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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.04.2025

Interessante Grundidee, aber leider nicht spannend

Die Schanze
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Der Anfang rief ja schon eine heftigste Gänsehaut bei mir hervor. Solche Taten kenne ich zwar schon aus vielen anderen Thrillern, aber mich gruselt es jedes Mal aufs Neue.

Dann lerne ich Ellen kennen, ...

Der Anfang rief ja schon eine heftigste Gänsehaut bei mir hervor. Solche Taten kenne ich zwar schon aus vielen anderen Thrillern, aber mich gruselt es jedes Mal aufs Neue.

Dann lerne ich Ellen kennen, die nach einer gescheiterten Beziehung in Hamburg in ihr bayrisches Heimatdorf zurück kehrt, um dort eine Hausarztpraxis zu übernehmen. Aber ihr Vorgänger erscheint nicht wie vereinbart zur Übergabe, die Praxis und auch das dazugehörige Haus sind total heruntergewirtschaftet. Und Ellen hat heftige psychische Probleme, was sich so nach und nach herausstellt. Der Mord an der Schanze geschieht in ihrer ersten Nacht. Ein Zusammenhang ist mehr als klar! Zu ihr gesellt sich Merab, ein Journalist bei der örtlichen Zeitung. Ein sympathischer Geselle, der aber leider etwas farblos bleibt. Ein paar falsche Fährten hat der Autor auch gelegt, aber auch das konnte den Thriller nicht retten.
Denn was richtig spannend hätte sein können, plätschert für mich so
dahin. Der Autor schafft es einfach nicht, den Spannungsbogen straff zu halten, sondern schweift immer wieder ab mit Belanglosigkeiten. Erschwerend kommt hinzu, dass ich Ellen so richtig unsympathisch finde und es fällt mir sehr schwer, mich in sie hineinzuversetzen oder ihre Handlungen nachzuvollziehen.

Lars Menz hat eine düstere und beklemmende Atmosphäre zu schaffen, die gut zu dem abgelegenen Dorf und dem Setting passt. Die Beschreibungen der Umgebung sind sehr gelungen. Der Schreibstil ist ok, aber manchmal etwas abgehackt und das hat mir auch nicht gefallen.

Für mich ist „Die Schanze“ ein eher mittelmäßiger Thriller, der zwar mit einer interessanten Grundidee und einer düsteren Atmosphäre punktet, letztlich jedoch an der fehlenden durchgängigen Spannung und einer unsympathischen Protagonistin scheitert.

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Solider Cold case

Dunkle Asche
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Eine Partynacht im Badeort Kalifornien an der Ostsee endet mit dem Mord an der jungen Sanna. Sie wird mit zwölf Messerstichen getötet und anschließend im Ferienhaus ihrer Eltern verbrannt. Dreißig Jahre ...

Eine Partynacht im Badeort Kalifornien an der Ostsee endet mit dem Mord an der jungen Sanna. Sie wird mit zwölf Messerstichen getötet und anschließend im Ferienhaus ihrer Eltern verbrannt. Dreißig Jahre später versuchen die Kommissarinnen Gudrun Möller und Judith Engster von der Cold Case Unit der Landeskriminalpolizei, den Fall erneut aufzurollen, nachdem ein sterbender Zeuge seine Tochter beschuldigt.

Das klingt und ist zunächst sehr spannend. Die Atmosphäre ist düster, die Ermittlungsarbeit wird detailliert und nachvollziehbar geschildert. Der Schreibstil ist fesselnd. Gudrun und Judith arbeiten zum ersten Mal zusammen und müssen sich erstmal beschnuppern. Dabei geben sie gegenseitig ihre Geheimnisse nicht preis. Die von Gudrun erfahre ich ziemlich schnell, für sie ist ein Heimspiel, denn sie hat damals auch in Kalifornien gefeiert.

In Rückblicken erfahre ich so nach und nach die Hintergründe zu dem, was damals passiert ist. Gleichzeitig werde ich Zeuge, wie der Täter von damals die Ermittlungen beobachtet. Das könnte spannend sein, ist es aber nicht. Zwischenzeitlich zieht sich die Handlung etwas und als man den vermeintlichen Täter gefasst hat, waren einfach noch zu viele Seiten übrig und ich wusste dann, dass da noch mehr kommen muss. Das hat mir nicht gefallen.

Gegen Ende hat Jona Thomsen den Spannungsbogen noch mal gestrafft, aber dennoch lässt mich „Dunkle Asche“ etwas unzufrieden zurück. Motiv und Täter waren zwar eine große Überraschung, mit der ich nicht gerechnet habe, aber dennoch konnte mich der Thriller nicht wirklich begeistern. Ich habe schon weitaus bessere und auch spannendere Cold Cases verfolgt.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Hochspannung in düsterer Atmosphäre

Verlassen
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Schon zum vierten Mal folge ich Eva Björg Ægisdóttir nach Island. Dieses Mal geht es um eine reiche und bekannte isländische Familie, die in einem abgelegenen und hochmodernen Hotel den 100. Geburtstag ...

Schon zum vierten Mal folge ich Eva Björg Ægisdóttir nach Island. Dieses Mal geht es um eine reiche und bekannte isländische Familie, die in einem abgelegenen und hochmodernen Hotel den 100. Geburtstag von ihrem längst verstorbenen Oberhaupt feiern möchte. Von Anfang an ist die Atmosphäre düster. Das Hotel wird ausführlich beschrieben, es dominieren kalte Farben und ein minimalistischer Stil. Ich würde mich dort sehr unwohl fühlen und einigen der Familienmitglieder geht es genau so. Zudem wird das Wetter immer schlechter und stürmischer.

Ich verfolge die Feier aus verschiedenen Perspektiven, denn die Autorin lässt ausgewählte Personen abwechselnd zu Wort kommen: Petra Snæberg, die viel über sich erzählt, ihre Beziehung zu ihrem Ehemann und die Sorgen um ihre Tochter Lea. Diese postet fast alles in Social-Media und fühlt sich zunehmend unwohler, weil ihr einer ihrer Follower dann doch zu nahe kommt. Tryggvi ist eher der Außenseiter in der Familie, denn er hat einen ganz normalen Beruf und fühlt sich in der Welt der Reichen nicht sonderlich wohl. Auch die Hotelangestellte Irma kommt sehr oft zu Wort.

Eva Björg Ægisdóttir springt in der Zeit hin und her und auch aus der Sicht von Polizist Saevar aus Akranes verfolge ich die Geschichte weiter. Ihn kenne ich schon aus den vorherigen Bänden, die aber zeitlich nach „Verlassen“ angesiedelt sind. Viele der Kapitel enden mit Cliffhangern und erst so nach und nach löst Eva Björg Ægisdóttir einige Geheimnisse auf bis es am Ende zum großen Knall kommt. Erst dann erfahre ich, wer die verschwundene Person ist und als dann alle losen Fäden zusammen geführt sind, komme ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

„Verlassen“ ist grandios konstruiert und erzählt, der Spannungsbogen durch viele Cliffhanger und Geheimnisse straff gespannt. Die einzelnen Personen sind perfekt gezeichnet und vor allem die mystische Landschaft ist sehr bildlich dargestellt. Ich bin begeistert!

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Lip Girl

Not your Darling
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Die junge Britin Margaret hat einen Plan und den setzt sie mit viel Energie in die Tat um. So landet sie mit einer List in Amerika und aus Margaret wird Loretta. Schon die ersten Zeilen ließen mich schmunzeln ...

Die junge Britin Margaret hat einen Plan und den setzt sie mit viel Energie in die Tat um. So landet sie mit einer List in Amerika und aus Margaret wird Loretta. Schon die ersten Zeilen ließen mich schmunzeln und ich war gespannt, was mich in diesem Roman erwartet. Ich wurde nicht enttäuscht. Loretta ist einfach cool und ich fand es faszinierend, wie konsequent sie mit ihrem starken Willen ihre Pläne verfolgt. Dabei lässt sie sich nicht von Rückschlägen aufhalten und meistert selbst unangenehme Situationen mit der ihr ganz eigenen Art. Schon nach wenigen Kapiteln war ich ein großer Fan von Loretta.

Katherine Blake führt mich hinter die Kulissen von Hollywood, die nicht so glamourös sind, wie uns immer vorgegaukelt wird. Aber gepaart mit dem Charme der Fünfziger Jahre, den Katherine Blake gekonnt eingefangen hat, war es meistens ein großes Vergnügen, diesen Roman zu lesen. Eins der Highlights war für mich die Oscar Verleihung, bei der ich das Gefühl hatte, live dabei zu sein.

Loretta Darling ist ein Paradebeispiel für eine taffe Frau, die trotz widriger Umstände und mieser Erfahrungen in Hollywood nicht aufgibt, Freundschaften knüpft und letztlich Erfolg hat. Das hat mich ganz besonders gefreut.

Ich fand „Not your darling” erfrischend und inspirierend und der fesselnde Plot und die starken Charaktere haben mich überzeugt.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

So viele Geheimnisse

Stromlinien
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In jeder Familie gibt es Geheimnisse. Manchmal ist es gut, meistens eher nicht. Die Zwillinge Enna und Jale müssen mit vielen Geheimnissen aufwachsen. Ihre Mama sitzt seit vielen Jahren im Gefängnis, die ...

In jeder Familie gibt es Geheimnisse. Manchmal ist es gut, meistens eher nicht. Die Zwillinge Enna und Jale müssen mit vielen Geheimnissen aufwachsen. Ihre Mama sitzt seit vielen Jahren im Gefängnis, die Zwillinge kennen sie nur von Besuchen. Sie fiebern dem Tag entgegen, an dem sie endlich entlassen wird. Doch dann kommt alles anders. Enna ist plötzlich und das erste Mal in ihrem Leben auf sich gestellt. Denn Jale ist verschwunden und Enna versucht sie verzweifelt zu finden. Gleichzeitig deckt sie immer mehr Familiengeheimnisse auf, die Generationen umfassen und selbst ich als Zuschauer war teilweise damit überfordert. So vieles ist passiert, was ich nicht immer nachvollziehen konnte und ein paar Mal habe ich mich gefragt, wie all diese Geheimnisse in all den Jahren nicht entdeckt wurden.

Schauplatz dieser spannenden und emotionalen Geschichte ist die Elbmarsch und eine Besonderheit in diesem Buch sind die wunderschönen Beschreibungen. Ich bin noch nie dort gewesen, aber Rebekka Frank hat diesen Landstrich vor meinen Augen so lebendig werden lassen.

Stromlinien ist sehr fesselnd erzählt und die vielen Zeitsprünge und wechselnden Perspektiven halten den Spannungsbogen konstant oben. Einzig Enna erzählt in der Ich-Form, alle anderen beobachte ich. Emotional komme ich oft an meine Grenzen, denn in der Familie der Zwillinge passieren heftige Dinge, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Einige Male kullerten Tränen und ich war fassungslos.

Es handelt sich um eine Familiengeschichte, die so spannend erzählt ist, dass sie auch als Thriller durchgehen könnte. Auch wenn ich für mich einige wenige Ungereimtheiten entdeckt habe, fand ich Stromlinien toll und ich habe die Geschichte sehr gerne gelesen. Spannende und sehr emotionale Unterhaltung ist garantiert!

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