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Veröffentlicht am 06.05.2019

Jamies Jahr in Hollywood

Eine Samtpfote zum Verlieben
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Jamie nimmt sich ein Auszeit-Jahr, in dem sie herausfinden möchte, was sie wirklich beruflich machen möchte, denn ihre Tätigkeit als Lehrerin kann sie nicht mehr glücklich machen. Sie mietet sich ein Häuschen ...

Jamie nimmt sich ein Auszeit-Jahr, in dem sie herausfinden möchte, was sie wirklich beruflich machen möchte, denn ihre Tätigkeit als Lehrerin kann sie nicht mehr glücklich machen. Sie mietet sich ein Häuschen in einer märchenhaften Wohngegend in Hollywood und findet schnell Anschluss an die Nachbarschaft. Einige davon sind allerdings ein bisschen zu aufdringlich in ihren Versuchen, Jamie an den Mann zu bringen. Während unerklärliche Dinge passieren und Jamie in den Verdacht gerät, eine Kleptomanin zu sein, hat ihr Kater McGyver schon längst einen Plan …

Der Anfang liest sich sehr flott und witzig, doch schnell nutzt sich das ab. McGyver kommt sehr sporadisch vor und die Ereignisse entwickeln sich ein klein bisschen zu zäh und gleichzeitig vorhersehbar, als dass bei mir große Begeisterung aufkäme. Ich mag lockere Unterhaltung als Ausgleich sehr gern, hier aber ist doch ein bisschen arg wenig Anspruch zu finden.

Einige Stellen nerven schon ein bisschen in ihrer Wiederholung und so manch eine Figur ist nicht nur unglaubwürdig, sondern schon eher lächerlich. Ein ehemaliger Seriendarsteller, der sich zum Ortssheriff macht und „Fälle“ löst, Zwillinge, die schon Jahrzehnte nicht mehr miteinander reden, Hochschwangere auf Partnersuche, die das Date für die Vergangenheit verantwortlich machen – das sind ein paar zu heftige Bolzen, als dass es Spaß machen könnte.

Der Stil erinnert mich streckenweise an Schulaufsätze und Eigenverleger. Ausgereift und gekonnt finde ich ihn nicht. Im Jugendbuchbereich wäre das okay und passend, aber für einen Katzenroman, dessen Protagonisten Mitte Dreißig aufwärts sind, gefällt mir der Stil nicht wirklich. Das Ende ist vorhersehbar und einen Überraschungsmoment gab es im ganzen Buch nicht. Sorry, aber da wird mehr versprochen, als gehalten wird.

Da dies Band eins der „Samtpfoten“-Serie ist, bleibt abzuwarten, wie das weitergeht. Ob mit Jamie und McGyver oder mit einer anderen Katze und wie sich das dann gestaltet. So richtig angefixt bin ich jedenfalls gerade leider nicht. Das Buch war nett, um es so nebenher zu lesen, aber es hat sich keinen Platz auf meiner Favoritenliste erobern können und wird mir vermutlich auch nicht so lange im Gedächtnis haften bleiben. Deshalb gebe ich mittelmäßige drei Sterne.

Veröffentlicht am 30.04.2019

Eitelkeit und Ehre und ungleiche Zwillinge

Zara und Zoë: Rache in Marseille
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Ich mag die Fälle von Luc Verlain aus Oetkers Feder sehr. Der Auftakt seiner neuen Serie um „Die Profilerin und die Patin“ hat mich jetzt leider weniger begeistert. Zara soll die beste Profilerin Europols ...

Ich mag die Fälle von Luc Verlain aus Oetkers Feder sehr. Der Auftakt seiner neuen Serie um „Die Profilerin und die Patin“ hat mich jetzt leider weniger begeistert. Zara soll die beste Profilerin Europols sein, aber für mich blieb sie die komplette Story über einfach zu blass und nichtssagend, zu wischiwaschi – ich konnte nicht die Stärke und die Genialität sehen, die sie meiner Meinung nach für solch große Worte hätte haben müssen. Auch Zoe ist für mich nur eine kleine Gangsterbraut, keine Patin. Sie ist kalt, sie ist hart, sie nimmt sich, was sie will – aber sie ist nicht cool, sondern sehr spontan.

Der Fall selbst war auch nicht so spektakulär, dass es sich positiv in der Wertung auswirken könnte. Das Thema fanatischer Terror lässt sich immer gut verwerten, aber hier kommen ein paar Details dazu, die meiner Meinung nach weder passen noch nötig waren.

Die beiden Schwestern werden nach und nach durch ihre aktuellen Tätigkeiten vorgestellt. Die eine gerade als Drogenkurier unterwegs, die andere will den Mord an einer jungen Türkin aufklären. Die Umstände machen bald klar, dass die Profilerin allein nicht weit kommt und – Überraschung – die Hilfe ihrer fiesen, bösen, mafiösen Zwillingsschwester benötigt. Nach all den Jahren macht sie sich auf die Suche und muss sie dann noch davon überzeugen, ihr zu helfen.

