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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2021

Fesselnd bis zur letzten Seite

Als die Flut kam
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Inhalt:

In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 bricht die Sturmflut über Hamburg ein. In der Stadt herrscht das Chaos und es sind viele Helfer unterwegs. Der Wilhelmsburger Johannes Becker nutzt ...

Inhalt:

In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 bricht die Sturmflut über Hamburg ein. In der Stadt herrscht das Chaos und es sind viele Helfer unterwegs. Der Wilhelmsburger Johannes Becker nutzt die Katastrophe jedoch für seine eigenen Zwecke: Er bringt die Nachbarstochter Anne, in die er seit Jahren unerwidert verliebt ist, in seine Gewalt. Anne stirbt und nur Beckers Freund, Kommissar Peter Lüders, ahnt, dass die junge Frau nicht durch die Flut umgekommen ist. Lüders beginnt im Alleingang zu ermitteln und dringt dabei in menschliche Abgründe vor.

Meinung:

Die Hamburger Sturmflut als Kulisse für diesen Krimi zu nützen hat mir sehr gut gefallen. Während eines solchen Ereignisses kann schon die eine oder andere Ausnahmesituation eskalieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass in dieser Nacht ein paar Verbrechen verübt worden sind.

Die Enttäuschung von Johannes, dass Anne ihn nicht heiraten will, obwohl sie mit dem Kind eines anderen Mannes schwanger ist, kann ich gut nachvollziehen. Dass er sie aber in der Laube vergewaltigen will und sie dabei fast umbringt, schon nicht. Mein Verdacht, wer der Vater von Annes Kind sein könnte, hat sich bestätigt. Bezüglich des wirklichen Mörders hat mich die Autorin ordentlich an der Nase herumgeführt.

Gespenstisch gut gelungen ist die Schilderung der Sturmflut in jener Nacht. Ich habe förmlich das Brausen des Windes und das Rauschen des Wassers gehört. Die Informationen zur Flut sind elegant in die Handlung eingebaut, was die Spannung zusätzlich erhöht.

Die Charaktere sind fein herausgearbeitet und spiegeln auch das Nachkriegsdeutschland wieder. Das Ende des Zweiten Weltkrieges ist ja gerade einmal 17 Jahre her und die Traumata sind nicht bewältigt. Dazu passt, dass zahlreiche Menschen noch in den Lauben wohnen, weil der Wohnraum nach wie vor knapp ist. Die eine oder andere Familie hat schon gewissen Wohlstand erreicht. Die Flutkatastrophe hat in Hamburg etwas mehr als 300 Todesopfer gefordert. Ob da sich jemand eines missliebigen Nachbarn oder Ehepartners entledigt hat? Möglich ist es schon.

Fazit:

Ein spannender Krimi mit viel Lokalkolorit und authentischen Protagonisten. Gerne gebe ich diesem fesselnden Krimi, der mich in den Bann gezogen hat, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.08.2021

Eine österr. Erfolgsgeschichte

Das kleine Buch: Gmundner Keramik
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Dieses Buch aus der Reihe „Das kleine Buch“ gibt uns einen Einblick in die Welt der Keramik.

Vielen von uns ist das grün-weiße Geschirr aus Gmunden ein Begriff. Sei es in als Alltagsgeschirr oder, weil ...

Dieses Buch aus der Reihe „Das kleine Buch“ gibt uns einen Einblick in die Welt der Keramik.

Vielen von uns ist das grün-weiße Geschirr aus Gmunden ein Begriff. Sei es in als Alltagsgeschirr oder, weil ja nicht ganz so preiswert als „Sonntagsgeschirr“.

Auf diesen 64 Seiten erfahren wir einiges aus der Geschichte der Keramik im Allgemeinen und aus der Gmundner Manufaktur im Besonderen.

Zahlreiche Fotos aus den unterschiedlichen Bearbeitungsvorgängen zeigen, wie viele Schritte es braucht, bis wir einen der Teller auf dem Tisch haben.

Fazit:

Ein gut gelungenes „Kleines Buch“, das sich hervorragend als Geschenk eignet. Vielleicht mit einem guten Stück aus der Gmundner Keramikmanufaktur. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.08.2021

Drei Länder - Ein See

111 Orte am Bodensee, die man gesehen haben muss
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Der Bodensee, in den Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz gelegen, bietet jede Menge Sehenswürdigkeiten. 111 davon zeigt uns Autorin Dietlind Castor, die selbst im Raum Lindau wohnt. Daher ist ...

