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Veröffentlicht am 19.01.2025

Gemeinschaft auf dem Dorf

Im Schnee
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Max ist über 80 und hat alle Zeit der Welt. Es ist Winter, der Schnee fällt, alles ist still, da läutet das Totenglöckchen. Es läutet für seinen lebenslangen Freund, den Schorsch. Die Alten im Dorf folgen ...

Max ist über 80 und hat alle Zeit der Welt. Es ist Winter, der Schnee fällt, alles ist still, da läutet das Totenglöckchen. Es läutet für seinen lebenslangen Freund, den Schorsch. Die Alten im Dorf folgen der Tradition der Totenwacht. Sie kommen zusammen, tauschen Erinnerungen an den Verstorbenen aus und freuen sich an den gemeinsam verbrachten Zeiten noch einmal. Jeder erzählt etwas über ihn, das die anderen nicht oder nicht mehr wussten. Und sie reflektieren automatisch ihr Verhalten dabei.

Dieses Buch ist so still, wie eine Schneenacht. Und doch ist es so laut, wie eine Autobahn zu Stoßzeiten. Es sagt so wahnsinnig viel, gerade und auch zwischen den Zeilen. Ich habe einige der Dinge, die erzählt wurden, als Kind noch selbst erlebt und weiß, dass die Kinder heute darüber mit offenen Mündern staunen würden und nicht fassen könnten, dass es Zeiten gab, in denen es im Ort nur zwei, drei Telefone gab und die die ganze Bevölkerung mitnutzte. Ich erkannte so vieles wieder, das ich als Kind erlebt hatte. Schmunzeln musste ich besonders über die Neubürger, die bei uns Zugezogene heißen. Die Schilderungen über die stillen Übereinstimmungen, die wortlosen Aktionen, treffen direkt ins Schwarze. Eigentlich traurig, aber irgendwie hatte das damals alles so schon für das Dorf gepasst, sogar die ganz schlimmen Dinge, die es eben auch gab. Die Totenwacht hat mich selbst ebenso dazu gebracht, über mich und das Leben nachzudenken, wie die Figuren im Buch beim Erzählen das ebenso tun.

Thomas Loibl setzt den Text von Tommie Goerz perfekt um. Er legt eine Wärme in seine Stimme, die sowohl Liebe, als auch Trauer so schön ausdrückt, dass man die Story im Herzen spürt, während man sie hört. Die Sprachmelodie ist wunderschön und macht auch ein wenig melancholisch. Eigentlich möchte man, auch wenn man relativ jung ist und mit dieser Tradition der Totenwacht nur über die Großeltern oder noch weiter zurück zu tun hatte, den Brauch aufleben lassen. Schöner kann man eigentlich von niemandem Abschied nehmen. Das Ende ist bittersüß, aber trotz aller Traurigkeit absolut in sich stimmig und dürfte eigentlich auch kein bisschen anders sein. Kurze Geschichte, lange Wirkung.

Mich hat dieser Roman sehr bewegt und zugleich glücklich und traurig gemacht, vor allem aber hat er mich zum Nachdenken gebracht und in mir hallt dieses Gefühl noch immer an. Ich lausche sozusagen einem weit entfernten Totenglöckchen. Fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 15.01.2025

Die Wahrheit

Das Mörderarchiv: Der Tod, der am Dienstag kommt
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Kaum gewöhnt sich Annie langsam daran, dass sie das Landgut von Tante Francis geerbt hat, taucht die Wahrsagerin Peony Lane bei ihr auf und überbringt ihr ein paar Neuigkeiten, die Annie lieber nicht gehört ...

Kaum gewöhnt sich Annie langsam daran, dass sie das Landgut von Tante Francis geerbt hat, taucht die Wahrsagerin Peony Lane bei ihr auf und überbringt ihr ein paar Neuigkeiten, die Annie lieber nicht gehört hätte. Und doch ist ihre Neugier geweckt. Immerhin hat Tante Francis ja auch ein gut gepflegtes Mörder-Archiv hinterlassen. Als die Wahrsagerin dann mit einem alten Dolch, den Annie kurz zuvor gefunden hatte, ermordet in Annies Orangerie liegt, bleibt ihr nichts anderes übrig, als herauszufinden, wer der Mörder ist und warum der Mord ihr angehängt werden soll.

Auch ohne den ersten Teil zu kennen, ist dieser zweite sehr unterhaltsam. Ein klein wenig britischer Humor, schön schwarz und trocken, klingt in fast jeder Zeile mit, aber auch eine Menge Gefühl. Diese Mischung ist sehr angenehm und kein bisschen kitschig. Man begleitet Annie sehr gern bei ihren Ermittlungen. Sie ist sehr sympathisch, sodass man mit ihr fiebert und fühlt. Auch die anderen Figuren sind sehr ansprechend angelegt. Selbst die unsympathischen gefallen mir. Man sieht ihre Schwächen, die zu ihrer unangenehmen Art führen. Das Leben hat sie alle irgendwie geprägt.

Die Geschehnisse sind spannend und rätselhaft. Es gibt immer mehr Puzzleteilchen und das Archiv sowie die Vorhersagen von Peony Lane spielen eine immer größere Rolle. Dass die Vergangenheit von Peony erzählt wird, ist berührend. Die Erzählstränge von Annie und Peony und damit Francis wechseln sich immer ab. Seltsamer Weise hatte ich öfter die beiden Frauen und Zeiten verwechselt, obwohl immer klar von der entsprechenden Figur und natürlich ihren Zeitgenossen gesprochen wird. Das hat mich ein bisschen abgelenkt und irritiert. Dennoch hatte ich vorzügliche Cozy-Crime-Zeit und gebe daher vier Sterne.

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Ein ganz besonderes Kochbuch für engagierte Hobbyköche

Meersalz
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Viele sagen, dass Salz eben Salz ist und es keine Unterschiede gibt. Das mag chemisch per Formel zutreffen, doch spielen so viele weitere Faktoren mit, die zum Geschmack beitragen, dass ich in meiner Küche ...

Viele sagen, dass Salz eben Salz ist und es keine Unterschiede gibt. Das mag chemisch per Formel zutreffen, doch spielen so viele weitere Faktoren mit, die zum Geschmack beitragen, dass ich in meiner Küche tatsächlich eine ganze Reihe unterschiedlicher Salzsorten habe und nutze. Klar, dass mich dieses Buch geradezu magisch angezogen hat.

Die Texte zum und über Salz sind informativ und sogar unterhaltsam. Dagegen habe ich mit den eigentlichen Rezepten dann ein kleines bis mittleres Problem. Sie sind schlicht zu ausgefallen, es werden zu exotische Produkte verwendet und selbst die vermeintlich einfachen Gerichte bzw. Rezepte kommen nicht ohne eine Zutat aus, die eher ausgefallen ist und die man nicht unbedingt in der Vorratskammer hat. Und natürlich wird mit dem Salz der Familie Lea-Wilson gewürzt.

Die Rezepte sind aus allen Ecken der Welt zusammengestellt. Vegan ist hier nichts, vegetarisch nur weniges. Wie auch die Kapitel sind die Rezepte neben den deutschsprachigen Titeln auch auf Walisisch angegeben. Das hat natürlich einen besonderen Charme, auch wenn oft nur grob übersetzt wurde.

Unterteilt ist das Buch in die Kapitel Rohkost + co.; Aus Topf und Ofen; Mit Salzlake verfeinern; Einmachen + Fermentieren; Trockenbeizen; Der Geschmack des Meeres; Süßes + Getränke. Es finden sich Angaben zu Portionsanzahl und Zeitbedarf, ein kleiner Einführungstext, die Zutatenlisten und gut verständliche und ausführliche Arbeitsanweisungen bei jedem Rezept. Auf Nährwertangaben wurde verzichtet, was mich nicht stört. Auch ist bei jedem Rezept mindestens ein tolles Foto dabei.

Das Buch ist ein echter Augenschmaus und die Speisen sprechen sehr an. Für Anfänger halte ich das Buch aus mehreren Gründen für ungeeignet, vorweg eben aufgrund des Bedarfs an weniger geläufigen Zutaten, aber auch wegen der für Anfänger in meinen Augen anspruchsvollen Vorgänge. Für engagierte Hobbyköche und Fans ausgefallenen Salzes ist dieses Buch aber ein tolles Geschenk. Auch wenn man eher darin liest, als die Rezepte oft nachzukochen, ist es ein Highlight im Kochbuch-Regal. Als Kochbuch für alle Tage ist es nichts, aber für die besonderen Highlights. Daher gebe ich trotz Kritik die vollen fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Herrlich!

In einem Zug
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Eduard Brünhofer ist Schriftsteller, hat schon länger nichts mehr veröffentlicht und hat eine längere Zugfahrt vor sich, nämlich von Wien nach München. In seinem Abteil sitzt eine Frau, die ihn zögerlich ...

Eduard Brünhofer ist Schriftsteller, hat schon länger nichts mehr veröffentlicht und hat eine längere Zugfahrt vor sich, nämlich von Wien nach München. In seinem Abteil sitzt eine Frau, die ihn zögerlich anspricht. Brünhofer ist ein wenig enttäuscht, dass sie dachte, er sei ihr alter Englischlehrer. Seine Gedanken und wie er den Verlauf ihrer nun folgenden Dialoge schildert, machen Brünhofer mal sympathisch, mal unsympathisch. Menschlich eben.

