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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.07.2020

Ganz nett, aber nicht so überzeugend wie früher

Ans Vorzelt kommen Geranien dran
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Fürs Camping muss man gemacht sein. Ich bin es nicht, aber das spricht überhaupt nicht gegen das Lesen dieses Buches. Mit Frau Bergmann gibt es auch hier sehr viel zu erleben…
Aber bis die Reise überhaupt ...

Fürs Camping muss man gemacht sein. Ich bin es nicht, aber das spricht überhaupt nicht gegen das Lesen dieses Buches. Mit Frau Bergmann gibt es auch hier sehr viel zu erleben…
Aber bis die Reise überhaupt starten kann, muss eine Frau Bergmann schon so einiges berücksichtigen. Wissen Se, Renate Bergmann ist einfach ein Original. Witzig, frei raus und immer wieder von besonderen Ideen heimgesucht, geht man in dem neusten Buch mir ihr und dem befreundeten Ehepaar Gläser auf den Campingplatz.

Die Online-Omi berichtet vom Plan, über die Anreise, bis zu prekären Verhältnissen und bösen Überraschungen auf dem Platz. Was es da alles zu erleben gibt, manchmal will man es fast gar nicht so genau wissen.
Man muss die 82-jährige Renate und ihre gutherzige, aber direkt Art mögen, sonst hat man an dem Buch weniger Freude. Auch Ilse und Kurt mit allen ihren (teils altmodischen, teils überraschend modernen) Eigenarten sind schon besonders. Zum Campen selbst kann man so und so stehen. Die Rentner, die sich auch mal Urlaub verdient haben, machen die Geschichte lesenswert, denn es beschränkt sich ja nicht ausschließlich auf das Campingerlebnis, denn die Online-Oma kommt ja immer ins Plaudern und hier lohnt es sich besonders aufzupassen, was sie so ablässt und welche Querverbindungen sie so zieht…Aber auch auf dem Platz gibt es so allerhand Charaktere, die man besser kennenlernt und auch sicher auf dem einen oder anderen Platz so vorfindet (ob man will oder nicht).

Es gibt so einige Lacher, wie man das von Frau Bergmann kennt, aber zwischendurch hatte ich auch immer wieder mal einen Hänger, bis die nächste Granate gezündet wurde oder die nächste Katastrophe um die Ecke lauert.

Leider überzeugt mich Frau Bergmann nicht so richtig, vielleicht bin ich einfach gesättigt. Vieles ist, wenn man die Vorgänger kennt absehbar und es ist eben oft nur noch „nett“ gewesen. Im Übrigen lässt sich diese Geschichte unabhängig von den anderen Büchern lesen.

Veröffentlicht am 06.07.2020

Gelungener Genremix

Fräulein Gold: Schatten und Licht
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Hulda Gold ist eine taffe Hebamme, alleinstehend und lebt mitten in den 20ern in Berlin. Der erste Weltkrieg ist vorbei, die Nachwehen dauern aber noch an. Armut ist allgegenwärtig und auch Huldas Mütter ...

Hulda Gold ist eine taffe Hebamme, alleinstehend und lebt mitten in den 20ern in Berlin. Der erste Weltkrieg ist vorbei, die Nachwehen dauern aber noch an. Armut ist allgegenwärtig und auch Huldas Mütter leben mehrheitlich in finanziell schwierigen Verhältnissen. Als wäre die Armut nicht genug, ist Berlin ein gefährliches Pflaster...

Erwartet habe ich die Geschichte einer Hebamme, die Einblicke in die damaligen Bedingungen gewährt. Der Leser findet das auch vor, aber noch vieles mehr, denn ein Mordfall direkt zu Beginn des Buches beschäftigt die junge Frau sehr nachhaltig. Zunächst lernt man die Hebamme und ihr Umfeld besser kennen. Hulda liebt ihren Job als Hebamme, obwohl ihre Arbeit sie mitten in Armutsviertel führt und nicht selten mit schwierigen Schicksalen konfrontiert wird. Besonders bewegt sie das Schicksal der Nachbarin einer ihrer Wöchnerin. Rita, eine Frau die als Krankenschwester über viele Jahre gute Arbeit leistete, ist nach dem Tod ihrer Familie ins Nichts abgerutscht. Zuletzt hat Rita als Prostituierte gearbeitet und wurde kürzlich tot aufgefunden. Selbstmord oder doch ein Mord? Die Ermittlungen scheinen Hulda, die sich auch mal gerne ins Berliner Nachtleben stürzt, bestenfalls halbherzig geführt und so beginnt sie ihre eigenen Ermittlungen und gerät nicht nur einmal in eine brenzlige Situation…aber die junge Frau mit Ecken und Kanten bleibt hartnäckig.

Der Schreibstil ist angenehm, flüssig zu lesen und auch die authentischen Protagonisten, so verschieden sie sind, haben mit ihrem Facettenreichtum überzeugt. Der Zeitgeist wird anschaulich präsentiert und ganz nebenbei zeigt die Autorin die Unsicherheiten und Ängste jener Zeiten auf. Das Aufbäumen der Rechten wird immer wieder kurz thematisiert. Hulda scheint die Brisanz ob ihres politischen Desinteresses gar nicht so richtig wahrzunehmen. Viel lieber beschäftigt sie sich auf Mikroebene um die Menschen, statt sich um das ganz große Ganze den Kopf zu zerbrechen. Das mag naiv wirken, aber aus ihrer Sicht es ist nachvollziehbar.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und dann gibt es da noch das Tagebuch von Rita, welches sie trotz ihres Todes greifbar werden lässt.

Die Auflösung des Falles war weitgehend spannend und gelungen. So hatte ich es nicht unbedingt erwartet, war aber in sich stimmig.
Zwischendurch gab es trotzdem immer wieder mal manche Länge, vor allem das Liebeswirrwarr hat mich nicht so begeistern können, aber die Sequenzen waren noch recht überschaubar, sodass sich die Geschichte hauptsächlich um den Kriminalfall und die Hebammentätigkeit, inklusive Sozialkritik, dreht.

Ein unterhaltsamer und kurzweiliger Genremix, der mich überzeugt hat, daher freue ich mich schon sehr auf den nächsten Teil.


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.07.2020

Viel mehr als nur ein Backbuch für Kinder

Kinder backen mit Christina
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Dieses Buch ist mehr als „nur“ ein Backbuch für Kinder. Mir gefällt sehr, dass das Buch nicht nur Rezepte, sondern tiefgehende Informationen zu den Grundzutaten und im hinteren Teil auch zur Landwirtschaft ...

Dieses Buch ist mehr als „nur“ ein Backbuch für Kinder. Mir gefällt sehr, dass das Buch nicht nur Rezepte, sondern tiefgehende Informationen zu den Grundzutaten und im hinteren Teil auch zur Landwirtschaft und dem Leben auf dem Bauernhof vermittelt. Woher kommen sie und was kann man mit ihnen so anstellen? Direkt haben wir mal Butter selbst geschüttelt, wie es im Buch empfohlen wurde – schmeckt direkt noch ein bisschen besser, wenn man sie quasi selbstgemacht hat. Auch weitere Tipps und Tricks mit Lebensmitteln, wie das Ermitteln, ob das Ei im Kühlschrank noch frisch ist, können für Kinder besonders viel Freude bereiten, denn man spielt zwar eigentlich nicht mit Essen, aber es werden keine Lebensmittel verschwendet, sodass das völlig in Ordnung geht. Was auf dem Bauernhof zu den einzelnen Jahreszeiten los ist und Infos zu Kühen, Schafen oder Hühner waren uns als „Landeier“ nicht neu, aber sehr schön präsentiert.

Ich kenne Christinas andere Backbücher, daher musste ich dieses auch haben. Ihre Rezepte funktionieren einfach immer, wenn man sich an die Vorgaben hält. Dazu hat sie auch oft kleine Tipps und Kniffe in petto oder Alternativen, die einem bewährten Rezept eine andere Geschmacksnote verleihen, sodass etwas Abwechslung ins Spiel kommt, selbst wenn man eigentlich immer wieder den einen und selben Kuchen bäckt.

Gelungen und wichtig sind auch die Tipps für das Backen mit Kindern. Man darf nicht direkt eine Meisterleistung erwarten und naja, ein wenig Sauerei ist gerade bei Anfängern nicht zu vermeiden und meiner Erfahrung nach ist das eher witzig und gerade das macht das Backen mit Kindern doch so interessant und abenteuerlich. Solche und andere Grundlagen reißt Christina an, auch wenn sie selbstverständlich sein sollten, ist das sicher nicht unwichtig.

Mein Sohn (16) hat direkt mal gemeckert, dass in erster Linie süßes Backwerk vorgestellt wird, dabei sollten Kinder nicht so viel Süßes essen. Trotzdem hat ihm die Vielzahl der Rezepte als solche gefallen und es dauerte auch nicht lange, bis er sich in die Küche begab, um die Igelchen zu backen. Hat einwandfrei geklappt und sehr gut geschmeckt – allerdings ist er auch schon recht backaffin und erfahren. Die Ruck-Zuck-Kuchen aus dem Glas habe ich dann nachgeschoben und war begeistert. Einfach und sehr lecker – genau das was man nach der Beschreibung erwartet hat. Die benötigten Zutaten sind alltäglich, regional und saisonal leicht zu besorgen.
Auch die Beschreibung ist stimmig und für ältere Kinder verständlich, sodass sie auch allein backen können. Ich fand die Rezepte kindgerecht – sowohl das Backen als auch deren Geschmack betreffend. Trotzdem war ich auch nicht zu 100% von der Auswahl begeistert, denn z.B. das Popcorn fand ich ein bisschen arg „billig“ und nicht immer wird wirklich gebacken (z.B. beim Jogurt oder dem Eis herstellen). Aber das fällt nicht so sehr ins Gewicht, denn die Rezepte sind alltagstauglich und lecker.

Abgerundet wird das Buch von tollen Bildern und Einblicken in das Leben der Familie Bauer.

  • Cover
Veröffentlicht am 29.06.2020

Durchgängig spannend

Der Fahrer
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Hamburg, die Perle zeigt sich mal wieder von ihrer nicht ganz so glanzvollen Seite. Ein Serienmörder geht um. Sein Ziel sind junge Frauen die einfach so zu verschwinden scheinen, deren Verschwinden selbst ...

Hamburg, die Perle zeigt sich mal wieder von ihrer nicht ganz so glanzvollen Seite. Ein Serienmörder geht um. Sein Ziel sind junge Frauen die einfach so zu verschwinden scheinen, deren Verschwinden selbst dann aber für „Content“ sorgen soll und die Polizei verhöhnen soll. Auf den Autos der Frauen steht in Leuchtschrift #findemich – nur das ist gar nicht so leicht für Jens Kerner und sein Team, zumal sich Hinweise verdichten, die auf einen persönlichen Rachefeldzug hindeuten.

Schon der Start in die Geschichte ist rasant und fesselnd. Die erste Frau wird direkt entführt und ihr Martyrium angerissen. Der Leser ist quasi sofort und ohne lange Vorrede mitten im Geschehen und das bleibt auch fast das ganze Buch durch so. Es gibt kaum Verschnaufpausen. Ständig rätselt man mit den Ermittlern mit und manches zieht man vor ihnen kommen (ist aber gut gemacht und heizt die Spannung weiter an), das ursächliche Motiv ist aber lange nicht zu durchschauen, erweist sich aber als stimmig und so manche Wendung erhöht die Sogwirkung der Geschichte.

Ich kannte die Vorgänger (daher war dieser dritte Teil ein Must-have!) und freute mich daher sehr über das Treffen der bekannten Charaktere, die mir seit dem ersten Teil sehr sympathisch waren. Das Team arbeitet gut zusammen, die Leute ergänzen sich vortrefflich und trotzdem sind sie nicht unfehlbar. Das zeigt sich auch in diesem Fall, bei dem sie als „leuchtendes Beispiel für polizeiliche Inkompetenz“ herhalten müssen… Dazu gefällt mir das Hamburger Setting immer wieder und ja – das Thema hatte es auch in sich. Die Hintergründe sind lange nicht zu durchschauen gewesen und das Ganze endet in einem Showdown, der das Team extrem unter Druck setzt. Der Autor sorgt für Gänsehautmomente, spielt mit den Ängsten der Leser und überzeugt auch mit aktuellen Bezügen zum Beispiel zur Nutzung sozialer Medien.

