Profilbild von Raeubertochter

Raeubertochter

Lesejury Star
offline

Raeubertochter ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Raeubertochter über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2022

Positive und schöne Geschichte

Die Melodie der Bienen
0

Inhalt: Die 44-jährige Alice hat vor einem Jahr ihren Mann verloren. Seitdem lebt sie allein und ihr ganzer Lebensinhalt sind ihre Bienenvölker. Um jede einzelne Biene, die sie verliert, tut es ihr leid. ...

Inhalt: Die 44-jährige Alice hat vor einem Jahr ihren Mann verloren. Seitdem lebt sie allein und ihr ganzer Lebensinhalt sind ihre Bienenvölker. Um jede einzelne Biene, die sie verliert, tut es ihr leid. Doch sie weiß auch, dass sie bei der Arbeit mit den mehr als hunderttausend Bienen Unterstützung braucht. Dann lernt sie den 18-jährigen Jake kennen, der seit einem dummen Unfall im Rollstuhl sitzt und nicht weiß, wie es weitergehen soll. Kurzentschlossen nimmt sie ihn bei sich auf. Schließlich kommt noch der junge Harry dazu, der sich auf Alices Stellenanzeige meldet. Harry ist vorbestraft, äußerst schüchtern und hat Angst vor Bienen, ist aber dringend auf den Job angewiesen. Diese drei so unterschiedlichen Menschen finden zueinander und lernen dabei ihr Schicksal anzunehmen und positiv in die Zukunft zu schauen.
Als Jake eines Tages erkennt, dass das Summen der Bienen sich verändert hat, findet Alice schnell den Grund dafür heraus und riskiert bei dem Versuch, die Bienen zu retten sogar ihre Arbeitsstelle.

Eileen Garvin erzählt die Geschichte - Ihren Debütroman - ruhig und unaufgeregt und man erkennt schnell, dass sie weiß wovon sie schreibt, denn sie ist selbst Imkerin. Sie verpackt auf unterhaltsame Weise viele interessante Informationen und Wissenswertes über Bienen in ihrer Geschichte und man spürt ihre Liebe zu den kleinen Lebewesen. Zudem gibt es am Anfang jeden Kapitels eine kurze Information über Bienen. Auch die Beschreibungen der ländlichen Umgebung sind gut gelungen, so dass ich beim Lesen ein Bild vor Augen hatte.
Die Autorin beschreibt ihre drei Protagonisten warmherzig und authentisch. Alice, Jake und Harry haben jeder eine schwierige und berührende Vergangenheit, mit deren Folgen sie nun zurecht kommen müssen. Ihr Zusammenleben, Respekt und Verständnis und schließlich die Sorge um das Leben der Bienen, schweißt sie zusammen. Ich fand sie alle drei liebenswert, aber Jake habe ich von Anfang an am meisten gemocht und seine positive Entwicklung und seine Freude an der Arbeit mit den Bienen hat mich ganz besonders berührt.
Ein weiterer Aspekt dieses Romans sind die Auswirkungen von chemischen Düngemitteln auf die Umwelt (u.a. auf die Bienen) und Alices Protest dagegen.
Insgesamt hat mir der Roman wirklich gut gefallen, doch es gibt durchaus auch immer mal wieder Längen.

Fazit: „Die Melodie der Bienen“ ist ein ruhiges und positives Buch über drei Menschen, die gemeinsam den Mut finden, ihr Leben neu anzupacken. Und ein Buch über mehr als hunderttausend Honigbienen, über die ich viel gelernt habe und die ich jetzt mit ganz anderen Augen sehe. 4 Sterne

Veröffentlicht am 25.07.2022

Niedliches Bilderbuch über Neid und Eifersucht

Ekki Eichhorns Krims und Kram - Einmal Beerenmus mit guter Laune
0

Ekki Eichhorn freut sich auf einen neuen Tag in seinem Laden „Krims und Kram“. Doch was ist das? Heute steht kein einziger Kunde vor seiner Ladentür als er öffnet. Alle Tiere, auch sein bester Freund Schmidtchen ...

Ekki Eichhorn freut sich auf einen neuen Tag in seinem Laden „Krims und Kram“. Doch was ist das? Heute steht kein einziger Kunde vor seiner Ladentür als er öffnet. Alle Tiere, auch sein bester Freund Schmidtchen Hase, sitzen ganz vergnügt in dem neuen Café von Amelie. Frechheit! Ekki ist beleidigt und eifersüchtig und ohne, dass er es eigentlich beabsichtigt, verbreitet sich in Windeseile ein schlimmes Gerücht im Wald und Amelies Café bleibt leer. Oh, das hat Ekki nicht gewollt! Zum Glück bekommt er bald die Gelegenheit, seinen Fehler wieder gutzumachen.

