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Veröffentlicht am 01.09.2025

Die Büchner-Frauen

Die Töchter von Usedom - Im Sturm der Zeiten
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Swinemünde an der Ostsee, 1870: Das Schicksal hat entschieden: Nach einem Unfall bleiben Großmutter Elfriede und die Cousinen Ella und Lina Büchner allein zurück und führen fortan gemeinsam eine kleine ...

Swinemünde an der Ostsee, 1870: Das Schicksal hat entschieden: Nach einem Unfall bleiben Großmutter Elfriede und die Cousinen Ella und Lina Büchner allein zurück und führen fortan gemeinsam eine kleine Pension, in welcher sie drei Zimmer an Gäste vermieten. Während Lina immer den Kopf in den Wolken hat und vom Theater träumt, ist Ella die bodenständige, die stets das Geschäft vor Augen hat, ja sogar expandieren möchte. Jede der drei Büchner-Frauen hat eigene Träume und Vorstellungen vom Leben, dieses bringt aber manchmal etwas ganz anderes.

Dieser großartige Roman erzählt höchst lebendig von den beiden jungen Fräulein Ella und Lina, die nach dem Tod ihrer Eltern wie Schwestern bei der liebevollen aber doch gestrengen Großmutter aufwachsen. Als der fahrende Zirkus in den Ort kommt, steht für Lina das Leben auf dem Kopf. Und auch Ella muss weitreichende Entscheidungen treffen. Voller Bilder und Emotionen sprüht diese Geschichte, offenbart tiefe Gefühle und weht ab und zu auch einmal eine steife Brise von der Ostsee ins Land. Anfangs wohlbehütet, müssen die Cousinen sich aber bald der mitunter rauen Lebensrealität stellen und mit den Herausforderungen wachsen.

Jessica Weber packt mit viel Liebe zum Detail historische Begebenheiten aus der Kaiserzeit in einen flotten, unterhaltsamen Roman und weckt Neugierde auf mehr rund um die Büchner-Frauen Lina, Ella und Elfriede. Schön, dass die Fortsetzung bereits bereitliegt, denn Band 1 der Ostsee-Familiensaga kann ich schon einmal guten Gewissens empfehlen.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Deutschenmädchen

Die verlorenen Kinder vom Fjord
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Während des Zweiten Weltkriegs wird auch das norwegische Narvik von Deutschen besetzt, und – obwohl es natürlich verboten ist – kommt Laila dem sympathischen Josef näher und verliebt sich in ihn. Er sieht ...

Während des Zweiten Weltkriegs wird auch das norwegische Narvik von Deutschen besetzt, und – obwohl es natürlich verboten ist – kommt Laila dem sympathischen Josef näher und verliebt sich in ihn. Er sieht großzügig weg, wenn sie im Widerstand aktiv ist, verliebt sich umgekehrt in Laila. Bald nach seiner Versetzung an die Ostfront stellt Laila fest, dass sie schwanger ist. Von ihrer Familie als Deutschenmädchen geächtet, sucht die junge Frau Hilfe in einem Heim für ledige Mütter und kommt dabei grausamen Machenschaften auf die Spur.

„Die verlorenen Kinder vom Fjord“ gliedert sich in drei große Abschnitte und besticht durch Realitätsnähe und Lebendigkeit, Helen Parusel gelingt es mit Leichtigkeit, die Gefühle und Gedanken ihrer Figuren in Worte zu fassen und dem Leser näher zu bringen. Die Bedrohung durch die deutschen Soldaten, welche anfangs nur durch die Straßen patrouillieren, später Widerstandskämpfer und Juden festnehmen, ist spürbar, die angespannte Stimmung im Lebensborn-Heim greifbar, wer sich nicht anpasst, hat schon verloren. Historische Fakten hat die Autorin bestens recherchiert und großartig in einen bewegenden Roman verpackt. Auch wenn man das Thema Lebensborn schon kennt, ist es doch immer wieder unfassbar, wie die Lehre der nationalsozialistische Rassenhygiene hier dazu gedient hat, die Geburtenrate an „guten arischen“ Kindern zu steigern.