Der Bodensee, in den Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz gelegen, bietet jede Menge Sehenswürdigkeiten. 111 davon zeigt uns Autorin Dietlind Castor, die selbst im Raum Lindau wohnt. Daher ist es nicht ganz verwunderlich, dass von den 111 beschriebenen Orten gleich 79 in Deutschland liegen und nur 17 in Österreich sowie 15 in der Schweiz.

Nachdem der Bodensee schon Jahrhunderte touristisch erschlossen ist, kann man echte Geheimtipps nicht erwarten. Vielmehr lebt dieses Buch vom Ausruf „Hey, schau mal, da waren wir auch schon!“ Zumindest mir geht es so.

Meine Highlights sind der Flughafen Altenrhein, bei dem der Flieger direkt über dem See zum Landeanflug ansetzt und leichtes Bauchgrummen erzeugt. Natürlich das Zeppelin-Museum, Meersburg, Konstanz und die Blumeninsel Mainau.
Als Österreicherin bin ich natürlich auch Patriotin und werde, wenn ich im Oktober wieder nach Bregenz auf Dienstreise bin da schmalste Haus (11) in Bregenz besuchen. Das „Wälderbähnle“ kenne ich noch von einem Arbeitsaufenthalt im Bregenzer Wald und ist für nostalgische Eisenbahnfans ein MUSS!

Einen argen Schnitzer hat das Lektorat übersehen: Das Geburtsjahr des Autors des „Lieben Augustins“ (S.128) ist mit 1843 angegeben, sein Sterbejahr mit 1983. Dar arme Mann ist wohl kaum 140 Jahre alt geworden. Als zahlenaffine Technikerin schmerzen mich solche Fehler sehr. Das richtige Geburtsjahr ist 1893.

Fazit:

Wie fast alle Bücher aus der 111-Reihe ist auch dieses ein tolles Geschenk, wenn man abseits der üblichen Touristenpfade wandeln möchte. Wegen der Deutschlandlastigkeit bei der Auswahl der Orte gibt es diesmal nur 4 Sterne.

Veröffentlicht am 22.08.2021

Hat mich nicht überzeugt

Es war einmal in Hollywood
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Bei diesem Roman handelt es sich um das Debüt von Quentin Tarantino als Autor und eine Art „Nachlese“ zum gleichnamigen Film „Once upon a Time in Hollywood“. Den Film habe ich nicht gesehen. Vermutlich ...

Bei diesem Roman handelt es sich um das Debüt von Quentin Tarantino als Autor und eine Art „Nachlese“ zum gleichnamigen Film „Once upon a Time in Hollywood“. Den Film habe ich nicht gesehen. Vermutlich wäre meine Enttäuschung von diesem Buch noch größer gewesen.

Das Buch erzählt die Geschichte von Rick Dalton und seinem Stuntdouble Cliff Booth, die im Hollywood von 1969 kaum größere Filmrollen erhalten. Der Leser begleitet die beiden in die Vergangenheit, in der Dalton ein gefeierter Serienheld und Booth ein Kriegsheld im Zweiten Weltkrieg war. Wer Tarantinos Filme kennt, kann sich vorstellen, dass diese Rückblicke in Cinemascope sicherlich beeindruckend sind. Zu Papier gebracht, wirken sie nicht immer.

Gut beschrieben, wenn auch durch oftmalige Wiederholungen fast schon langweilig, sind die Zustände in Hollywood selbst: die Besetzungscouch, Alkoholexzesse, schöne Frauen, Sexgeschichten etc..

Man merkt, dass Tarantino ein genialer Regisseur ist, aber ein wirklicher Roman mit einem durchgängigen Plot ist dieses Buch nicht. Es fehlt hier das Spiel mit der Kamera, mit dem Licht und den Personen. Was im Film mehrdimensional erscheint, ist hier im Buch flach. Da können auch Namen wie Steve McQueen (Dutzende Male genannt) oder die der anderen Hollywood-Größen wenig ändern.

