Coming-of-Age trifft Coming-Out
The Lesbiana's Guide to Catholic SchoolWorum geht’s?
Eigentlich soll der Wechsel auf eine katholische Privatschule einen kompletten Neuanfang für Yamilet darstellen. Neben Geldsorgen und ihrem dauerhaft Streit suchendem Bruder will sie sich ...
Worum geht’s?
Eigentlich soll der Wechsel auf eine katholische Privatschule einen kompletten Neuanfang für Yamilet darstellen. Neben Geldsorgen und ihrem dauerhaft Streit suchendem Bruder will sie sich auch auf gar keinen Fall verlieben – erst recht nicht in Bo, das einzige offen queere Mädchen an ihrer Schule, das ihr Herz zwar höher schlagen lässt, sie damit aber auch vollkommen aus dem Konzept bringt.
Meine Meinung
Dieses Buch ist thematisch auf jeden Fall eine ganze Menge, was ich auf den ersten Blick für ein Jugendbuch ziemlich überwältigend, in der Umsetzung insgesamt aber auch wirklich gelungen fand.
Der Schreibstil war sehr angenehm zu lesen und insbesondere durch den immer wieder eingestreuten Humor auch sehr locker und flott weg zu lesen. Gleichzeitig gingen insbesondere die durchaus ernsten Themen nicht gänzlich dahinter unter, was mir in der Mischung wirklich gefallen hat und was in meinen Augen darüber hinaus auch wichtig ist, um Repräsentation und Gesellschaftskritik nicht zu sehr zu verwässern und präsent zu halten.
Mit den Figuren wurde ich ehrlicherweise nicht ganz so warm, wie ich es mir eigentlich erhofft hätte, was aber eventuell auch einfach dem Genre und dem Tempo des Handlungsbogens geschuldet sein kann. Nichtsdestotrotz habe ich Yamilet wirklich gerne begleitet, denn sympathisch und durchaus authentisch gestaltet fand ich sie definitiv schon, und insbesondere im Jugendbuchbereich bin ich durchaus der Meinung, dass man sich nicht zu einhundert Prozent mit einer Figur identifizieren muss, um sie gerne begleiten zu wollen.
Hinsichtlich des Handlungsbogens hätte das Buch in meinen Augen dann allerdings die ein oder andere Seite weniger vertragen können, da es stellenweise schon eine kleine Diskrepanz zwischen dem gab, was eine Aussage an Platz benötigt hätte und dem, was sie an Platz eingeräumt bekommen hat. In gewisser Weise wurden so zwar wichtige Aussagen und Haltungen bezüglich Toleranz und Akzeptanz normalisiert, der Geschichte an sich hätte ein kleines bisschen mehr Tempo stellenweise aber trotzdem nicht geschadet.
Fazit
Auch wenn der Handlungsbogen meiner Meinung nach durchaus ein wenig gestrafft hätte werden können, mochte ich die Figuren und die Geschichte an sich wirklich gerne. Wem Themen wie Selbstbestimmung, Offenheit und Toleranz auch in Jugendbüchern wichtig sind, dem kann ich diese Geschichte nur absolut ans Herz legen und eine klare Leseempfehlung aussprechen.
Dafür gibt es viereinhalb Bücherstapel von mir.