Schattenwelt
Die Wächterin von KölnSpätmittelalter in Köln: Elsbeths Weg führt sie schon als Sechzehnjährige ins Bordell, Jahre später findet man ihren Halbbruder aufgeknüpft an einem Baum. Glücklicherweise hat sie sich in der Zwischenzeit ...
Spätmittelalter in Köln: Elsbeths Weg führt sie schon als Sechzehnjährige ins Bordell, Jahre später findet man ihren Halbbruder aufgeknüpft an einem Baum. Glücklicherweise hat sie sich in der Zwischenzeit ein Netz in der Schattenwelt aufgebaut und kann dem Todesfall nachgehen, der eindeutig Mord und kein Freitod ist.
Spannend geht es zu in den Jahren 1396 bis 1423, zwischen denen die Handlung munter hin- und herspringt. Elsbeth wandelt sich vom vermeintlich tumben Mädchen zur gewieften Bordellmutter, wobei sie größten Wert darauf legt, dass es bei ihr anständig und sauber zugeht. Als ihr die Nachricht vom Tod des Bruders zugeht, nützt sie all ihre Seilschaften, um Licht ins Dunkel zu bringen. Dabei steht allerdings weniger die Aufklärung eines Kriminalfalles im Mittelpunkt, sondern eher Elsbeths Leben selbst und die Umstände des Freudenhauses zur damaligen Zeit. Höchst lebendig und akribisch recherchiert tun sich hier alte Zeiten auf, in welchen man wohl eher nicht gelebt haben möchte. Armut, Hunger, Prügel stehen an der Tagesordnung, selbst die Machthabenden nützen ihre Position oft genug nur zu ihrem eigenen Vorteil aus und lassen es an Fürsorge für ihre Untergebenen mangeln. Geschickt versteht es Elsbeth dennoch, mit einem Geben und Nehmen vertrauenswürdige Freundschaften aufzubauen und sich und ihre Frauen um Hurenhaus bestmöglich zu beschützen.
Mit ihrem fesselnden Schreibstil und überaus bildhaften Beschreibungen versetzt einen Petra Schier in eine brutale Welt des Spätmittelalters, in welche man für einige Stunden tief eintauchen kann. Ihre Charaktere hat der Leser rasch vor seinem geistigen Auge, ja sogar Geräusche und Gerüche vermeint man zwischen den Zeilen zu verspüren. Für die vielen Figuren im Roman gibt es glücklicherweise ein übersichtliches Verzeichnis zu Beginn, am Ende noch ein informatives Nachwort, das außerdem Lust weckt auf weitere Romane der Autorin mit einigen nun bekannten Personen.
Mir haben sowohl die geheimen Intrigen als auch die Welt im Freudenhaus großen Spaß bereitet beim Lesen, die Szenen sind höchst ausgewogen gehalten, auch was die Zeitsprünge innerhalb der etwa dreißig Jahre betrifft. Daher empfehle ich die Wächterin nun sehr gerne weiter.