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig, leicht und schnell zu lesen, sodass ich das Buch kaum mehr aus den Händen legen wollte. Winkelmann ist mal wieder ein richtiger Pageturner gelungen, auch dank der Perspektivwechsel, die die Spannung noch deutlich steigern.

Ein durchweg spannender und kurzweiliger Krimi auf dessen Nachfolger ich jetzt schon gespannt bin. Der Fall ist in sich geschlossen, daher lässt sich das Buch auch unabhängig lesen, die persönlichen Aspekte innerhalb des Teams sind dann aber nicht ganz nachzuvollziehen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.06.2020

Fast zu vielschichtig und vor allem das Ende ist unbefriedigend

Der Würfelmörder
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Alea iacta est – okay, nicht nur ein Würfel ist gefallen, wie es hier wörtlich steht, sondern einige und nicht nur einmal. Ein Mörder geht um, der sich von seinen Würfeln zum nächsten Opfer und zur Tötungsart ...

Alea iacta est – okay, nicht nur ein Würfel ist gefallen, wie es hier wörtlich steht, sondern einige und nicht nur einmal. Ein Mörder geht um, der sich von seinen Würfeln zum nächsten Opfer und zur Tötungsart führen lässt. Das macht es den Ermittlern schwer ihn zu greifen.

Noch schwerer wird es, weil auch andere Fälle die Region erschüttern und persönliche Probleme den Ermittlern zusätzlich Schwierigkeiten bereiten.
Direkt kann ich schon einmal sagen, dass mir das Buch fast zu vielschichtig war und das größte Problem: Es wurden nur wenige Teile der ganze Handlungsstränge beendet. Ich hatte schon zu „10 Stunden tot“ (das – Cover und Titel ausgenommen- identisch mit dem „Der Würfelmörder“ ist) einiges gehört – mehrheitlich war es nicht positiv. Trotzdem wollte ich mir ein eigenes Bild machen und habe daher dem Würfelmörder in dem neuen Design eine Chance gegönnt- auch nach dem Lesen bin ich noch nicht sicher, ob sich das gelohnt hat…

Aber nun von Beginn an. Der Einstieg ist mir recht gut gelungen, obwohl ich nur einen Teil der Fabian Risk –Reihe vor gefühlten Ewigkeiten gelesen habe und somit fast ohne Kenntnisse in die „Mini-Reihe“ um den Würfelmörder in der „großen“ Risk-Reihe eingestiegen bin. Es gibt dann gewisse Lücken, die man sich selbst erschließen muss, um eine Privatermittlung von Risk zu verstehen, aber das gibt sich überraschend schnell. Es handelt sich dabei auch um eine spannende Sequenz, denn die Brisanz ist nicht von der Hand zu weisen. Gleiches gilt in anderen Fällen. Nationalismus und sexuelle Neigungen sind andere Themenschwerpunkte und dazwischen gibt es noch das eine oder andere…und natürlich den Würfelmörder, der sein „Können“ zeigt, aber bei weitem nicht so viel Raum einnimmt, wie ich das erwartet hätte.

Der Schreibstil war recht gut zu lesen, flüssig und gut verständlich, aber irgendwie hatte ich mich immer und immer wieder aufraffen müssen, um das Buch zu Hand zu nehmen. Es gab fast zu viele Baustellen und Puzzleteile, den roten Faden zu finden fand ich etwas schwierig und trotzdem hat mich das Buch eine ganze Weile recht gut unterhalten. Das lag teilweise an den Themen, aber auch an den Ermittlern – wobei ich bei manchen einfach nur entsetzt war (leider kann ich nicht so ins Detail gehen). Achtung, es wird schon etwas brutal und auch Kinder sind betroffen – also nichts für Zartbesaitete.

Und das Ende ist einfach nur unbefriedigend. Eigentlich müsste man direkt den nächsten Teil lesen, aber ich brauche erst einmal mindestens ein anderes Buch zwischendurch. Ich hoffe sehr, dass diese Rückkehr des Würfelmörders auch tatsächlich alles auflöst, denn das Interesse ist an sich schon geweckt. Aber wenn der Leser dann in nächsten Teil nochmal so hingehalten wird…dann hat der Autor bei mir keine Chance mehr.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere