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Veröffentlicht am 23.08.2025

Ein modernes Märchen aus tausendundeiner Nacht mit realen historischen Fakten

Der Duft der fernen Insel
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Die Autorin lässt mich eintauchen in eine fremde , exotische Welt, die zum Träumen einlädt und die mich immer wieder mit erschreckenden und zum Teil brutalen Wahrheiten in die Realität zurückholt.

Eve, ...

Die Autorin lässt mich eintauchen in eine fremde , exotische Welt, die zum Träumen einlädt und die mich immer wieder mit erschreckenden und zum Teil brutalen Wahrheiten in die Realität zurückholt.

Eve, 25 Jahre alt, Waise und Lehrerin an einer Blindenschule in England, bekommt das Angebot ihres Lebens. Sie soll die blinde Tochter des Sultans von Sansibar unterrichten. Gemeinsam stürzen wir uns in das Abenteuer. Wir treffen auf eine fremde Kultur, mit anderen gesellschaftlichen Regeln, dominiert vom Islam. Da Eve kein arabisch spricht, wird die junge Fanny, Tochter von Sklaven, ihre Dolmetscherin und beide übersiedeln in den Sultanspalast. Hier herrscht eine strenge Geschlechtertrennung. Die Schilderungen des Harems und des Lebens dort waren interessant und haben so gar nichts gemein mit unseren modernen Vorstellungen von Gleichberechtigung. Die Autorin schildert die kleinen und großen Tragödien und Eifersüchteleien unter den Frauen - mal zum Lachen, mal zum Weinen.

Eves Schülerin Nunu ist ein verwöhntes Kind, das keine Grenzen kennt und mit seiner Blindheit hadert. Langsam erlangt Eve Nunus Vertrauen und entdeckt deren Begabung zur Parfümherstellung.. War der Roman bis hierhin schon unterhaltsam und exotisch, wird es abenteuerlich und sehr emotional, als der Sultan, Nunus Vater, stirbt und damit eine dramatische Wendung für ihrer aller Leben bringt. Voodoo, fanatische Missionare und Männer , die Frauen schamlos ausnutzen sind Bestandteile des weiteren Geschehens

So märchenhaft das Buch in einigen Teilen ist, so ist es dennoch immer mit historischen Wahrheiten unterfüttert. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen und wieder mal einige Lücken in meinen Geschichtskenntnissen geschlossen. Spannend fand ich die Entwicklung, die Nunu erfährt. Zu Beginn ist sie die verwöhnte Prinzessin, die ich nicht besonders leiden konnte. Das blieb auch eine ganze Weile so, bis das Schicksal erbarmungslos zuschlägt und sie eine Wandlung erfährt, die mich für sie einnimmt. Der Roman bietet in meinen Augen Unterhaltung vom feinsten und war für mich ein echter Pageturner.

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  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 22.08.2025

Wieder ein überzeugender Fall für Anna, Vico, Marco und Flavia

Vino, Mord und Bella Italia! Folge 7: Das goldene Öl
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Nach einem Besuch bei ihrer Mutter in Hamburg ist Anna froh, zurück in Fontenaia zu sein. Auf den ersten Blick scheint das Dorf in sommerliche Ruhe zu versinken, bis eine Lagerhalle in Flammen aufgeht. ...

Nach einem Besuch bei ihrer Mutter in Hamburg ist Anna froh, zurück in Fontenaia zu sein. Auf den ersten Blick scheint das Dorf in sommerliche Ruhe zu versinken, bis eine Lagerhalle in Flammen aufgeht. Ausgerechnet dort sollte die jährliche Olivenölprämierung stattfinden, für die Olivenbauern das wichtigste Ereignis des Jahres. Unfall oder Brandstiftung ? Commissario Vico Martinelli und seine Kollegen sind zwar vor Ort, aber die Halle fällt in die Zuständigkeit des Nachbarortes. Vico und sein Team sind raus ! Wenn da nicht ein Artikel in der Zeitung wäre, die Vico Untätigkeit und Bestechlichkeit vorwirft. Was nun, denn es geht jetzt um Vicos Ehre und ein wenig auch um die von Fontenaia. Nur gut, dass Anna gleichzeitig Teil von Vicos Team und freie Journalistin bei der ansässigen Zeitung ist . Schnell gerät die Oliven- Kooperative in ein schlechtes Licht. Doch wo ist das Motiv ? Der Brand der Halle schadet ihnen mehr als allen andren. Als dann noch ein Mord geschieht, scheint jeder verdächtig. Die Auflösung war erneut stimmig und ich habe dem Täter von Herzen eine lange Haftstrafe gegönnt.

Mittlerweile ist ein Krimi aus der Reihe auch für mich eine Art von Nachhause kommen. Ich kenne die Personen und ihre Eigenheiten und mag jeden von ihnen, den einen mehr, den anderen weniger. Besonders der kleine, etwas altkluge Tameo ist mir ans Herz gewachsen. Um so größer war meine Freude, als er einen wichtigen Auftritt hat. Besonders gut gefallen hat mir, wie Vico , seine Mitarbeiter Marco und Flavia und nicht zu vergessen Anna, immer mehr zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen wachsen, Jeder Band der Reihe ist lesenswert und in sich abgeschlossen. Aber ich bin mir sicher, wer einmal in Fontenaia war, will mehr davon.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Eine Frage des Überlebens oder schon Kollaboration ?

Der Barmann des Ritz
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Wer kennt nicht das berühmte Pariser Hotel Ritz, ein Ort der Eleganz und Dekadenz , um den sich viele Mythen ranken. Und wie in jedem anderen Hotel ist auch hier die Bar der Mittelpunkt, wo sich Menschen ...

Wer kennt nicht das berühmte Pariser Hotel Ritz, ein Ort der Eleganz und Dekadenz , um den sich viele Mythen ranken. Und wie in jedem anderen Hotel ist auch hier die Bar der Mittelpunkt, wo sich Menschen aller Couleur treffen. Das ist das Reich von Frank Meier, Kind armer Leute aus Österreich. Er hat den Sprung über den Ozean gewagt, wird ein berühmter Barmann und sieht seinen Traum erfüllt, als er die Bar im Ritz übernimmt.
Das ist nur die eine Seite der Geschichte, denn Maier ist Jude und Paris ist von den Nazis besetzt. Und er ist nicht der einzige, der ein Geheimnis verbirgt, das den Tod oder zumindest einen längeren Gefängnisaufenthalt bringen kann. So macht Maier, was er immer gemacht hat und was er beherrscht wie kein anderer. Er gibt den perfekten Gastgeber und bebt innerlich vor Angst vor einer möglichen Entdeckung. So tritt er den wichtigen Personen der Nazibesatzung gegenüber, denn das Ritz dient ihnen als Hauptquartier. Ohne es zu wollen, wird er in ihre Machenschaften hineingezogen und um sich und andere zu schützen, kooperiert er. Am Tag der Befreiung stellt Maier sich die Frage, ob als Kollaborateur angeklagt werden wird. Er hadert mit sich selbst, wirft sich vor, dass er feige war und hätte Widerstand leisten müssen.
Der Roman liest sich interessant und in weiten Teilen unterhaltsam, weil die Bar ein Ort außerhalb der Realität zu sein scheint. Man lernt einige der Nazigrößen von einer eher privaten Seite kennen. Überraschenderweise hatten einige auch sympathische Züge und man konnte fast vergessen, dass sie für unzählige Tote verantwortlich waren. Was hätten sie wohl gesagt, wenn sie gewusst hätten, dass sie sich vertraulich mit einem Juden unterhalten ? Maier versucht, nicht aufzufallen, ist geradezu devot. Nur die Gedanken sind frei und bieten Raum für seine Angst und seine Abscheu gegenüber sich selbst, weil er die, die er liebt, nicht schützen kann. Was so nicht stimmt, denn er nimmt durchaus Risiken auf sich, um zu helfen. Ich stelle mir den Druck, unter dem Maier stand , unmenschlich vor. Was ich nicht völlig nachvollziehen konnte, waren seine Selbstvorwürfe. In meinen Augen hat er das getan, was viele andere auch getan haben, er hat versucht zu überleben. Nicht jeder ist , zum Helden geboren.
Gut gefallen und für mich ein gelungener Abschluss, der Autor endet das Buch mit Bilder der historischen Personen und gibt Auskunft über ihr weiteres Schicksal.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Keine Gnade

Asa
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Mich hat das Cover angesprochen - das kalte Blau, der Wald auf der Wange der Frau, der wie eine Narbe wirkt und die Frau selbst, die zu allem entschlossen scheint. Ich hätte gewarnt sein sollen. Und spätestens ...

