Unterhaltsam aber nicht rund
Die Frau hinter der BühneDie junge Mairéad folgt ihrem Traum. Sie geht aus einer dörflichen Provinz Irlands ins multikulturelle London, um Theaterregisseurin zu werden. Um ihr WG-Zimmer halten zu können, arbeitet sie an einem ...
Die junge Mairéad folgt ihrem Traum. Sie geht aus einer dörflichen Provinz Irlands ins multikulturelle London, um Theaterregisseurin zu werden. Um ihr WG-Zimmer halten zu können, arbeitet sie an einem kleinen Theater unter Margaret, der dortigen Kostümbildnerin. Margaret ist anspruchsvoll, distanziert, sparsam und trockene Alkoholikerin. Sie verlangt Mairéad einiges ab, deren Alltag aus waschen, nähen, ausbessern, bügeln und Einkäufen besteht.
Mairéad muss Scott Gilbourne vermessen. Der schottische Schauspieler raubt ihr den Atem. Sie ist kurz angebunden und geht nicht auf seine Witze ein. Seine Fragen beantwortet sie ausweichend. Als sie vor ihm in die Knie gehen muss, gibt die Naht ihrer Hose nach und entblößt ihren Hintern vom Becken bis zum Schritt. Mairéad stürmt aus dem Raum zur Toilette und weint, bis sie Nasenbluten hat.
Die Mitarbeiterin Jacquis, die zweite des Kleiderateliers, steht auf den Produzenten Oliver Bow. Sie glaubt, dass er ihr zu einer Karriere verhelfen könnte, dass er ein arroganter Unmensch ist, weiß sie zu ignorieren. Erst kürzlich hatte er seine Assistentin mit Dicken-Witzen vergrault, weil sie volle Bezahlung für all ihre Stunden verlangte. Er bringt Schauspielerinnen zum Weinen und hackt auf schwulen Mitarbeitern rum, aber im Grunde macht er auch nur seinen Job.
Fazit: Elaine Garvey hat mich in ihrem Debütroman mitgenommen, um mich in die Welt des Theaters hinter die Kulissen abtauchen zu lassen. Hier herrscht ein rauer Ton und die Mitarbeiter dürfen nicht zimperlich sein. Interessant fand ich, wie die Autorin ihre Protagonistin ausgearbeitet hat. Sie ist eine schüchterne junge Frau aus der Provinz, gefüttert mit den Anweisungen eines tadellosen Benehmens und der Zugehörigkeit zur katholischen Kirche. Ihrem Vater rutscht leicht die Hand aus und er und ihre Mutter liefern sich von je her erbitterte Zweikämpfe, ringen um die familiäre Aufmerksamkeit. Die Autorin hat sich für eine Ich-Erzählung entschieden und schildert alles aus Mairéads Sicht. Der Konflikt zwischen ihrem Vater, der wollte, dass sie spurt und den Männern am Theater, die zu Machtmissbrauch neigen, gefällt mir. Was mir nicht so gut gefallen hat, ist, dass die Autorin beim Lesenden einiges voraussetzt. Sie lässt Personen und deren Äußerungen einfließen, als müsste ich sie kennen. Ebenfalls erschwert hat mir meinen Lesefluss die Aneinanderreihung von Szenen, die ich mir aber nicht so recht vorstellen konnte. Insgesamt eine unterhaltsame Geschichte, die vielleicht etwas zu viel von mir erwartet hat.