Ekki und Schmidtchen kannte ich schon aus dem ersten Bilderbuch von Katja Reider und Andrea Ringli „Auch Muffelhörnchen brauchen Freunde“, das mir auch sehr gut gefallen hat. Deshalb habe ich mich gefreut, Ekki und Schmidtchen wiederzusehen. Ekki, das Muffelhörnchen, das erstmal alles negativ sieht und häufig etwas zu muffeln hat und sein bester Freund Schmidtchen, der Schlurfhase, der immer gelassen bleibt und stets fröhlich ist. Auch dieses neue Bilderbuch finde ich wieder sehr gelungen.
„Einmal Beerenmus mit guter Laune“ ist eine Geschichte über Neid und Eifersucht, über Missverständnisse und zu schnelle Urteile. Schön, dass Ekki sofort weiß, dass er etwas falsch gemacht hat und schnell handelt, als Hilfe nötig ist. Und durch ein offenes Gespräch werden alle Missverständnisse ganz fix geklärt. Manchmal ist es wirklich so einfach, man muss nur etwas Mut haben.
Das Buch ist sehr niedlich und liebevoll illustriert (nur die Maus mit dem riesigen Kopf gefällt mir nicht so gut) und der Text ist schon für ca. 3-jährige Kinder verständlich. Ich freue mich schon aufs Vorlesen…

  • Einzelne Kategorien
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.07.2022

Farbenprächtiges Familien-Epos

Terra di Sicilia. Die Rückkehr des Patriarchen
0

Inhalt: Barnaba Cabonaro, genannt Nino, wächst Ende des 19. Jahrhunderts in einer armen Familie in Sizilien auf. Er will es einmal weiterbringen als sein Vater und träumt von Reichtum. Er kann weder lesen ...

Inhalt: Barnaba Cabonaro, genannt Nino, wächst Ende des 19. Jahrhunderts in einer armen Familie in Sizilien auf. Er will es einmal weiterbringen als sein Vater und träumt von Reichtum. Er kann weder lesen noch schreiben, aber hervorragend rechnen. Und tatsächlich schafft er es mit dieser Begabung, sowie durch Glück, Cleverness und Hartnäckigkeit vom bettelarmen geprügelten Jungen zum angesehenen Zitrushändler aufzusteigen. Sein Leben ist ein Auf und Ab, mal feiert er Erfolge, mal verliert er alles. Im Laufe seines Lebens zeugt er 24 Kinder mit verschiedenen Frauen, von denen nur wenige überleben.
Im Jahr 1960 reist er zu seiner Familie nach München und blickt auf sein ereignisreiches Leben zurück.

Meine Meinung: Genauso wie Barnabas Leben, so hatte dieser Roman auch für mich seine Höhen und Tiefen. Mal war ich begeistert, mal mochte ich nicht weiterlesen.
Was mich auf jeden Fall überzeugt hat, ist der ganz besondere Schreibstil von Mario Giordano. Er erzählt die Geschichte von Barnabas Leben sehr lebendig, bildhaft, intensiv, manchmal sogar poetisch und oft mit einer Prise Humor, die mich zum Schmunzeln brachte, Auch die Atmosphäre Siziliens hat er wunderbar beschrieben. Trotzdem waren mir viele Passagen zu lang und detailliert erzählt.
Die Charaktere des Romans sind vielschichtig, interessant und größtenteils authentisch beschrieben. Obwohl ich Barnaba als Kind noch sehr mochte und mit ihm mitfühlen konnte, hat diese Sympathie im Laufe der weiteren Handlung immer weiter nachgelassen. Zwar bedauerte ich ihn wegen seiner Schicksalsschläge, aber nah kam er mir irgendwann nicht mehr. Frauen üben zeit seines Lebens einen großen Einfluss auf Barnaba aus, angefangen bei seiner Mutter, die sich nach dem Tod des Vaters an ihn klammert. Dazu kommt seine Ehefrau und zahlreiche Geliebte, denn treu zu sein, fällt ihm schwer und es kommt oft anders als geplant.
„Terra di Sicilia“ ist ein atmosphärisches und farbenfrohes deutsch-italienisches Familien-Epos, bei dem mich hauptsächlich der Schreibstil und weniger die Handlung begeistert hat.

Veröffentlicht am 16.07.2022

Spannend und mysteriös, aber mit kleinen Schwächen

Das Haus der stummen Toten
0

Inhalt: Bei einem ihrer regelmäßigen sonntäglichen Besuche findet Eleanor ihre Großmutter Vivianne ermordet auf. Obwohl ihr der Täter kurz zuvor noch im Treppenhaus entgegengekommen ist, kann sie ihn aufgrund ...

