aufgeschlossen. Das ist einfach extrem unterhaltsam und sorgt immer wieder für Lacher. Sie nimmt dabei auch immer wieder Bezug zu gesellschaftlichen Themen und analysiert die Lage treffend und humorvoll zugleich. Ihre Altersweisheit spielt auch immer wieder mit rein und so finde ich in den Büchern immer wieder Dinge, die mich auch echt zum Nachdenken animieren, selbst wenn es an sich eben "nur" Humor ist.
Renates Leben ist alles andere als ruhig und langweilig - ganz im Gegenteil, es ist erfüllt von den verschiedensten Menschen, die sich eben so in Berlin Spandau tummeln. Da gibt es die alten Freunde, auch wenn es immer weniger werden, die esoterische Tochter, die Verwandtschaft durch die zahlreichen verblichenen Ehemänner, einen pedantischen Platzwart oder auch Nachbarn... selbst wenn man noch keines der Bücher gelesen hat, kann man sich die Leute vorstellen und in gewisse "Schubladen" stecken. Manches mag ein bisschen überzeichnet sein, aber das tut der Sache keinen Abbruch. Auch stört es überhaupt nicht, dass Frau Bergmann zwischendurch immer wieder mal auf dem Weg zur Hauptgeschichte Ausflüge in ihre Vergangenheit unternimmt oder sonstige Anekdoten zum besten gibt, denn eine Renate Bergmann ist eben sehr gut informiert und möchte auch den Leser voll und ganz mitnehmen. Das dies gelingt, liegt auch am kurzweiligen Schreibstil und an der bildlichen Sprache, die das Gefühl aufkommen lässt, als würde man Frau Bergmann wirklich über die Schulter sehen.

Doch das Buch war nicht nur ziemlich witzig, sondern hatte auch noch einen Mehrwert, zumindest für Gartenneulinge. Mir hatte es jetzt zwar keine neuen Erkenntnisse geliefert, aber dafür bin ich auch einfach zu sehr im Thema. Die Entwicklung des Gartens ist gut nachvollziehbar und man bekommt wirklich Lust selbst direkt auch etwas zu machen (falls man nicht so mittendrin ist), ach ja und doch habe ich etwas immerhin mitgenommen: Von den Zucchinipflanzen werde ich in diesem Jahr mindestens zwei hergeben ;)
Ich habe nicht alles von Frau Bergmann gelesen, aber doch einiges und während mich die letzten ein, zwei Bücher nicht so ganz abgeholt haben, war ich hier wirklich begeistert. Thema, Schreibstil und Humor haben genau meinen Geschmack getroffen. Daher volle Punktzahl und ich bin gespannt, wohin es bei der nächsten Aktion der Online-Omi geht.

Veröffentlicht am 04.04.2021

Überraschend gut

Gefangen und frei
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Jarvis Masters wuchs in schwierigen Verhältnissen auf und hat sich – wie so viele – in seiner Jugend „entsprechend“ entwickelt. Statt die Schulbank zu drücken, hat er Leute geschlagen und einen Raub nach ...

Jarvis Masters wuchs in schwierigen Verhältnissen auf und hat sich – wie so viele – in seiner Jugend „entsprechend“ entwickelt. Statt die Schulbank zu drücken, hat er Leute geschlagen und einen Raub nach dem anderen durchgeführt. So landete er im Gefängnis und dort sollte alles noch schlimmer kommen. Als Mitglied einer Knastgang schweigt er nach dem Mord an einem Wärter und wird auf der Grundlage zum Tode verurteilt. Im Todestakt findet Masters zum Buddhismus und hilft damit nicht nur sich selbst sondern auch anderen. Masters Geschichte wird von David Sheff berichtet. Er erzählt eine bewegende Geschichte um Masters und seine buddhistische Praxis.

