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Veröffentlicht am 20.03.2026

Der Hype um die Auster?!

Real Americans
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Um das Buch mit der Auster & die dazugehörige Kampagne kommt man gerade nicht vorbei. Auch ich habe mich in den Sog ziehen lassen und ein Rezensionsexemplar erhalten. Aber worum geht es & sind die ersten ...

Um das Buch mit der Auster & die dazugehörige Kampagne kommt man gerade nicht vorbei. Auch ich habe mich in den Sog ziehen lassen und ein Rezensionsexemplar erhalten. Aber worum geht es & sind die ersten Lobeshymnen gerechtfertigt?

Der Roman ist in 3 Teile gegliedert, man könnet vereinfacht sagen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, ganz so simpel lässt es sich dann doch nicht beschreiben. Es beginnt, recht logisch, mit dem ersten Teil und der Liebesgeschichte von Lily und Matthew. Eine Geschichte, die erst einmal sehr stereotypisch wirkt. Sie Tochter chinesischer Einwanderer, er Sohn einer der reichsten Familien Amerikas. Ich gebe zu, anfangs hatte ich die Befürchtung auf eine Art Pretty-Woman-Story getroffen zu sein und wurde, Gott seid Dank, eines Besseren belehrt. In diesem Abschnitt werden buchstäblich die ersten Samen für den Sinn des Buches gelegt & man erahnt langsam, was der Kern sein könnte.

In der Gegenwart, dem zweiten Teil, lernen wir Nick kennen, Lilys Sohn & erleben mit ihm die Zeit vom Jugendlichen zum jungen Erwachsenen. Man erlebt mit ihm Identitätskrisen, erste Entscheidungen zu treffen die sein Leben prägen werden und die Suche nach seinem Vater. Und es tauchen immer wieder ähnliche Fragen und Gedankengänge auf, nach dem Wieso, Warum, Weshalb, Wozu, nach dem Sinn, der Richtigkeit. Was genau muss jeder selbst erlesen.

Der dritte Teil, mein persönlicher Liebling, spielt zwar für das zeitliche Verständnis in der Zukunft, spannt genaugenommen aber den Bogen über die gesamte Geschichte. Hier geht es um May, Lilys Mutter und Nicks Großmutter. Sie erzählt die Geschichte, die wir alle hören wollen, sie gibt für mich der Handlung den Sinn den es braucht. Großartig – no words needed!

BTW wie gut ist dieses Buch nun?

Mein Resümee: Ich habe das Buch sehr gern gelesen, es ist ein gutes Buch mit flüssigen Schreibstil, der sich unkompliziert lesen lässt. Jedoch war es kein Highlight für mich, der erste Teil und auch stellenwiese der zweite Teil, empfand ich als langatmig bzw. unnötig in die Länge gezogen. Der dritte Teil, war perfekt, wundervoll zu lesen und das Ende hat mich mit dem Buch sehr versöhnlich gestimmt. Insgesamt hätte ich mir, weil ich es gerne mag, gewünscht, dass die Ebenen und Charaktere sich im Buch mehr abgewechselt hätten. Fazit eine schöne Lektüre und Leseempfehlung.

Zum Schluss noch ein großes Lob an den KiWi-Verlag für die Kampagne rings um das Buch, ich finde es eine außergewöhnliche Idee, die sehr schön umgesetzt wird und hoffe, dass sie für weitere Bücher erhalten bleibt und fortgeführt wird.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Das letzte Kapitel ...

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
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… vom 89-jährigen Bo der seine Tage mit seinem Hund Buster in der weiten Leere seines Hauses fristet, was er nur noch selten und wenn auch nur kurz für eine Gassirunde verlässt. Doch so leer und einsam ...

