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Veröffentlicht am 13.05.2025

Wenn Spannung ohne Action auskommt

Der Gott des Waldes
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Liz Moore nimmt uns in ihrem Buch „Der Gott des Waldes“ mit ins Jahr 1975. Es ist August. In einem Sommercamp, inmitten der nordamerikanischen Adirondack Mountains, verschwindet die 13-jährige Barbara. ...

Liz Moore nimmt uns in ihrem Buch „Der Gott des Waldes“ mit ins Jahr 1975. Es ist August. In einem Sommercamp, inmitten der nordamerikanischen Adirondack Mountains, verschwindet die 13-jährige Barbara. Es beginnt eine großangelegte, verzweifelte Suche nach dem vermissten Mädchen, die das Leben einiger Menschen für immer verändern wird. Barbara ist nicht irgendein Mädchen und Barbara ist auch nicht das erste Kind der wohlhabenden Familie van Laar, das hier verschwindet - bereits 14 Jahre zuvor galt eine ebenso große Suchaktion ihrem, unter mysteriösen Umständen verschwundenen, Bruder Bear, der bis heute nicht wieder aufgetaucht ist.

Die Geschichte ist nicht einfach nur spannend, sondern ebenso tiefgründig und gesellschaftskritisch, da sie nicht nur die damaligen Unterschiede zwischen Mann und Frau aufzeigt, sondern auch vom amerikanischen Geldadel erzählt und den Unterschieden, sowie Ungerechtigkeiten zwischen arm und reich. Dabei sind die unterschiedlichen Charaktere, angefangen bei Judyta, einer der ersten weiblichen Kriminalbeamtinnen des Staates, über Alice, Barbaras und Bears Mutter, bis hin zu Louise, der jungen Campbetreuerin aus schwierigen Verhältnissen, unglaublich gut und greifbar ausgearbeitet und beschrieben. Auch die Beschreibung des Settings ist unglaublich fesselnd, ich konnte die dichten Wälder geradezu riechen und habe mich mit jeder Seite mehr in die Adirondack Mountains geschlagen, war von Anfang an mittendrin und motiviert nebenher erstmal ausgiebig zu googeln. Jetzt weiß ich sogar wie ein Adirondack-Stuhl ausschaut!

Neben den vielen Wendungen - ich habe im Verlauf des Buches vermutlich jeden irgendwann einmal verdächtigt - hat mir jedoch der „gestückelte“ Schreibstil und die Aufteilung der einzelnen Kapitel ganz besonders gut gefallen. Das „Hier und Jetzt“ im Jahr 1975, das sich über die Monate Juni bis August erstreckt, wird immer wieder von Rückblicken in die 1950er Jahre, sowie in das Jahr 1961 und 1963 unterbrochen. Obendrein kommt es zu ständigen Perspektivwechseln, so dass die Geschichte aus verschiedenen Sichtweisen erzählt wird. Was lesetechnisch kompliziert klingt, wird von der Autorin jedoch praktisch und überschaubar mit einer Art Zeitleiste unter den einzelnen Kapitel-Überschriften gelöst, so dass man wirklich nie den Überblick verliert und den Zusammenhängen problemlos folgen kann. Diese Art der Schreibweise erzeugt eine gute Portion zusätzliche Spannung. Von den zweierlei offenen und quälenden Fragen - was ist mit Bear passiert und wo ist Barbara - einmal abgesehen, möchte man durch den Schreibstil einfach unentwegt wissen, wie es denn nun an der einen Stelle, mit der jeweiligen Person weitergeht. Bei mir hat es jedenfalls den „nur noch ein weiteres Kapitel“ Suchtfaktor ausgelöst.

Fazit: Obwohl die Geschichte ohne actionreiche Handlungen und blutrünstige Szenen auskommt, ist sie einfach unsagbar spannend und hat es immer wieder geschafft, mich in ihren Bann zu ziehen. Das Buch ist ein absolut atmosphärisches Highlight mit gelungenen Wendungen und überraschendem Ende. Was will man mehr - für mich eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Selbstregulation ist alles! Bei Hund … und Mensch!

Frust lass nach!
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Selbstregulation ist nicht nur „die höchste Form der Freiheit“ sondern eben auch - was viele entweder unterschätzen oder nicht wissen - eine Charaktereigenschaft, ebenso wie die Frustrationstoleranz. In ...

Selbstregulation ist nicht nur „die höchste Form der Freiheit“ sondern eben auch - was viele entweder unterschätzen oder nicht wissen - eine Charaktereigenschaft, ebenso wie die Frustrationstoleranz. In ihrem Buch „Frust lass nach!“ informiert Maren Grote was es mit Resilienz, Frustrationstoleranz und Impulskontrolle auf sich hat und wie diese zusammenhängen. Mit praxisnahen Übungen, Anleitungen und Erklärungen begleitet sie Hund und Mensch, Schritt für Schritt, in einen entspannten Alltag.

Zunächst einmal gefällt mir an dem Buch sehr, dass es nicht nur plump mit irgendwelchen Übungen zu den Themen Frustrationstoleranz und Impulskontrolle daher kommt, die es dann - ohne wirklich verstanden zu haben worum es geht - einfach nur nachzumachen gilt. Vielmehr legt Maren Grote Wert darauf Fachwissen zu vermitteln, d.h. dem Leser/Hundebesitzer auch die Hintergründe, einschließlich das Wesens des Hundes zu erklären. Ich denke, nur wenn Mensch „versteht“, kann es hinterher auch mit den Übungen und dem Training klappen. Grundsätzlich gefällt mir sehr gut, dass sie nicht nur auf Hund, sondern eben auch auf Mensch eingeht, wie z.B. mit der Übersicht über die verschiedenen menschlichen & hündischen Frusttypen, die sicherlich hilfreich dazu beitragen kann, überhaupt eine realistische Einschätzung vorzunehmen.

Der Inhalt ist leicht verständlich, übersichtlich gestaltet und baut thematisch aufeinander auf (dem Frust und der Frustrationstoleranz folgen die Selbstregulation und Impulskontrolle). Nach der jeweiligen Wissensvermittlung ( z.B. Was ist überhaupt Frust?), werden weiterführende Fragen, aber auch Vorurteile angesprochen und geklärt, bis dann schließlich die Übungen folgen. Diese sind, einschließlich des Übungsaufbaus, sehr anschaulich und ausführlich beschrieben. Erwähnenswert sind auch die vielen hochwertigen Fotos, die nicht nur überaus ansprechend und auflockernd sind, sondern an vielen Stellen auch echt hilfreich.

Fazit: Wie bei jedem Hunde-Übungsbuch gilt natürlich auch hier: Lesen alleine reicht nicht (es sei denn man möchte ausschließlich schlauer werden)! Denn ohne Fleiß und ständiger Wiederholung, auch hier, kein Preis! Doch ich hoffe, das ist vorab jedem klar.

Darüber hinaus habe ich das Buch als sehr sympathisch (nicht mit erhobenem Zeigefinger belehrend), hilfreich, vor Allem aber als wahnsinnig interessant und informativ empfunden! Es gibt in Sachen Frust und Co. so viel über Mensch und Hund zu lernen, dass ich mir wünschte, dieses Buch würden mehr Menschen lesen, bevor sie dumm und unwissend herumklugscheissern Die Übungen sind nicht nur praxisorientiert, sonder auch absolut alltagstauglich und leicht umsetzbar, auch für Menschen ohne Erfahrung.

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