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Veröffentlicht am 04.03.2025

Wenig Spannung, viele Klischees

Skin City
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„Skin City“ war mein erster Krimi des preisgekrönten Autors Johannes Groschupf, und entsprechend groß waren meine Erwartungen. Groschupf verbindet darin drei Handlungsstränge miteinander: Zum ersten ist ...

„Skin City“ war mein erster Krimi des preisgekrönten Autors Johannes Groschupf, und entsprechend groß waren meine Erwartungen. Groschupf verbindet darin drei Handlungsstränge miteinander: Zum ersten ist da der Georgier Koba, Mitglied einer Bande, die im Akkord Einbrüche in Villen und Einfamilienhäuser rund um Berlin begehet. Der zweite Strang dreht sich um die Polizistin Romina. Ihre Familie gehört zur Gruppe der Sinti und Roma und hat Vorbehalte gegenüber ihrem Beruf, ihr Vater saß im Gefängnis und ihre Schwester ist etwas zurückgeblieben. Und dann ist da noch Jacques Lippold, der wegen Umsatzsteuerbetruges im Gefängnis saß und nach seiner Haftentlassung in die Kunstszene einsteigen und das große Geld machen möchte.

Besonders stark fand ich die Geschichte rund um Lippold und die Berliner Künstlerszene. Inwieweit die Schilderungen der Realität entsprechen, kann ich nicht beurteilen, doch der aufgeheizte Kunstmarkt, bei dem weniger künstlerische Expertise als die Investition und die Teilhabe an den aktuellen Hypes zählen wirken sehr glaubhaft. Bei Kaviar und Schickimicki-Küche werden Netzwerke geknüpft, der Geldadel ist unter sich. Auch der Part um Koba und die Einbruchsserie ist fesselnd geschrieben. Die schwächsten Momente hat die Handlung immer dann, wenn Romina ins Spiel kommt. Hier werden mir eindeutig zu viele Klischees bedient. Romina, die letztendlich nicht von ihrer Herkunft loskommt, in der nach wie vor ein Outlaw steckt, und die als Frau – na klar – hoch emotional reagiert und sich in den entscheidenden Momenten unprofessionell verhält und übertölpeln lässt. Die gesamte Figur wirkt auf mich unglaubwürdig, platt und schwach gezeichnet.

Auch die Spannung hält sich bei diesem Krimi in engen Grenzen, er liest sich eher wie eine Berliner Milieustudie. Insgesamt bleibt dieser Krimi leider weit hinter meinen Erwartungen zurück und ist eher Mittelmaß.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Der schöne Schein

Ein ungezähmtes Tier
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Bisher hatte ich von Joël Dicker noch nichts gelesen, aber die Leseprobe hat mich sofort angesprochen, und so war ich sehr gespannt auf das Hörbuch.
Sophie und Arpad wohnen in einem großen Haus in einem ...

Bisher hatte ich von Joël Dicker noch nichts gelesen, aber die Leseprobe hat mich sofort angesprochen, und so war ich sehr gespannt auf das Hörbuch.
Sophie und Arpad wohnen in einem großen Haus in einem Nobelvorort von Genf und sind ein Bilderbuchpaar - glücklich verheiratet, zwei Kinder, wohlhabend, tolle Jobs. Mit dem Ehepaar Greg und Karine aus der Nachbarschaft verbindet sie seit kurzem eine Freundschaft, die für den Polizisten Greg jedoch viel mehr ist. Er ist besessen von Sophie und spioniert ihr nach. Doch da ist nicht nur Greg, sondern auch ein geheimnisvoller Unbekannter, der Sophies Schritte verfolgt…Und wie hängt das alles mit einem Juwelenraub in der Genfer Innenstadt zusammen?

Joël Dickers Thriller beginnt mit einem Juwelenraub in Genf und blickt von diesem Tag im Juli 2022 zurück auf die Ereignisse der Wochen zuvor. In weiteren Rückblenden erfährt man Stück für Stück immer mehr über die Vergangenheit und das Leben der Figuren in den letzten 15 Jahren. Diese Zeitsprünge erfordern eine gute Konzentration und genaues Zuhören, doch ich liebe Romane, die häufig die Zeitebene wechseln, so dass mich genau dieser Kniff sehr angesprochen hat. Dicker hat einen raffiniert konstruierten Thriller entworfen, der bis zur allerletzten Seite hochspannend bleibt und immer wieder mit unerwarteten Wendungen überrascht. Weniger überzeugt haben mich die Figuren, die mir zudem ausnahmslos unsympathisch waren. Diese sind diese entweder schickimicki-neureich oder darauf bedacht, mit den Reichen mithalten zu können. Der schöne Schein und Status sind alles. Moralische Bedenken hat keiner der Protagonisten während der gesamten Handlung, der eigene Vorteil ist der einzige Antrieb. Dies führte dazu, dass es mir tatsächlich egal war, wie die Geschichte für die einzelnen Charaktere ausging, und mich die Story emotional völlig kalt ließ.
Torben Kessler liest das Hörbuch mit klarer, angenehmer Stimme und versteht es, jeder Figur einen eigenen Ton zu verleihen. Ich habe ihm sehr gerne zugehört.

