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Veröffentlicht am 31.07.2022

Berührt und regt zum Nachdenken an

Findelmädchen
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Die 15-jährige Helga und ihr Bruder Jürgen leben zehn Jahre nach Kriegsende noch immer bei ihren Zieheltern in Frankreich. Ein Brief vom DRK-Suchdienst stellt ihre Welt auf den Kopf, denn ihr Vater ist ...

Die 15-jährige Helga und ihr Bruder Jürgen leben zehn Jahre nach Kriegsende noch immer bei ihren Zieheltern in Frankreich. Ein Brief vom DRK-Suchdienst stellt ihre Welt auf den Kopf, denn ihr Vater ist endlich unter den Kriegsheimkehrern, hat die Kinder erkannt und bittet darum, dass sie so schnell wie möglich in ihre Heimatstadt Köln zurückkehren. Von der Mutter fehlt noch immer jede Spur. Doch der Vater setzt alles daran, den Lebensunterhalt der Familie mit einem kleinen Büdchen zu gewährleisten. Jürgen arrangiert sich schnell in der neuen alten Heimat, denn er findet eine Stelle bei Ford. Helga möchte unbedingt aufs Gymnasium gehen, doch der Vater ist dagegen. Stattdessen wird Helga auf eine Haushaltungsschule geschickt, die sie auf ein Leben als Ehefrau vorbereiten soll. Als sie ein Praktikum im Waisenhaus absolviert, muss Helga entsetzt beobachten, wie dort mit den Kindern umgegangen wird. Die kleine Bärbel, ein farbiges Besatzerkind, hat es besonders schwer. Helga kann einfach nicht wegsehen und versucht, der kleinen Bärbel zu helfen....

"Findelmädchen" ist der Folgeband zu "Trümmermädchen". Man kann dem aktuellen Geschehen aber auch dann problemlos folgen, wenn man den ersten Band nicht gelesen hat, da die Autorin wichtige Hintergrundinformationen in die Handlung einstreut. 

Lilly Bernstein gelingt es auch in diesem Roman, sofort eine ganz besondere Atmosphäre zwischen den Zeilen schweben zu lassen, die dazu führt, dass man sich ganz auf die Handlung einlassen kann. Im Zentrum der Ereignisse steht Helga. Man beobachtet, wie sie versucht, in ihrem neuen Leben Fuß zu fassen und lernt sie dabei immer besser kennen. Handlungsorte und Protagonisten werden lebendig beschrieben. Man fühlt sich förmlich in die damalige Zeit zurückversetzt. Gemeinsam mit Helga stellt man allerdings schnell fest, dass die damaligen Gedanken und Gepflogenheiten in festgefahrenen Bahnen verlaufen. Helga ist aufgeschlossener und empathischer, deshalb fiebert man mit ihr mit und hofft, dass sie etwas verändern kann. Denn gerade die Szenen im Waisenhaus sorgen für einige Gänsehautmomente. 

Außerdem gibt es, durch Tagebucheinträge von Helgas Mutter, immer wieder Rückblicke in die Zeit nach dem Ende des Kriegs. Hier hofft man, mehr über den Verbleib der Mutter zu erfahren. Denn Helga und Jürgen haben keine Erinnerungen mehr an diese Tage. Man ahnt allerdings früh, dass etwas Bedeutendes geschehen sein muss und wartet deshalb gespannt darauf, dass sich die Tagebucheinträge mit dem aktuellen Geschehen verknüpfen. 

Der Schreibstil ist flüssig und äußerst angenehm zu lesen. Die Handlung ist fesselnd und deshalb mag man das Buch bereits nach kurzer Zeit nicht mehr aus der Hand legen. Man taucht in die Vergangenheit ein und wird vom lebhaft beschriebenen Geschehen förmlich mitgerissen. 

Ein mitreißender Roman, der berührt und zum Nachdenken anregt!

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Veröffentlicht am 29.07.2022

Spannende Ermittlungen

Blinde Furcht
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Eine junge Frau wird in einem Motel in Painters Mill tot aufgefunden. Sie wurde brutal erschlagen. Bereits am Tatort erkennt Polizeichefin Kate Burkholder die Tote. Es handelt sich um Rachael Schwartz, ...


Eine junge Frau wird in einem Motel in Painters Mill tot aufgefunden. Sie wurde brutal erschlagen. Bereits am Tatort erkennt Polizeichefin Kate Burkholder die Tote. Es handelt sich um Rachael Schwartz, die in der amischen Gemeinschaft aufwuchs, ihr aber vor Jahren den Rücken kehrte, da sie gegen die strengen Regeln rebellierte. Kate ist geschockt. Wer hat Rachael so gehasst, dass sie so brutal getötet wurde?

"Blinde Furcht" ist bereits der dreizehnte Fall für Kate Burkholder, die als Amische aufwuchs, die Gemeinschaft aber verließ und nun in Painters Mill als Polizeichefin arbeitet. Da die Fälle in sich abgeschlossen sind, kann man den aktuellen Ermittlungen auch dann folgen, wenn man noch keinen Teil der Reihe gelesen hat. Außerdem lässt die Autorin wichtige Hintergrundinformationen zu Kate Burkholders Vergangenheit und den Mitgliedern ihres Ermittlerteams in die Handlung einfließen. Dadurch fällt ein eventueller Neueinstieg in diese Reihe leicht. 

