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Veröffentlicht am 10.11.2025

Perfekt inszeniertes Verwirrspiel

Verstummte Narben: Thriller
1

„Verstummte Narben ist das nunmehr zehnte Buch um die Kölner Rechtsmedizinerin Julia Schwarz. Schon der Prolog lässt mich ratlos zurück und als dann mitten im Winter eine leichtbekleidete tote Frau vor ...

„Verstummte Narben ist das nunmehr zehnte Buch um die Kölner Rechtsmedizinerin Julia Schwarz. Schon der Prolog lässt mich ratlos zurück und als dann mitten im Winter eine leichtbekleidete tote Frau vor dem Grab eines 15jährigen gefunden wird, bin ich wiederum infiziert, die raffiniert konstruierte Story lässt mich nicht mehr los. Catherine Shepherd beweist einmal mehr, dass sie eine Meisterin des morbiden Verwirrspiels ist.

Unter dem Leichnam dieser Frau liegt das Foto einer jungen Frau, das darauf geschriebene Datum lässt auf ein unumstößliches Ultimatum schließen. Am 19. Januar um 23 Uhr, also in drei Tagen, wird was geschehen? Noch sind die Kriminalkommissare Florian Kessler und sein Partner Martin Sandhoff samt Team ratlos. Die Zeit spielt gegen sie. Julia entdeckt bei der Obduktion über dem rechten Hüftknochen der Leiche drei kleine Kratzer, die sie nur zu gut kennt. Damals hat ein Serienkiller sein Unwesen getrieben, an seinen Opfern hat er exakt solche Kratzer hinterlassen und nun deutet wiederum alles auf diesen Inhaftierten hin, der den Hochsicherheitstrakt nie wieder verlassen wird. Und doch scheint es so, als sei es ihm gelungen, sich wieder sichtbar zu machen. Ist ein Nachahmungstäter am Werk? Zieht er gar in seinem Auftrag eine erneut mörderische Spur?

Wie nicht anders von Catherine Shepherd erwartet, ist auch dieser neueste, sehr komplexe Fall klug konstruiert. Sie präsentiert so manch undurchsichtigen Typ, lässt hinter die Kulissen blicken, allerdings perfekt dosiert. Denn wenn man meint, man hätte den Durchblick, kommt alles ganz anders. Es bleibt nicht bei diesem einen Mord, weitere folgen. Und da ist dieser eiskalte Kimpel im Gefängnis, seine kryptischen Anmerkungen muten überheblich an. Mit ihm hatte Julia schon in der Vergangenheit zu tun und nun brechen alte Wunden wieder auf.

Das nervenaufreibende, perfekt inszenierte Verwirrspiel zieht sich durchs Buch, so etliche Fährten erweisen sich als falsch und dem Ende zu bin ich wiederum verblüfft, wie sich die losen Fäden gekonnt verbinden. Diese absolut spannende, erbarmungslose Story ist ein Leckerbissen für jeden Thriller-Fan.

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Veröffentlicht am 08.11.2025

Fesselnder Abschlussband der Maya-Topelius-Trilogie

Dann ruhest auch du (Ein Fall für Maya Topelius 3)
1

Johan zieht es immer wieder in diese Schlossruine von Borgholm auf Öland. Und nicht nur das, er sieht (verbotenerweise) auch hinter die für Besucher ausgewiesenen Räume. Es durchzucken ihnen regelrecht ...

Johan zieht es immer wieder in diese Schlossruine von Borgholm auf Öland. Und nicht nur das, er sieht (verbotenerweise) auch hinter die für Besucher ausgewiesenen Räume. Es durchzucken ihnen regelrecht Blitze, als er seine Handflächen auf ein Brett legt, das einen Hohlraum verbirgt. Seine Neugier ist geweckt, er hebelt das Brett auf, er sieht einen verdrehten Körper, mit Genickschuss und einem zweiten Fangschuss hingerichtet. Nie hat er Grauenvolleres gesehen.

Ein Fall für die Kriminalinspektorin Maya Topelius und ihren Kollegen Pär. Bald darauf wird eine weitere, ähnlich zugerichtete Leiche gefunden. Alle Spuren führen in ein rechtextremistisches Milieu, das sich bestens zu tarnen weiß.

Maya kennt die Gegend um Borgholm gut, sie ist hier aufgewachsen, sie und ihre Freundinnen Clara, Sanna und Emely, mit denen sie auch heute noch in Verbindung ist, waren das vierblättrige Kleeblatt. Diese beiden Morde bringen Maya an ihre Grenzen, deutet doch vieles auf eine lange vermisste Person hin und auch, wenn sie seinerzeit nichts tun konnte, so lassen ihr die damaligen Vorkommnisse keine Ruhe. Dabei bringt sie sich selber in Gefahr.

Die beiden Vorgängerbände habe ich verschlungen und auch dieser finalen dritten Band der Maya-Topelius-Trilogie steht ihnen in nichts nach. Die Ermittlungen stehen im Vordergrund, die privaten Elemente sind fein dosiert, dabei trägt so manches davon direkt und auch indirekt zur Aufklärung bei, alles fließt gekonnt ineinander. Johan Magnelius, der den ersten Toten findet, ist ein eigenwilliger und zudem ein ziemlich undurchsichtiger Charakter, den ich – wie so einige andere – kritisch gesehen habe. Die fesselnde, logisch aufgebaute Story ist durchgehend spannend zu lesen, das Thema um ein rechtsradikales, staatenübergreifendes Netzwerk gut eingebunden. Der Fall ist - wie auch die der beiden vorangegangenen Bücher - in sich abgeschlossen, kann also ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Gerne wäre ich dem sympathischen Ermittlerduo Maya und Pär noch bei weiteren Ermittlungsarbeiten gefolgt, aber nun heißt es Abschied nehmen, die Autorin Sandra Åslund jedoch werde ich im Auge behalten.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Spannender dritter Teil der Åre-Morde

Blutbuße
1

„Blutbuße“ ist Viveca Stens drittes Buch der Polarkreis-Reihe. Kurz zuvor habe ich bereits Band vier gelesen und ihn als TOP bewertet, ganz kommt diese Blutbuße nicht an „Lügennebel“ heran, allerdings ...

„Blutbuße“ ist Viveca Stens drittes Buch der Polarkreis-Reihe. Kurz zuvor habe ich bereits Band vier gelesen und ihn als TOP bewertet, ganz kommt diese Blutbuße nicht an „Lügennebel“ heran, allerdings hat mich auch dieses Buch nicht losgelassen, an Schlaf war nicht zu denken.

Charlotte legt gleich mal einen absolut unsympathischen Auftritt hin. Man spürt förmlich ihre unverfrorene Art. Sie liebt es, andere zu beherrschen und auf Gedeih und Verderb ihren Willen durchzusetzen. Nun, es ist sozusagen Charlotte Wretlinds letztes Aufbegehren, denn am Tag darauf wird sie tot aufgefunden. Sie liegt erstochen in ihrem Hotelzimmer, das Bett voller Blut, sie ist an ihrem eigenen Blut erstickt.

Wir sind im Bergdorf Åre, hoch oben im Norden Schwedens, es ist ein Skiparadies und wie bald bekannt wird, wollte Charlotte das alte, leer stehende Luxushotel abreißen und durch einen spektakulären Neubau ersetzen lassen. Dazu brauchte sie angrenzende Grundstücke, deren Ankauf so gut wie abgeschlossen war, jedoch sollte dieser Grundstückskauf rückgängig gemacht werden. Charlotte reagiert ungehalten, zu viel hat sie schon investiert.

Im Mordfall Charlotte Wretlind ermitteln Hannah Ahlander und ihr Kollege Daniel Lindskog. Bald führt eine erste Spur zu einem Hotelmitarbeiter, den sie jedoch merkwürdigerweise nicht antreffen. Unterstützt werden sie von ihrem Kollegen Anton, in dessen Privatleben wir kurze Einblicke bekommen und auch bei Hanna und Daniel ist privat so einiges los - die Ermittlungsarbeit steht aber schon im Vordergrund. Diese Ermittlung jedoch bringt sie nicht recht voran, bis dann ein weiterer Mord geschieht.

