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Veröffentlicht am 16.11.2025

Herrlich. Fehlbar. Menschlich. - Ein tolles Geschenk für sich selbst und andere

Alles muss man selber falsch machen
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Mit "Alles muss man selber falsch machen" ist nun ein Kolumnenband von Alena Schröder aufgelegt worden. Bislang hatte ich lediglich ihre belletristischen Werte gelesen und sehr genossen. Ihre Kolumnen ...

Mit "Alles muss man selber falsch machen" ist nun ein Kolumnenband von Alena Schröder aufgelegt worden. Bislang hatte ich lediglich ihre belletristischen Werte gelesen und sehr genossen. Ihre Kolumnen waren Neuland für mich.

Der wilde Ritt durch mehrere Lebensjahre und -phasen durch verschiedene Schichten des Mensch- und Fehlbarseins sowie die Kurzweil mit der all dies präsentiert wird, waren jeden Tag aufs Neue ein kleines Alltagshighlight für mich. Ich habe teilweise herzlich gelacht, mitgelitten oder verschmitzt gelächelt, wenn mir die ein oder andere Situation oder Charakter bekannt vorkamen.

Alena Schröder hat einen wunderbaren, leichten und flüssigen Schreibstil. Ich kann diesen Kolumnenband daher genauso vollumfänglich empfehlen wie all ihre belletristischen Werke, die ich sehr schätze. Auch toll als Geschenk geeignet!

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Spannende Idee, jedoch kein Thriller im klassischen Sinne

Die Abschaffung des Todes
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Stellen Sie sich vor, es wäre möglich, der Sterblichkeit ein Schnippchen zu schlagen. Was wäre Ihnen das wert? Wie weit würden Sie für das ewige Leben gehen? – In knappen Worten ist das die Grundidee hinter ...

Stellen Sie sich vor, es wäre möglich, der Sterblichkeit ein Schnippchen zu schlagen. Was wäre Ihnen das wert? Wie weit würden Sie für das ewige Leben gehen? – In knappen Worten ist das die Grundidee hinter „Die Abschaffung des Todes“ von Andreas Eschbach.

Ich habe einige Zeit gehadert, ob ich das Buch überhaupt lesen soll – auch wegen der anfangs kritischen und enttäuschten Rezensionen. Mit dem Hinweis „Lies es einfach wie einen Roman, nicht wie einen Thriller“ gab ich dem Schmöker dann doch eine Chance und wurde positiv überrascht.

Eschbach zeichnet eine gewagte, wenn auch nicht neue Idee, die gesellschaftlich, politisch und medizinisch großes Potenzial für Polarisation und eigene Auseinandersetzung mit dem Stoff bietet: Der Upload des menschlichen Gehirns in eine digitale Umgebung.

Die Idee der „Windover View“, einer nachrichtendienst-ähnlichen Zeitung für Superreiche mit höchst elitärem und selektivem Zugang zu den exklusiv erhobenen Informationen, hat mich sehr angesprochen. Ein solches Medium fände wohl auch im echten Leben viel Anklang und die breite Masse der Weltbevölkerung hätte keine Ahnung, was da eigentlich vor sich geht. – Bei genauerem Nachdenken könnte eine solche Publikation auch heute schon existieren, sicher verborgen vor den Augen der breiten Öffentlichkeit.

Dem allgemeinen Lesevergnügen standen mir zeitweise die zahlreichen Charaktere im Wege, die gut auch hätten reduziert werden können, um der Leserin / dem Leser den Überblick etwas zu erleichtern. Auch waren mir persönlich zuweilen die medizinischen Ausführungen für eine belletristische Lektüre zu ausführlich, auch wenn es auf die Glaubwürdigkeit des Unterfangens und der grundsätzlichen Machbarkeit der Idee einzahlt.

Unter dem Strich eine gelungene Lektüre, wenn auch sicherlich kein Thriller, wie die Angabe auf dem Titel verspricht. Mit der Erwartungshaltung an einen in Teilen durchaus spannenden Roman decken sich, meiner Einschätzung, Inhalt des Buches und die Erwartungshaltung der Leser:innen deutlich besser.

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Veröffentlicht am 25.10.2025

Atmospährisches Bilderbuch zum Vorlesen

Lichterland. Das kleine Irgendwas
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In "Lichterland: Das kleine Irgendwas" erleben die Freunde Karla und Frederik ihr neustes Abendteuer: Statt eines Steins hat ihr Wirbelwutsch "Wutschi" doch glatt ein Ei auf die Spitze seines Turms gestellt. ...

