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Veröffentlicht am 13.01.2020

Tolle Idee, spannende Umsetzung, kleine Kritikpunkte

The Scars Chronicles: Dorn der Finsternis
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Ebru Adins ‚Dorn der Finsternis‘ ist der Auftakt zur Trilogie ‚The Scars Chronicles‘. Ich durfte das Buch vorab lesen und bedanke mich dafür beim Piper Verlag.

Das Buch hat in der Vorschau meine Aufmerksamkeit ...

Ebru Adins ‚Dorn der Finsternis‘ ist der Auftakt zur Trilogie ‚The Scars Chronicles‘. Ich durfte das Buch vorab lesen und bedanke mich dafür beim Piper Verlag.

Das Buch hat in der Vorschau meine Aufmerksamkeit mit diesem phänomenalen Cover geweckt. Erst beim ungefähr fünftem Blick habe ich erkannt, dass die Nebelschwaden Totenköpfe sind..
Als der Klappentext dann Irland und Geister versprochen hat, war es beschlossen: ich muss das Buch lesen. Es hat mir gut gefallen, kleine Kritikpunkte werden mich nicht davon abhalten, weiterzulesen.

‚Dorn der Finsternis‘ ist mein erstes Buch von Ebru Adin. Ihr Schreibstil ist sehr eingängig und flüssig zu lesen, er kommt ohne viel Schnörkel aus. Somit fiel mir der Einstieg ins Buch leicht. Im Gegensatz dazu ist das Worldbuilding umso ausgefeilter. Engel, Geister, Geisterkrieger, eine eigenes Schulsystem für letztere, Prophezeiungen. Die Zusammenhänge und Verwandtschaftsgrade sind teilweise etwas komplex, es wird viel Geschichtliches vermittelt, viele Personen werden eingeführt, die Geisterwelt erklärt. Es ist für mich alles etwas unübersichtlich, trotzdem wirkt es in sich geschlossen, logisch und zu Ende gedacht. Je weiter ich aber im Buch voranschreite, desto mehr verstehe ich die Zusammenhänge.

Wir folgen als Leser fünf Personen, die jeweils aus der Ich-Perspektive erzählen und sehr unterschiedlich sind. Die Charakterentwicklungen sind allesamt gut zu erkennen und nachvollziehbar, wenn auch teilweise vorhersehbar. Doch das macht gar nichts. Ebensowenig, dass einige Klischees bedient werden und die Charaktere teilweise Stereotypen sind. Die Dynamik zwischen den Protagonisten macht viel Spaß, sie regt aber auch zum Nachdenken an. Mobbing, Ausgrenzung, Intoleranz, physische und psychische Gewalt werden genauso thematisiert wie Freundschaft, Füreinander da sein und über seine Vorurteile hinwegkommen. Denn die wichtige Botschaft des Buches lautet: auch wenn wir unterschiedlich sind, haben wir doch alle unsere Daseinsberechtigung, sind nicht besser oder schlechter als andere.

Die Story ist spannend und arbeitet klar auf ein Ziel hin. Nichtsdestotrotz sind einige Geheimnisse eingebaut, die es noch zu entdecken gilt, einige Kämpfe, die es noch zu fechten gibt. Und die in Folgebänden bestimmt für Aufregung, neue Konstellationen und neue Verbündete sorgen. Vorausgesetzt, es tritt alles so ein, wie ich das jetzt weitergesponnen habe 😀

Nun zu den kleinen Kritikpunkten: Es hat mich ein bißchen gestört, dass die Geisterkrieger zu Beginn des Buchs gefühlt alle drei Seiten auf eine Mission geschickt werden. Das war mir irgendwie zu viel Action, zu gewollt und hat die Geschichte nicht wesentlich vorangetrieben. Das hat sich aber gegen Ende des Buchs gelegt und es wurde trotzdem nicht langweilig.

