Platzhalter für Profilbild

JOKO

Lesejury Star
offline

JOKO ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit JOKO über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.04.2026

die Tauben als Zeichen der Freiheit

Der letzte Sommer der Tauben
0

„Der letzte Sommer der Tauben“von Abbas Khider, erschienen bei @hanserliteratur ,erzählt vom Ende einer Kindheit unter den Muschahedin. Noah ist 14 Jahre alt und Taubenzüchter. Sein Onkel Ali, der jüngere ...

„Der letzte Sommer der Tauben“von Abbas Khider, erschienen bei @hanserliteratur ,erzählt vom Ende einer Kindheit unter den Muschahedin. Noah ist 14 Jahre alt und Taubenzüchter. Sein Onkel Ali, der jüngere Bruder seines Vaters, der im Nachbarhaus wohnt, hat ihn an dieses Hobby herangeführt.Noah bewundert das Sozialverhalten und die Freiheit der Tauben, die aber immer wieder auf sein Dach zurückkehren. Ein Bild das friedlicher nicht sein kann und für ihn ein Symbol der Beständigkeit ist. Doch dieser Sommer im Irak wird der letzte friedliche für Noah sein. Ein autoritäres Regime übernimmt die Macht und für Noah verändert sich alles. Das Kalifat übernimmt die Kontrolle und mit ihm verschwinden alle Freiheiten und alles was das Leben schön macht. Musik, Feiern, Lachen, Farben, alles verschwindet hinter einer grauen Depression. Die Angst geht in den Familien und den Straßen um.Sein Vater muss den Laden schließen, der Mann seiner Schwester wird inhaftiert, seine Freunde verändern sich , plötzlich verschwindet Onkel Ali, der immer sein Anker war und zum Schluss verschwinden auch die Tauben am Sommerhimmel.

In einer ruhigen, aber doch sehr eindringlichen Sprache erfährt der Leser aus Sicht eines 14 jährigen Jungen, welche Auswirkungen autoritäre Systeme auf das Leben der Menschen, die unter ihnen leben müssen haben, aber auch, was sie mit den einzelnen Menschen machen.
Die einen passen sich an und versuchen das Beste für sich herauszuholen, die anderen haben den Mut sich dagegen zu stemmen, weil sie unter dieser Unmenschlichkeit nicht leben können. Oft bezahlen sie mit ihrer Freiheit, oft auch mit ihrem Leben.

Der Roman wird nicht Effekt heischend geschrieben, doch gerade diese ruhige beobachtende Art der Geschehnisse brennen sich ins Gedächtnis und lassen einen frösteln und die Angst derer, die damit konfrontiert sind, intensiv erleben.

Für Noah verändert sich alles, sein Umfeld, seine Freundschaften, die Situation in der Familie, immer ist man in hab acht Stellung, weil keiner weiß, wann die Willkür wieder zuschlägt. Wie schwer muss es sein unter solchen Lebensumständen zu leben, vielleicht sogar begleitet von kriegerischen Handlungen, wie wir aktuell beobachten können.
Mich hat dieses Buch tief berührt, mich lange nachdenken lassen und mir wieder vor Augen geführt, wie wichtig es ist für unsere Demokratie zu kämpfen in Zeiten , in denen Autokraten immer wieder die Weltordnung bestimmen wollen und auch Parteien unterstützen, auch hier in Europa und in Deutschland, die unsere Demokratie verachten.

Ein leises Buch mit erschreckendem Inhalt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2026

guter zweiter Band

Montmartre - Traum und Schicksal
0

Auch der zweite Teil der „Montmartre“ Dilogie „Traum und Schicksal“ hat mir unterhaltsame Lesestunden beschert.

Wir begleiten die beiden Frauen Elise Lambert und Valerie Dumas und ihre Leben weiter in ...

Auch der zweite Teil der „Montmartre“ Dilogie „Traum und Schicksal“ hat mir unterhaltsame Lesestunden beschert.