In "Lichterland: Das kleine Irgendwas" erleben die Freunde Karla und Frederik ihr neustes Abendteuer: Statt eines Steins hat ihr Wirbelwutsch "Wutschi" doch glatt ein Ei auf die Spitze seines Turms gestellt. Und nicht nur das, was auch immer in dem Ei ist, schlüpft...

Wie schon in den ersten drei Bänden der "Lichterland"-Serie steht auch hier die Hilfsbereitschaft und Freundschaft von Karla und Frederik im Vordergrund. Mich hat die Geschichte ein wenig an "Das kleine Ich-bin-Ich" erinnert. Dieses kommt jedoch an die wunderbar warme Stimmung und Atmosphäre des Lichterlands nicht heran.

Anders als die Vorgänger-Bände ist dieser ein klassisches Bilderbuch mit sehr reduziertem Text, wohingegen die ersten drei Bände (Vor-)Lesebücher von deutlich höherem Umfang sind. Es ist daher gut möglich, "Das kleine Irgendwas" als Abendgeschichte in überschaubarer Zeit vorzulesen.

Alles in allem erneut ein wunderschönes Buch der Autorin Carolin Jelden wie auch der Illustratorin Laura Bednarski, jedoch eben ein sehr kurzes Vergnügen, verglichen mit den Vorgänger-Bänden.

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Veröffentlicht am 10.10.2025

Geschlechtergerechtigkeit beleuchtet aus klugen und wachen Männeraugen - meine Positiv-Überraschung des Jahres!

Wenn die letzte Frau den Raum verlässt
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"Wenn die letzte Frau den Raum verlässt" von Herr und Speer habe ich von einer Freundin geschenkt bekommen. Ich bin ehrlich, selbst gekauft hätte ich mir das Buch nicht und schon allein beim Lesen der ...

"Wenn die letzte Frau den Raum verlässt" von Herr und Speer habe ich von einer Freundin geschenkt bekommen. Ich bin ehrlich, selbst gekauft hätte ich mir das Buch nicht und schon allein beim Lesen der Zitate und Auszüge auf den Buchklappen ging mein Blutdruck in die Höhe.

Selbst dreifache Mutter und in Vollzeit als Führungskraft berufstätig leben mein Mann und ich ein Modell, das in Deutschland noch immer die Ausnahme ist. Und nun kommen da (ausgerechnet) zwei Männer daher und wollen - einmal mehr - vermutlich überwiegend weiblichen Leserinnen erklären, was da gerade so alles gesellschaftlich ab- und falschläuft. Ich war skeptisch, ob das gut funktioniert.

Schon nach den ersten paar Seiten hatte mich das Buch in seinen Bann gezogen. Waren die Statements auf den Buchklappen noch polarisierend und stark (ab)wertend, empfängt das Buch die geneigte Leserin / den geneigten Leser mit viel Offenheit, Verletzlichkeit und der Einladung, sich selbst ein Bild zu machen - mit Hilfe dieses Buches und mit Hilfe eines offenen Austausches unter den Geschlechtern. Es ist bemerkenswert, wie offen Herr und Speer mit ihren eigenen Limitationen und Biases umgehen, wie sie glaubhaft den Bogen spannen, warum und wie sie dennoch ein so umfangreiches Verständnis für und Wissen über ein Thema erlangt haben, das hauptsächlich gesellschaftliche "Minderheiten" betrifft. Dass auch sie nicht frei von Fehlern waren oder es heute sind. Wie wenig bewusst sich viele privilegierte Menschen der Tatsache sind, dass und in welchem Umfang sie Privilegien haben und nutzen. Und auch, wie wichtig mehr und ehrliche Aufmerksamkeit für das Thema einer geschlechtergerechten Gesellschaft und Politik ist - gerade in Zeiten, in denen die Politik maßgeblich Einfluss darauf nimmt, welche Prioriäten große Konzerne setzen und verfolgen.

Auch vor dem Aufzeigen schockierender Tatsachen, fundiert mit Studienquellen nachgewiesen, schrecken die Autoren nicht zurück. Und dass in unserer heutigen Zeit noch immer gut ein Fünftel der Männer, selbst die der jungen Generation, für vollkommen legitim hält, Frauen gegenüber Gewalt anzuwenden, lässt mich sprachlos zurück.