Auch bei diesem Fall gelingt es der Autorin, vom ersten Moment an, Spannung aufzubauen. Denn man beobachtet Rachael Schwartz, die offenbar eine Person, die sie erwartet hat, in ihr Motelzimmer lässt. Für Rachael kommt der erste Schlag, der sie trifft, vollkommen unerwartet. Dadurch ist man sofort im spannenden Geschehen und fragt sich, wer so eine Wut auf Rachael hat und warum das so ist. 

Kate Burkholders Ermittlungen führen sie in die Amische Gemeinschaft. Schnell wird klar, dass Rachael sich einige Feinde gemacht hat. Gemeinsam mit Kate folgt man einigen Spuren und versucht, die einzelnen Puzzleteilchen an die richtige Stelle zu setzen. Doch als man meint, dass man nun ein stimmiges Bild hat, sorgen unerwartete Wendungen dafür, dass man den Fall aus einem anderen Licht betrachten muss. Handlungsorte und Protagonisten werden dabei wieder so lebendig beschrieben, dass man ganz in den Fall eintauchen kann und früh in den Sog der Ereignisse gerät. Zum Ende hin steigt die ständig spürbare Spannung um ein Vielfaches an, denn das Finale hat es wirklich in sich.

Ein Thriller, der durch durchgehende Spannung und überraschende Wendungen überzeugt!

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Veröffentlicht am 25.07.2022

Spannender Thriller

Herzschlag der Angst
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In einer stürmischen Nacht ist Molly Clarke auf dem Heimweg, als ihr wenige Meter vor einer Tankstelle das Benzin ausgeht. Am nächsten Tag wird der Wagen verlassen aufgefunden, doch von Molly fehlt jede ...

In einer stürmischen Nacht ist Molly Clarke auf dem Heimweg, als ihr wenige Meter vor einer Tankstelle das Benzin ausgeht. Am nächsten Tag wird der Wagen verlassen aufgefunden, doch von Molly fehlt jede Spur. Die Suche nach ihr verläuft ergebnislos. Als schließlich ein Abschiedsbrief auftaucht, ist der Fall für die Polizei abgeschlossen. Denn es ist davon auszugehen, dass Molly Clarke ihre Familie freiwillig verlassen hat. Mollys Tochter Nic glaubt aber nicht daran, dass ihre Mutter einfach so gegangen ist. Als ihr ein neuer Hinweis zugespielt wird, kehrt sie in die Kleinstadt, in der ihre Mutter verschwand, zurück und beginnt auf eigene Faust nach ihr zu suchen...

Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, wobei Molly und ihre Tochter Nic abwechselnd im Zentrum der Ereignisse stehen. In beiden Handlungssträngen herrscht sofort eine düstere und angespannte Atmosphäre, wodurch das Interesse von Anfang an geweckt wird. 

Schnell wird klar, dass die Familiensituation alles andere als einfach ist, seitdem die Clarkes ihre jüngste Tochter verloren haben. Dennoch glaubt Nic nicht daran, dass ihre Mutter die Familie verlassen hat. Die Charaktere sind glaubhaft und äußerst lebendig beschrieben. Dadurch, dass man immer mehr von den beiden Hauptprotagonistinnen erfährt, kann man sich mit ihnen identifizieren und gerät in den Sog der Ereignisse. 

Man verfolgt gespannt Nics Suche und hat schon bald das Gefühl, dass es in der Kleinstadt einige Geheimnisse gibt. Man weiß nicht mehr, wem Nic vertrauen kann. Durch Mollys Perspektive erfährt man, wo sie sich aufhält und was sie gerade durchmacht. In beiden Handlungssträngen nimmt die Spannung stetig zu. Es gibt immer wieder Überraschungen, wodurch sich das Buch quasi von selbst liest. Denn immer, wenn man meint, dass man das Ganze durchschaut, sorgen überraschende Wendungen dafür, dass man die eigenen Überlegungen überdenken muss. Dadurch bleibt die Spannung bis zum Schluss erhalten. 

Ein spannender Thriller, der durch eine düstere Atmosphäre und durchgehende Spannung überzeugt. 

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Veröffentlicht am 23.07.2022

Liebesroman mit Biss

Ein Dackel trägt Prada
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Isla Thompson ist als Social-Media-Beraterin sehr gefragt, doch ein dummes Missgeschick beendet nicht nur ihre Karriere, sondern auch die einer aufstrebenden Disney-Prinzessin. Im Internet mutiert Isla ...

Isla Thompson ist als Social-Media-Beraterin sehr gefragt, doch ein dummes Missgeschick beendet nicht nur ihre Karriere, sondern auch die einer aufstrebenden Disney-Prinzessin. Im Internet mutiert Isla zur Lachnummer, wodurch alles, was sie sich bisher hart erarbeitet hat, nichts mehr wert ist. Doch Isla ist für ihre 14-jährige Schwester verantwortlich, deshalb muss schnell ein neuer Job her. Eine Absage nach der anderen trudelt ein. Als sie im Park auf den berühmten Geschäftsmann Theo trifft, der mit seiner verwöhnten Dackeldame Camilla sichtlich überfordert ist, nimmt sie sein spontanes Jobangebot, künftig als Camillas Hundesitterin zu arbeiten, verzweifelt an. Isla ahnt nicht auf was sie sich einlässt, denn Camillas Verschleiß an Hundesitterinnen ist legendär. Die Dackeldame ist nicht nur äußerst verwöhnt, sondern ständig schlecht gelaunt und bissig. Außerdem hat sie einen vollen Terminkalender, der einzuhalten ist. Ergeben schleppt Isla sich und Camilla von einem Luxus-Termin zum nächsten. Camillas medienscheuer Besitzer wird Isla allerdings von Tag zu Tag sympathischer...

Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Der medienscheue Geschäftsmann Theo, der auch als der Einsiedler von Manhattan bezeichnet wird, und Isla Thompson stehen dabei abwechselnd im Zentrum der Ereignisse. Man lernt die beiden Hauptakteure, die aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen kommen, langsam näher kennen. Beide wirken sehr sympathisch, wodurch man sich ganz auf die Handlung einlassen kann. 

Handlungsorte und Protagonisten werden so lebendig beschrieben, dass man alles vor Augen hat. Der Schreibstil ist locker und äußerst flüssig zu lesen. Dackeldame Camilla, die alle fest im Griff hat, sorgt für außergewöhnliche Momente. Isla lässt sich allerdings nicht aus der Ruhe bringen und nimmt Camillas hochmütiges Gezicke mit Humor. Die Dialoge, die sie gelegentlich mit dem Hund führt, lockern die Handlung auf und zaubern einem beim Lesen oft ein Lächeln ins Gesicht. 

Die Lovestory wirkt glaubhaft. Man kann die Handlungen und Gefühle der beiden Hauptakteure nachvollziehen. Es gelingt der Autorin hervorragend, die Charaktere und deren Sorgen und Nöte, einfühlsam zu beschreiben, ohne dabei zu dick aufzutragen. Deshalb fiebert man gerne mit den beiden mit und genießt dabei jede Zeile. 

Ein humorvoller Liebesroman, der durch große Gefühle und eine verwöhnte Dackeldame, die Biss hat, überzeugt.

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Veröffentlicht am 21.07.2022

Arg konstruiert, aber dennoch spannend

Als das Böse kam
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Juno lebt mir ihren Eltern und ihrem Bruder Boy völlig abgeschottet auf einer kleinen Insel. Nur der Vater verlässt die Insel sporadisch, um nötige Einkäufe zu tätigen. Außerdem kommt einmal in der Woche ...

Juno lebt mir ihren Eltern und ihrem Bruder Boy völlig abgeschottet auf einer kleinen Insel. Nur der Vater verlässt die Insel sporadisch, um nötige Einkäufe zu tätigen. Außerdem kommt einmal in der Woche ein Postbote. Den Kindern wurde von Anfang an eingeschärft, sich dem Postboten niemals zu zeigen, denn die Gefahr, dass er die Familie an die Feinde des Vaters verrät, die offenbar seit langer Zeit nach ihm suchen, ist zu groß. Als Juno eines Tages vom Postboten gesehen wird, nimmt das Schicksal seinen Lauf...

Die Handlung wird in der Ich-Form, aus der Sicht der 16-jährigen Juno, erzählt. Juno schildert die Ereignisse in einfachen Worten. Dadurch erfährt man nur das, was Juno weiß. Schnell wird klar, dass die Eltern von ihren Kindern absoluten Gehorsam verlangen. Die Neugier, zu erfahren, warum das so ist und welche Gefahr abseits der Insel auf die Familie lauert, ist deshalb sofort spürbar. Die Atmosphäre ist recht düster und angespannt und macht einen großen Reiz der Handlung aus, denn dadurch gerät man früh in den Sog der Ereignisse. 

Handlungsorte und Protagonisten werden so lebendig beschrieben, dass man die Szenen auf der Insel sofort vor Augen hat. Obwohl Juno sympathisch wirkt, hat man das Gefühl, dass sie recht naiv ist, doch das liegt sicher an den Umständen, unter denen sich aufgewachsen ist. Im Verlauf der Handlung kommt es zu einer Wendung, die das Leben von Junos Familie auf den Kopf stellt. Die bereits vorher spürbare  Spannung steigert sich stetig, wodurch man das Buch nur ungern aus der Hand legen mag. Man stellt sich zwar einige Male die Frage, ob das, was der Autor beschreibt, logisch ist, doch wenn man das verdrängt, dann kann man die stetig steigende Spannung voll auskosten. 

Ein Thriller, der zwar arg konstruiert wirkt, aber dennoch spannend ist. 

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