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Veröffentlicht am 23.03.2026

tolle Entdeckung

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Dieses Buch hat mich wirklich komplett abgeholt. „Statt aus dem Fenster zu schauen“ ist für mich nicht nur eine Geschichte gewesen, sondern ein Gefühl – und zwar eines, in dem ich mich erschreckend oft ...

Dieses Buch hat mich wirklich komplett abgeholt. „Statt aus dem Fenster zu schauen“ ist für mich nicht nur eine Geschichte gewesen, sondern ein Gefühl – und zwar eines, in dem ich mich erschreckend oft selbst wiedergefunden habe.

Sophie steckt fest: im Druck, „etwas aus sich machen zu müssen“, im ewigen Funktionieren zwischen Studium und einem Praktikum, das sie eher auslaugt als erfüllt. Alle scheinen zu wissen, dass sie „groß rauskommt“ – nur sie selbst hat keine Ahnung, wohin ihr Weg eigentlich führen soll. Aus diesem inneren Stillstand heraus trifft sie eine spontane Entscheidung: Sie kauft sich für wenig Geld ein heruntergekommenes Haus irgendwo in der ostdeutschen Provinz. Ein Neuanfang? Vielleicht. Oder zumindest ein Versuch, auszubrechen.

Was dann folgt, ist keine romantisierte Selbstfindungsreise. Die Renovierung ist hart, chaotisch und oft frustrierend – ganz anders als die perfekt geschnittenen YouTube-Videos es versprechen. Doch gerade in den stillen Momenten zwischen Staub, Einsamkeit und endlosen Feldern beginnt etwas Entscheidendes: Sophie fängt an, sich von den Erwartungen anderer zu lösen und sich die Fragen zu stellen, die sie viel zu lange verdrängt hat.

Ich habe mich beim Lesen so oft gefühlt, als wäre ich selbst Sophie. Diese Unsicherheit, dieses leise Gefühl, irgendwie falsch zu sein im „vorgegebenen“ Leben – das ist so ehrlich und nah beschrieben, dass es fast weh tut. Und genau das macht das Buch so besonders.

Der Schreibstil ist wunderschön – ruhig, klar und gleichzeitig unglaublich eindringlich. Keine unnötigen Ausschmückungen, sondern Worte, die genau da treffen, wo sie sollen. Man gleitet durch die Seiten und bleibt doch immer wieder hängen, weil ein Gedanke nachhallt.

Für mich ist dieses Buch eine absolute Empfehlung für alle, die sich schon einmal verloren gefühlt haben. Oder gerade mittendrin stecken.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

spannender Jugendthriller

Revenge
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Mit „Revenge. Heute Abend bist du tot“ hat Svenja Diel einen spannenden Jugendthriller geschrieben, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Das Buch ist sehr gut lesbar und genau auf die Zielgruppe ...

Mit „Revenge. Heute Abend bist du tot“ hat Svenja Diel einen spannenden Jugendthriller geschrieben, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Das Buch ist sehr gut lesbar und genau auf die Zielgruppe zugeschnitten – spannend, emotional und mit Themen, die Jugendliche ernst nehmen.

Im Mittelpunkt stehen Liv, Sara und Vince, deren Leben sich schlagartig verändert, als sie in Köln Zeugen eines brutalen Verbrechens werden: Ein Schuss in einer Tankstelle reißt sie aus ihrem Alltag und plötzlich geraten sie mitten in eine Situation voller Angst, Schuldgefühle und Adrenalin. Während die Polizei versucht herauszufinden, was wirklich passiert ist, müssen die drei Jugendlichen selbst mit den Folgen kämpfen – mit Gewalt, traumatischen Erfahrungen und dunklen Geheimnissen aus der Vergangenheit. Freundschaft wird dabei gleichzeitig zum Halt und zur Belastungsprobe, denn nicht mehr jeder scheint die Wahrheit zu sagen.

Besonders gut gefallen haben mir die wechselnden Perspektiven. Dadurch bekommt man einen viel besseren Einblick in die Gedanken und Gefühle der Figuren und versteht nach und nach, wie alles zusammenhängt. Das sorgt auch dafür, dass die Spannung konstant hoch bleibt.

Der Thriller behandelt durchaus schwere Themen, bleibt dabei aber immer altersgerecht erzählt. Genau deshalb funktioniert er für mich so gut als Jugendthriller: spannend, emotional und mit Figuren, mit denen man mitfiebern kann.