Der Rollentausch war vorhersehbar, ebenso die daraus resultierenden Ereignisse. Rückblenden in die Kindheit der beiden haben mir nicht die erhoffte Aufklärung gebracht und insgesamt läuft mir das alles leider zu sehr Richtung Francis Ackerman jr. in weiblicher Gestalt. Ich kann mich weder für eine der Zwillingsschwestern, noch für Isaakson, noch für eine andere Figur aus der Story irgendwie erwärmen. Das macht es schwer, der Serie treu zu bleiben.

Bleibt zu hoffen, dass es einfach nur ein weniger geglückter Auftakt der Reihe ist und die Folgebände mehr überzeugen. Bei Band eins kann leider noch nicht mal Beate Rysopp, die ich als Sprecherin sehr schätze, das Ruder herumreißen. Für mich eine mittelmäßige Story mit mittelmäßigen Figuren – und deshalb auch mittelmäßige drei Sterne.

Veröffentlicht am 30.04.2019

Unterhaltsam ein bisschen schlauer werden

Elementar
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Chemie ist rings um uns und begleitet uns unser ganzes Leben lang. In der Schulzeit kämpfen die meisten von uns ganz gewaltig mit ihr – in Form des Unterrichtsfaches. Fast nur Jungs hatten wirkliches Interesse ...

Chemie ist rings um uns und begleitet uns unser ganzes Leben lang. In der Schulzeit kämpfen die meisten von uns ganz gewaltig mit ihr – in Form des Unterrichtsfaches. Fast nur Jungs hatten wirkliches Interesse daran zu meiner Schulzeit. Und bei mir kam das echte Interesse erst im Erwachsenenalter. Ich finde Chemie wirklich faszinierend, aber man kann nicht einfach mittendrin starten, man muss sich herantasten.

Genau da ist dieses Buch ideal. Tim James erzählt sehr gut verständlich über die Entdeckungen der Elemente, über erste Experimente, über die Geschichte der Chemie und wo sie uns immer wieder direkt begegnet, was sie mit uns macht und was wir ohne sie machen würden. Unterhaltsam und informativ, steigert es das Interesse an Chemie enorm. Weiterführende Lektüre findet sich dann von allein, wenn man dranbleiben möchte.

Mir gefällt, wie Tim James ganz bodenständig und humorvoll erklären kann und nicht den Chemie-Professor heraushängen lässt. Sein Werdegang ist sehr interessant und seine Art, dem Leser „die Welt“ zu erklären, sehr sympathisch und tatsächlich lehrreich. Wer ein wenig Ahnung hat, das Periodensystem jahrelang in der Schule anstarren durfte oder spätestens nach der Lektüre des Buches – wird erkennen, dass der Humor schon beim Titel beginnt. Preisfrage: Welches der dort aufgeführten Elemente gibt es wirklich, welches nicht? Mir gefallen solche Spielereien und sie bleiben im Gedächtnis haften.

Das Buch vermittelt – schon aufgrund seiner relativ geringen Seitenzahl – nicht das komplette Wissen rund um die Chemie. Das will es gar nicht. Es will zeigen, wie Chemie uns tagtäglich begegnet und Neugier wecken. Es ist ein bisschen wie „Die Sendung mit der Maus“ oder „Galileo“. Noch mehr aufgelockert wird das Ganze mit gelegentlich eingestreuten kleinen Grafiken im Stile von Sketch-Notes.

Das einzige, das mir total im Buch fehlt, ist tatsächlich das Periodensystem. Ich hätte es wichtig gefunden, dies im Buch abzubilden, möglichst noch als ausklappbare Schautafel. Ansonsten finde ich es für Chemie-Anfänger und Menschen, die sich einfach mal ein bisschen informieren möchten, sehr gelungen. Das gibt dann von mir vier Sterne.

Veröffentlicht am 29.04.2019

Das Oma-Suchspiel

Solo für Opa
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Herbert Fröhlich wird vom Leben überrannt – seine Tochter bringt die Enkelin und faselt etwas von Ehekrise, die Enkelin tobt wie ein Orkan durchs Haus und Margit, Herberts Frau, ist einfach nicht auffindbar. ...

Herbert Fröhlich wird vom Leben überrannt – seine Tochter bringt die Enkelin und faselt etwas von Ehekrise, die Enkelin tobt wie ein Orkan durchs Haus und Margit, Herberts Frau, ist einfach nicht auffindbar. Was soll das alles? Herbert ist sauer, wollte er doch in seinem Lieblingssessel relaxen, bis es Essen gibt. Aber weder Ruhe noch Essen sind ihm vergönnt und Margit ist und bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Nur langsam dämmert es Herbert, dass er etwas Grundlegendes verpasst haben muss. Zugeben kann er das natürlich nicht, schon gar nicht, als er feststellt, dass auch sein heißgeliebtes Auto fehlt. Also macht er aus der Not eine Tugend und erfindet das Oma-Suchspiel. Mit seinen Freunden Otto und Enrico und der quirligen Enkelin Julia begibt sich Herbert auf völlig neue Pfade ...