Mich hat das Cover angesprochen - das kalte Blau, der Wald auf der Wange der Frau, der wie eine Narbe wirkt und die Frau selbst, die zu allem entschlossen scheint. Ich hätte gewarnt sein sollen. Und spätestens nach dem Prolog war offensichtlich, das wird kein Wohlfühlkrimi. Dennoch haben mich die Vielzahl der Morde, die Erbarmungslosigkeit und die Gefühlskälte der Akteure überrascht. Zudem liegt über der ganzen Handlung in meinen Augen eine drückende Traurigkeit.
Erzählt wird Asas Geschichte und ihrer Familie, jedoch nicht von ihr , sondern von einem zu Beginn unbekanntem Erzähler. Asa hat eine glückliche Kindheit. Sie vergöttert ihren Vater, der ihr alles beibringt, was man zum Überleben in einer feindlichen Umwelt braucht. Asas Kindheit endet jäh mit der Prüfung, die alle Jugendliche aus der Gemeinschaft durchlaufen müssen. Asa ist da 14 und bald darauf wird ihr Vater bei einem gemeinsamen Ausflug erschossen. Asa entkommt knapp und der Alptraum beginnt. Dies und die Geschichte ihrer Familie wird in Rückblenden erzählt. Dabei werden die Schicksale wichtiger Akteure geschildert. Manches davon dient den Lebenden als Rechtfertigung für ihr Tun. Für mich bedeutete jede neue Information mehr Schrecken und Unverständnis. Für Asa reichen die Gründe nicht. Das macht sie zur Verräterin an der Gemeinschaft. Doch etwas hat sie gelernt, wenn du überleben willst, musst du von der Beute zum Jäger werden. Und Asa wird zur Jägerin. Sie will die Kette von Lüge , Verrat und sinnlosen Toden durchbrechen.
Das Ende hat mir sehr gut gefallen, denn es war in meinen Augen versöhnlich und voller Frieden. Das hatte ich absolut nicht erwartet.
Das Buch hat mich emotional gefordert. Das Ausmaß an Verrat und Gnadenlosigkeit war überwältigend. Die Rechtfertigung für dieses Verhalten fand ich empörend und heuchlerisch. Obwohl Asa selbst zur Mörderin wird, mochte ich sie, denn sie mordet in meinen Augen aus den richtigen Gründen. Ich empfinde ihr Schicksal als ungerecht und ihre Entschlossenheit richtig und konsequent. Der Erzählstil passte für mich perfekt zum Geschehen. Die Sprache war sachlich und emotionslos und ein perfektes Gegengewicht zur aufwühlenden Geschichte.

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Serienmörder - Menschen wie du und ich

A Serial Killer’s Guide to Marriage
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Mein Anreiz, das Buch zu lesen, war der Titel. Ich hatte nur eine vage Vorstellung, was mich erwartet würde. Es war dann ganz anders und ich war begeistert. Im Grunde erzählt der Krimi eine alltägliche ...

Mein Anreiz, das Buch zu lesen, war der Titel. Ich hatte nur eine vage Vorstellung, was mich erwartet würde. Es war dann ganz anders und ich war begeistert. Im Grunde erzählt der Krimi eine alltägliche Geschichte, wenn die Beteiligten nicht so speziell wären.

Die Geburt ihrer Tochter Bibi führt bei Haze und Fox zu einer veritablen Ehekrise. Nun dreht sich das Leben um das Wohlergehen der heiß geliebten Tochter und lieb gewonnene Gewohnheiten müssen deshalb aufgegeben werden. Und man stellt sich die Frage, war es das ? So weit, so normal. Nur handelt es sich hier bei den Gewohnheiten darum, dass Fox und Haze gemeinsam gemordet haben. Es war ihre Leidenschaft und hat ihr Leben in jeder Hinsicht beflügelt. Das geht natürlich nicht mehr, wenn man Sorge für ein Kind trägt. Beide leiden darunter. Besonders Haze wird unausstehlich und bringt Fox an seine Grenzen. Dann tötet Haze versehentlich einen Mann praktisch vor ihrer Haustür. Das Chaos nimmt seinen Lauf.. Haze ist nun damit beschäftigt, das Geschehen vor Fox zu verheimlichen, was die häusliche Situation nicht besser macht. Fox versucht auf andere Weise, seine Vorlieben unter Kontrolle zu bekommen, was zu weiteren Heimlichkeiten führt. Es herrscht eine Atmosphäre des Misstrauens und des gegenseitigen Belauerns. Leider ein Szenario, das oft zum Scheitern einer Ehe führt, auch wenn sie im Himmel geschlossen wurde.

Die Lektüre war unglaublich spannend, auch davon getragen, die beiden können ihre Ehe retten, bevor sie sich gegenseitig umbringen. Ich habe beide Seiten verstanden und konnte mich nicht entscheiden, wem ich mehr zugeneigt bin. Vielleicht war ich mehr auf Hazes Seite - Frauensolidarität ! Gut gefallen hat mir, dass die Erzählweise . Fox und Haze schildern abwechselnd ihre Sicht auf die Dinge und ich wusste, beide lieben sich auch weiterhin. Und dann kommt auch der Humor nicht zu kurz, wenn auch etwas schräg und sehr britisch. ich habe es gefeiert. Und wo bleibt die Krimihandlung ? Nun da war ja noch der Tote vor der Haustür, die bisher verübten Morde, eine sehr clevere Polizistin, böse Eltern ... Mir hat die Mischung sehr gut gefallen. Es war spannend auf eine ganz eigne Art, unterhaltsam, witzig und definitiv mal etwas anderes.

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