Profilbild von Krani

Krani

Lesejury Star
offline

Krani ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Krani über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.01.2026

Etwas verwirrend

Real Americans
0

Lily, Tochter chinesischer Einwanderer in den USA, macht nach dem Studium ein Praktikum in einem angesagten Gentechnik-Startup. Im zweiten Teil des Buches steht ihr Sohn im Mittelpunkt, im dritten Teil ...

Lily, Tochter chinesischer Einwanderer in den USA, macht nach dem Studium ein Praktikum in einem angesagten Gentechnik-Startup. Im zweiten Teil des Buches steht ihr Sohn im Mittelpunkt, im dritten Teil dann ihre Mutter, eine Bauerntochter, die aus ärmlichsten Verhältnissen geflohen war.
Die Personen sind sehr lebensnah geschildert. Was es bedeuten kann, zwischen zwei Kulturen zu leben, hat die Autorin selbst erfahren. Neben der Herkunft spielt auch das Geld eine wichtige Rolle. Und, was hier später noch dazukommt, ist die genetische Veranlagung und der Einfluss, den Wissenschaft heute darauf nehmen kann, die Epigenetik.
Was macht einen Menschen aus? Welche Rolle spielen die Gene für die Persönlichkeit? Kann man destruktive Merkmale mit epigenetischen Methoden unterdrücken, und was folgt daraus für den Menschen? Je klarer es wird, was genau hier an Kindern manipuliert wurde, umso gruseliger erscheint das Gelesene im Nachhinein.
In dieser Gemengelage Orientierung zu finden, ist Thema des Romans. Eine solche Menge an Einflüssen ist ganz und gar amerikanisch – Real American. Das Land ist ein Schmelztiegel unterschiedlichster Lebensweisen und Herkünfte. Mir war das etwas zuviel auf einmal.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2026

Lesenswert

Der Fluss der Zeit
0

Der Autor und Philosoph wurde weltweit bekannt durch den „Nachtzug nach Lissabon“. Zwei Jahre nach seinem Tod erscheint nun ein Band mit Kurzgeschichten.
Die Zeit vergeht. Während sie das tut, verändert ...

Der Autor und Philosoph wurde weltweit bekannt durch den „Nachtzug nach Lissabon“. Zwei Jahre nach seinem Tod erscheint nun ein Band mit Kurzgeschichten.
Die Zeit vergeht. Während sie das tut, verändert sich die Welt. Auch wir verändern uns. Dem ist diese Geschichtensammlung auf der Spur.
Es geht um Dankbarkeit, die sich im Laufe der Zeit verändert. Es geht um vergangenes Leben, das plötzlich gegenwärtig wird und kaum wiederzuerkennen ist. Es geht um den einen Moment, in dem ein Leben kulminieren kann. Und schließlich geht es auch um das Warten.
Mercier ist ein toller Erzähler. Man wird sofort in seine Geschichten hinein gezogen. Der philosophische Aspekt erschließt sich nicht immer, manchmal muss man ein bisschen nachdenken, warum er genau diese Geschichte erzählt. Besonders berührt hat mich der Busfahrer in Töten mit Lärm. Auf kleinstem Raum stehen hier menschliche Universen und Abgründe nebeneinander, fein beobachtet und mit großer Distanz vorgestellt.
Fünf Häppchen Literatur für Zwischendurch, sehr lesenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.12.2025

Reise in eine fremde Zeit

Das Erbe der Drachenkrone
0

Dies ist der letzte Teil der Geschichte von Wales, die die Autorin aus Sicht besonderer Frauen geschildert hat. Hier heißt die Heldin Eleanor de Montfort.
Wie schon in den Bänden zuvor verfolgen wir die ...

Dies ist der letzte Teil der Geschichte von Wales, die die Autorin aus Sicht besonderer Frauen geschildert hat. Hier heißt die Heldin Eleanor de Montfort.
Wie schon in den Bänden zuvor verfolgen wir die abenteuerliche Geschichte einer interessanten Persönlichkeit. Eleanor erlebt ein für die höheren Töchter jener Zeit ganz normales Schicksal: Sie wird im Alter von dreizehn Jahren an einen fremden alten Mann verheiratet, und zwar an Llewellyn ap Gruffydd, den wahren Fürsten von Wales. Ständige Kriege um die englische Krone und um die Freiheit von Wales sowie zwischen Familienmitgliedern erschütten immer wieder ihr Dasein. Alles ist sehr gründlich und umfassend recherchiert, bis hin zu den Persönlichkeiten der Beteiligten, soweit sie sich heute noch rekonstruieren lassen.
Das ist, wie schon die Vorgängerbände, sehr spannend zu lesen. Ein echter Schmöker.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.12.2025

Gruselig und spannend

Wer die Toten stört
1

James Willoughby ist ein junger Mann aus gutem, aber verarmtem Hause. Er will Arzt werden und kommt zum Studium nach Edinburg. Hier arbeiten die besten Anatomen jener Zeit an echten Leichen.
Die Geschichte ...

James Willoughby ist ein junger Mann aus gutem, aber verarmtem Hause. Er will Arzt werden und kommt zum Studium nach Edinburg. Hier arbeiten die besten Anatomen jener Zeit an echten Leichen.
Die Geschichte ist sprachlich ganz im Stile jener Zeit geschrieben. Das Gruselige, das Toten anhaftet, weht geradezu durch durch die Buchseiten. Huh! Manche der eigentlich grauenhaften Szenen erscheinen durchaus komisch. Und es ist schließlich der Beginn der modernen Medizin. Nur so kann man erfahren, wie es im menschlichen Körper aussieht: indem man ihn aufschneidet und hineinsieht.
In diesem Spannungsfeld entwickelt sich der junge James, und ebenso der Roman. Stehen zuerst noch der Gruselaspekt und die Faszination im Vordergrund, so wird das Ganze schnell zu einem Krimi und dann zu einem Thriller, in dem es darum geht, nicht selber zur Leiche zu werden, sondern Mörder zu überführen. Ganz nebenbei erlebt James noch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte.
Es passiert also eine ganze Menge auf diesen vierhundert Seiten. Lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 25.11.2025

Anstrengend

Sieben Jahre
0

An den europäischen Fürstenhöfen im 18. Jahrhundert herrschen Intrigen, Machtspiele, Verrat. Mittendrin: der deutsche König Friedrich der Zweite und seine Geschwister, allesamt Kinder des Soldatenkönigs ...

An den europäischen Fürstenhöfen im 18. Jahrhundert herrschen Intrigen, Machtspiele, Verrat. Mittendrin: der deutsche König Friedrich der Zweite und seine Geschwister, allesamt Kinder des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I.
Das Buch ist schön gemacht mit Farbschnitt und Lesebändchen, ist aber mit über 800 Seiten auch ein dicker Wälzer. Das Cover lässt vermuten, dass es um das Leben der Höflinge in den preussischen Schlössen geht, was so nicht stimmt. Es gibt eine Liste der Hauptpersonen. Eine Karte wäre hilfreich gewesen. Die auftretenden Personen sind historisch verbürgt, die Briefe echt.
Die ersten Szenen werfen ein emotionales Schlaglicht auf die grausame Erziehung der Kinder des Soldatenkönigs. Diese „dysfunktionale Familie“ steht im Zentrum der Geschichte, im Wesentlichen der älteste Sohn, Friedrich der Zweite, König von Preußen, und seine Brüder Wilhelm und Heinrich. Darüber hinaus werden weitere Hauptpersonen und Einzelschicksale geschildert. Das macht es schwierig, den Überblick zu behalten und dranzubleiben. Jede einzelne Persönlichkeit ist zwar glaubhaft und teilweise sehr emotional dargestellt, aber es sind einfach zu viele. Der „Mohr“ Hannibal, der eine Außenseiterrolle einnimmt, macht das Ganze ein wenig fassbarer.
Die politischen Beziehungen und all die Strategien und Schlachten im Einzelnen zu verfolgen und zu verstehen, ist mir leider nicht immer gelungen. Das ständige Töten und Zählen von Toten – tausende, ja zehntausende Menschen, jedes Mal - wirkt nicht nur grausam, sondern auch ermüdend. Die Autorin hat sehr umfassend und detailreich recherchiert, aber es hätte schärfer fokussiert, ein klarer Schwerpunkt gesetzt werden müssen.
Für mich war es in erster Linie anstrengend. Für die, die sich mit dieser Zeit in der deutschen Geschichte gut auskennen, ist es eine interessante Interpretation.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere