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Veröffentlicht am 12.04.2026

Schön!

Der letzte Leuchtturm
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Ein angehender Selbstmörder lässt sich von einem vorbeifliegenden Baßtölpel überzeugen, vorher noch etwas zu erledigen. So reist er nach Muckle Flugga, eine unbewohnte Shetlandinsel, auf der Ouse und sein ...

Ein angehender Selbstmörder lässt sich von einem vorbeifliegenden Baßtölpel überzeugen, vorher noch etwas zu erledigen. So reist er nach Muckle Flugga, eine unbewohnte Shetlandinsel, auf der Ouse und sein gewalttätiger Vater sich um den Leuchtturm kümmern. Der Autor ist erfolgreicher Poetry Slammer und Lyriker in Schottland.
Die Hauptpersonen haben mich fasziniert und überrascht. Immer wieder wechseln die Perspektiven, manchmal mehrmals im gleichen Absatz. Das ist immer eindeutig, und es bringt die Menschen dem Leser sehr nahe. Auf Anführungsstriche, die wörtliche Rede anzeigen, wird kompett verzichtet. Alles Gesagte ist kursiv gedruckt. Das verstärkt den Eindruck, es gehe hier mehr darum, wie die Menschen sind als darum, was sie darüber sagen.
Die Sprache ist besonders. Beispiel: „Lichtexplosionen aufgeplatzter Kirschen, die am Lätzchen des Himmels herabrinnen, während sich die Dunkelheit hereinwindet und Sternenlicht alles mit Juwelen besetzt“. Der Ausdruck „Sonnenuntergang“, so heißt es, sei doch viel zu mechanisch und klinisch!
Die Geschichte entwickelt sich eher langsam. Weil viel gestaunt wird und die Sprache so ungewöhnlich ist, erfordert dieses Buch viel Aufmerksamkeit. Dennoch ein Highlight!

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Bunt

Exoplaneten
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Das Thema ist faszinierend: Könnte es Leben wie unseres auf einem anderen Planeten geben? Das Buch richtet sich an Kinder ab zehn Jahren.
Die Techniken, mit denen die Wissenschaft heute nach Exoplaneten ...

Das Thema ist faszinierend: Könnte es Leben wie unseres auf einem anderen Planeten geben? Das Buch richtet sich an Kinder ab zehn Jahren.
Die Techniken, mit denen die Wissenschaft heute nach Exoplaneten sucht, sind recht anspruchsvoll. Doch wer sich für das Thema interessiert und schon weiß, was ein Planet überhaupt ist, kann hier eine Menge erfahren. Es gibt kurze Texte und prächtige Abbildungen, die vieles gut erklären. Zu Beispiel, dass flüssiges Wasser von großer Bedeutung ist, und dass das keineswegs überall vorkommt. Die heute bekannten Exoplaneten werden klassifiziert und in Illustrationen anschaulich gezeigt, jeweils im Vergleich mit der Erde.
Die bunten Farben und großflächigen Bilder verlocken dazu, immer wieder in die Texte hinein zu lesen. Das ist hilfreich, wenn man nicht auf Anhieb alles versteht. Zentrale Themen wie Statistik und Spektroskopie werden beleuchtet, aber nicht allzusehr vertieft. Ein schöner, kindgerechter Einblick in ein spannendes, hochmodernes Fachgebiet!
Mir fehlte der Gedanke, dass Leben auch ganz anders aufgebaut sein könnte als das unsere.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Abstrus Allegorisch Frustrierend

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Der Klappentext verspricht eine feministische Geschichte. Ich habe diese nicht erkennen können.
In einem Keller werden vierzig Frauen in einem Käfig gefangen gehalten, schon seit vielen Jahren. Später ...