Kurzweilig vom Anfang bis zum Ende schreibt Helen Parusel diesen Roman ebenso spannend wie einen Krimi, man kann das Buch kaum aus der Hand legen, um so schnell wie möglich zu erfahren, wie es Laila wohl ergehen wird als unverheiratete norwegische Frau, die das Kind eines Deutschen unter dem Herzen trägt. Eine berührende und fesselnde Geschichte, die ich gerne all jenen empfehle, die sich für Frauenschicksale im Krieg interessieren, lesenswert ist dieses Buch auf jeden Fall.

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Träume

Das Orangenblütenversprechen
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Magdalena hat sich gerade einen Traum verwirklicht, indem sie ein kleines Café in London eröffnet hat, da erreicht sie die Nachricht, dass sie ein altes Herrenhaus auf Mallorca geerbt hat. Völlig überrascht, ...

Magdalena hat sich gerade einen Traum verwirklicht, indem sie ein kleines Café in London eröffnet hat, da erreicht sie die Nachricht, dass sie ein altes Herrenhaus auf Mallorca geerbt hat. Völlig überrascht, weil sie die Insel nie zuvor besucht hat, schon gar nicht irgendjemanden dort kennt, reist Magdalena auf eine blühende Orangenplantage.

In regem Zeitenwechsel erzählt Eva-Maria Bast von Magdalena im Jahre 1978 und von Maria Lourdes Fuentes ab 1905. Maria muss befürchten, dass ihr Vater die Orangenplantage und damit ihre Heimat aufgeben wird, denn der Transport der köstlichen Früchte ist aufwendig und teuer. Eine Bahnlinie von Sóller nach Palma könnte Abhilfe schaffen, stößt aber bei einflussreichen Personen auf Widerstand. Nun ist es die mutige junge Maria, die um den Fortbestand der kleinen Orangenbauern kämpft, und das zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als wirtschaftspolitische Entscheidungen noch ausschließlich von Männern getroffen werden. Ob ihre Träume und Visionen aufgehen? Jahrzehnte später begibt sich Magdalena mit einem jungen Advokaten auf Spurensuche, will sie doch schnell herausfinden, was sie mit Orangen und einem Herrenhaus zu tun hat.

Beide Handlungsstränge gestalten sich als sehr interessant und zeigen uns prachtvolle Seiten der bekannten Baleareninsel, abseits von Trubel und Tourismus. Duftende Orangenblüten, weitläufige Olivenhaine und ein wohlgehütetes Geheimnis verbergen sich hier und warten darauf, entdeckt zu werden. Da wie dort passieren aufregende Dinge, jedoch empfinde ich so manche Entwicklung als zu plötzlich und zu abrupt, wodurch die Glaubwürdigkeit der Geschichte ein wenig leidet. Die Portraits von Magdalena und Maria und die verbindenden Puzzlestücke sind dennoch sehr gut gelungen, die malerische Kulisse sorgt für eine überaus angenehme Atmosphäre und etliche historisch belegte Details bieten zusätzlich noch wertvolle Informationen rund um Mallorca, die Eisenbahn und die Orangenbauern.

Mit dem Roman „Das Orangenblütenversprechen“ liefert Eva-Maria Bast ein weiteres vergnügliches Buch für entspannte Lesestunden, Sóller und Port de Sóller scheinen eine Reise wert zu sein.


Veröffentlicht am 28.08.2025

Viktoria - Agnes - Elisabeth

Morgen sind wir wild und frei
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München und Oberammergau, 1909: Drei recht unterschiedliche junge Frauen, die Sekretärin Viktoria, die Architekturstudentin Agnes und die Schneiderin Elisabeth, treffen in den Alpen aufeinander und freunden ...

München und Oberammergau, 1909: Drei recht unterschiedliche junge Frauen, die Sekretärin Viktoria, die Architekturstudentin Agnes und die Schneiderin Elisabeth, treffen in den Alpen aufeinander und freunden sich an. Alle drei leiden auf ihre Art unter fehlenden Rechten für die Frauen und planen, ohne entsprechende finanzielle Mittel, einen Berghof zu ersteigern.

Im ersten Drittel des Romans stellt Stephanie Schuster einmal die drei Damen einzeln vor und geht auf deren schwierige Lebensumstände ein. Dann lässt sie sie einander kennenlernen und gemeinsame Pläne schmieden. Ein Sammelsurium an Themen, von ledigen Müttern über Schmuggelwaren bis hin zu den Passionsspielen, wird aufgegriffen und nach sorgfältiger Recherche zu einem bunten, unterhaltsamen Konglomerat zusammengefügt. Abwechselnde Blickwinkel bringen Kurzweil ins Geschehen, das Ende wird fast ein bisschen zu turbulent und büßt an Glaubwürdigkeit ein. Aber im Roman darf das schon sein, die historischen Tatsachen sind hier bestens eingefügt, sogar reale Persönlichkeiten von damals finden Erwähnung.

