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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.07.2023

Mord in Südfrankreich

Ein Sommer in Cassis
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Der aus Frankfurt stammende Kriminalkommissar Jens Schneider verbringt seinen Sommerurlaub im schönen südfranzösischen Cassis. Schnell begibt sich sein Ermittlerherz wieder auf Spurensuche, als die Leiche ...

Der aus Frankfurt stammende Kriminalkommissar Jens Schneider verbringt seinen Sommerurlaub im schönen südfranzösischen Cassis. Schnell begibt sich sein Ermittlerherz wieder auf Spurensuche, als die Leiche einer jungen Frau aus dem Wasser gezogen wird. War es Selbstmord oder stecken ganz andere Dinge dahinter? Was geht in diesem kleinen Ort vor sich und wer weiss alles davon?

Auf den ersten Blick handelt es sich um einen typischen Mittelmeerkrimi: sowohl die heimischen Ermittler als auch die Dorfbevölkerung mauern, tolle Landschaftsbeschreibungen stehen im Vordergrund, der fremde Tourist wird misstrauisch beäugt, bis er selbst in größter Gefahr steckt. Das besondere an diesem Buch ist jedoch für mich die Erzählperspektive aus der Ich-Position des Deutschen, zusätzlich ergänzt durch seine eigenen Tagebuchaufzeichnungen. Jens Schneider bleibt für mich - auch wenn eine Liebesbeziehung in die Geschichte verwoben ist - immer sehr nüchtern und distanziert, eine grosse Nähe konnte ich nicht zu ihm aufbauen, was dem Unterhaltungswert allerdings auch nicht geschadet hat. Der Fall bleibt spannend, die Nebencharaktere interessant und teilweise auch sympathisch.

Gerne habe ich mich ein kurzes Stück mit am Mittelmeer gefühlt, diesen Krimi der etwas anderen Art kann ich guten Gewissens empfehlen.

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Veröffentlicht am 24.07.2023

Schöne Sommerliebe an der Ostsee

Warnemünder Sommer
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Nachdem die junge Lehrerin Rike aus Berlin von ihrem langjährigen Freund Basti mit ihrer besten Freundin betrogen wurde, flüchtet sie zu ihrem Opa nach Warnemünde an die Ostsee, um sich dort in ihren Sommerferien ...

Nachdem die junge Lehrerin Rike aus Berlin von ihrem langjährigen Freund Basti mit ihrer besten Freundin betrogen wurde, flüchtet sie zu ihrem Opa nach Warnemünde an die Ostsee, um sich dort in ihren Sommerferien abzulenken und zu entspannen. Kann sie dort ein neues Liebesglück finden oder hat Basti noch eine Chance verdient?

Dieses wunderbare Sommer-Wohlfühlbuch habe ich fast in einem Rutsch verschlungen. Neben einigen Irrungen und Wirrungen in Rikes Gefühlswelt haben es mir insbesondere auch die tollen Umgebungsbeschreibungen angetan, die einen richtig in die Gegend eintauchen lassen und direkt wieder das Fernweh wecken. Die Figuren - ob alt oder jung - sind (bis auf den ätzenden Basti) durchweg sympathisch und sehr authentisch beschrieben. Gerade Opas peppige Nachbarin Ruth hat mir hier besonders gut gefallen.

Ein sehr empfehlenswerter Roman für den Sommer, das Ende lässt einen jedoch auch auf einen schönen Warnemünder Herbst im Folgeband hoffen!

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Veröffentlicht am 24.07.2023

Zwischen Studium und Olympiade

Wir träumten vom Sommer
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Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht die junge Studentin Amrei, die aus der Pfalz stammt, während des Studiums aber bei ihrer Tante Annamirl in München lebt.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen: In ...

Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht die junge Studentin Amrei, die aus der Pfalz stammt, während des Studiums aber bei ihrer Tante Annamirl in München lebt.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen: In den Jahren 1967/1968 werden der Beginn von Amreis Studium und ihr Leben während der Studentenunruhen beschrieben. Sie steht zwischen zwei Männern: einem Kunststudenten und einem Polizisten, der Gegensatz könnte zu dieser Zeit fast nicht größer sein. 1972 kehrt sie nach einem Auslandsaufenthalt wegen eines Hostessen-Jobs bei der Olympiade zurück.

Die Beschreibungen der Unruhen sowie die Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Polizeiapparat fand ich sehr interessant, ebenso das erfreulich kurz, aber doch aus der Sicht der Studenten und der Hostess Amrei beschriebene Attentat auf die israelische Mannschaft, eine mal ganz andere Betrachtungsweise.

Insgesamt hatte das Buch jedoch für mich im Hinblick auf das Studentenleben einige unnötige Längen, in denen für mich nichts wirklich Neues passierte. Zu den Charakteren fand ich durchgehend keinen Zugang, sympathisch war mir hier allenfalls die sehr positiv modern wirkende Tante. Ebenso haben sich mir die beiden Zeitebenen, zwischen denen regelmäßig gewechselt wurde, nicht wirklich erschlossen, manchmal habe ich den Wechsel anhand des Inhaltes nicht mal richtig bemerkt.

Eine solide Arbeit, leider nicht mehr.

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Veröffentlicht am 19.07.2023

Atmosphäre der leisen Töne

Das Café ohne Namen
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Im Wien der 60er-Jahre erfüllt sich Robert Simon einen Traum und eröffnet dort ein kleines Cafe. Es ist keines dieser berühmten Wiener Kafeehäuser, sondern - wie der Titel es so gut beschreibt - eines ...

Im Wien der 60er-Jahre erfüllt sich Robert Simon einen Traum und eröffnet dort ein kleines Cafe. Es ist keines dieser berühmten Wiener Kafeehäuser, sondern - wie der Titel es so gut beschreibt - eines ohne Namen. Das Cafe wird zum Treffpunkt seiner ebenfalls wie namenlos wirkenden Besucher und ihrer Geschichten.
Dies war mein erstes Seethaler-Buch. Der Autor versteht es bestens, auch ohne große Handlungen eine ganz besondere Atmosphäre der leisen Töne zu schaffen, seinen eigentlich unauffälligen Charakteren Tiefe zu verleihen, ohne aufdringlich zu wirken. Ich habe mich stets als unauffälliger Cafe-Gast und Beobachter in einer Ecke des Raumes gefühlt und konnte mich durch die gekonnten Beschreibungen der Menschen zwar nicht mit ihnen persönlich identifizieren, aber mich in diese hineinversetzen. Für mich eine ganz große Handwerkskunst, auch ohne große Handlung dieses in mir nachhallende Gefühl für die einzelnen Figuren zu erzeugen!

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Veröffentlicht am 19.07.2023

Die große Lust auf Eis

Träume aus Eis
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Angelehnt an eine wahre Geschichte erleben wir das Ehepaar Josef und Erna, die im München der 1920er-Jahre einen Eissalon eröffnen, ihre beiden Töchter Frieda und Lotte helfen dabei. Friedas Freund Erich, ...

Angelehnt an eine wahre Geschichte erleben wir das Ehepaar Josef und Erna, die im München der 1920er-Jahre einen Eissalon eröffnen, ihre beiden Töchter Frieda und Lotte helfen dabei. Friedas Freund Erich, der ausgerechnet der Sohn des vermeintlich größten Konkurrenten von Josef ist, ist diesem dabei mehr als nur ein Dorn im Auge. Bringt Josefs einzigartige Entwicklung des neuartigen "JOPA"-Eis-am-Stiel den erhofften Aufschwung?
Dieses wunderbare und im Sommer toll zu lesende Buch hat mich sehr gut unterhalten. Eine typische Familiengeschichte in wirtschaftlich schweren Zeiten mit vielen Aufs und Abs sowie die wirklich interessante Entwicklung des Stieleises, das uns heute so selbstverständlich geworden ist, konnte mich von Beginn an begeistern. Dabei war ich hin- und hergerissen zwischen Sympathien und Antipathien, Verständnis oder Mitgefühl für die einzelnen Charaktere, die hier alle sehr gut ausgearbeitet sind, auch die Nebenrollen sind meines Erachtens gut besetzt und lockern die Geschichte zusätzlich auf.
Trotz der schwierigen Wirtschaftslage kam für mich in dem Roman insgesamt eine positive und hoffnungsvolle Grundstimmung herüber, die in mir bei jedem Leseabschnitt immer die große Lust auf ein Eis geweckt hat. Die tolle und authentische Beschreibung der Münchener Lebensart sowie einige eingestreute Mundartaussprüche haben mir zusätzlich ein großes Lesevergnügen bereitet.

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