Profilbild von engineerwife

engineerwife

Lesejury Star
offline

engineerwife ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit engineerwife über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2026

Das soll's gewesen sein?

Die Liebe, später
0

Als ich den Klappentext dieses neuen Romans der Autorin Gisa Klönne – deren Bücher ich übrigens sehr schätze – las, dachte ich sofort, das könnte ein perfektes Buch für mich werden. Wir alle drei – die ...

Als ich den Klappentext dieses neuen Romans der Autorin Gisa Klönne – deren Bücher ich übrigens sehr schätze – las, dachte ich sofort, das könnte ein perfektes Buch für mich werden. Wir alle drei – die Autorin, die Protagonistin und ich – sind in etwa im gleichen Alter und könnten eventuell auch ähnliche Interessen vertreten, vielleicht sogar versuchen, ähnliche Problem zu verarbeiten? So ließ ich mich dann auch gerne auf Kora ein, die seit etwa 20 Jahren mit ihrem Mann Anselm verheiratet und dabei glücklich zu sein scheint. Doch als ihr Mann mehr als zufrieden seinen Ruhestand antritt, scheint in ihr etwas Großes losgetreten worden zu sein. Nach ihrer komplizierten Herzoperation, die sie gerade ziemlich erfolgreich überstanden hat, fühlt sie sich noch keineswegs bereits, diesen letzten Schritt in ihrer professionellen Laufbahn anzutreten. Ihr Arbeitgeber sieht dies anders und legt ihr einen Rücktritt nahe. Ohne richtig mit ihrem Mann darüber zu reden, stürzt sich Kora daraufhin in eine Suche nach dem Sinn ihres weiteren Lebens. Hier wäre meines Erachtens nach eine bessere Kommunikation zwischen ihr und Anselm von Vorteil gewesen …

Wie schon geschrieben, hätte dieses Buch perfekt für mich sein können aber so ganz warm wurde ich nicht mit der Geschichte. Ich konnte mich beim Lesen schwer in Kora reinversetzen. Während ich durchaus verstehen kann, dass man sich nochmal selbst finden und die Abschiebung auf das „Altenteil“ nicht sang- und klanglos hinnehmen will, kann ich nicht verstehen, warum man dafür alles bisher beziehungsmäßig Erarbeitete so leichtfertig in den Wind schießt. Hat man denn in den letzten zwanzig Jahren nicht gelernt, dass gute Kommunikation das A und O einer Ehe ist? Dass Anselm dann auch auszubrechen versucht, habe ich bis zu einem gewissen Grad verstanden, aber beide Protagonisten haben meine Leselust mit ihren „Eskapaden“ nicht wirklich gefördert. Der Roman behandelt ein wichtiges Thema, für viele sicher auch genau so nachvollziehbar, mich hat es leider in nicht abgeholt. Von mir gibt es für „Die Liebe, später“ drei von fünf Sternen. Der talentierten und sehr erfolgreichen Autorin Gisa Klönne halte ich natürlich die Treue. Bei so vielen veröffentlichten Romanen ihrerseits kann es ja durchaus mal vorkommen, dass Autorin und Leserin nicht Auge in Auge sehen.

Veröffentlicht am 09.02.2026

Nichts hält so lange wie ein Provisorium ...

In den Scherben das Licht
0

Da Carmen Korn mit zu meinen Lieblingsautorinnen gehört, wenn es um eine authentische Wiedergabe historischer Gegebenheiten geht, freute ich mich natürlich riesig zu sehen, dass sie mit „In den Scherben ...

Da Carmen Korn mit zu meinen Lieblingsautorinnen gehört, wenn es um eine authentische Wiedergabe historischer Gegebenheiten geht, freute ich mich natürlich riesig zu sehen, dass sie mit „In den Scherben das Licht“ einen neuen Roman geschrieben hatte, der sich mit einem schwierigen Teil unserer deutschen Geschichte befasst, der unmittelbaren Nachkriegszeit. Wie schon so oft in ihren Geschichten, begebe ich mich lesetechnisch mal wieder nach Hamburg, einem meiner und sicher auch ihrem Lieblingsorte. Ich treffe dort zwei junge Menschen, Gert und Gisela, die durch den Krieg, wie so viele andere auch, entwurzelt und ihrer Familie beraubt wurden. Sie finden in der Tornquiststraße in einem halb zerstörten Hause eine vorübergehende Bleibe und versuchen sich dort gemeinsam mit Friede Wahrlich, einer ehemaligen Schauspielerin, ein neues Leben aufzubauen. Doch neben körperlichen Entbehrungen macht ihnen die Unwissenheit über den Verbleib ihrer Familien schwer zu schaffen. Eine Suche nachdem scheinbar Unmöglichen nimmt ihren Lauf …

Carmen Korn ist nicht die Erste und wird nicht die Letzte sein, die dieses berührende Thema um die harte Zeit nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg aufgreift. Fast ist man als Leser verführt dazu in Pessimismus und Trauer zu versinken, doch die Autorin schafft es der hoffnungslosen Atmosphäre eine Prise Zuversicht und Kampfgeist beizufügen, die sie erträglich machen zu scheint. Authentisch gezeichnete Charaktere, die die Wege der Drei immer wieder kreuzen, verleihen der Geschichte trotz der Kälte eine gewisse Wärme, die stets zum Weiterlesen animiert. Der bildhafte und emotionale Schreibstil veranlassen mich dazu, hier solide vier Sterne zu vergeben verbunden mit einer von Herzen kommenden Leseempfehlung. Carmen Korn nimmt selten ein Blatt vor den Mund und ist auch mit diesem Buch ihrem Stil wieder treu geblieben.

Veröffentlicht am 05.02.2026

Ich bin zu Hause zwischen Tag und Traum ...

Clara und Rilke
0

Wer kennt ihn nicht, den begnadeten Lyriker und Schriftsteller Rainer Maria Rilke, der zu Lebzeiten immer wieder an seiner Rastlosigkeit und inneren Zerrissenheit zu scheitern droht. Geprägt durch eine ...

Wer kennt ihn nicht, den begnadeten Lyriker und Schriftsteller Rainer Maria Rilke, der zu Lebzeiten immer wieder an seiner Rastlosigkeit und inneren Zerrissenheit zu scheitern droht. Geprägt durch eine nicht einfache Kindheit mit einer dominanten Mutter, entwickelt er über die Jahre seine eigene Überlebensstrategie. Der sensible Dichter sucht oft die Einsamkeit, bis eines Tages die junge Clara Westhoff in sein Leben gespült wird. Die Beiden lernen sich in der mitten im Teufelsmoor gelegenen Künstlerkolonie Worbswede kennen. Clara absolviert eine für Frauen der damaligen Zeit ungewöhnliche Ausbildung zur Bildhauerin und hatte das Glück, unter anderem unter dem sehr bekannten Auguste Rodin studieren zu dürfen. Clara und Rilke nähern sich an und bald schon entsteht eine tiefe Liebesbeziehung, die schließlich in der Heirat der Beiden im April 1901 ihre Vollendung findet. Doch Rilke scheint nicht für ein bürgerliches Leben geschaffen und trotz der Geburt der kleinen Tochter Ruth, beginnt die Ehe bald zu bröckeln …

Nicht nur durfte ich dieses wunderbare Werk als Hörbuch genießen, ich hatte auch das unverschämte Vergnügen, mir den biografischen Roman in einer Lesung durch die Autorin selbst in Auszügen erzählen zu lassen. Die äußerst sympathische Autorin Lena Johannson schafft es fast spielerisch den Hörer, bzw. Leser in ihre Erzählung eintauchen zu lassen, neben der Geschichte selbst präsentiert sie auch verschiedene Kostproben der Dichtkunst Rilkes, was die Romanbiografie immer wieder auflockert. Während mich die Autorin zu 100% überzeugen konnte, bleibt das Hörbuch leider ein klein wenig hinter den Erwartungen zurück. Die große Aufgabe ihre Hörer mitzureißen, bewältigte die Sprecherin Xenia Noetzelmann nur bedingt. Dennoch vergebe ich für dieses Werk sehr gerne vier bewundernde Sterne verbunden mit einer absoluten Empfehlung an alle, die sich wie ich für das Leben und Wirken dieser beiden außergewöhnlichen Künstler begeistern können.

Veröffentlicht am 04.02.2026

Eine Heimkehr der besonderen Art ...

Nachttod
0

Ich liebe es einen neuen Kriminalroman zu entdecken, der nach dem ersten Band mit noch vier weiteren Teilen aufwarten kann. So freute ich mich dann auch riesig darauf durch „Nachttod“, aus der Feder der ...

