Temporeicher historischer Debütroman
Das Mündel des ApothekersDer Autor erzählt hier die Geschichte einer starken jungen Frau während der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Katharina wächst in Nördlingen als Mündel des Apothekers Riesinger auf. Schon sehr jung wird ...
Der Autor erzählt hier die Geschichte einer starken jungen Frau während der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Katharina wächst in Nördlingen als Mündel des Apothekers Riesinger auf. Schon sehr jung wird sie in eine arrangierte Ehe mit dem unsympathischen Kaufmannssohn Wilhelm Hofmeister gedrängt. Dabei wollte sie unbedingt Ärztin werden. Der plötzliche gewaltsame Tod ihres Stiefvaters lässt nicht nur diesen Traum zerplatzen, sondern er bringt Katharina in schwere Bedrängnis, denn als Frau kann sie Riesingers Erbe nicht antreten. Ihr ungeliebter Gatte ist im Krieg, und sie hat lediglich zwölf Wochen Zeit, ihn zu finden, sonst fällt das Erbe an die Stadt. Hilfe erhält sie von ihrem Jugendfreund, dem Zimmermann Simon Mühlbichler. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Augsburg, denn dort hofft Katharina, etwas über den Verbleib ihres Gatten zu erfahren. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, und es lauern ungeahnte Gefahren auf dem Weg.
Dieser historische Roman weist zahlreiche kriminalistische Elemente auf und entwickelt sich sehr spannend. Die Charaktere sind farbig und sehr lebendig dargestellt, und Katharina muss immer wieder erfahren, dass vieles nicht so ist wie es anfangs erscheint, und immer wieder wird sie von Menschen in ihrem Umfeld enttäuscht. Wie sie sich beherzt durchs Leben schlägt und nicht unterkriegen lässt, liest sich kurzweilig und fesselnd. Man merkt dem Roman an, dass sich der Autor ausgiebig mit Geschichte befasst hat, auch wenn es für mich ein paar Ungereimtheiten gab. Manchmal empfand ich die Ausdrucksweise der Protagonisten doch als etwas zu modern, auch wenn Katharina eine Frau ist, die sich nicht einschränken lassen möchte und gerne tut was sie für richtig hält. Da wird aber beispielsweise im Lauf der Handlung geschildert, dass die Hebamme einen Bachblütentee zubereitet hat. Hier muss ich leider sagen, dass die Bachblüten erst Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt wurden.
Im Handlungsverlauf gibt es einige Zeitsprünge mit rasanten Übergängen, die mich immer ein wenig aus dem Lesefluss gebracht haben, denn ich war noch von einer Szene gefangen, und im nächsten Moment gab es einen spontanen Zeit- und Ortswechsel. So hatte ich nicht nur einmal das Gefühl, dass mich die Geschichte mit ihrem Tempo überholt. Zwischen manchen Ereignisse scheinen im Roman nur wenige Tage zu liegen, wenn man es sich aber genauer überlegt müssen die Zeitabstände viel größer sein. Das wurde nicht immer klar formuliert. Einige Situationen erscheinen anfangs dubios, aber man erfährt ziemlich am Ende die Auflösung dazu, so dass man den Bogen zielgenau zurück spannen kann. Andere Erklärungen wiederum waren für mich nicht so ganz schlüssig.
Wenn ich es richtig verstanden habe, ist dies der Debütroman des Autors, und er ist, trotz der genannten kleinen Kritikpunkte, gut gelungen und unterhaltsam.