Ich fand es auch zu viel, welche Fähigkeiten und Eigenschaften die Geisterkrieger haben. Portalreisen, Kartenprojektion, Seelendrachen: Hm, wo müssen wir jetzt hin, wir kennen uns ja gar nicht aus! Kein Problem, wir können eine Karte auf unserer Handfläche erscheinen lassen..
Ja, das ist jetzt Nörgeln auf hohem Niveau, aber ich dachte mir, wozu brauchen die Geisterkrieger all diese Fähigkeiten? Vielleicht erschließt sich mir das in den Folgebänden, denn mir hat dieser Auftaktband ziemlich gut gefallen und ich möchte auf alle Fälle weiterlesen. Vor allem gegen Ende hin konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen. 4 Sterne für ‚Dorn der Finsternis‘.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.01.2020

Tiefgehender als erwartet

Die Sonnenschwester
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Ich muss zugeben, dass mir ‚Die Sonnenschwester‘ zu Beginn gar nicht gefallen hat. Erstens weil ich etwas anderes erwartet hatte. Und zweitens weil die sechste Schwester Elektra arrogant war, eigentlich ...

Ich muss zugeben, dass mir ‚Die Sonnenschwester‘ zu Beginn gar nicht gefallen hat. Erstens weil ich etwas anderes erwartet hatte. Und zweitens weil die sechste Schwester Elektra arrogant war, eigentlich toujours gejammert und sich selbst ziemlich bemitleidet hat. Natürlich ist die Figur von Lucinda Riley genauso geschaffen worden. Und natürlich hatte sie dadurch viel Entwicklungspotential. Aber ich fand sie trotzdem nur nervig.
Auch kamen die Erzählungen aus der Vergangenheit für mich viel zu kurz. Denn genau das liebe ich so an Rileys Romanen: die Reisen in die Vergangenheit, fremde Länder, fremde Kulturen. Stattdessen war Elektras Leben ihn New York viele Seiten lang das Hauptthema, ihr Alltag als Model und ihre Probleme. Ich habe also anfangs nur weitergelesen, damit ich es halt lese. Und Gott sei Dank habe ich nicht aufgehört.
Wie bereits erwähnt ist dieser sechste Teil der Reihe um die sieben Schwestern anders als ich es erwartet hatte. Auch wenn die Geschichten aus der Vergangenheit im zweiten Teil des Buches intensiver und länger erzählt wurden, war das Buch an sich nicht so locker-leicht wie die anderen Bücher. Zwar haben sich diese auch einige Problemen angeschnitten. Doch hatte ich es bisher noch nicht erlebt, dass sich Riley derart intensiv mit solch ernsten Themen beschäftig. Und genau das war es, was ich nicht erwartet hatte. Diese Tiefe. Das mag jetzt negativ klingen, ist es aber mitnichten.
Und als ich mich darauf eingelassen hatte, das ich keinen unterhaltsamen Frauenroman mit, naja, sagen wir mal, niedrigerem Anspruch und ohne viel Tiefe bekommen habe, habe ich realisiert, was für ein tolles Buch Lucinda Riley hier eigentlich geschrieben hat. Ok, das klingt jetzt wieder so negativ und als ob Riley Romane anspruchslos wären. Das sind sie natürlich nicht, ich liebe fast jedes einzelne ihrer Bücher. Doch ‚Die Sonnenschwester‘ ist einfach anders. Riley setzt sich mit Suchtproblemen auseinander, mit den Schwierigkeiten, die man als Suchtkranker hat, mit dem Horror eines Entzugs und der harten Erkenntnis, dass man Hilfe braucht. Natürlich geht dieses Auseinandersetzen nicht so tief, wie es möglich wäre. Aber das braucht es ja auch nicht. Ich finde es super, dass Riley als weltbekannte Bestsellerautorin solche Themen aufgreift und darauf aufmerksam macht. Doch nicht nur das, sie nimmt die ostafrikanische Heimat Elektras als Anlass, um von den Rassenproblemen der 50er Jahre in den USA zu schreiben, von der Intoleranz und Ungerechtigkeit die geherrscht hat – und leider teilweise immer noch herrscht. Sie schreibt von Menschen, die auf die Straße gehen und demonstrieren, die aufstehen um für ihre Freiheit zu kämpfen. Und das alles verpackt in einem Frauenroman, der von außen gar nicht so wirken würde. 4 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.12.2019

Genauso träumerisch wie Band 1.1, mit einer Liebesgeschichte, wie sie schöner nicht beschrieben werden kann

Strange the Dreamer - Ein Traum von Liebe
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Wie rezensiert man ein Buch, das eigentlich die zweite Hälfte eines Buches ist? Wie beschreibt man den Schreibstil? Verwendet man die gleichen Wörter? Ich würde sagen ja, da Laini Taylors Schreibstil auch ...