Ich liebe es einen neuen Kriminalroman zu entdecken, der nach dem ersten Band mit noch vier weiteren Teilen aufwarten kann. So freute ich mich dann auch riesig darauf durch „Nachttod“, aus der Feder der schwedischen Krimiautorin Johanna Mo, Bekanntschaft mit der Polizistin Hanna Duncker machen zu dürfen. Hanna ist nach Jahren der Abwesenheit in ihre Heimat auf die Insel Öland vor der südöstlichen Küste Schwedens zurückgekehrt, auf der sie den dortigen Polizeidienst antritt. Die Versetzung dorthin kostete sie viel Mut, denn der Name Duncker ist in der Gegend kein unbekannter. Hanna ist die Tochter eines Mörders, eine Tat, die ihr einige der Einwohner persönlich ankreiden. Gleich zum Einstieg wird der Sohn ihrer ehemals besten Freundin erstochen auf einem einsamen Parkplatz aufgefunden, und so entwickeln sich die Ermittlungen für sie zu einer sehr persönlichen Angelegenheit, bei der sie mehr als einmal an ihre Grenzen stößt. Dass sie nebenher versucht, auch ihre eigenen Dämonen im Zusammenhang mit der Tat ihres Vaters zu bekämpfen, macht die Sache nicht einfacher …

Wer hier einen rasanten und actiongeladenen Thriller sucht, wird enttäuscht werden. Wer aber eintauchen möchte in Hanna Dunckers Leben und teilhaben will an ihrer persönlichen Entwicklung sowie dem Zusammenspiel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, ist hier bestens bedient. Von mir gibt es – mit ein ganz klein wenig Luft nach oben – vier wohlverdiente Sterne. Zudem spreche ich sehr gerne eine Empfehlung an die Krimiliebhaber und -liebhaberinnen aus, die ruhige und dafür tiefsinnige skandinavische Krimis lieben. Ich per persönlich freue mich schon sehr auf den Folgeband der Reihe um die Polizistin Hanna Duncker.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 31.01.2026

Die Luft steht, die Schüsse fallen im brütend heißen Chicago im Sommer 1928 ...

Todesblues in Chicago
0

Auch dieser zweite Band der „City-Blues-Reihe“ kann seine Leserschaft problemlos abholen, indem es sie gleich zu Beginn in den brütend heißen Sommer in Chicago des Jahres 1928 hineinkatapultiert. Schnell ...

Auch dieser zweite Band der „City-Blues-Reihe“ kann seine Leserschaft problemlos abholen, indem es sie gleich zu Beginn in den brütend heißen Sommer in Chicago des Jahres 1928 hineinkatapultiert. Schnell fallen große Namen wie Al Capone und Lois Armstrong und man spürt förmlich die knisternde Angespanntheit, die in der Luft zu hängen scheint. Im Mittelpunkt dieses außergewöhnlichen Romans stehen drei Handlungsstränge, die der Autor Ray Celestin geschickt miteinander verwebt. Für unsere beiden Protagonisten Ida Davis und Michael Talbot beginnt das Ganze mit dem Besuch der Mutter einer reichen Fabrikerbin, die verschwunden zu sein scheint. Handelt es sich um eine anfangs ungeplante Entführung? Doch kaum haben sie Zeit sich ihrem neuen Fall zu widmen, geschieht eine Reihe von rätselhaften Giftmorden, die wohl der „High Society“ der Gangsterwelt einen empfindlichen Stoß versetzen sollte. Wie fügt sich der legendäre Al Capone in diese Machenschaften ein? Mal wieder beginnt ein rasender Wettlauf mit der Zeit, die entlang des Weges mehr als ein Todesopfer fordert. Auch Ida und Michael kommen nicht ungestreift davon …

Der Autor schafft es die Stimmung der wilden 20er Jahre in Chicago perfekt einzufangen. Geschickt verwebt er historische Fakten mit fiktionalen Elementen und kreiert so authentisch wirkende Ermittlungen mit gut gezeichneten Charakteren. Jeder Band dieses Vierteilers spielt in einer anderen Stadt und so freue ich mich schon heute darauf, mit bekannten Gesichtern die Reise von New Orleans über Chicago nach New York antreten zu dürfen. Von mir gibt es fünf rauchende Colts, äh, ich meine, fünf wohlverdiente Sterne und eine absolute Leseempfehlung für Liebhaber rasanter historischer Kriminalromane.