Inhalt: Bei einem ihrer regelmäßigen sonntäglichen Besuche findet Eleanor ihre Großmutter Vivianne ermordet auf. Obwohl ihr der Täter kurz zuvor noch im Treppenhaus entgegengekommen ist, kann sie ihn aufgrund ihrer Gesichtsblindheit nicht beschreiben.
Einige Wochen später erfährt sie, dass ihr Vivianne einen Gutshof namens Solhöga vererbt hat, von dem sie bisher noch nie gehört hat. Zusammen mit ihrem Freund Sebastian und einem Notar fährt sie zu dem Anwesen um eine Bestandsaufnahme zu machen. Dort erwartet sie Veronika, ihre Tante, die auch erbberechtigt ist. Schon bald geschehen erschreckende und verstörende Dinge auf Solhöga und ein Schneesturm hält sie auf dem Anwesen fest…

Meine Meinung: Der Schreibstil von Camila Sten lässt sich leicht und flüssig lesen und auch der verlassene und düstere Schauplatz gefiel mir gut. Auch die Idee mit der Gesichtsblindheit der Protagonistin fand ich interessant und perfekt für einen Thriller geeignet. Gesichtsblindheit, genannt Prosopagnosie, bezeichnet die Unfähigkeit, Personen allein anhand des Gesichts zu erkennen. Der Betroffene muss sich deshalb bestimmte charakteristische Merkmale der Person einprägen, z.B. Frisur, Gesten oder die Stimme.
Die Autorin erzählt diese Geschichte auf zwei Zeitebenen aus zwei verschiedenen Perspektiven. In der Gegenwart begleiten wir Eleanor auf Solhöga und in der Vergangenheit erhalten wir Einblicke in das Tagebuch von Anouschka, einem jungen Mädchen, das in den 60er Jahren als Hausmädchen für Vivianne gearbeitet hat. Vor allem die Geschichte in der Vergangenheit entwickelt sich nur langsam, aber irgendwann konnte ich die Zusammenhänge und die spätere Auflösung schon erahnen.
Von Anfang an herrscht durch das große alte Haus und später auch durch das dichte Schneetreiben eine düstere, bedrückende und manchmal sogar unheimliche Atmosphäre, die mir gut gefallen hat. Trotz vieler spannender Passagen kommt die Handlung aber nur relativ langsam voran und das Buch konnte mich leider nicht so packen, wie ich es erhofft hatte. Auch mit den Charaktere bin ich nicht so richtig warmgeworden. Vor allem Sebastians Verhalten fand ich ungewöhnlich und ihn als Charakter langweilig. Eleanor ist ganz eindeutig die Mutigere und Interessantere der beiden!
Die Auflösung zu den Vorkommnissen in der Gegenwart fand ich zu konstruiert, da hatte ich eine andere Überraschung erwartet.

Fazit: Insgesamt ist „Das Haus der stummen toten eine spannende und mysteriöse Geschichte mit einigen Schwächen.

Veröffentlicht am 15.07.2022

Absoluter Pageturner

Als das Böse kam
0

Der Schreibstil von Ivar Leon Menger ist einfach, mit relativ kurzen Sätzen und lässt sich sehr schnell lesen. Die ganze Geschichte wird aus Junos Sicht erzählt und man merkt an ihrem Verhalten und ihren ...

Der Schreibstil von Ivar Leon Menger ist einfach, mit relativ kurzen Sätzen und lässt sich sehr schnell lesen. Die ganze Geschichte wird aus Junos Sicht erzählt und man merkt an ihrem Verhalten und ihren Gedanken, dass sie in Isolation und ohne jeglichen Kontakt zu anderen Menschen außer ihrer Familie aufgewachsen ist. Teilweise wirkt sie deshalb sehr naiv.
Der Klappentext ist nicht besonders aussagekräftig und ich war sehr gespannt, was mich erwartet. Und schon nach wenigen Kapiteln kommt es zu einer Wendung, die mich absolut überrascht hat. Von diesem Moment an habe ich das Buch nicht mehr zur Seite gelegt, sondern an einem langen Abend durchgelesen. Die düstere, oft beklemmende Atmosphäre auf der kleinen Insel hat mir gut gefallen und ich konnte mir die Umgebung gut vorstellen. Nicht alle Charaktere und Handlungen fand ich authentisch, vor allem das Verhalten von Junos Eltern ist meiner Meinung nach teilweise überzogen und unglaubwürdig. Auch Luca konnte konnte ich nicht richtig einschätzen, bis zum Schluss habe ich ihm immer wieder misstraut und fand auch ihn nicht immer glaubwürdig. Leider habe ich auch nach dem Beenden des Buches immer noch offene Fragen - aber es ist unglaublich spannend!

Fazit: Ein absoluter Pageturner, dem ich aufgrund der permanenten Spannung einige Schwächen verzeihe.