Abwechslungsreiche Szenen und vielfältige Themen lassen die gut 500 Seiten rasch dahinschmelzen, die Zeit mit Viktoria, Agnes und Elisabeth zeigt auf originelle Art und Weise, mit welchen Schwierigkeiten Frauen damals zu kämpfen hatten.

Veröffentlicht am 28.08.2025

Stahlskelett

Hier oben sind wir unendlich
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1930: Ein gigantisches Stahlskelett erhebt sich über den Dächern New Yorks, das Empire State Building wächst mit hoher Geschwindigkeit Stockwerk für Stockwerk dem Himmel entgegen. Furchtlose Männer, oder ...

1930: Ein gigantisches Stahlskelett erhebt sich über den Dächern New Yorks, das Empire State Building wächst mit hoher Geschwindigkeit Stockwerk für Stockwerk dem Himmel entgegen. Furchtlose Männer, oder solche, die schlicht und einfach ihre Familie ernähren müssen, betreten tagtäglich schmale Stahlträger und vollbringen ihr erstaunliches Werk in schwindelerregender Höhe. Darunter Patrick O’Connell, der sich eines Tages so verletzt, dass er unmöglich am nächsten Morgen weiterarbeiten kann. Miete und Medikamente für die jüngere Schwester sind aber dennoch zu bezahlen, der Vater ist bereits beim Arbeiten an den Docks umgekommen, er also verantwortlich für die Mutter und die Geschwister. Ein irrwitziger Plan nimmt Gestalt an: Patricks Zwillingsschwester Grace, die bislang als Tänzerin aufgetreten ist, soll an seiner Stelle sechs Wochen lang als Stahlarbeiter das vierköpfige Team ergänzen. „Du könntest es machen.“ „Ich könnte deinen Platz einnehmen.“ [Patrick und Grace O’Connell, kindle, Pos. 882]

Auf überaus detaillierte und lebendige Weise erzählt Gemma Tizzard aus den 1930er-Jahren in New York, beschreibt die aus der Wirtschaftskrise resultierende Armut und Not der Bevölkerung. Auf engstem Raum wohnen kinderreiche Familien, für wenig Geld nimmt man jede auch noch so anstrengende Arbeit an, man lebt von einem Tag auf den anderen, hofft darauf, auch im nächsten Monat noch die hungrigen Mäuler stopfen zu können und das Geld für die schäbigen Zimmer aufzubringen. Grace und Patrick aus einer irischen Einwandererfamilie stehen neben den Italienern Francesco und Guiseppe Gagliardi im Mittelpunkt und lehren die Leser das Fürchten, denn es geht mit dem Aufzug hinauf in den 21. Stock, hinaus auf nackte Stahlträger, ein einziger falscher Schritt kann den Tod bedeuten. Auch mit festem Boden unter den Beinen fühlt man Schwindel in sich aufsteigen beim Lesen, hält den Atem an ob der komplizierten Arbeiten mit glühend heißen Nieten, jedem Wind und Wetter ausgesetzt. Einer muss sich auf den anderen verlassen können, diese Regel gilt ausnahmslos, nun ist es eine als Mann verkleidete Frau, die diese verantwortungsvolle Rolle ohne mit der Wimper zu zucken übernimmt, denn verlassen können muss sich auch die Familie, welche keinen anderen Ausweg sieht. Tanzschuhe im Austausch gegen Stahlkappen, Zirkuserfahrung gegen Höhenangst, das ist es, was Grace bieten kann und auf bewundernswerte Weise am Stahlskelett des Empire State Buildings unter Beweis stellt.

Großartig recherchiert, verknüpft Gemma Tizzard die Geschichte des damals höchsten Stahlkonstruktes der Welt mit einer einfühlsamen Erzählung über den Kampf ums nackte Überleben, über Mut, Freundschaft, Vertrauen und die Liebe. Ein phantastisches Buch, welches mir mitunter Gänsehaut beschert hat und das ich uneingeschränkt weiterempfehle.

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