Den Titel entlehnt Tarantino aus dem von Rick Dalton vehement abgelehnten „Spaghetti-Western“, die ab 1968 ihre Blütezeit erleben: „Once Upon a Time in the West“ (auf deutsch „Spiel mir das Lied vom Tod“)

Fazit:

Irgendwie habe ich mir hier mehr erwartet, daher gibt es nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 21.08.2021

Man muss ihn einfach mögen

Letzter Knödel
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Das schöne Altaussee ist Schauplatz eines Politik-Gipfels und Postenkommandant Franz Gasperlmaier wird von „Männern mit Knopf im Ohr“ unter der Führung von Major Teufl aus seiner Dienststelle verdrängt. ...

Das schöne Altaussee ist Schauplatz eines Politik-Gipfels und Postenkommandant Franz Gasperlmaier wird von „Männern mit Knopf im Ohr“ unter der Führung von Major Teufl aus seiner Dienststelle verdrängt. Vor allem die herablassende Art der Herrn Majors schmeckt dem Gasperlmaier so gar nicht.

Doch all zu viel Zeit zum Ärgern bleibt nicht, denn erstens gibt es im trauten Heim einer Aufregung um Tochter Katharina, die Steffi als ihre Lebensgefährtin vorstellt und andererseits findet man im Schicki-Micki-Catering-Zelt die Leiche einer Hilfsköchin.

Gemeinsam mit Frau Doktor Renate Kohlross aus Liezen beginnt der Franz zu ermitteln. In Ermangelung von Büroräumen wird das Hauptquartier einfach in Gasperlmaiers Wohnzimmer aufgeschlagen.
Der Fall scheint kompliziert, denn die tote Küchenhilfe ist zwar tot, aber keine Küchenhilfe und heißt auch noch anders. Nur wer oder was ist sie dann?
Hat sie mit dem Politgipfel zu tun? Oder ist sie schlichtweg zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen? Und was haben die russischen Geschäftsleute mit der
Patriotischen Heimatpartei, deren Chef ausgerechnet einen tschechischen Familiennamen hat, zu tun? Oder ist alles ganz anders?

Dann überschlagen sich die Ereignisse im sonst so beschaulichen Altaussee. Steffi verschwindet spurlos und es gibt eine zweite Leiche.

Meine Meinung:

In diesem 9. Krimi darf sich Franz Gasperlmaier wieder weiter entwickeln. Der Gebrauch des Wischhandys ist ihm nun vertrauter und der Tatsache, dass seine Tochter mit einer Frau liiert ist, kann er nach einer Schrecksekunde, relativ entspannt begegnen. Er findet es nur schade, dass er keine Enkelkinder schaukeln kann. Aber, wer weiß, was unserem werten Herrn Autor noch alles einfällt.

Ich habe mich köstlich amüsiert, als Gasperlmaier mit dem Herrn Bundespräsidenten zusammentrifft, und der seine Security ausbremst. Ach ja, Securitiy - der Major Teufl heißt nicht nur so, sondern ist auch ein solcher. Nicht nur, dass er den Polizeiposten requiriert, anmaßend und überheblich ist, kanzelt er sowohl Gasperlmeier als auch die Frau Doktor ab. Doch wer die Reihe kennt, weiß, dass auch die Kohlross ihre Verbindungen hat.

Geschickt verknüpft Herbert Dutzler aktuelle politische Tendenzen und gesellschaftspolitische Themen in der Handlung.

Die Figur des Gasperlmaier ist liebevoll gestaltet. Er hebt sich wohltuend unter den jugendlichen, smarten Anzugträgern hervor. Der Franz ist längst zu einem „Kultkieberer“ herangereift und wird in den Verfilmungen sehr trefflich von Cornelius Obonya dargestellt.
Dass Gaspermaier manchmal ob seiner Gelassenheit (die ihm auch als Trägheit ausgelegt werden kann) unterschätzt wird, macht ihn so richtig liebenswert. Manchen Leser werden sich vielleicht an seinen Ess- und Trinkgewohnheiten stoßen, aber die machen in einfach bodenständig. Er liebt einfach deftige Speisen wie Schweinsbraten mit Kraut und Knödel. Sie seien ihm vergönnt! Zwischendurch sorgen seine Ehefrau Christine und Tochter Katharina schon für „gesundes Essen“.

Wie es sich für einen Regionalkrimi gehört, spielen die Landschaft und die manchmal eigenbrötlerisch wirkenden Bewohner eine große Rolle.

Fazit:

Mir hat der 9. Fall für den Gasperlmaier sehr gut gefallen. Mehrmals musste ich schmunzeln und vergebe deshalb wieder 5 Sterne.