Wie rezensiert man ein Buch, das eigentlich die zweite Hälfte eines Buches ist? Wie beschreibt man den Schreibstil? Verwendet man die gleichen Wörter? Ich würde sagen ja, da Laini Taylors Schreibstil auch in Strange the dreamer – Ein Traum von Liebeträumerisch, phantasievoll und wie nicht von dieser Welt scheint. Und die Geschichte hat sich so toll weiterentwickelt.

Wir befinden uns im Gegensatz zu Buch 1.1 die ganze Zeit über in Weep, am meisten in Lazlos Träumen. Denn in diesen Träumen besucht ihn Sarai und Laini Taylor beschreibt eine Liebesgeschichte, wie sie schöner nicht erzählt werden kann. Poetisch, gefühlvoll, zart und kein bißchen kitschig entführt uns die Autorin in Lazlos Traumwelt, in der er Herr über die Dinge ist, die gesehen werden und die geschehen. Es ist einfach nur unglaublich, diese Worte zu lesen und die Bilder heraufzubeschwören, die Taylor dem Leser vorgibt. Selten war ich so gefesselt von einzelnen Szenen wie in diesem Buch, selten so glücklich während des Lesens. Es ist alles perfekt, auch wenn man eigentlich weiß, dass es das nicht ist. Auch wenn man weiß, dass die Götterbrut nie von den Bewohnern Weeps akzeptiert werden würde, auch wenn man weiß, dass es ja trotz aller Liebe und Glückseligkeit noch Minya gibt, die einfach nur ihre Rache möchte.

Lazlo selbst hat sich zu einem selbstbewussten Mann entwickelt, der auch nicht davor zurückschreckt, von seinen Traumbegegnungen mit Sarai zu erzählen. Ich hätte damit nicht gerechnet, wird doch in Büchern oft ein großes Geheimnis aus solchen Gaben gemacht. Als es nötig ist, erzählt er von ihren Treffen in seinen Träumen und es wird akzeptiert. Mehr als das, es wird auf seinen bzw. Sarais Rat gehört und entsprechend reagiert. Das fand ich so toll und sehr besonders.

Sarais Zerissenheit wird auch perfekt geschildert. Einerseits ist da Lazlo, den sie beschützen möchte. Andererseits sind da auch noch Ruby, Sparrow und Feral, die sie nicht einfach ihrem Schicksal in den Fängen Minyas überlassen kann. Doch wie entscheidet man sich? Entscheidet man sich für die Götterbrut, die wie Familie ist? Oder für die Menschen, die sie hassen und fürchten, aber denen Lazlo angehört? Und auch ihr Vater..

Eril-Fane und seine Tizerkan möchten die Stadt natürlich weiterhin von diesem riesigen Erzengel mit ausgebreiteten Flügeln befreien, dazu wurden ja die verschiedensten Wissenschaftler nach Weep gebracht. Ich muss zugeben, dass ich mir während des Lesens immer wieder gewünscht habe, dass sie bei den Versuchen scheitern, dass die Zitadelle so bleiben kann wie sie ist. Für Minya findet sich schon eine Lösung. Und dann geschieht das, was ganz zu Beginn des ersten Buches im Prolog beschrieben wurde. Es fällt ein Mädchen vom Himmel. Und alles ist ändert sich..

Ja, diese Geschichte ist etwas besonderes. Und nicht nur diese ist besonders. Auch Lazlo. In meiner Rezension zum ersten Buch habe ich geschrieben, dass zu einem besonderen Junge eine besondere Geschichte gehört. Und nun zeigt sich, wie besonders Lazlo tatsächlich ist. Seine Geschichte gilt es jedoch in den Folgebüchern zu ergründen. Ich kann es kaum erwarten. 5 Sterne.