Insgesamt hat mich der Thriller sehr gut unterhalten und war bis zu Schluss sehr spannend. Allerdings wirkte die Geschichte doch recht konstruiert, stellenweise etwas überzogen und wenig glaubwürdig. Hierfür vergebe ich knappe 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Spionage, Menschenhandel und Schmuggel im Nachkriegswien

Internationale Zone
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Beim Lesen dieses Romans fühlte ich mich sofort an „Der dritte Mann erinnert“ – sicher nicht ganz zufällig, da auch die beiden Autoren eine kleine Hommage an Graham Greene direkt eingebaut haben.

Kurz ...

Beim Lesen dieses Romans fühlte ich mich sofort an „Der dritte Mann erinnert“ – sicher nicht ganz zufällig, da auch die beiden Autoren eine kleine Hommage an Graham Greene direkt eingebaut haben.

Kurz nach dem Krieg ist Wien ein internationaler Dreh- und Angelpunkt für Spionage, Schmuggel und Menschenhandel. Die Stadt ist unter den vier Besatzungsmächten aufgeteilt, die Kontrolle über den ersten Bezirk, die sogenannte „Internationale Zone“ im engeren Sinne, wechselt monatlich zwischen den vier Mächten. Milo Dor und Reinhard Federmann schildern in diesem 1953 entstandenen Werk die kriminellen Machenschaften, die sich im Nachkriegswien abspielten, unter den Augen und teilweise unter Mitwirkung der Besatzungskräfte.

Die Protagonisten sind – bis auf eine Ausnahme – alles zwielichtige Gestalten aus der Halbwelt. Teilweise haben sie lange Flucht- und Lagererfahrungen während der Kriegszeit hinter sich und versuchen nun, durch kriminelle Machenschaften ein Stück vom großen Kuchen abzubekommen. Da die Autoren das Buch ungefähr zu selben Zeit, in der die Romanhandlung spielt, verfasst haben, wirken die Geschehnisse und auch die Sprache sehr authentisch. Einige Zusammenhänge, die auf politische Ereignisse und Machenschaften der Kommunisten während und kurz nach dem Krieg in Ungarn, Rumänien oder Bulgarien anspielten, wurden mir beim Lesen nicht ganz klar – hier fehlten mir entsprechende Detailkenntnisse.

Mir war vor der Lektüre von „Internationale Zone“ nicht bewusst, dass Wien damals ein Drehkreuz für Spione und Kriminelle war, und ich habe durch dieses Buch einen neuen Blick auf diese historische Phase bekommen. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang auch das sehr ausführliche Nachwort, das die Romanhandlung historisch einordnet und die Arbeiter-Zeitung als Inspirationsquelle für Dor und Federmann nennt.

Ein sehr lesenswerter Roman, der glücklicherweise vom Picus-Verlag wieder neu aufgelegt wurde.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

interessante Idee, leider mit deutlichen Schwächen in der Umsetzung

Lichterloh - Stadt unter Ruß
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Mein Sohn hat „Lichterloh“ ganz frisch in der Bibliothek entdeckt, und ich habe mir interessehalber das Buch geschnappt und es ebenfalls gelesen. Die Story beginnt spannend. Nachdem ihre Eltern bei einem ...

Mein Sohn hat „Lichterloh“ ganz frisch in der Bibliothek entdeckt, und ich habe mir interessehalber das Buch geschnappt und es ebenfalls gelesen. Die Story beginnt spannend. Nachdem ihre Eltern bei einem Brand ums Leben gekommen sind, leben die Schwestern Cleo und Gwynnie gemeinsam am Rande von Rußstadt in einer Welt, in der ohne Kohle nichts geht. Entsprechend dicht hängt der Rauch über der Stadt, und die wichtigste Berufsgruppe sind die Schornsteinfeger. Gwynnie forscht im Verborgenen an umweltfreundlichen Techniken zur Energieerzeugung. Cleo ist ebenfalls eine Tüftlerin und repariert heimlich und verbotenerweise defekte Geräte, obwohl dies allein den Schornsteinfegern vorbehalten ist. Ihr sehnlichster Wunsch ist es, Schornsteinfegerin zu werden, doch als einfache Fabrikarbeiterin stehen ihre Chancen schlecht. Eines Tages erhält sie ein verlockendes Angebot, doch darf sie diesem trauen?