… vom 89-jährigen Bo der seine Tage mit seinem Hund Buster in der weiten Leere seines Hauses fristet, was er nur noch selten und wenn auch nur kurz für eine Gassirunde verlässt. Doch so leer und einsam wie es scheint, ist Bo längst nicht. Was ihn ständig begleitet – seine Erinnerungen. Erinnerungen an ein langes Leben, an seine Frau, an seinen Sohn, an harte Arbeit. Erinnerungen die er, jetzt wo er körperlich nicht mehr so schaffen kann, wie er gern wollen würde, Revue passieren lässt. Erinnerungen die er festhält, analysiert, vergleicht und geniest. Erinnerungen die ich hinterfragen lassen, was er hätte anders machen können, was er jetzt noch ändern kann. Erinnerungen an Ungesagtes, Ungefühltes und Ungetanes.

Im Laufe des Romans werden Bo’s Gedanken und Taten mit Einträgen des Pflegedienstes gemischt. Diese Einträge sind, wie die zweite Seite einer Medaille. Und man erkennt, dass keine der Seiten falsch ist, dass es einfach an der Wahrnehmung liegt, daran auf welcher Seite man sich befindet und ja vielleicht auch, ob es einem gelingt, beide Seiten mit Unvoreingenommenheit zu betrachten. Dadurch schafft das Buch ein Verständnis zwischen Generationen, zwischen unterschiedlichem Handeln, zwischen ähnlichen Verhaltensweisen und woher diese rühren.

Dieses Buch hat mich mit Tränen zurückgelassen, etwas das ein Buch selten, um nicht zu sagen bisher in der Form noch nie geschafft hat. Anfangs war ich skeptisch wo diese Reise, um einen alten Mann in seiner Küche, hingehen soll. Bis ich erkannt habe, dass es zum einen seine letzte gedankliche Reise und zugleich eine Reise durch sein Leben ist, welches er in Frieden abschließen möchte.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Zart, Klar & Feinsinnig …

Der letzte Sommer der Tauben
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… kommt der „Letzte Sommer der Tauben“ von Abbas Khider daher. Das Buch fängt einen prägenden Lebensabschnitt des 14-jährigen Taubenzüchters Noah ein. Gerade noch kann er die Unschuld der Jugend genießen, ...

… kommt der „Letzte Sommer der Tauben“ von Abbas Khider daher. Das Buch fängt einen prägenden Lebensabschnitt des 14-jährigen Taubenzüchters Noah ein. Gerade noch kann er die Unschuld der Jugend genießen, als auch in seinem Ort das Kalifat ausgerufen wird und die gesellschaftliche Ordnung, ja sogar das familiäre miteinander wie er es kennt, nie wieder so sein wird wie bisher.

Poetisch, ruhig und bedacht wirken die einzelnen Kapitel und doch entwickelt sich auf Grund der Kürze der einzelnen Erzählabschnitte eine Geschwindigkeit in der Geschichte, die einen als Leser erahnen lässt, wie überwältigend es sein muss, mit solch einem Umbruch zu leben und diesen in kürzester Zeit zu verarbeiten und anzunehmen.

Der Autor beschönigt nicht, er beschreibt in einer Klarheit die Veränderungen, Auswirkungen und Umgang mit der neuen Ordnung, eine Ordnung mit Willkür, Ausgangssperren, Arbeitsverbot für Frauen, Verschleierung und auch wie sich die Familie um Noah um Normalität bemüht, sich ein Stück Normalität zu behalten.

Ich war positiv überrascht über das Buch, hatte es gedanklich überhaupt nicht auf meinem Leseschirm und bin dankbar das ich es über ein Bücherabo erhalten habe.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Fünf Fremde? = Ein Highlight!

Fünf Fremde
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Romy Fölck hat mir mit diesem Buch das erste Lesehighlight des Jahres beschert. Vielen Dank dafür.

Wie sie das geschafft hat? Ganz einfach tatsächlich.
Es gibt Dinge, die mich bei einem Buch sehr ansprechen ...

Romy Fölck hat mir mit diesem Buch das erste Lesehighlight des Jahres beschert. Vielen Dank dafür.

Wie sie das geschafft hat? Ganz einfach tatsächlich.
Es gibt Dinge, die mich bei einem Buch sehr ansprechen und wenn richtig umgesetzt, leserisch einfach begeistern …

… das Setting
Am besten ein Ort an dem ich schon einmal war, einmal hinmöchte oder ein Déjà-vu in mir auslöst. Das sind vor allem Orte mit Bezug zu Wasser. Mit Neuwerk als norddeutsche Insel, ist die Auswahl hier natürlich perfekt. Klein, friedlich, abgelegen und wenn wir ehrlich sind, fragt sich doch jeder was es für Geheimnisse auf so einer Insel gibt.

… die Charaktere
Ich finde es wunderbar, wenn die Story zwischen den einzelnen Protagonisten hin und her wechselt, wie ein andauernder literarischer Dialog, der zwischen den einzelnen Kapiteln abläuft. Hier lässt der Titel und Klappentext erahnen, dass es 5 Personen sind, die miteinander agieren.

… Zeitebenen
Manche mögen es anstrengend finden, wenn in einem Buch mehrere Zeitebenen parallel zueinander herlaufen und immer wieder der zeitliche Sprung erfolgt. Ich persönlich finde das sehr ansprechend, wie diese Ebenen sich immer weiter miteinander verknüpfen und verbinden.

… das Geheimnis
Natürlich muss es in einem Thriller einen ungeklärten Fall geben, der sich dann bis zum Finale immer weiter zuspitzt. Am besten finde ich, wie in diesem Buch, wenn es um einen jahrzehntealten Mord oder Verschwinden einer Person geht, wo man nie weiß, kommt die jetzt gleich um die Ecke gehuscht oder wäre das zu einfach.

… der Schreibstil
All das nützt natürlich alles Nichts, aber auch rein gar nichts, wenn es vom Autor oder wie hier der Autorin nicht gut umgesetzt wird. Romy Fölck hat für mich ein großartiges Werk abgeliefert, das alle Punkte harmonisch miteinander verbindet. Und natürlich ahnt man hier und da etwas, aber das ist ja der Reiz und natürlich stimmen nicht alle Vorahnungen und die Geschichte nimmt eine andere Wendung, schlägt einen Haken oder geht einfach geradlinig weiter, womit man auch nicht gerechnet hat.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Mentale Satzlabyrinthe

Die Enthusiasten
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Shandy, so wird der Ich-Erzählende Vince Bär genannt. Ein Literaturliebhaber, mit weitem Abstand ein Groupie von Laurence Sterne und den neun Bücher des Tristram Shandy, daher der Spitzname. Aufgewachsen ...

Shandy, so wird der Ich-Erzählende Vince Bär genannt. Ein Literaturliebhaber, mit weitem Abstand ein Groupie von Laurence Sterne und den neun Bücher des Tristram Shandy, daher der Spitzname. Aufgewachsen in einer Bücherverrückten Familie, daher rührt wohl seine Leidenschaft, in einem Haus welches buchstäblich von den Büchern darin getragen wird.

Auf der jährlichen Reise nach Coxwold zum Todestag seines liebsten Schriftstellers, den 250. Todestag diesmal, beginnt das monologische Gedankenspiel des Romans. Shandy erzählt von Gegenwart, von Vergangenheit, Zukunft, von Wirklichkeit und Unwirklichkeit, die er sich selber ausmalt. Alles in einem Geflecht aus Sätzen und Gedankensprüngen, die wie ein bunter zu strickender Schal wirken, wo auf kurz über lang, eine Farbe die andere ablöst, ein Gedanke den nächsten strickt, um am Ende alle Fäden zusammenlaufen.

Markus Orths hat mit diesem Werk eine verbale Explosion geschaffen. Es war anfangs schwierig, den Gedanken des Erzählers zu folgen. Irgendwann gibt man sich dem Wechselspiel hin und wartet, diese teils skurrilen Sätze mit ihrem Inhalt lesend, ab wohin die mentale Reise führt. Literarisch hat Orths hier etwas ganz Außergewöhnliches geschaffen, auch wenn ich mich mit dem Inhalt erst im letzten Drittel anfreunden konnte, haben mich die Sätze, die Metaphern, der Schreibstil fasziniert zurückgelassen. Am Ende muss sich jeder Leser selbst die Frage beantworten, was Literatur und das damit verbundene Schreiben und Lesen für ihn ist.

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