Ach ja, ich liebe den Stil von Thomas Krüger! Ich bin ein großer Fan von Erwin und den Enten und hatte ein wenig Sorge, dass dieses Buch ein bisschen ein Abklatsch werden könnte. Zum Glück aber ist das weit gefehlt! Auch wenn ich sehr früh ahnte, wie alles enden wird und was es mit dem Kuhnasenrucksack auf sich hat, war die Lektüre doch an keiner Stelle langweilig oder albern. Alles passt so wunderbar in sich und auch der schrägste Charakter ist nahezu wie aus dem Leben gegriffen. Besonders Enrico und sein Italo-Deutsch finde ich absolut gelungen. Seit meiner Kindheit gibt es in meinem Leben auch einen solchen Enrico, nur ist er mein „Eismann“ gewesen – und ja, der spricht haargenau wie Enrico! Kein Wunder also, dass ich genau diese Figur besonders ins Herz geschlossen habe.

Die kleinen Missgeschicke, die mehr oder weniger überraschenden Wendungen, die Einfalle der vier Reisenden – ich finde das alles so wunderbar gelungen! Es ist schräg und witzig, aber nicht lächerlich, und genau so mag ich das gern. Die Verwechslungen und zweideutigen Situationen sind urkomisch, aber auch verständlich. Und neben all dem Humor bringt Krüger sehr schön rüber, wie schnell und unbemerkt man Dinge und Menschen als selbstverständlich betrachtet, sich immer weniger bemüht, in einer Seifenblase lebt und was passiert, wenn diese Seifenblase einfach mal platzt. Rasant und turbulent, spritzig und leicht, aber mit einem nicht allzu kleinen Körnchen Tiefsinn hat mich dieser Roman sehr gut unterhalten. Die Opas und Julia sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich möchte behaupten, Krüger hat mich doch auch ein bisschen wachgerüttelt. Ich gebe begeisterte fünf Sterne!

Veröffentlicht am 28.04.2019

Eine lebenslange Trauer und ihr Ende

Der Fall Collini
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Caspar Leinen ist seit wenigen Monaten Anwalt. Ihm wird als Pflichtverteidiger ein Fall übertragen. Als er erfährt, dass das Opfer der Großvater seiner Jugendliebe Johanna ist, den er als Hans Meyer und ...

Caspar Leinen ist seit wenigen Monaten Anwalt. Ihm wird als Pflichtverteidiger ein Fall übertragen. Als er erfährt, dass das Opfer der Großvater seiner Jugendliebe Johanna ist, den er als Hans Meyer und nicht als Jean Baptiste Meyer kannte, will er das Mandat niederlegen. Doch das ist nicht so einfach und so sucht Leinen nach den Gründen für Collinis Tat. Was er entdeckt, verändert alles …

Fast fehlen mir die Worte – dieses Hörspiel ist einfach extrem bewegend. Es fängt recht harmlos an, steigert sich aber sehr schnell durch die Entdeckung, dass Hans Meyer eigentlich Jean Baptiste heißt, wächst sich immer mehr aus und zieht dann immer mehr den Boden unter den Füßen des Lesers/Hörers weg. Was Leinen herausfindet – teils mit Zufällen, die ein bisschen schwach sind für die Klasse der Story – kann niemanden kalt lassen. Die Vorstellung, welche Ungerechtigkeit vielen Opfern zuteilwurde, macht mich wütend und traurig, sprach- und hilflos. Die Tat Collinis ist schlimm, das streite ich nicht ab, doch was andere taten, welche Ungerechtigkeit Collini und seiner Familie widerfahren ist, ist noch schlimmer.

Der Stil ist genial. Hier wird nicht mit der üblichen Art von Spannung gespielt. Man weiß, wer der Täter ist. Man weiß nur nicht, wieso er tat, was er tat. Nur Leinens Neugier, sein unbedingter Wille, herauszufinden, worin die Gründe liegen, seine Nachforschungen, seine „Wegbegleiter“ und die Entdeckungen machen die Wirkung der Story aus. Nur? Es ist große Kunst, die Ereignisse für sich sprechen zu lassen.

Auch wir, die wir die Gnade der späten Geburt erlebt haben, und dennoch nicht die Augen verschlossen haben vor den Gräueln des Zweiten Weltkrieges, informiert sind und alles dafür tun, dass sich das nie wiederholen wird, können noch immer schockiert werden. Denn was Schirach hier zum Thema macht, ist mir so nicht bewusst gewesen und ich denke, das geht nicht wenigen ebenso.

Das Hörspiel ist wunderbar gelungen. Die Teile mit den Textstellen der Schauspieler sind sehr gut gewählt, in allen Belangen, den Stellen selbst und der Masse. Stephan Schad ist ein wunderbarer Sprecher, der die Betonung und Wortmelodie wunderbar setzt.

Mich hat die Story rundum beeindruckt. Sie hinterlässt ein starkes Echo und ich lege jedem nahe, das Buch zu lesen, das Hörspiel oder Hörbuch zu hören oder den Film zu sehen. Aufarbeitung kann nervig sein, aber diese Story ist in meinen Augen wichtig. Fünf Sterne!