Insgesamt ein packendes und gut geschriebenes Buch für junge Thrillerfans – von mir gibt es 4 Sterne

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Veröffentlicht am 23.03.2026

sperriger Schreibstil

Grüne Welle
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Grüne Welle von Esther Schüttpelz ist ein Roman mit einer wirklich faszinierenden Ausgangsidee: Eine ganze Geschichte, die nahezu ausschließlich im Innenraum eines Autos spielt. Nach einem Kinobesuch mit ...

Grüne Welle von Esther Schüttpelz ist ein Roman mit einer wirklich faszinierenden Ausgangsidee: Eine ganze Geschichte, die nahezu ausschließlich im Innenraum eines Autos spielt. Nach einem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin steigt eine Frau in ihren Wagen, um nach Hause zu fahren – doch eine Umleitung bringt sie vom gewohnten Weg ab. Sie verpasst Ausfahrt um Ausfahrt, entfernt sich immer weiter von dem Haus, in dem ihr Mann auf sie wartet. Aus einer kurzen Heimfahrt wird eine nächtliche Irrfahrt über dunkle Landstraßen und durch grell beleuchtete Tankstellen. Und je länger sie unterwegs ist, desto deutlicher wird: Vielleicht ist nicht die Dunkelheit draußen das Bedrohliche – sondern das, was sie zu Hause erwartet.

Dieses Kammerspiel auf Rädern ist formal beeindruckend. Der innere Monolog erzeugt eine intensive, fast klaustrophobische Atmosphäre. Man spürt die Enge des Autos, die Müdigkeit, das Kreisen der Gedanken. Die Idee, aus einem scheinbar banalen Moment – einer verpassten Ausfahrt – eine existenzielle Reise zu machen, ist stark und literarisch ambitioniert.

Trotzdem konnte ich keine wirkliche Nähe zur Protagonistin aufbauen. Das lag vor allem am Schreibstil und an der Distanz, die bewusst erzeugt wird. Sehr lange bleibt sie namenlos und wird lediglich als „die Frau“ bezeichnet. Das mag als Stilmittel gedacht sein, um ihre Entfremdung zu unterstreichen, erschwert aber die Identifikation. Auch die beiden Mädchen, die sie später unterwegs einsammelt, bleiben eher schemenhaft. Man erfährt wenig über sie, sodass sie mehr wie Projektionsflächen wirken als wie eigenständige Figuren.

Die Reh-Thematik hat mich zunächst eher ratlos zurückgelassen. Dass die Protagonistin sich selbst in einem angefahrenen Reh gespiegelt sieht, wurde für mich erst wirklich greifbar, als sie ihre Beziehung zu ihrem Mann offenlegt. In diesem Moment fügt sich vieles zusammen – vorher wirkte das Motiv für mich etwas konstruiert oder zumindest nicht ausreichend vorbereitet.

Insgesamt ist „Grüne Welle“ ein literarisch anspruchsvoller Roman mit einer starken, ungewöhnlichen Idee und einer dichten Atmosphäre. Emotional hat er mich jedoch nicht vollständig erreicht. Wer experimentelle Erzählformen und psychologische Innenschau schätzt, wird hier sicherlich mehr Zugang finden als ich. Für mich bleibt es ein interessantes, aber etwas distanziertes Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

tolle Elite-Akademie

The Ordeals
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The Ordeals hat mich komplett in seinen Bann gezogen – düster, intensiv und von der ersten Seite an wahnsinnig spannend. Genau die Art von Fantasy, die ich liebe: Dark Academia, gefährliche Prüfungen, ...

The Ordeals hat mich komplett in seinen Bann gezogen – düster, intensiv und von der ersten Seite an wahnsinnig spannend. Genau die Art von Fantasy, die ich liebe: Dark Academia, gefährliche Prüfungen, moralische Grauzonen und eine Protagonistin, die sich nicht unterkriegen lässt.

Sophia De Winter ist seit ihrer Kindheit an ihren grausamen Onkel gebunden, einen Mann, der durch einen erzwungenen Blutsbund Macht über sie ausübt. Ihr Leben ist nicht ihr eigenes – bis sie von Killmarth erfährt, einer magischen Elite-Akademie, die sich der Kontrolle ihres Onkels entzieht. Für Sophia ist klar: Das ist ihre Chance auf Freiheit.

Doch Killmarth ist alles andere als ein sicherer Zufluchtsort. Um aufgenommen zu werden, muss sie an brutalen Prüfungen teilnehmen – den sogenannten Ordeals. Illusionisten, Maskierer, Botaniker, Alchemisten: Nur die Stärksten werden überleben. Und Sophia weiß, dass ihre eigenen Fähigkeiten als Illusionistin nicht ausreichen. Also geht sie eine riskante Allianz ein – mit dem ebenso talentierten wie unerträglich attraktiven Botaniker Alden Locke.

Was ich an diesem Buch besonders geliebt habe, ist das Setting. Diese abgeschiedene Akademie voller alter Gemäuer, geheimer Räume und tödlicher Rituale versprüht eine perfekte Dark-Academia-Atmosphäre: ehrgeizige Studierende, gefährliche Machtspiele, unterschwellige Rivalitäten und das ständige Gefühl, dass hinter jeder Ecke Verrat lauern könnte. Man spürt förmlich den Druck, die Konkurrenz und die Versuchung, für Macht alles zu riskieren.

Sophie ist dabei eine unglaublich starke Protagonistin. Sie ist nicht die klassische „Auserwählte“, sondern jemand, der kämpfen, lernen und wachsen muss. Sie ist klug, entschlossen und manchmal impulsiv – aber genau das macht sie so greifbar. Ihre Entwicklung, sowohl magisch als auch emotional, war für mich eines der Highlights der Geschichte.

Die Spannung zieht sich durch das gesamte Buch. Jede Prüfung fühlt sich gefährlich an, jede Entscheidung kann tödliche Konsequenzen haben. Gleichzeitig spielt auch das Herz eine große Rolle: Wem kann man vertrauen? Wer ist Rivale, wer Verbündeter? Und ist die Flucht vor einem Monster vielleicht nur der Weg in eine noch größere Falle?

Für mich war „The Ordeals“ ein absolutes Highlight: düstere Magie, tödliche Prüfungen, knisternde Dynamik und eine Heldin, die man einfach feiern muss. Fünf Sterne – und ich brauche dringend mehr davon.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Leider nicht meins

Böser, böser Wolf
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Böser, böser Wolf von Alexandra Benedict hatte für mich eine richtig starke Grundidee – leider konnte die Umsetzung da nicht mithalten.

Die Ausgangssituation klingt großartig: Eine gefeierte Krimiautorin ...

Böser, böser Wolf von Alexandra Benedict hatte für mich eine richtig starke Grundidee – leider konnte die Umsetzung da nicht mithalten.

Die Ausgangssituation klingt großartig: Eine gefeierte Krimiautorin wird entführt und in einem Dachzimmer gefangen gehalten. Ihr Entführer nennt sich „der Wolf“ und zwingt sie, moderne Märchen zu schreiben – grausame Geschichten, in denen reale Menschen sterben. Was sie zu Papier bringt, wird tatsächlich umgesetzt. Weigert sie sich, droht ihr selbst der Tod. Parallel dazu ermittelt Detective Inspector Lyla Rondell in einer Mordserie, die deutlich an Grimms Märchen angelehnt ist: Eine Tote wird wie Cinderella inszeniert, ein Geschwisterpaar erinnert fatal an Hänsel und Gretel. Nach und nach wird klar, dass die aktuellen Verbrechen mit einem lange zurückliegenden Verschwinden zusammenhängen – und dass Lyla selbst tiefer in die Geschichte verstrickt ist, als sie ahnt.

Das Konzept – Märchenmotive, Metaebene, eine Autorin, die gezwungen wird, ihre eigenen Albträume zu schreiben – ist wirklich cool. Auch der Gedanke, dass die Ermittlerin vielleicht selbst nur eine Figur in einem größeren Spiel ist, verspricht psychologische Tiefe und Raffinesse.

Leider blieb es für mich beim Versprechen. Die Handlung wirkte stellenweise konstruiert und überladen, die Wendungen nicht immer glaubwürdig. Statt subtiler Spannung gab es oft plakative Effekte. Gerade bei einem Thriller mit einer so starken Prämisse hätte ich mir mehr Feingefühl und weniger Überinszenierung gewünscht.

Auch emotional konnte mich das Buch nicht wirklich packen. Die Figuren blieben für mich etwas blass, ihre Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar. Dadurch verlor die Geschichte an Intensität, obwohl sie eigentlich düster und verstörend sein wollte.

Insgesamt eine spannende Idee mit viel Potenzial – aber für mich leider nicht überzeugend umgesetzt. Zwei Sterne für das starke Konzept, das in meinen Augen mehr verdient gehabt hätte.

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