Die Atmosphäre in Rußstadt ist eindrücklich beschrieben und man kann sich die dichte Rußwolke über der Stadt und den Feinstaub sehr gut vorstellen. Mit der Umweltproblematik und auch der geplanten Obsoleszenz technischer Geräte greift Sarah M. Kempen aktuelle Themen auf, so dass dies ein wirklich gutes Buch hätte werden können. Doch leider hapert es bei der Umsetzung und der Logik gewaltig. Wenn eine Autorin technische Themen aufgreift, erwarte ich, dass sie fundiert recherchiert hat und die technischen Grundlagen korrekt sind, so dass ein schlüssiges Gesamtkonzept entsteht. Leider merkt man sofort, dass die Autorin von den Techniken, über die sie schreibt, überhaupt keine Ahnung hat, was mich als Naturwissenschaftlerin extrem stört. Ein zentraler Punkt ist der Betrieb der allgegenwärtigen Kohlemaschinen, der physikalisch nicht durchdacht wurde. Um eine Waschmaschine oder Lampen mit Kohle zu betreiben, ist ein Wärmekraftwerk erforderlich. Das ist nichts, was sich in einem Gerät unterbringen lässt. Im Buch hat jedoch jedes Gerät sogar einen eigenen Schornstein, was zeigt, dass nicht etwa pro Haus ein Wärmekraftwerk besteht, sondern pro Gerät. Das ist schlichtweg unmöglich. Wie angesichts der technisch eher rückständig wirkenden Zeit und des behaupteten Materialmangels Gwynnie Windkraft mittels Generator in elektrische Energie umwandeln will, bleibt unklar (wenn schon Schrauben Luxus sind…), und woher sie die Seltenen Erden, die zum Bau von Akkumulatoren nötig sind, herbekommt, geschweige denn die Halbleiter für die Photovoltaik, ist mehr als fraglich. Ganz zu schweigen vom physikalischen Hintergrundwissen dazu, vom den völlig unklar ist, woher Cleo oder Gwynnie dieses haben sollen. Wirklich albern wird es, wenn Cleo mit „Schleifwerkzeugen und Lötkolben“ mal ganz flott eigene Schrauben herstellt, die industriell gefertigten aufs Haar gleichen. Klar kann man einwenden, das sei doch Fiktion, wenn diese allerdings jeglicher Logik entbehrt und das ganze Konstrukt in der Luft hängt, wird es schwierig.

Wenn man darüber hinwegsehen kann, ist die Handlung durchaus spannend geschrieben, und insbesondere Cleo wirkt sympathisch und man kann sich gut in sie einfühlen. Viele Nebenfiguren bleiben aber eher flach, und besonders die Charakterentwicklung von Leander hat mich nicht überzeugt. Ich habe ihm seine Veränderung einfach nicht abgenommen.

Insgesamt ein durchschnittlicher Jugendroman mit klaren konzeptionellen Schwächen. Da gibt es deutlich Besseres.


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Veröffentlicht am 27.02.2025

einfühlsames, fantastisches Tierabenteuer

Foxfighter - Angriff des Schattens (Band 1)
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Ein Abenteuer komplett aus der Sicht eines Fuchses, in dem Menschen nur eine kleine Nebenrolle spielen – dieses eher ungewöhnliche Setting hat meinen Sohn (11) und mich gleich angesprochen.

Akram El-Bahay ...

Ein Abenteuer komplett aus der Sicht eines Fuchses, in dem Menschen nur eine kleine Nebenrolle spielen – dieses eher ungewöhnliche Setting hat meinen Sohn (11) und mich gleich angesprochen.

Akram El-Bahay beschreibt sehr einfühlsam, wie sich Finn im Wald zurechtfinden muss, nachdem ihn seine Menschenfamilie, die ihn aufgezogen hat, dort ausgesetzt hat, und wir haben den Fuchs sofort ins Herz geschlossen. Finns erste Jagdversuche und sein Bemühen, seine Sinne zu schärfen und sich lautlos fortzubewegen, sind aber nicht nur berührend, sondern auch sehr komisch beschrieben, so dass auch der Humor nicht zu kurz kommt. Für diesen sorgt auch der kleine Igel, dem Finn begegnet, und der während der Geschichte immer wieder für Momente zum Schmunzeln sorgt.

Sehr schön beschrieben ist, wie sehr sich Finn danach sehnt, zu einem Rudel, einer Familie, dazuzugehören und Freundschaften zu schließen. Auch Ausgrenzung und Diskriminierung werden thematisiert.

Es dauert ein bisschen, bis die Handlung Fahrt aufnimmt und ein Spannungsbogen entsteht, zumindest habe ich das so empfunden. Einige Muster wiederholen sich, etwa die Szenen, wenn Finn und seine neugewonnene Fuchsfreundin Fabelfell auf die Jagd gehen, oder die Art und Weise, wie Finn brenzlige Situationen meistert. Hier fehlt mir ein bisschen Abwechslung und auch Komplexität innerhalb der Geschichte. Auch die Handlung an sich ist recht vorhersehbar, zumindest für mich als Erwachsene, doch auch meinem Sohn ging es ähnlich. Die Erzählweise ist insgesamt eher ruhig.

Ich würde Foxfighter all jenen empfehlen, die fantastische, einfühlsame Tiergeschichten mit einer guten Portion Abenteuer lieben und weniger Wert auf Action legen.

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