Hanna und Daniel – beide sind sie gefordert und beide lassen nicht locker. Zwischendurch lesen wir von DAMALS, um die Weihnachtstage des Jahres 1973 - was es damit auf sich hat, wird zunehmend klar. Im Heute dann verschwindet ein junger Mann spurlos – noch hoffen sie, dass er noch lebt. Alles spitzt sich zu, es gilt, unverzüglich zu handeln, denn sie meinen, endlich auf der richtigen Spur zu sein. Was dann geschieht, ist nervenaufreibend, allerdings war mir die Aufklärung, die sich über viele Seiten hinzog, viel zu lange. Gefühlt dreht sich Hanna im Kreis, es passiert viel und doch tritt sie auf der Stelle, dies hätte durchaus abgekürzt werden können, wenngleich es ein trotzdem spannender dritter Teil der Åre-Morde war. Gerne mehr von Viveca Sten, gerne bin ich lesend an den Polarkreis gereist.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Faszinierendes Meran zwischen Kurbetrieb und Maskenbällen

Die Welt in Meran - Walzerblut
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In Meran kündigt sich der Frühling an, als Helen von Burt, die Tochter eines englischen Squire, in Begleitung von Mrs David und Lady Greville ankommt. Helen hofft auf eine gute Partie, die Maskenbälle ...

In Meran kündigt sich der Frühling an, als Helen von Burt, die Tochter eines englischen Squire, in Begleitung von Mrs David und Lady Greville ankommt. Helen hofft auf eine gute Partie, die Maskenbälle eigenen sich ihrer Meinung nach hierfür hervorragend. Zur gleichen Zeit treffen andere Kurgäste ein wie etwa der Korse Jean de Benedetti und auch der Arzt Sigmund Hirsch, dessen Dienste alsbald benötigt werden. Neben dem Erbgrafen Maximilian von Montalban begegnen wir noch so etlichen anderen, auch dem Dienstmädchen Anna und einem Lohnkutscher, werfen einen Blick in eine Spinnerei und in so einige Familien. Bei einer davon lebt das Kostkind Lucia, die achtjährige Waise Rosa schuftet von früh bis spät - die Standesunterschiede sind nicht nur hier deutlich sichtbar.

Wir sind in Südtirol im Fasching des Jahres 1872. Die so unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und die damaligen Gepflogenheiten, auch in moralischer Hinsicht, sind hervorragend in die Geschichte eingewoben, die einzelnen Charaktere, deren Lebensentwürfe und deren Mentalität bestens herausgearbeitet. Einmal angefangen, konnte ich das Buch nicht mehr weglegen, wollte es auch gar nicht. Dieser gut recherchierte erste Band, der in und um Meran angesiedelt ist, hat mich sofort begeistert, auch die Beschreibung dieser Gegend weckt so manch Erinnerung.

Man merkt die Verbundenheit der Autorin mit diesem Landstrich und ihre besondere Faszination mit der Meraner Geschichte der letzten 150 Jahre, wie sie im Nachwort verrät. Ihre „Sardische Hochzeit“, die sie als Grit Landau schreibt, habe ich seinerzeit verschlungen, weitere Bücher folgten und jedes einzelne war ein Lesegenuss. Umso schöner, dass diesem ersten Band „Walzerblut – Die Welt in Meran“ weitere Bücher folgen werden.

Erwähnen möchte ich noch das hilfreiche Glossar, das vom Affront über so manch Hallodri bis hin zum Vicomte vieles erklärt und auch das Personenverzeichnis, das gerade anfangs eine gute Stütze ist - unterteilt nach den Tirolern und den Kurgästen, den Ärzten, dem Adel und noch etlichen anderen. Bald aber sind sie alle im Gedächtnis, dem genussvollen Lesen steht nichts mehr im Wege.