"Wenn die letzte Frau den Raum verlässt" wirft ein Schlaglicht auf eines der vermutlich meist unterschätzten Themen unserer Zeit. Stellt euch nur mal vor, wie die Welt aussehen könnte, würde sie nicht mehr primär von Geld, Macht und Ego dominiert, sondern Lösungen auch getragen von gegenseitigem Respekt, Verständnis, Mitgefühl, Integration. - Klingt utopisch, ja. Am Ende liegt es aber an uns, ob wir immer so weitermachen oder zunächst im Kleinen und dann im Größeren Zeichen für Veränderung setzen und diese aktiv mitgestalten. Eine klare Leseempfehlung für einfach alle, die ihren Blick weiten und vielleicht eine ganz neue Perspektive gewinnen und darüber ihren Horizont erweitern und Wandel gestalten möchten.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Nichts für schwache Nerven und sicherlich keine leichte Unterhaltung - Polarisation par excellence

Zeitbrand: Genesis
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Dieses Buch polarisiert. Durch seine Schonungslosigkeit, durch seine Unbequemlichkeit, durch seine Konsequenz, hässliche Dinge beim Namen zu nennen – ungeschönt. Dabei ist es inhaltlich gespickt mit subtiler, ...

Dieses Buch polarisiert. Durch seine Schonungslosigkeit, durch seine Unbequemlichkeit, durch seine Konsequenz, hässliche Dinge beim Namen zu nennen – ungeschönt. Dabei ist es inhaltlich gespickt mit subtiler, brandaktueller Gesellschaftskritik und zahlreichen Anregungen, das eigene Verhalten, eigene Einstellungen kritisch zu hinterfragen und dabei auch bewusst das Augenmerk auf die Aspekte zu legen, die uns unangenehm sind. Ja, jede Entscheidung oder Überzeugung hat ihre Schattenseiten und negative Konsequenzen. Ob für uns oder andere, ist dabei unerheblich. Es gibt sie. Sie existieren. Darum und die Auseinandersetzung damit geht es.

Eryx Vail hält den Leser:innen mit stoischer Konsequenz diesen unerfreulichen Spiegel vor, was das Lesen des Buches, wie er selbst schreibt, zu einer Zumutung macht.

Um jedoch ein tieferes Verständnis dieses in weiten Teilen äußerst brutal geschriebenen Textes zu erlangen, ist es notwendig, sich intensiv damit auseinander zu setzen. Fahriges Drüberlesen oder Berieseln-Lassen wird nicht funktionieren. Und selbst wenn die Leserin oder der Leser sich darauf einlassen kann, wird es zahlreichen davon nicht gefallen. Aber das muss es auch nicht, wenn andersartige, zum Nachdenken anregende Literatur und nicht gefällige gewünscht ist.

Es ist sehr schwer, das Buch genauer zu beschreiben, ohne zu viel von der Story oder den Charakteren zu verraten. Allerdings so viel: Der Klappentext der ersten Auflage lässt nicht einmal erahnen, wie heftig und unbequem der Inhalt ist und wie tief die Abgründe der gezeichneten Charaktere. Empfindsamen, sensiblen oder gewaltaversen Leser:innen kann ich daher nur dringend abraten, dieses Buch zu lesen. Auch ist es in meiner Wahrnehmung ausschließlich für erwachsene Leser geeignet.

Neben den von mir positiv empfundenen Punkten, nämlich, dass dieses Fantasy-Buch so ganz anders daherkommt als erwartet, gibt es allerdings auch Kritikpunkte: Die Charaktere verlieren im Laufe der Geschichte teilweise an Zeichnung und waren für mich zum Ende hin nicht mehr stimmig. Grundsätzlich werden sehr viele Charakter in die Geschichte eingeführt, was verwirrend sein kann.

Insbesondere zum Ende hin hat die Story für mich an Dichte verloren. Zu viele Zufälle und „glückliche“ Fügungen, um mich zufrieden zu stellen und bei der Geschichte zu halten.

Bezugnehmen auf die erste Auflage besticht das Buch, leider, auch negativ durch nur mäßige Lektoratsarbeit. Es finden sich zahlreiche, vermeidbare Fehler, die ggfs. den inhaltlichen Lesefluss stören.

Ein womöglich ebenfalls wichtiger Hinweis: Es handelt sich um den ersten Band einer Serie. Das Buch ist damit nicht in sich abgeschlossen und es bleiben viele Fragen offen.

Und damit schließt sich der Kreis zum Beginn dieser Rezension: Dieses Buch polarisiert. Entscheidet selbst, ob es etwas für euch sein könnte.

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