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Veröffentlicht am 19.06.2025

Stillstand

Der Stau
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In London herrscht Bombenalarm, etliche Straßen sind gesperrt, darunter die Autobahn, auf der sich Belinda Kidd, Polizistin knapp vor der Pension, befindet. Stillstand. Warten. Aber da kommt Unruhe auf, ...

In London herrscht Bombenalarm, etliche Straßen sind gesperrt, darunter die Autobahn, auf der sich Belinda Kidd, Polizistin knapp vor der Pension, befindet. Stillstand. Warten. Aber da kommt Unruhe auf, denn der Mann im Auto nebenan bewegt sich nicht. Hat er einen Herzinfarkt? Kann man ihn noch wiederbeleben? Belinda, genannt Billy, stellt sich in den Dienst und entdeckt das Unglaubliche: im Nacken des Autofahrers steckt ein Spieß aus Metall. Nun heißt es, klug vorzugehen, um keine Panik unter den anderen „Gefangenen“ im Stau zu erzeugen und rasch Kontakt aufzunehmen zu ihrem Kollegen Dominic Day.

Originell, temporeich und absolut fesselnd – das verspricht der Klappentext. Vielleicht sind die Erwartungen deshalb besonders hoch, aber außer einem originellen Schauplatz trifft nichts davon zu. Die Handlung wird gemäß der aktuellen Uhrzeit erzählt, einzelne auf der Strecke gestrandete Figuren schildern zwischendurch ihre Sicht der Dinge. So lernt der gespannte Leser einzelne Personen rund um den Ermordeten kennen, allerdings bleibt es eher bei flüchtigen Bekanntschaften, wie es denn so ist, wenn man nur wenige Stunden in einer zwangsweise entstandenen Gemeinschaft ausharren muss. Niemand ist derart charakterisiert, dass man sich ihm nahe fühlt oder Emotionen geweckt werden. Jeder spult sozusagen seiner Persönlichkeit entsprechend sein Programm ab und Billy versucht, innerhalb weniger Stunden einen Kriminalfall aufzuklären. Inzwischen vertreten sich etliche Fahrzeuginsassen die Beine, werden Pferde ausgeladen, geschehen absonderliche, mitunter kaum glaubwürdige Dinge auf der Straße, die sich allerdings eher langatmig und zäh anfühlen als aufregend und atemberaubend. Auch vom Schreibstil her selbst erinnert die Angelegenheit eher an ein Abhaken einzelner Szenen denn an den Aufbau stetig steigender Spannung. Natürlich geraten mehrere Personen unter Verdacht, bevor sich ein doch unerwarteter Schwenk ergibt und der Mordfall aufgeklärt werden kann.

Eine überzeugende Idee, die leider wenig überzeugend umgesetzt wird, eine Geschichte, die deutlich mehr Potential gehabt hätte. Schade.

Veröffentlicht am 18.06.2025

Königspfad

Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein
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Wenige Tage vor Julias Hochzeit mit Lars überredet ihre beste Freundin Nicki sie noch zu einer gemeinsamen Wanderung am Schwedischen Königspfad, dem Kungsleden. Schon oft hat Julia davon gesprochen, nun ...

Wenige Tage vor Julias Hochzeit mit Lars überredet ihre beste Freundin Nicki sie noch zu einer gemeinsamen Wanderung am Schwedischen Königspfad, dem Kungsleden. Schon oft hat Julia davon gesprochen, nun wird das Vorhaben anstatt einer Junggesellinnenparty in die Tat umgesetzt. Erst ist Nicki recht wortkarg, dann plötzlich aus dem Zelt verschwunden. Ratlos begibt sich Julia auf die Suche nach der Freundin, von der sie sich zuletzt doch recht entfremdet hat.

Julia erzählt diese beklemmende Geschichte aus ihrer Sicht in der Ich-Form, bedient sich oft knapper Sätze und eines sachlichen Tons, als müsste sie all das Erlebte in einen Bericht fassen. Wir begleiten Julia und Nicki von Frankfurt aus nach Ammarnäs, den Startpunkt der geplanten Wanderung. Das Wetter ist schlecht, es regnet, aber das hält die beiden jungen Frauen nicht davon ab, am nächsten Tag - wie geplant - loszumarschieren. Bald unterbrechen kursiv geschriebene Kapitel den Ausflug, erzählen vom ersten Kennenlernen über gemeinsame Kurzurlaube bis hin zu Hochzeitsplanungen. So lernt der Leser durch einen Blick in die Vergangenheit die handelnden Figuren noch besser kennen und die Spannung in der Wildnis neben dem Königspfad steigt stetig an. Geschickt wählt Rebecca Russ die einsame, raue Landschaft Nordschwedens als Kulisse und fesselt mit ihrem flotten Schreibstil die Leser an die Seiten des Buches. Wenige Figuren beherrschen die Handlung und präsentieren sich daher dem Leser besonders plastisch, wodurch die Überraschung im Laufe der Handlung umso verblüffender ausfällt. Ab und zu muss aber auch der Zufall aushelfen, dass alles so läuft wie es läuft, was mitunter die Glaubwürdigkeit ein klein wenig mindert. Auch hätte da und dort ein zusätzliches Detail vielleicht für mehr Klarheit an manchen Stellen gesorgt.

Fazit: ein sehr gutes Buch mit vielen spannenden und überraschenden Momenten, das jedenfalls kurzweilige Unterhaltung bietet und am Besten in einem Schwung gelesen wird.

Veröffentlicht am 18.06.2025

Leoni auf Föhr

Föhrer Zuflucht
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Nach der Trennung von Marcel wird Leoni gestalkt, als letzten Ausweg flüchtet sie sich auf die Insel Föhr, von der aus ihre Freundin ihr einst eine hübsche Ansichtskarte geschickt hat. In Wyk sucht die ...

Nach der Trennung von Marcel wird Leoni gestalkt, als letzten Ausweg flüchtet sie sich auf die Insel Föhr, von der aus ihre Freundin ihr einst eine hübsche Ansichtskarte geschickt hat. In Wyk sucht die fünfundzwanzigjährige Hamburgerin Arbeit und Quartier, was aber gar nicht so einfach ist wie gedacht. Schließlich kommt ihr ein fescher Polizist zu Hilfe.

Eine malerische Insel, ein guter Grund zur Flucht, ein mutiger Neuanfang – bewährte Zutaten für einen Roman zum Abschalten und Träumen, auch wenn manche Szenen eher einem Alptraum gleichen. Gekonnt verknüpft Hanna Paulsen in dieser Geschichte die herrliche Landschaft mit fast kriminalistischen Elementen, setzt den hilfsbereiten Menschen auf Föhr eine Figur des Bösewichts in Form von Marcel entgegen. So entsteht eine abwechslungsreiche Handlung, während der wir sogar auf liebgewonnene Bekannte aus der Föhrer Jahreszeiten-Reihe „Neuanfang an der Nordsee“ treffen. Schwungvoll führt uns die Autorin durchs Geschehen, erzählt einfühlsam und liebevoll, was sich dieser Tage auf der kleinen Insel zuträgt, erklärt Brauchtum und typische landschaftliche Besonderheiten wie das Watt, sodass man sich auch von Ferne gut zurechtfinden kann. Die Kulinarik im Café Friesenstübchen hätte gerne noch etwas ausführlicher sein dürfen, da bekomme ich gleich Sehnsucht nach Friesentorte und Tee mit Kluntjes.

Ein herzlich gestalteter Roman mit vielen sympathischen Figuren für entspannte Lesestunden.

  • Einzelne Kategorien
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.06.2025

Privatermittlung

Ihr werdet sie nicht finden
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Privatdetektivin Franka wird von einer älteren Frau engagiert, um deren 22jährige verschwundene Enkelin Silvia wiederzufinden. Bei den Recherchen stößt Franka auf einen weiteren Vermisstenfall vor sieben ...

Privatdetektivin Franka wird von einer älteren Frau engagiert, um deren 22jährige verschwundene Enkelin Silvia wiederzufinden. Bei den Recherchen stößt Franka auf einen weiteren Vermisstenfall vor sieben Jahren, zu dem es eventuell einen Zusammenhang gibt. Damals ist Isabell nie von einer Jugendparty heimgekommen, der Vater, ein Polizist, hat den mutmaßlichen Entführer kurzerhand selbst überwältigt. Nun ermitteln Franka und Jonas gemeinsam auf eigene Faust, denn die Polizei sieht sich nicht zuständig.

In abwechslungsreichen Kapiteln lernen wir Franka und Jonas bei ihren privaten Nachforschungen kennen, der zurückliegende Fall von Isabell wird immer wieder dazwischengeschoben, sodass sich das gesamte Puzzle nach und nach zusammensetzt. Und wer spricht zum Leser in kursiver Schrift? Geschickt baut Winkelmann Spannung auf und überzeugt mit zwei sehr speziellen Charakteren in der Ermittlerrolle. Die Fälle scheinen gänzlich verschieden, aber da gibt es noch die Tatsache, dass Isabell und Silvia sich gekannt haben. Nochmals werden die Zeugen zu Isabells Verschwinden befragt, nicht alle sind kooperativ, aber sind sie deshalb gleich verdächtig? Und ist der Täter nicht ohnehin zur Rechenschaft gezogen worden? Gibt es einen Komplizen? Frage über Fragen werden gestellt, komplizierte Verstrickungen aufgedeckt, nicht immer ganz realitätsnah, aber am Ende herrscht Klarheit in beiden Fällen.

Ein flotter Thriller, der sich gut lesen lässt und unterhaltsame Stunden garantiert.

Veröffentlicht am 17.06.2025

Capris Ruine

Sommersehnsucht und Meeresglitzern
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Lina ist erst kürzlich von Capri zurückgekommen, da sitzt sie schon wieder im Flieger gen Süden. Hat sie zuletzt ihre italienische Großmutter nach vielen Jahren wiedergesehen, so zieht es sie nun aufgrund ...

Lina ist erst kürzlich von Capri zurückgekommen, da sitzt sie schon wieder im Flieger gen Süden. Hat sie zuletzt ihre italienische Großmutter nach vielen Jahren wiedergesehen, so zieht es sie nun aufgrund einer Ehekrise auf die wunderbare Insel vor Neapel. Ob sie hier eine Entscheidung treffen kann, wie es weitergehen soll?

Ein schönes Wiedersehen mit Lina, Tilda, Ann und Mutter Ulla steht uns hier bevor. Auch wenn die Bände einzeln lesbar sind, so ist es doch sinnvoll, wenn man die Reihenfolge beim Lesen einhält und die Entwicklung der einzelnen Charaktere mitverfolgt. Wie auch schon zuvor, schildert Anja Saskia Beyer das italienische Eiland in bunten Farben, lässt uns bereits bei der Überfahrt mit der Fähre den Sonnenuntergang genießen und kurz darauf den schokoladigen Duft der Torta Caprese einatmen. Wunderbar, dass auch hier einige mediterrane Rezepte das Buch am Ende abrunden. Während also diesmal Lina im Mittelpunkt steht und darüber nachsinnt, warum sie in Deutschland immer unglücklicher geworden ist, stößt die Mutter zweier fast erwachsener Kinder auf eine Ruine, ein heruntergekommenes Häuschen, in dem ein attraktiver Mann herumwerkt. Bei der ausgebildeten Architektin ist die Neugierde geweckt, sie spaziert schnurstracks in den wilden Garten und findet alsbald einige Gemeinsamkeiten mit dem Hausbesitzer namens Luca. Die Liebe zur Natur, Nachhaltigkeit, gesundes Essen, Rückbesinnung auf die eigenen Bedürfnisse werden thematisiert und zuweilen, Kalendersprüchen gleich, ins Geschehen geworfen, an anderer Stelle subtiler in die Handlung eingeflochten.

Locker-leicht geht es durch Hoch und Tief, über einige Missverständnisse zu Entscheidungen, die von Herzen kommen. Capri, die Insel mit ihren magischen Momenten, lädt ein zum Träumen und Verweilen, zum Nachdenken und zu-sich-Finden. Mit den vorgestellten Figuren fällt das leicht, ich bin bestimmt wieder dabei, wenn Ann die Hauptrolle spielt.