Der Klappentext verspricht eine feministische Geschichte. Ich habe diese nicht erkennen können.
In einem Keller werden vierzig Frauen in einem Käfig gefangen gehalten, schon seit vielen Jahren. Später leben sie in einem leeren Land, und ganz ohne Männer. All das erzählt die jüngste von ihnen, die keinerlei Erinnerung an ein Leben „davor“ hat.
Die Handlung ist recht abstrus. Was ist das für ein Land? Wer hat diese Frauen eingesperrt, und warum? Was ist passiert, was war vorher? Ähnlich wie in Haushofers „Die Wand“ erlebt die Protagonistin Dinge, die sie nicht versteht und die bis zum Schluss nicht aufgeklärt werden. Das funktioniert nicht so recht als Geschichte. Nur wenn man willens ist, es als Allegorie zu lesen, findet man zumindest einige Fragestellungen, die spannend und interessant sind.
Die Charaktere der Frauen bleiben bis auf wenige ziemlich nebulös. Mehr als einen Namen erfahren wir meist nicht. Sie alle sind resigniert bis zur Suizidalität. Auch nach dem Verlassen des Käfigs geht es nur ums Überleben. Kein Aufbäumen, keine Sinnsuche, keinerlei Initiative. Nur die namenlose Protagonistin zeigt ein wenig Neugier. Wenn das alles ist, was Feminismus und Emanzipation sein können, dann ist das sehr frustierend.

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Übersinnlich

Die Geister von La Spezia
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Mit einer übersinnlichen Reise in die Erinnerungen der Autorin Mary Shelley soll das Geheimnis um den Tod ihres Ehemannes Percy aufgeklärt werden.
Die Idee, gezielt in die Erinnerungen eines Menschen zu ...

Mit einer übersinnlichen Reise in die Erinnerungen der Autorin Mary Shelley soll das Geheimnis um den Tod ihres Ehemannes Percy aufgeklärt werden.
Die Idee, gezielt in die Erinnerungen eines Menschen zu reisen, um etwas zu erfahren, ist spannend. Mit dieser Voraussetzung entsteht eine wilde Reise, auf der die Perspektiven wechseln wie die Menschen, in deren Erinnerung sich die Protagonistin gerade aufhält. Entsprechend unterschiedlich sehen die Dinge und die Menschen aus, und auch die Ereignisse sind nicht genau dieselben.
Eine Voraussetzung, um diese Geschichte zu verstehen ist, dass man sich mit den historischen Personen auskennt. Ein hilfreiches Namensverzeichnis gibt es nicht. Wie die Verwandtschaften und Beziehungen zusammen hängen, wird nicht erklärt sondern vorausgesetzt. Das machte mir das Lesen recht schwer.
Die Charaktere sind mir alle recht fremd geblieben. Die Sprünge zwischen verschiedenen Zeiten und Lebensphasen waren für mich kaum zu durchschauen und die Entwicklungen der Personen blieben unklar.
Der Stil ist flüssig zu lesen, die Atmosphäre geheimnisvoll und gespenstisch. Wer in die Literaturgeschichte und in die Zeit der Erschaffung von Frankensteins Monster eintauchen möchte, findet hier eine neue Version.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Sinnlich und poetisch

Melken
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Ellen ist lesbisch und hat in der Stadt Karriere gemacht. Nach einer Trennung besucht sie den Hof, auf dem sie aufgewachsen ist. Sie trifft einen Freund aus Kindertagen wieder.
Die Geschichte ist recht ...

Ellen ist lesbisch und hat in der Stadt Karriere gemacht. Nach einer Trennung besucht sie den Hof, auf dem sie aufgewachsen ist. Sie trifft einen Freund aus Kindertagen wieder.
Die Geschichte ist recht handlungsarm. Die Protagonistin schildert Erinnerungen an ihre Kindheit auf dem Milchhof. Durch die Naturbeschreibungen wirkt diese Kindheit geradezu idyllisch. Doch für ihre Eltern war es harte Arbeit, an jedem einzelnen Tag. Inzwischen wird der Hof längst nicht mehr bewirtschaftet, Fremde wohnen hier. Nicht nur die Kindheit der Protagonistin ist vorbei, die Lebensweise der kleinen Bauern ist es auch. Der Gegensatz zwischen dem Lebensgefühl in der Stadt und dem auf dem Land wird in der Protagonistin sehr deutlich. Die Fichtenwälder, durch die Ellen heimfährt, sind für die Bauerstocher ein Friedhof.
Der Stil ist poetisch und sehr sinnlich. Das ist schön zu lesen. Es ist ein leises Buch, von Empfindungen und Wahrnehmungen getragen, in dem nicht viel passiert. Weil es eher eine Betrachtung ist als ein Roman, vergebe ich nur drei Sterne.

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