Die Beobachtungen, die Glattauer seinen Protagonisten machen lässt, sind einfach köstlich. Auch wie sich das Verhältnis der beiden Passagiere entwickelt ist spannend und interessant. Catrin Meyr bringt Eduard Brünhofer dazu, mehr zu reden, als dieser es auf der Zugfahrt wollte. Die Entwicklung ist amüsant und man hört quasi gerne zu, so unentdeckt als Leser oder Hörer. Etwa bei der Hälfte der Story hatte ich einen Verdacht, worauf es hinauslaufen wird.

Da Brünhofer Liebesromane schreibt, ist nicht verwunderlich, dass die beiden viel über die Liebe reden. Dabei entstehen fast schon philosophische Gedanken. Glattauer spielt wunderbar mit Worten und seinen Protagonisten. Auch Bahnhöfe, Züge, örtliche Besonderheiten, menschliche Besonderheiten und das Weltgeschehen allgemein werden hier und da eingeflochten und auf die eine oder andere Weise abgewatscht. Bissig, aber mit ganz viel Herz, hält Glattauer allen, seinen Figuren und auch uns, den Spiegel vor. Es ist einfach nur großartig!

So wurde ein Buch über die Liebe daraus, das völlig ohne Gefühlsduselei auskommt, ohne Geschnulze. Und dennoch macht es glücklich und regt dazu an, über die eigene Beziehung nachzudenken und festzustellen, wie schön es ist, wenn man so viele Jahre gemeinsam verbracht und das genossen hat.

Ich freue mich sehr, dass ich dieses Juwel entdeckt habe und lege es allen mit den wärmsten Worten ans Herz! Ganz klare fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 12.01.2025

War es ein Fehlurteil?

Allein gegen die Lüge
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Danny Pine wurde vor sieben Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er angeblich seine Highschool-Freundin ermordet hat. Er beteuert, er ist unschuldig. Seine Familie sammelt Beweise, um Danny freizubekommen. ...

Danny Pine wurde vor sieben Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er angeblich seine Highschool-Freundin ermordet hat. Er beteuert, er ist unschuldig. Seine Familie sammelt Beweise, um Danny freizubekommen. Jetzt sind seine Eltern, sein kleiner Bruder und seine jüngere Schwester ums Leben gekommen. Ausgerechnet in Mexiko und bei einem Unfall. Weder Danny noch Matt, Dannys jüngerer Bruder, können das glauben. Eine True Crime Doku bringt den vermeintlichen Unfall mit Dannys Fall in Verbindung. Damit wird eine Reihe Ereignisse ausgelöst, die mit Matts Reise nach Mexiko, um seine Familie überführen lassen zu können, den Anfang findet.

Bei diesem Thriller ist mal wieder der deutsche Titel völlig neben dem Original. Every last fear, also jede letzte Angst, ist sehr viel zutreffender. Das tut der Sache aber keinen Abbruch, dass der Thriller facettenreich aufgebaut ist und im Grunde jeden menschlichen Abgrund nutzt. Es treffen so viele Unsäglichkeiten zusammen, dass man nur so staunt. Spannend ist das alles auf alle Fälle, aber auch etwas überladen und daher auch ein wenig anstrengend. Wenn man weiß, dass Alex Finlay das Synonym eines prominenten Anwalts in Washington DC ist, der mehr als 40 Klienten vor dem Obersten Gerichtshof der USA vertreten hat, wundert das nicht mehr.

Die einzelnen Figuren sind authentisch gezeichnet und lassen sich sehr gut unterscheiden. Sie haben gut ausgeprägte Charaktereigenschaften und Eigenheiten. Das mag ich sehr. Die Zusammenhänge sind anfangs nicht mal zu erahnen, doch mit der Zeit spürt man mehr, als dass man es logisch folgert, wohin der Hase läuft. Viele extreme, ausgefallene Situationen ergeben ein dramatisches Puzzle. Die unterschiedlichen Perspektiven und damit verbundenen Erzählstränge sind jedoch zum Teil auch ein wenig ermüdend und auch verwirrend. Insgesamt finde ich zu wenig Tiefe in der Darstellung. Es bleibt alles recht oberflächlich und selbst bei Aufregern regt sich niemand auf. Das befremdet mich dann schon etwas. Erst am Ende, am großen Showdown, kommt endlich Leben in die Figuren, Wut wird herausgelassen und die Figuren handeln so, wie ich es nachvollziehen kann.

Der Stil ist insgesamt gesehen angenehm, nicht zu simpel, mit den True-Crime-Einlagen auch hochmodern. Fast haben wir hier ein Familiendrama, keinen Thriller. Mir ist die Story vier Sterne wert.

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