Ich war skeptisch, nein sogar äußerst skeptisch, als ich dieses Buch in Händen hielt. Kann ich mit der Geschichte eines verurteilten Mörders im Todestrakt etwas anfangen? Ist der Buddhismus für mich als Person, die eher atheistisch unterwegs ist, ein interessantes Thema? Da ich aber immer wieder gerne über den Tellerrand hinausschaue habe ich zugegriffen und muss nach der Lektüre sagen: Welch ein Glück! Meine Befürchtungen waren schlicht falsch und die Geschichte hat mich fast von Beginn an irgendwie gefesselt. Man benötigt auch kein größeres Vorwissen zum Buddhismus, um dem Erzählten folgen zu können. Die Lehren sind nachvollziehbar, die Schwierigkeiten in der Praxis ebenso. Die biografischen Aspekte der Geschichte waren teils wirklich hart. Was Masters zum Teil erleben musste wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. Seien Wandlung geht in dem Buch vielleicht ein bisschen zu schnell, ist aber dennoch für mich authentisch. Besonders beeindruckend finde ich, dass er im Gefängnis freier scheint, als mancher der ohne Gitterstäbe lebt. Masters Umgang mit zahlreichen Rückschlägen ist ebenso beeindruckend.

Und trotz all des Lobes reicht es für mich „nur“ für vier Sterne, denn das Lektorat hat nicht gerade den allerbesten Job gemacht. Zudem finde ich es schwierig, dass der Autor zunächst schreibt neutral bleiben zu wollen, dann aber scheinbar zu 100% von dessen Unschuld überzeugt ist. Wenngleich ich auch zu der Meinung tendiere, ist es einfach nicht ganz glücklich gemacht vorher als mehr oder weniger neutrale Instanz schreiben zu wollen und dann eben nicht mehr neutral zu sein. Nach 100 Stunden Gesprächen sicher nicht weiter verwunderlich, aber dann hätte der Beginn vielleicht entsprechend abgeändert werden sollen. Aber insgesamt hat mich das Buch sowas von abgeholt, dass ich es gerne auch anderen Lesern empfehle.

Veröffentlicht am 31.03.2021

Das war nicht mein Buch

Aus der Mitte des Sees
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Mönch Lukas ist ein Schwimmer und aktuell scheint er in (Selbst-)Zweifeln zu baden und hadert mit sich und seinen Gedanken. Der Klappentext versprach Einblicke in das Leben eines Mönchs, eine Welt, die ...

Mönch Lukas ist ein Schwimmer und aktuell scheint er in (Selbst-)Zweifeln zu baden und hadert mit sich und seinen Gedanken. Der Klappentext versprach Einblicke in das Leben eines Mönchs, eine Welt, die mir sehr fremd ist und ich lerne immer gerne Neues kennen, darum der Griff zu diesem Buch, auch wenn ich nicht gläubig bin.
In den vergangenen Wochen hat mich kein Buch so wenig angesprochen wie dieses. Es war einfach nicht meine Geschichte und die Gedanken von Lukas waren mir in Teilen viel zu sprunghaft. Noch schlimmer war nur, dass ich mit dem Protagonisten gar nichts anfangen konnte. Er blieb einfach zu kühl. Es gab durchaus Themenbereiche, die mich interessiert haben, aber der Großteil war einfach nur eine Aneinanderreihung von Gedanken, die bei mir einfach nicht auf fruchtbaren Boden fielen und sich zogen wie Kaugummi. Es war einfach so gar nicht mein Buch. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob ich nicht lieber abbrechen soll, weil es mich einfach nicht so wirklich angesprochen hat, habe es aber durchgezogen, weil ich hoffte, dass sich noch etwas tut. Für mich war das nicht wirklich der Fall. Oft habe ich mich auch beim Querlesen erwischt, einfach weil so gar nichts passiert und ich es irgendwann auch mal beenden wollte. Zudem hat mich der Schluss auch gar nicht angesprochen, ach – ich kann es nur wiederholen: Es war nicht mein Buch. Es hat mich auch nicht nachdenklich gestimmt, sondern einfach nur froh, als ich es hinter mir hatte.
Und dennoch habe ich auch Positives: Die Sprache! Heger schreibt an sich gut und hätte es mich inhaltlich erreicht, wäre ich wohl echt begeistert.