  • Geschichte
  • Fantasie
  • Cover
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Handlung
Veröffentlicht am 02.12.2019

Unglaubliches Retelling von Les Misérables und dem Dschungelbuch, voller Rache, Verrat, Loyalität und Freundschaft. Lesen!

Der Hof der Wunder
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Manchmal frage ich mich, wie mir solche Schätze wie Der Hof der Wunder so lange entgehen konnten. Ja, es ist erst am Anfang Dezember erschienen, aber ich bin auf dieses Buch erst Ende November gestoßen, ...

Manchmal frage ich mich, wie mir solche Schätze wie Der Hof der Wunder so lange entgehen konnten. Ja, es ist erst am Anfang Dezember erschienen, aber ich bin auf dieses Buch erst Ende November gestoßen, als ich nach Neuerscheinung des Folgemonats gestöbert habe.
Erst hat mich das Cover gecatcht (obwohl das Originalcover hundertmal schöner ist), dann der Klappentext: Ein alternatives Paris in dem die Französische Revolution gescheitert ist, skrupellose Adlige teilen sich die Stadt mit Verbrechern, die in Gilden organisiert sind. Nina Thénardier ist Teil der Diebesgilde und untersteht somit dem Schutz des Herrn der Diebe. Thénardier? Da war doch was.. Und ja, auf der Homepage der Autorin wird das Buch als Retelling von Les Misérables und Das Dschungelbuch beworben. Wie das funktionieren soll? Ich wurde auf der Homepage der Autorin fündig und war noch mehr davon überzeugt, dass ich dieses Buch schnellstmöglich lesen möchte: die komplette Besetzung von Les Misérables ist Teil der Geschichte, Das Dschungelbuch hingegen ist nicht mit Tieren vertreten, Kester Grant hat die Charaktere für ihren Debütroman vermenschlicht.
Im englischen Original erscheint The Court of Mircales erst im Frühjahr 2020. Doch wir dürfen schon jetzt in den Genuß dieses Trilogieauftakts kommen. Und ja, es ist ein Genuß. Und was für einer!

Kester Grants Schreibstil ist bildhaft, blumig und detailliert und passt zu der Zeit, in der die Geschichte spielt. Manchmal wirken die Sätze geradezu vornehm, im krassen Gegensatz zu dem Elend, das sie beschreiben. Kurze Abschnitte zu Beginn mancher Kapitel, die die Geschichte der Stadt erzählen, schaffen einen tollen Überblick darüber, was nach dem Scheitern der Revolution geschehen ist.
Das Setting ist so, wie man sich Paris zu Zeiten großer Not vorstellt. Dreck, Krankheit, Verbrechen auf der Seite der Armen und der Elenden, den Kindern des Hofs der Wunder, regiert durch die Zusammenkunft der Gildenherren an der Hohen Tafel. Auf der anderen Seite der Adel, Kuchen essend und mit dem Leben der Armen spielend.
Die Französische Revolution ist in diesem alternativen Paris gescheitert, der Epochenumbruch in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht ist ausgeblieben. Der Absolutismus und die Ständegesellschaft werden hingenommen und nicht in Frage gestellt, ein König regiert von Gottes Gnaden, ohne Verfassung, ohne Gesetze, ohne Grundrechte des Einzelnen. Eine unglaublich spannenden Ausgangssituation, die vielleicht auf den ersten Blick nicht wirklich ersichtlich ist. Man denke nur an die Restauration und die Wiederherstellung der Monarchie und den Juliaufstand 1830. Aber ein Umbruch kann nie von heute auf morgen passieren, er braucht Zeit. Vor allem auch, um die Denkweisen der Menschen zu verändern, ihnen bestimmte Werte zu vermitteln, um eine Nation aufzubauen und sie zu stärken. Und dieser Umbruch, die Verfassung von 1791, die Grundrechte, alles das ist in Ninas Paris nie passiert.

Doch nun weg von der Geschichte Frankreichs, hin zur Geschichte Nina Thénardiers. Deren Leben in Sicherheit endet, als ihr Vater ihre Schwester Azelma an Kaplan verkauft. Kaplan, der Tiger, herrscht über die Gilde des Fleisches, deren Geschäft Prostitution und Menschenhandel ist. Nina wird von einem Freund Azelmas am selben Tag zur Gilde der Diebe gebracht, um sie vor ihrem Vater zu schützen. Dort wird sie zur Schwarzen Katze, der besten Diebin der Gilde. Doch immer noch sind ihre Gedanken bei ihrer Schwester, die sie aus den Fängen Kaplans retten möchte. Der Plan: Kaplan etwas vorzuführen, ihm jemanden schmackhaft zu machen, um sie dann seiner Reichweite zu entziehen. Sie hat ein kleines Mädchen dafür gefunden. Ettie, wunderschön, mitfühlend, kindlich naiv, Mündel ihres Vaters. Und Kaplan will sie. Kurz bevor sich er und Thénardier über Etties Preis einig sind, trifft Nina die richtige Entscheidung dazu, dass sie Ettie nicht Kaplan überlassen kann, selbst dann nicht, um ihre Schwester zu retten. Nun richtet sich Ninas Fokus auf Ettie und sie wird alles tun, um sie vor Kaplan zu beschützen.

Nina ist ein toller Charakter. Sie ist mutig, ja, wagemutig, sie macht alles für diejenigen, die sie liebt. Tomasis, ihren neuen Vater, Herr der Diebesgilde, ist ihr mehr Vater als Thénardier es jemals war. Das vergilt sie mit Treue und außergewöhnlichen Geschenken. Und Ettie.. Ettie wird für sie wie eine Schwester. Doch da Kaplans Begehrlichkeit nun geweckt ist, muss sie sich eine List überlegen, um sie seinem Griff zu entziehen. Dabei findet sie Verbündete, keine Freunde, denn diese gibt es nicht am Hof der Wunder. Und sie findet Feinde, Feinde, die alles versuchen, ihre Pläne zum Scheitern zu bringen. Somit stellt es eine große Herausforderung dar, Ettie zu beschützen, die sie mit ihrer Schläue und Cleverness zu bewältigen versucht. Und als ob das nicht schon reichen würde steht Paris erneut vor dem Kollaps. Eine neue Hungersnot, eine neue Seuche wütet und macht das Leben in den Straßen und der Unterwelt der Stadt noch schwieriger, als es eh schon ist.

Auch die anderen Personen sind unglaublich gut gezeichnet. Ettie schließt man mit ihrer kindlich-freudigen Art sofort ins Herz, die anderen Charaktere wie Orso, Loup oder auch Montparnasse sind ebenfalls auf ihre Art besonders entwickelt. Unheimlich, geheimnisvoll, aber treue Verbündete Ninas und nicht nur dadurch sympathisch.

Die Parallelen zu Les Misérables sind unübersehbar, die zum Dschungelbuch eher weniger. Ich glaube nicht, dass mir alle Personen bewusst als die Charaktere aufgefallen sind, wie Rudyard Kiepling sie erdacht hat. Schon allein deswegen, weil ich sein Buch nie gelesen habe und ich nur die romantische Disneyversion kenne. Aber das macht nichts, denn auch ohne dieses Wissen hat mich die Geschichte vollkommen eingenommen und in ihren Bann gezogen. Denn sie ist spannend, voller Freundschaft, Verrat und Loyalität. Voller Rache, Schmerz und Listen, voller Leid, Mitgefühl und Trauer. Magie jedoch ist nicht Teil der Welt, doch dieses historische Fantasybuch kommt auch ganz ohne aus. Denn die Magie liegt in der Geschichte, im Kampf Arm gegen Reich, im Kampf Ungerechtigkeit gegen Recht, im Kampf der Elenden gegen den Adel. 5 Sterne.

Veröffentlicht am 08.11.2019

Einerseits fesselnd, episch, detailliert und tiefgehend, anderseits so unglaublich verwirrend.

Der Untergang der Könige
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Ich hatte sehr hohe Erwartungen und den ersten Teil der ‚Drachengesänge‘. Denn der ‚Untergang der Könige‘ hat so viel versprochen. High Fantasy in einer ausgefeilten Welt, in der Drachen und Dämonen leben, ...

Ich hatte sehr hohe Erwartungen und den ersten Teil der ‚Drachengesänge‘. Denn der ‚Untergang der Könige‘ hat so viel versprochen. High Fantasy in einer ausgefeilten Welt, in der Drachen und Dämonen leben, und ein junger Held, der sein Schicksal erfüllt. All das habe ich bekommen. Und doch konnte mich das Buch nicht überzeugen.
Jenn Lyons Schreibstil ist zumindest nicht schuld daran. Auch wenn ich Schwierigkeiten hatte, am Ball zu bleiben, habe ich die Seiten, die ich am Stück gelesen habe, sehr schnell gelesen. Lyons erzählt sehr einnehmend und detailliert, ich war richtig gefesselt. Sie hat hier eine epische Welt geschaffen, die ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Spezies, ihre eigene Sprache hat. Ich habe nicht mal im Ansatz alles überblickt und für sowas kann ich nur Respekt empfinden. Und Demut ob der gewaltigen Vorstellungskraft der Autorin.

Die Geschichte selbst wird aus zwei Blickwinkeln erzählt. Der eine ist Kihrins aus der Ich-Perspektive, der andere Klaues als personaler Erzähler. Beide schildern Kihrins Geschichte, nur Klaue fängt viel früher im Zeitablauf an. Niedergeschrieben wird das Ganze von einer dritten Person, die Klaues Erzählungen noch mit Fußnoten versieht. Ja, ich kann verstehen, warum viele MitleserInnen der Leserunde verwirrt waren. Das hat mich noch nicht aus dem Konzept gebracht, ich konnte beide Zeitebenen anfangs noch gut auseinander halten. Erst später, als sich die Handlungen zu ähneln beginnen, wusste ich manchmal kurzzeitig nicht mehr, wo in der Geschichte wir uns befinden.
Neben einigen Kleinigkeiten, die mich gestört haben, war mein Hauptproblem des Buches nämlich die Fülle an Personen. Ich empfehle jedem, der das Buch lesen möchte, eine eigene Personenliste zu führen. Zwar sind am Ende des Buches ein Glossar mit vielen Personen und ein Stammbaum abgedruckt, doch letzterer spoilert ungemein. Wenn ich diese Liste geführt hätte, wäre meine Verwirrung eventuell nicht so groß gewesen.
Denn es gibt in dem Buch einen Gegenstand, der Seelen vertauscht. Wird eine Person im Besitz des Gegenstandes ermordet, fährt die Seele des Toten in den Körper des Mörders. Und das ist unzählige Male im Laufe der Jahrhunderte passiert. Ich konnte irgendwann nicht mehr folgen, wer nun wessen Vater, Mutter, Tochter, Sohn ist. Oder vielleicht sogar gleichzeitig. Das hat mir völlig die Freude am Lesen genommen, da ich einfach nicht mehr durchgestiegen bin. Ich hatte Komplexität erhofft und wurde schnell auf den Boden der Tatsachen geholt. Es war mir ZU komplex, ich lese gerne um einfach nur abzuschalten. Ich möchte nicht dauernd derart hochkonzentriert an den Seiten kleben. Doch sobald die Gedanken abschweiften, war der Faden wieder weg.
Deshalb war ‚Der Untergang der Könige‘ einfach nicht mein Buch. Auch wenn die Geschichte gut war, der Schreibstil sehr einnehmend und die Welt so episch, wie ich mir das gewünscht hatte. Ich denke zwar nicht, dass ich die Reihe weiterverfolgen werde, versuche ich mich aber zumindest an einer Leseprobe zu Band 2 und überlege dann nochmal. Ich bedanke mich bei Lovelybooks, dass ich mitlesen durfte. 3 Sterne.