Der erste Band dieses so wundervollen, sehr lesenswerten historischen Romans ist ausgelesen, ich freue mich auf die Folgebände, auch wenn es noch ein Weilchen dauern mag.

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Veröffentlicht am 05.11.2025

Ruths Geschichte überzeugt, der zweite Erzählstrang dagegen weniger

Großmutters Geheimnis
1

In Kopenhagen begegne ich Gry und Alexander und Lillian, seiner Mutter, einer gefeierten Musical-Sängerin. Wir schreiben das Jahr 2015. Lillians Geburtstagsvorstellung zu ihrem Siebzigsten steht an, die ...

In Kopenhagen begegne ich Gry und Alexander und Lillian, seiner Mutter, einer gefeierten Musical-Sängerin. Wir schreiben das Jahr 2015. Lillians Geburtstagsvorstellung zu ihrem Siebzigsten steht an, die Bühne war ihr Metier und dahinter war seit jeher Alexanders Kinderstube. Dort hat er auf sie gewartet. Auf sie, den Star, ihr Kind hatte nur allzu oft das Nachsehen. Auch heute noch wähnt sich Lillian im Mittelpunkt, drängt sich in Alexander und Grys Leben, ist übergriffig und auch hat sie Alexander die vor langer Zeit von ihrer Mutter Ruth besprochenen Kassetten für ihn nie gegeben. Alexander verdient seine Brötchen als Musiker, er und Gry sind schon lange zusammen. Ihr Kinderwunsch hat sich nie erfüllt und nun versuchen sie es schon länger mit der In-vitro-Fertilisation.

Und da ist Ruth, die ich als junge Frau im Jahre 1943 sehe. Die Musik liegt ihr im Blut, ihre Stimme ist die einer Opernsängerin. Bis zu dem Tag, als sie und ihr Vater nach Theresienstadt deportiert werden, als sie verstummt. Dorthin folge ich ihr, sehe ihr tagtägliches Leid, ihr Elend und das ihrer Mitgefangenen. Benjamin Koppel beschreibt die Herrschaft der Nationalsozialisten und das Dahinvegetieren im Lager sehr eindringlich, die Qualen, deren die Inhaftierten ausgesetzt sind und so manch Martyrien, deren sie sich nicht erwehren können.

Und da ist die alte Ruth, die schon lange erblindet ist. Sie ist die älteste von vier Geschwistern, es verschlägt sie von Polen nach Dänemark, sehr viel später dann lebt sie in den USA. Dort bespricht sie für ihren Enkel, den sie nicht kennt, diese Kassetten, die er auf dem Dachboden seiner Mutter findet.

Vor einiger Zeit habe ich „Annas Lied“ von dem Autor gelesen. Auch dieses Buch ist ein Zeugnis einer Zeit, voll politischer Wirren, über eine jüdische Familie, die ihren Glauben hoch hält. Also war ich voller Vorfreude, als ich „Großmutters Geheimnis“ in Händen hielt. Ruths Part hat mir sowohl als junge und auch als sehr alte, 96jährige Frau, gut gefallen. Ich konnte ihr folgen, konnte sie verstehen, habe mit ihr gelitten. Ruths Geschichte hätte wesentlich mehr Raum verdient, denn auch wenn zwei Zeitebenen wechselseitig erzählt werden, so müssen sie beileibe nicht den in etwa gleichen Umfang haben.

Alexanders und Grys Geschichte mitsamt Lillians Dasein in der Jetztzeit nehmen dem Buch sehr viel. Gefühlt lese ich in dieser Erzählebene nur von der Fertilitätsbehandlung, gespickt mit einigen Nebensächlichkeiten. Schade, denn „Großmutters Geheimnis“ hat mit diesem über den in zu vielen Seiten ausgewalzten Kinderwunsch nichts zu tun.

Wäre noch das Ende, das zu gewollt geraten ist. Nicht alles muss sich in Wohlgefallen auflösen, nicht alles bis ins kleinste Detail geklärt sein. Von meinen anvisierten vier Sternen bleiben letztendlich drei übrig.

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