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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.07.2020

Schöneberg 1922

Fräulein Gold: Schatten und Licht
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Berlin Schöneberg 1922. Die Hebamme Hulda Gold ist am ganzen Winterfeldtplatz bekannt, vor allem aus Sicht des Zeitungsverkäufers Bert. Doch die Liebe zu Felix, dem Besitzer des Café Winter bröckelt. Aber ...

Berlin Schöneberg 1922. Die Hebamme Hulda Gold ist am ganzen Winterfeldtplatz bekannt, vor allem aus Sicht des Zeitungsverkäufers Bert. Doch die Liebe zu Felix, dem Besitzer des Café Winter bröckelt. Aber eigentlich hat Hulda auch genug mit ihrer Arbeit zu tun. Sie ist stolz darauf, ihr eigenes Geld zu verdienen und möchte darum eigentlich auch nicht heiraten, denn dann wird sie vermutlich ihre Arbeit aufgeben müssen. Sie nimmt ihre Arbeit sehr ernst und macht zusätzliche, unbezahlte Besuche, so auch bei Lilo, die am Bülowbogen in ärmlichen Verhältnissen wohnt. Lilos Nachbarin ist gestorben, ertrunken im Landwehrkanal (warum ist der eigentlich bei historischen Krimis so beliebt für Leichen?) und Hulda verspricht ihr, der Sache nach zu gehen, denn Lilo glaubt an ein Verbrechen. Und so tauchen wir mit Hulda ein in das Leben in Berlin, vorrangig dem Kiez Schöneberg. Es gibt einen Mord aufzuklären, immer wieder gerät Hulda da mit Kriminalkommissar Karl North aneinander, aber interessanter für mich war das Zeitbild und das Einbinden in die Geschichte der Weimarer Republik, die immer wieder geschickt eingeflochten werden. Da erkennt man, dass die Autorin Historikerin ist. Der Kriminalfall stockt manchmal, aber gerät nie in Vergessenheit, man lernt Menschen aus den unterschiedlichen Schichten kennen und vor allem den Zeitgeist. Der Mord wird am Ende gut aufgeklärt und ich war ein wenig traurig, die patente Hulda zu verlassen.

Veröffentlicht am 09.07.2020

Kampf um Avendúr

Töchter der Freiheit
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Kampf um Avendúr
Mich hat dieses Buch beeindruckt. Eine vielschichtige Fantasygeschichte, ein Einteiler und keine endlose Serie, ein Jugendfantasybuch, das ohne den Fokus auf Liebesgeschichten auskommt ...

Kampf um Avendúr
Mich hat dieses Buch beeindruckt. Eine vielschichtige Fantasygeschichte, ein Einteiler und keine endlose Serie, ein Jugendfantasybuch, das ohne den Fokus auf Liebesgeschichten auskommt (diese werden hier eher angedeutet und erhalten erst gegen Ende mehr Gewicht, ohne sich aber in den Vordergrund zu drängen). Das Buch ist spannend, übt viel Gesellschaftskritik aus, regt zum Nachdenken an, es beginnt mit einer Bücherverbrennung und einer rebellischen Vorlesung, die für die Magistra mit einer Verurteilung zum Tod endet, die eindeutig provoziert wurde. Es gibt hier nicht die EINE Protagonistin, es gibt mehrere Perspektiven, die alle auf derselben Zeitebene spielen. Elodea ist sicherlich noch diejenige, die den meisten Raum einnimmt. Sie ist eine Magierschülerin und ihre Meisterin wurde hier verurteilt und sie selbst an den Hof der Gräfin von Toulérant verbannt. Königin Obsidia regiert gnadenlos, sie ist egoistisch und liebt es, Angst und Schrecken zu verbreiten; sie war der Liebling ihres Vaters; ihr Bruder Lyonel wurde aufgrund einer Behinderung verstoßen. Die Begriffe, Namen und Orte sind häufig dem Lateinischen oder Französischen entlehnt bzw. erinnern daran und auch die alte Sprache der Magie lässt sich mit Kenntnissen dieser Sprache gut verstehen (wenn mal einzelne Begriffe genannt werden). Die Magie nimmt allerdings keinen so großen Raum hier ein. Dies ist kein Buch für jemanden, der eine einfache Geschichte erwartet und der schon bei vier Namen überfordert ist, aber ich fand es toll, eine komplexere Geschichte mit einem hohen Spannungsbogen und voller Kritik zu lesen. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und ich hoffe, die recht junge Autorin erfreut uns bald wieder mit neuer Lektüre.

Veröffentlicht am 01.07.2020

Nimue

Cursed - Die Auserwählte
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Die Artus-Sage, wer kennt sie nicht? Es gab schon vor vielen Jahrhunderten so viele unterschiedliche Ausprägungen der Sage und eben nicht nur "eine ursprüngliche". Gerade deshalb bietet dieser Stoff auch ...

Die Artus-Sage, wer kennt sie nicht? Es gab schon vor vielen Jahrhunderten so viele unterschiedliche Ausprägungen der Sage und eben nicht nur "eine ursprüngliche". Gerade deshalb bietet dieser Stoff auch heute noch, im 21. Jahrhundert, so viel und wird so oft interpretiert und Teile davon eingebaut in andere Geschichten. Und wer kennt sie nicht beziehungsweise hat wenigstens mal von ihnen gehört, den Rittern der Tafelrunde, Merlin und auch dem Schwert Excalibur. Da sollte man doch denken, dass es nicht mehr möglich ist, dieser Geschichte ein neues "Gewand" zu verschaffen, doch das ist dem Autorenteam gelungen, indem sie Nimue erschaffen haben, eine weibliche Protagonistin. Sie soll das Schwert zu Merlin bringen und reist in Begleitung von Arthur. Das Buch ist nichts für Zartbesaitete, es ist teilweise sehr brutal und hier wird nicht geschont. Eine actionreiche Handlung, unterlegt mit Zeichnungen, ein spannendes Buch.

Veröffentlicht am 01.07.2020

Saint Malo

Bretonische Spezialitäten
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Kommissar Dupin ermittelt mittlerweile schon in seinem 9. Fall in der Bretagne und der Pariser ist mittlerweile gut angekommen und angenommen in der Bretagne. Wie immer war es ein Genuss, dieses Buch zu ...

Kommissar Dupin ermittelt mittlerweile schon in seinem 9. Fall in der Bretagne und der Pariser ist mittlerweile gut angekommen und angenommen in der Bretagne. Wie immer war es ein Genuss, dieses Buch zu lesen, gerade in Corona-Zeiten, wo das Reisen eingeschränkt werden muss und der Frankreichurlaub ausfällt. Doch so konnte ich dieses Mal in die östliche Bretagne reisen, es geht nach Saint Malo, eigentlich ein schöner Ausflug, eine tolle Stadt, aber zum Leidwesen des Kommissars muss er dort zur einem Seminar und nicht zu seinem Vergnügen. Doch natürlich - wie kann es auch anders sein - ereignet sich ein Mord und Dupin steckt bald mitten in den Ermittlungen und die Theorie des Seminars wird zur Praxis, denn es soll die Zusammenarbeit der bretonischen Départements geübt werden. Rasch wird aus einem Mord eine Serie und die Täterin des ersten Mordes kann die weiteren Morde nicht verübt haben, da sie im Gefängnis sitzt. Auch in diesem Buch gibt es wieder viele Beschreibungen wie in einem Reiseführer und diese wecken die Sehnsucht nach der Bretagne. Für mich wieder eine gelungene Mischung.

Veröffentlicht am 01.07.2020

Vernègues

Verlorenes Vernègues
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Roger Blanc ist wieder zurück mit einem neuen Fall, der an einem sehr interessanten Ort spielt und zwar in Vieux Vernègues, einem Dorf, das vor ungefähr hundert Jahren nach einem verheerenden Erdbeben ...

Roger Blanc ist wieder zurück mit einem neuen Fall, der an einem sehr interessanten Ort spielt und zwar in Vieux Vernègues, einem Dorf, das vor ungefähr hundert Jahren nach einem verheerenden Erdbeben verlassen wurde. Nun ist das mittelalterliche Städtchen zu einer Geisterstadt geworden (den Ort gibt es übrigens tatsächlich). Capitaine Roger Blanc hat im Winter nicht viel zu tun; es ist ruhig in der Provence, bis er nach Vernègues gerufen wird, dort soll sich ein Rudel Wölfe herumtreiben. Das Ganze ist etwas sonderbar. Und dann wird auch noch ein Toter gefunden. Und vorbei ist es mit der beschaulichen Ruhe. Ein etwas ruhiger Teil der Krimireihe, aber dennoch sehr interessant und man erfährt viel über Wölfe und die Urängste der Menschen vor diesen Tieren. Mir haben der Fall und seine Auflösung gut gefallen - gerade weil er sich so von seinem Vorgänger abhebt.