Wir begleiten die beiden Frauen Elise Lambert und Valerie Dumas und ihre Leben weiter in diesem Buch.
Elise ist mittlerweile zu einem gefeierten Star des Moulin Rouge aufgestiegen, verliebt sich in einen Adeligen und findet ihre Schwester Simone wieder, die von ihrem Mann zur Prostitution gezwungen wurde.

Valerie Dumas ist gezwungen einen Mann zu heiraten, der ihr nicht nur zuwider ist, sondern sie auch misshandelt. Doch ihr Vater hat sich beim Projekt „Panamakanal“ verspekuliert und Valerie sieht sich in der Verantwortung ihre Familie vor dem finanziellen Ruin zu bewahren, auch zu diesem hohen Preis.
Doch sie findet einen Weg ihrer Malerei weiter nachzugehen.

Was soll ich sagen, diese Bücher sind Unterhaltung pur. Man taucht wieder ein in das Paris des 19. Jahrhundert, erlebt das Schicksal des Moulin Rouge und der Stars dieses Varietés und verfolgt sowohl das verruchte Nachtleben von Paris,als auch die Kunstszene, die dominiert wird von überwiegend männlichen Malern, wie Toulouse-Lautrec, Edgar Degas oder Pizarro und Van Gogh. Impressionistische Maler, die sich nach und nach ihren Platz in der konservativen Kunstszene erobern. Aber auch Frauen halten Einzug in die Kunstszene, obwohl sie es deutlich schwerer haben davon zu leben als ihre männlichen Kollegen, doch Frankreich war Vorreiter der weiblichen Kunstszene.

Ich muss sagen, dass mir die Geschichte um Valerie ein bisschen besser gefallen hat, als Elises Geschichte, weil sie mich mehr berührt hat, aber auch Simones Schicksal war schwer zu ertragen.

Marie Lacrosse verbindet Unterhaltung mit historischen Fakten, was mir sehr gut gefallen hat.
Ihr Schreibstil ist flüssig, ihre Figuren facettenreich dargestellt und liebevoll dargestellt, sodass man sich ihnen nahe fühlt und mit ihnen mitfiebert und mit,endet.

Auch dieses Buch bekommt eine dicke Leseempfehlung für Liebhaber leichter Literatur.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2026

Tragikkomödie

Evil Grandma
0

„Evil Grande“ von Line Baugsto erschienen im @rowohltverlag war ein Buch das mir gut gefallen hat, bei dem ich mir aber etwas anderes erwartet hatte.

Beginnen tut es genauso , wie ich es erwartet habe. ...

„Evil Grande“ von Line Baugsto erschienen im @rowohltverlag war ein Buch das mir gut gefallen hat, bei dem ich mir aber etwas anderes erwartet hatte.

Beginnen tut es genauso , wie ich es erwartet habe. Mona, 65 Jahre jung, erfährt , dass sie Großmutter wird. Die normale Reaktion wäre jetzt ja die, dass die potentielle Oma in Freudentränen ausbricht, ihren Sohn und Schwiegertochter umarmt und im selben Atemzug schon das Strickzeug auspackt, um das Enkelkind zu bestricken.
Doch Mona entspricht nicht dem „normalen“ Bild einer werdenden Oma. Statt Freudentränen in den Augen, bekommt sie eine mittelschwere Panickattacke mit Blutdruckspitzen vom 245/130 mmHg. Was ist nur los mit ihr?
Als dann noch die werdenden Eltern wegen eines Wasserschadens in der eigenen Wohnung, für einige Wochen zu Mona ziehen, spitzt sich die Situation zu. Mona überlässt dem Paar ihr Schlafzimmer samt leergeräumten Kleiderschrank und quält sich im schmalen Bett des Gästezimmers durch die Nächte. Das Verhältnis zur Schwiegertochter, die ein verwöhnter Fratz und immer nur am nörgeln ist, trägt nicht unbedingt zur Entspannung der Situation bei. Als Mona dann noch erfährt, dass ihre Schwiegertochter einen Instagram Account betreibt, auf dem sie Mona als unsympathische unsensible Großmutter darstellt, hat Mona den Kaffee auf.
Sie hat sich ihren Ruhestand anders vorgestellt, als ihre letzten schönen Jahre als Kindermädchen für ihr Enkelkind zu verbringen und wenn man sie schon als „evil grandma“ darstellt, dann will sie dem Bild auch gerecht werden. Sie lässt sich einen eigenen Instagram Account von der Tochter ihrer Freundin Annemor, mit denen sie ein Wochenende in den Bergen verbringt , erstellen und ist fortan das „Grandmamonster“das allen Vorurteilen und Darstellungen gerecht wird.

Ich habe das Buch gerne gelesen und habe mich zu Anfang köstlich amüsiert über Mona, aber auch über so manche Situationskomik. Doch die Tonart des Buches änderte sich im Laufe des Lesens. Die locker flockige Geschichte veränderte sich immer mehr hin zur Kritik an Sozial Media und seinen Auswirkungen. Monas Schwiegertochter wird zur Mami Influencerin mit allen dazugehörigen Auswüchsen.
.Sie postet jeden Schritt ihrer Schwangerschaft, beschreibt ihre Wohnsituation bei der Schwiegermutter, ohne Rücksicht auf Gefühle und ohne Monas Einverständnis und schreckt nicht davor zurück , Mona vorzuführen,veranstaltet eine Genderparty auf der Mona zwar vorbereiten darf, aber ihr nichts recht machen kann, bis ihr der Kragen platzt.

Line Baugsto trifft den Zeitgeist in ihrem Buch, übt unterschwellige Kritik am heutigen Umgehen mit Sozial Media, was Mobbing angeht, aber auch die Oberflächlichkeit, die das Ganze begleitet und bringt den Leser zum Nachdenken, aber auch zum Lachen.Aber auch die Auseinandersetzung mit dem Alter und was dies mit sich bringt, sind Themen, die ich diesem Buch entnehmen konnte.

Ein Buch, von dem ich zu Anfang dachte, dass es leichte Unterhaltung wäre, dass aber durchaus ernste Untertöne hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2026

für mich ein Highlight

Frag nicht nach Agnes
0

„Frag nicht nach Agnes“ von Valerie Jacob, erschienen im @rowohltverlag, ist eine kluge einfühlsame Schilderung dreier Frauen in Zeiten historischer Umbrüche. Die Autorin taucht tief in die Kriegs,- und ...

„Frag nicht nach Agnes“ von Valerie Jacob, erschienen im @rowohltverlag, ist eine kluge einfühlsame Schilderung dreier Frauen in Zeiten historischer Umbrüche. Die Autorin taucht tief in die Kriegs,- und Nachkriegsgeschichte ein und konnte mich mit ihrem Buch absolut begeistern.

In der Gegenwart lernt der Leser Lilo kennen, die als Goldschmiedin arbeitet und sich für nachhaltige Schmuckverarbeitung einsetzen möchte. Zu ihrer Mutter hat sie ein angespanntes Verhältnis. Ein Geheimnis steht zwischen ihnen, dass eng mit der Geschichte ihrer Großmutter zusammenhängt, über das ihre Mutter aber nicht reden möchte. Der einzige Ausspruch ihrer Mutter ist „deine Großmutter hat mein Leben zerstört“.
In Rückblicken erfährt man nun was es mit dieser Geschichte auf sich hat, die zum einen mit der Situation in der Familie in die Lilos Großmutter eingeheiratet hat zu tun hat, aber auch mit Ereignissen in einem Dorf in Frankreich „Oradour“ in dem es durch die Waffen SS zu einem Massaker an der französischen Bevölkerung gekommen ist.

In dem Buch wird klar, wie wenig Interesse die deutsche Justiz, aber auch die deutsche Bevölkerung an einer Aufarbeitung der deutschen Kriegsverbrechen hatte,aber auch,wie dieses fehlende Interesse zu fatalen Fehlentscheidungen führte und Auswirkungen auf individuelle Schicksale hatte. Die Stellung der Frau in der Nachkriegszeit spielt auch eine große Rolle und in mir kam häufig Wut hoch ob der ausweglosen Situation mancher Frauen in dieser Zeit, die sich mit dieser Situation nicht abfinden wollten oder konnten.
Auch die Sprachlosigkeit der Kriegsgeneration und deren Konsequenzen für nachfolgende Generationen, die Traumata, die das Leben dieser Generationen prägte bis in die heutige Zeit hinein.

Die beiden Geschichten, die hier auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt werden, haben mir beide gut gefallen. Die Gegenwartsgeschichte orientiert sich ein wenig an aktuellen Themen wie der Nachhaltigkeit in der Schmuckherstellung, zeigt aber eben auch, dass Familientramata bis in die Gegenwart reichen.

Die Vergangenheitsgeschichte hat mich sehr stark berührt, mich lange nicht losgelassen. Sowohl die Kriegsereignisse, aber vor allem das Schicksal von Lilos Mutter, aber vor allem das von Agnes, Lilos Großmutter, waren mehr als berührend.
Ein vielschichtiges, emphatisch verfasstes Porträt zwischen gesellschaftlichen Zwängen und individuellen Sehnsüchten, die in einem fatalen Ende münden und Jahrzehnte nachhallt.

Mich wird diese Geschichte sicherlich noch lange beschäftigen und ich spreche diesem Buch eine dicke Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2026

guter Abschluss dieser Reihe

Der Dorfladen - Wie das Schicksal spielt
0

„Der Dorfladen-Wie das Schicksal so spielt“ erschienen bei @penguinrandomhouse ,ist der der dritte Teil der Dorfladen Reihe, die in einem kleinen Dorf im Taunus spielt. Und der mich wieder gut unterhalten ...

„Der Dorfladen-Wie das Schicksal so spielt“ erschienen bei @penguinrandomhouse ,ist der der dritte Teil der Dorfladen Reihe, die in einem kleinen Dorf im Taunus spielt. Und der mich wieder gut unterhalten hat.

Wir treffen wieder auf altbekannte Personen und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, ihren Leben weiter zu folgen und zu beobachten, wie sie sich weiter entwickeln.

Wir schreiben das Jahr 1927 und den drei Schwestern aus dem Dingelsbacher Laden stehen turbulente Zeiten bevor.
Der Dorfladen ist immer noch Dreh,- und Angelpunkt für Klatsch und Tratsch und Marthas Töchter stehen immer wieder mitten im Geschehen.Frieda, die Älteste will Schauspielerin werden und geht dafür nach Bochum. Ida absolviert als einzige aus der Familie das Gymnasium, gefährdet ihren Abschluss aber, weil sie sich in den falschen Mann verliebt, der sich bei der KPD politisch engagiert. Und gerade die bravsten und angepasstere von allen, Herta,sorgt für eine Überraschung, die das Geraune in der Dorfgemeinschaft lauter werden lässt.

Ich konnte beim Lesen gleich wieder eintauchen in die Dorfgemeinschaft im Taunus, hatte Spaß daran zu erleben, wie das Leben der drei Schwestern für Aufruhr sorgte und die Dorfgemeinschaft empören ließ. Ich habe so manches Mal geschmunzelt und bin gespannt, ob es noch weitere Bände dieser wirklich unterhaltsamen Reihe geben wird.

Ich empfehle diese Reihe Liebhabern leichter Unterhaltung, denn diese Reihe eignet sich fantastisch um abzuschalten und sich zu entspannen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere