Profilbild von Suedhessin

Suedhessin

Lesejury Star
offline

Suedhessin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Suedhessin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.06.2025

Spannender Gerichtsthriller

Die feindliche Zeugin
0

"Die feindliche Zeugin" ist ein hochspannender Gerichtsthriller der mich von Anfang bis Ende gefesselt hat. Rosa bekommt als Anwältin den Fall des schwarzen Jugendlichen Emmett zugeteilt, der ...

"Die feindliche Zeugin" ist ein hochspannender Gerichtsthriller der mich von Anfang bis Ende gefesselt hat. Rosa bekommt als Anwältin den Fall des schwarzen Jugendlichen Emmett zugeteilt, der im Park einen Weißen erstochen haben soll. Die Zeugenaussagen und Beweise gegen ihn sind erdrückend, er beteuert jedoch seine Unschuld. Rosa glaubt ihm und nimmt den Kampf um seine Freiheit auf.
In fesselndem Schreibstil erzählt Alexandra Wilson nicht nur die Geschichte Emmetts, sondern sie gibt auch eine Einführung in das britische Justizsystem, die ich sehr interessant finde. Auch Rosas Privatleben kommt nicht zu kurz, wodurch man guten Zugang zu ihr als Person bekommt. Sehr gut gelingt es der Autorin, die Angst deutlich zu machen, die der Grund ist, dass Emmett mauert und die spätere Zeugin nicht aussagen will. Außerdem ist es ihr gelungen, mich bis zur letzten Seite über den wahren Tathergang und die Tatperson auf eine falsche Fährte zu führen. So blieb es sehr spannend bis zum Schluss und ich konnte das Buch kauf aus der Hand legen.
Mein Fazit: Unbedingt empfehlenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.06.2025

Tolle Idee, mangelhafte Umsetzung

Sieben letzte Tage
5

Alice und ihre Schwester Fiona kümmern sich gemeinsam um die Mutter, die nach einem Schlaganfall auf Hilfe angewiesen ist. Der Vater hat die Familie verlassen und sich auch vorher nicht durch allzu viel ...

Alice und ihre Schwester Fiona kümmern sich gemeinsam um die Mutter, die nach einem Schlaganfall auf Hilfe angewiesen ist. Der Vater hat die Familie verlassen und sich auch vorher nicht durch allzu viel Fürsorglichkeit hervorgetan. Besonders Alice ist deswegen gar nicht gut auf ihn zu sprechen. Nun erreicht sie die Nachricht, dass der Vater zum Tode verurteilt ist und in sieben Tagen hingerichtet wird. Fiona setzt Alice, die Juristin ist, unter Druck, den Fall des Vaters aufzurollen. Nur widerstrebend begibt sich Alice auf eine gefährliche Reise.

Der Schreibstil ist durchaus packend und die Idee zur Story ist sehr gut. Dennoch konnte mich die Geschichte nicht abholen, denn ich bekam bis zum Schluss keinen Zugang zu den Personen. Besonders Alice als Hauptperson ist mir mit ihren Gedanken und Entscheidungen sehr fremd geblieben. Sie begibt sich teilweise blind in offensichtliche Gefahrensituationen und ist oft geleitet von Vorbehalten und vorschnellen Urteilen. Noch dazu scheint sie Superwoman zu sein, was sie alles in einen Tag packt ist übermenschlich. Ich bin ja sehr für dichterische Freiheit, aber ein wenig sollte man sich doch an der Realität orientieren. So konnte ich mich des Öfteren eines Kopfschüttelns beim Lesen nicht erwehren. Das gilt auch für das extrem harmonische, fast schon kitschige Ende, das zum Verlauf der Geschichte nicht so recht passen will.

Mein Fazit: Eine gute Idee, die in der Umsetzung ausbaufähig ist. So kann ich das Buch leider nur bedingt empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 14.05.2025

Eine Reise in die Toskana

Zypressensommer
0

Die Hamburger Goldschmiedin Julia reist in die Toskana um das Vermächtnis ihres kürzlich verstorbenen italienischen Großvaters zu erfüllen. Zunächst hat sie nur einen Zettel mit ein paar Stichworten, ...

Die Hamburger Goldschmiedin Julia reist in die Toskana um das Vermächtnis ihres kürzlich verstorbenen italienischen Großvaters zu erfüllen. Zunächst hat sie nur einen Zettel mit ein paar Stichworten, den sie mit Hilfe des attraktiven Einheimischen Matteo beginnt zu entschlüsseln. Nach und nach kommt sie so der ebenso tragischen wie dramatischen Familiengeschichte ihres Großvaters auf die Spur.

Die Geschichte wird auf drei Handlungsebenen erzählt. Wir begleiten Julias Nonno Gianni durch seine Kriegsgefangenschaft in Hamburg in den letzten Kriegsjahren ebenso wie Matteos Nonna Giulia bei Ihrer Tätigkeit für die Partisanen in der gleichen Zeit. Mit Julia reisen wir 1998 in die Toskana um die Geheimnisse der Vergangenheit zu lüften. Diese Aufteilung sorgt für Spannung und die stückchenweise Erfüllung von Giannis Vermächtnis. Besonders die Schilderung der Kriegserlebnisse von Gianni und Giulia ist sehr mitreißend, diese Kapitel habe ich verschlungen. Ich habe schon sehr viel gelesen über den zweiten Weltkrieg, über die Vorkommnisse in Italien war aber bisher wenig dabei. So habe ich durch dieses Buch meine Geschichtskenntnisse erweitert. Die Verknüpfung der historischen Fakten mit der fiktiven Familiengeschichte der Contis ist Teresa Simon hervorragend gelungen, es ist deutlich zu merken, dass sie vom Fach ist und umfassend recherchiert hat. Julias Geschichte in 1998 wird ein wenig zu stark zur Liebesgeschichte, die besonders am Ende für meinen Geschmack eine Spur zu kitschig wird. Das ist aber der einzige Kritikpunkt, denn es hat mir den Lesespaß nicht wirklich verdorben. Gerne empfehle ich diesen Roman weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2025

Ein echter Pageturner

Aschesommer
0

Mit diesem zweiten Teil der Reihe um Jakob Krogh, Mila Weiss und ihre Gruppe 4 hat es Benjamin Cohrs endgültig auf die Liste meiner Lieblingsautoren geschafft. Was für ein rasanter Thriller!

Durch ...

Mit diesem zweiten Teil der Reihe um Jakob Krogh, Mila Weiss und ihre Gruppe 4 hat es Benjamin Cohrs endgültig auf die Liste meiner Lieblingsautoren geschafft. Was für ein rasanter Thriller!

Durch eine Todesanzeige wird die Gruppe 4 auf einen verlassenen Bauernhof beordert, wo sie in einem Eiskeller zwei aneinander geschmiegte Leichen und eine kryptische Botschaft an der Wand entdecken. Schnell führen die Hinweise zu einem verurteilten Dreifachmörder. Der kann es aber nicht gewesen sein, denn er sitzt sicher verwahrt in der geschlossenen Psychiatrie. Für die Ermittler der Gruppe 4 beginnt eine fieberhafte Jagd, denn weitere Opfer sind angekündigt.

Der Schreibstil von Benjamin Cohrs ist mitreißend. Es gelingt ihm spielend, von Beginn an Spannung zu erzeugen und diese im Verlauf der Story ins Unermessliche zu steigern. Er hat hier einen eigentlich absurden Fall ausgesprochen genial in eine glaubhafte, nachvollziehbare Geschichte gepackt. Es gibt einige unvorhersehbare Entwicklungen, immer wenn man denkt die Auflösung rückt näher gibt es eine unerwartete Wendung und es geht quasi von vorne los. Besonders gut gefällt mir allerdings, dass auch das zwischenmenschliche im stark belasteten Ermittler-Team nicht zu kurz kommt und mir die Ermittler damit nahe gebracht werden. So werden ihre Handlungen nachvollziehbarer und sie wirken authentisch.
Diesen packenden Thriller habe ich in einem Rutsch verschlungen, er ist für mich bis jetzt das Buch des Jahres. Für schwache Nerven ist er nichts, dafür sind die Morde zu brutal. Aber für "abgebrühte" Thrillerfans kann ich "Aschesommer" wärmstens empfehlen, ebenso wie den ersten Teil "Krähentage".

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.05.2025

Schatten der Vergangenheit

Die Inselschwimmerin
7

Lorraine Kelly erzählt die Geschichte der 38-jährigen Evie, die 20 Jahre nach ihrer überstürzten Flucht von den Orkneys nach London zurückkehrt, um sich von ihrem sterbenden Vater zu verabschieden. Sie ...

Lorraine Kelly erzählt die Geschichte der 38-jährigen Evie, die 20 Jahre nach ihrer überstürzten Flucht von den Orkneys nach London zurückkehrt, um sich von ihrem sterbenden Vater zu verabschieden. Sie kommt zu spät, beschließt aber zu bleiben und sich endlich ihrer Vergangenheit zu stellen. Die Geschichte spielt auf drei Zeitebenen. Da ist zunächst das Kennenlernen und die ersten gemeinsamen Jahre der Eltern und Evies Kindheit ab den 1960-er Jahren. Der zweite Strang spielt 2004 und handelt von den dramatischen Ereignissen, die zu Evies Flucht geführt haben. 2024 begleiten wir Evie ein Stück in ihrem Leben in London und bei ihrer Rückkehr und der Konfrontation mit ihren alten Freunden, ihrer feindseligen Schwester Liv und den Geheimnissen, die sie zurückgelassen hat.

Der einfache, einfühlsame Schreibstil gefällt mir gut, obwohl er an manchen Stellen etwas antiquiert anmutet. Evies seelische Nöte, ihre Schuldgefühle und Ängste sind gut spürbar, aber auch Livs Verletzungen kann ich ein Stück weit nachvollziehen. Der gute Geist des Buches ist Freya, eine alte Freundin von Evies Vater und auch Evie liebevoll zugetan. Ihre Herzensgüte und ihre Bereitschaft, für andere da zu sein zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Hier liegt für mich auch die eigentliche Botschaft des Romans: Er ist eine Aufforderung, in einer Gemeinschaft füreinander da zu sein, immer offen für die Nöte der Mitmenschen zu bleiben.
Die zentrale Frage, was Evie in die Flucht getrieben hat, ist der Motor der Geschichte und führt zu großer Spannung. Nach Aufklärung dieses Geheimnisses flacht die Spannung gegen Ende des Buches ein wenig ab, was dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch tut. Einige kleine Unstimmigkeiten könnte man noch hinterfragen, sie spielen aber keine allzu große Rolle für die Handlung.
Für mich ist dieses Buch rund mit all seinen Facetten, ich habe es von Anfang bis Ende gerne gelesen und kann es aus ganzem Herzen weiter empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre