Profilbild von die_gluecksfee

die_gluecksfee

aktives Lesejury-Mitglied
offline

die_gluecksfee ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit die_gluecksfee über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.08.2025

Tabuthema Fehlgeburt

Mutter ohne Kind
0

In unserer Gesellschaft haben wir noch mit vielen Tabuthemen zu kämpfen. Eines davon ist die Fehlgeburt. Kurz gesagt versucht Eva Lindner in dem Buch, die Missstände rund um dieses Thema aufzudecken sowie ...

In unserer Gesellschaft haben wir noch mit vielen Tabuthemen zu kämpfen. Eines davon ist die Fehlgeburt. Kurz gesagt versucht Eva Lindner in dem Buch, die Missstände rund um dieses Thema aufzudecken sowie auch Müttern ohne Kinder zur Sprache kommen zu lassen.


Dieses Sachbuch ist wissenschaftlich angehaucht, es beinhaltet viele Studien sowie Statistiken. Jedes Kapitel startet aber mit dem Erlebnis einer betroffenen Mutter, die ihr Kind verloren hat. Dies verleiht dem Buch einen subjektiven und emotionalen Einblick. Aus vielen Perspektiven (politisch, medizinisch, psychologisch, gesellschaftlich, gesetzlich) wird die Fehlgeburt beleuchtet und es wird eines klar: es gibt noch sehr viel zu tun!


Die ernüchternden Fakten haben mich an vielen Stellen wütend gemacht. Wie kann Fehlgeburt in einigen Ländern noch heute ein Verbrechen sein? Und wie kann es sein, dass Frauen bevormundet werden? Es ist auf jeden Fall keine leichte Lektüre, denn es ist aufwühlend und zeigt, wie unfair Mütter ohne Kinder behandelt werden.


Ich hätte es schön gefunden, wenn die Erlebnisse der Betroffenen noch etwas mehr ausgeführt würden, aber letzten Endes ist es ein Sachbuch, welches eher auf Fakten und Recherchen basiert ist. Ich hatte auch erwartet, dass die erarbeiteten Vorschläge der Autorin mehr beleuchtet würden. Ich weiss auch nicht, ob so ein faktenlastiges Buch Betroffenen Mut zuspricht, ich denke es ist eher frustrierend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 17.08.2025

Eine Autofiktion, die mich nicht überzeugen konnte

Sputnik
0

Der dritte Roman der autofiktionalen Familiengeschichte Berkels dreht sich um Christian selbst. Ein grosser Teil der Geschichte widmet sich seinen Kindheits- und Jugendjahren. Wir erfahren, wie er aufwächst, ...

Der dritte Roman der autofiktionalen Familiengeschichte Berkels dreht sich um Christian selbst. Ein grosser Teil der Geschichte widmet sich seinen Kindheits- und Jugendjahren. Wir erfahren, wie er aufwächst, wie er die Liebe zum Schauspielen und zur Theaterwelt entdeckt. Wir begleiten ihn auf seiner Schulzeit in Paris und bekommen seine ersten Erfahrungen in der Liebe, aber auch in Bezug auf Suchtmittel mit. Ich habe die Geschichte insgesamt als eine Reise zur Selbstfindung empfunden. Wir tauchen tief in seine Gedankenwelt ein, welche insbesondere in jungen Jahren interessant zu lesen sind, da der Roman aus der Ich-Perspektive der Hauptfigur Sputnik geschrieben ist. Die für die Kindheit charakteristische Neugier und Unwissenheit hat Berkel sehr gut eingefangen. Einzelne Szenen haben mich schmunzelnd zurückgelassen. Berkel greift ironisch auf, dass bestimmte Aussagen der Eltern einen noch Jahre später beschäftigen können (und die sich an der ein oder anderen Stelle als Lüge herausstellen).

Die Figuren waren für mich nicht greifbar, ich konnte keine tiefere Verbindung mit ihnen aufbauen. Nach der Lektüre hat bei mir auch keiner einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Es fehlte eine sichtbare Charakterentwicklung, was mir persönlich in Büchern wichtig ist.
Sein Schreibstil ist lebendig und auf einem literarisch hohen Niveau. Hervorheben will ich an dieser Stelle seine Beschreibung als heranwachsender Fötus im Mutterleib sowie die Geburt aus der Sicht eines Babys - diese Sichtweise hat mir neue Perspektiven eröffnet. An anderen Stellen ziehen sich seine Gedanken oder Beschreibungen unnötig in die Länge, weshalb die Handlung oft nur langsam voranschreitet. Leider konnte ich deshalb ab der zweiten Hälfte die Lektüre nicht geniessen und musste mich vermehrt durch den Text kämpfen. Auch das Schauspiel-Setting, was an sich eine spannende Branche ist, konnte mich nicht wirklich packen. Auch hier werden Proben oder Gespräche langgezogen.
Gegen Ende wird vertieft die Nachkriegszeit und der Holocaust behandelt. Mit der Umsetzung dieser Thematik bin ich jedoch nicht warm geworden und konnte keine neuen Erkenntnisse für mich ziehen.

Abschliessend konnte ich nicht viel aus dieser Geschichte für mich mitnehmen. Zudem bleibt für mich offen, wer er denn nun genau ist (bezugnehmend auf den Buchumschlag, dass es im Buch um Folgendes geht: „die Frage, wer wir wirklich sind“).
Wer sich echten emotionalen Tiefgang wünscht, dem kann ich das Buch leider nicht empfehlen. Vielleicht kann jemand, der sich für Christian Berkel interessiert, mehr mit dem Roman anfangen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.08.2025

Tiefgründiges Debüt über Freundschaft und Verrat

Bestie
0

Was passiert, wenn man mit einer neuen Identität in eine WG einzieht und sich immer weiter in ein Netz aus Lügen verstrickt? Genau das macht Delia, als sie ein neues Leben in Hamburg als Lilly beginnt ...

Was passiert, wenn man mit einer neuen Identität in eine WG einzieht und sich immer weiter in ein Netz aus Lügen verstrickt? Genau das macht Delia, als sie ein neues Leben in Hamburg als Lilly beginnt und gleichzeitig ihre Vergangenheit ausradiert. Dabei nutzt sie ihre Mitbewohnerin Anouk opportunistisch für ihre beruflichen und persönlichen Zwecke. Schnell entsteht eine Freundschaft, die auf gegenseitiger Ausnutzung beruht.

Die Handlung bleibt jederzeit spannend. Der Leser fragt sich kontinuierlich, wann die Masken endlich fallen und alle Lügen aufgedeckt werden. Insbesondere im letzten Viertel gewinnt die Handlung nochmal an Intensität und Dramatik.
Der Roman greift tiefgründige Konstrukte auf: Es geht um die Sehnsucht, jemand Anderes sein zu wollen, um Selbstfindung, um Obsession, um Einsamkeit, aber auch um Vertrauen. Kann man sein vergangenes Ich einfach begraben, oder holt einem die Vergangenheit nicht irgendwann ein? Wer bin ich, wer will Ich sein und aus welchen Motiven?

Die Charakterentwicklung, welche im Roman eine zentrale Rolle einnimmt, ist der Autorin äusserst gut gelungen. Die beiden Protagonistinnen sind alles andere als perfekt. Durch die wechselnden Sichtweisen taucht der Leser in die Gefühlswelt beider Frauen ein. Ihre Konflikte sind zwar spezifisch, dennoch konnte ich mich in vielen Situationen wiederfinden (wenn man den Kern der Konflikte betrachtet). Beide Figuren durchlaufen eine Transformation, sobald sie sich ihren Ängsten und Lügen stellen. Diese psychologische Auseinandersetzung verleiht der Geschichte eine aussergewöhnliche Tiefe.

Auch der Schreibstil hat mich vollkommen umgehauen. Joana wählt jedes einzelne Wort mit Bedacht und drückt sich in einer wunderschönen poetischen Sprache aus. Es gibt gegen Ende des Buches einige Szenen, welche einen experimentellen Charakter haben und eher untypisch für einen Roman sind. Diese ergeben in Anbetracht der Handlung aber vollkommen Sinn und machen das Buch zu etwas Einzigartigem. Zudem ist der Text voller symbolischer Elemente, welche immer wieder aufgegriffen werden. Diese stark ausgeprägte Symbolik lädt an vielen Stellen zu einer Analyse bzw. philosophischen Interpretation ein. Nach der Lektüre gewinnt der auf den ersten Blick schlicht wirkende Titel „Bestie“ eine ganz neue (und tiefe) Bedeutung. Ich habe viele Sätze markiert, da die Sprache meine Erwartungen deutlich übertroffen hat!

Kurzes Fazit: Das ist kein Buch, welches man schnell auslesen sollte, sondern eines, das man auf einer sprachlichen sowie stilistischen Ebene zeitlich auskostet. Dieser Roman ist für jeden Leser geeignet, der sich auf ein besonderes und stilistisch geniales Buch einlassen will.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.08.2025

Romantisch und emotional

Just for the Summer
0

Justin und Emma treffen durch ein Zufall aufeinander, weil sie etwas vereint: Es will mit der Liebe einfach nicht klappen. Sobald sie sich von ihrem Partnern trennen, finden diese ihre Lebensgefährten. ...

Justin und Emma treffen durch ein Zufall aufeinander, weil sie etwas vereint: Es will mit der Liebe einfach nicht klappen. Sobald sie sich von ihrem Partnern trennen, finden diese ihre Lebensgefährten. Sie beschliessen, sich gegenseitig zu Daten und sich anschliessend direkt zu trennen, um endlich ihre jeweiligen Soulmates zu finden. Was auf den ersten Blick nach einer leichten Komödie klingt, entpuppt sich nach und nach als viel mehr. Die Autorin hat rund um den lustigen Kerngedanken einen echten Mehrwert mit wichtigen Themen geschaffen. Die Spannung wurde über das ganze Buch hoch gehalten, sodass man das Buch nicht weglegen kann. Insbesondere gegen Ende passiert noch viel, was dazu geführt hat, dass ich das Buch in fast einem Zug verschlungen habe. Zudem hat mich diese Geschichte aus einer starken Leseflaute gerettet.
Es ist eine Geschichte über zwei gegensätzliche Lebensstile, über prägende Traumata aus der Kindheit sowie über die Überwindung von Hindernissen zugunsten der Liebe. Die Figuren sind nicht perfekt, sondern komplex, was sie sehr greifbar macht.
Die sich abwechselnde Ich-Perspektive von Emma und Justin hat mir auch gut gefallen. So kann sich der Leser in beide Hauptfiguren hineinversetzen.
Trotz der erwähnten ernsten Themen ist es eine herzerwärmende Lektüre (bitte bei Bedarf die Triggerwarnungen beachten). Für mich ist das eine gelungene Storyline, da sie emotional, lustig und berührend ist.

Zwar ist das der dritte Band einer Reihe, jedoch kann dieses Buch auch unabhängig von den anderen zwei Bänden gelesen werden. Diese werde ich aber auf jeden Fall auch lesen, da mich dieses Buch überzeugen konnte.

Ich empfehle das Buch allen Lesern, die auf der Suche nach einer unterhaltsamen Sommerlektüre sind, welche zugleich auch psychologische Tiefe aufweist. Ideal auch für Leser, die einen Ausweg aus einer Leseflaute suchen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere