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Veröffentlicht am 29.05.2025

Alles rausholen

Der Kaiser der Freude
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„Der Kaiser der Freude“ von Ocean Vuong, lang erwartet und jetzt 2025 endlich erschienen im Carl Hanser Verlag, ist ein schon vorab gehypter Roman, was einem Roman ja das Leben schwer machen kann – doch ...

„Der Kaiser der Freude“ von Ocean Vuong, lang erwartet und jetzt 2025 endlich erschienen im Carl Hanser Verlag, ist ein schon vorab gehypter Roman, was einem Roman ja das Leben schwer machen kann – doch hier: Keine Sorge. Dieser Roman wird den Lesenden das Herz zerreißen.

Vuong erzählt die Geschichte von dem jungen Hai und der alten Grazina, die eine schicksalhafte Nacht als Notgemeinschaft zusammenwürfelt. Und wer jetzt schreit, diese Idee ist doch uralt! Der hat Recht und das Geniale an Vuongs Buch ist, dass die Idee völlig nebensächlich ist. Dieses Buch strahlt durch die Tiefe, in der Vuong Beziehungen auslotet und Leben beschreibt.

Wir befinden uns in einem furchtbar öden amerikanischen Ort, wo genau, ist vollkommen egal, nicht egal ist, wie perfekt und atmosphärisch der Autor die Trostlosigkeit und Ausweglosigkeit, das ewige Grau und den Beton, die Ballung von Diner und Imbiss in einer absoluten Tristesse beschreibt, sogar die Natur ist hier ständig nass und matschig. Und dennoch gelingt es Vuong, durchweg auch ein Gefühl von Lieben und Zugehörigkeit, von Heimat und merkwürdiger Geborgenheit einzufangen, so dass nicht umsonst irgendwann der Satz fällt: East Gladness ist der beste Ort der Welt.

Hai hat ein erstes Studium abgebrochen, weil er einen Freund verloren hat, seiner enttäuschten Mutter gaukelt er vor, nun zum Medizinstudium in Boston aufzubrechen, und als er sich zugedrogt auf einer Brücke befindet, die über einen Fluss geht und überlegt, allem ein Ende zu setzen, wird er von Grazina davon abgehalten und zieht bei ihr ein. Grazina ist alt, dement und voller wilder Gedanken und Erinnerungen. Allein können beide nicht weiter. Miteinander eigentlich auch nicht, wie soll der Blinde dem Tauben den Weg zeigen und andersherum, aber andererseits: Wenn zwei Experten des Chaos aufeinandertreffen, dann kann halt doch ein Schuh draus werden. Hai findet Arbeit in einem Schnellrestaurant, wo auch sein sehr spezieller Cousin Sony arbeitet (ja, wie die Firma) und natürlich auch noch eine große Handvoll weiterer gescheiterter Existenzen.

Wie sich diese Menschen in ihrem täglichen Versagen Halt geben, wie sie miteinander Dinge erleben, die vollkommen abwegig sind, wie sie eigentlich nie über Gefühle sprechen, weil sie die tief unten abgekapselt haben, aber beim Lesen so unendlich viel Gefühl erzeugen, wie Vuong zeigt, dass die wahren Außenseiter die Herrschenden, die Funktionierenden, die Reichen sind, die alle auch das Leben verlernt haben, es ist einfach unglaublich berührend. Getragen wird das alles von einer wahnsinnig schönen Sprache und einem subtilen, zärtlichen Humor, von einzigartigen Bildern und Gedanken. Vuong greift in seiner Erzählung Amerika perfekt, er spielt souverän auf der Klaviatur des Alltagsrassismus, macht transgenerationelles Trauma spürbar und zeigt, dass es Wunden gibt, die nie heilen werden, zeigt aber auch: „Okay“ wird gemeinhin unterschätzt. In East Gladness ist das Glück vielleicht nur in Fragmenten zu finden. Dafür wohnt hier eine Ehrlichkeit, die selten ist.

„Sag mir, was willst du anfangen / Mit deinem einzigen wilden und kostbaren Leben?“, fragt Ocean Vuong in „Der Kaiser der Freude“. Ich empfehle auf jeden Fall als Teil der Antwort dieses Buch zu lesen. Und auf Brötchen im Matsch herumzuhüpfen. Und Karotten zu essen. Und vielleicht den ein oder anderen Traum anzugehen und dabei zu scheitern. Aber dabei die beste Schicksalsgemeinschaft der Welt zu finden. Ein großartiges Buch, das mich zutiefst berührt hat. Das braucht keinen Hype. Das ist einfach: Gladness.

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Die Abgründe der Gynäkopsychiatrie

Der Schlächter
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In hohem Alter widmet sich die Erfolgsautorin Joyce Carol Oates mit ihrem neuen Roman „Der Schlächter“ einer schlimmen Phase der Medizingeschichte, einer Zeit, in der meist nur widerständige Frauen in ...

In hohem Alter widmet sich die Erfolgsautorin Joyce Carol Oates mit ihrem neuen Roman „Der Schlächter“ einer schlimmen Phase der Medizingeschichte, einer Zeit, in der meist nur widerständige Frauen in Psychiatrien als geisteskrank weggeschlossen und an ihnen operativ herumexperimentiert wurde, um sie von ihrer angeblichen Geisteskrankheit aka Eigensinn zu befreien – oft mit tödlichen Folgen.

Oates Roman kreist um den psychiatrischen Arzt Dr. Silas Weir und seine Patientin Brigit – sowie deren komplex verflochtene Beziehung. Vorweg sei gesagt: Dieses Buch ist starker Tobak und macht vor vielen expliziten Szenen nicht halt – dessen sollte mensch sich bewusst sein, bevor die Lesereise beginnt. Genau diese Schonungslosigkeit macht auch die Stärke von Oates Roman aus, der damit den vielen geschundenen Frauen der Medizingeschichte eine laute, fast schon schreiende Stimme verleiht, so dass man sie nicht vergisst. Basierend auf vielen wahren Geschichten erzählt die Autorin von einer Nervenheilanstalt im Pennsylvania des 19. Jahrhunderts und einem narzisstischen Arzt, der an einem Vaterkomplex leidende stümperhaft arbeitend auf eine große Karriere zielt – und dabei über Leichen geht.

Oates schreibt gut, das Buch hat zunächst einen tollen Lesefluss, die Beschreibungen sind sehr bildhaft und griffig, die Atmosphäre wird gut gegriffen, ohne überausführlich zu sein und vor allem scheut sie sich wahrlich gar nicht, in die misogynen Männerseelen hineinzuschauen. Ein perfektes Buch, um aufzuzeigen, warum Feminismus auch für Männer die Lebensqualität deutlich erhöhen würde, es ist ja auszuhalten, wie sehr diese hier in Tabuisierungen festklemmen. Wobei die Folgen natürlich für die Frauen deutlich schlimmer sind, weshalb ich dann doch kein Mitleid empfinde.

Strukturell gefällt die Idee von wechselnden Erzählperson sehr gut, das macht das Buch abwechslungsreich und öffnet unterschiedliche Perspektiven. Im weiteren Verlauf reduziert sich diese Multiperspektive leider stark und eigentlich sind alle Erzählenden unzuverlässige Erzähler:innen, was es mitunter schwierig macht, eine klare Handlung zu sehen. Auch werden die Beschreibungen immer redundanter und dann doch überausführlich, so dass sich bei mir immer mehr Langeweile breitmachte. Das Buch auf eine fiktive Autobiographie bei ansonsten schlechter Datenlage zu basieren, ist eine kluge Entscheidung, denn natürlich vergisst die lesende Person diese Fiktion immer wieder.

Obwohl mit bekannt war, wie Frauen „psychiatrisch“ behandelt wurden, hatte ich tatsächlich den Begriff Gynäkopsychiatrie noch nie gehört. Dr. Silas Weir, dessen Leben wir folgen, ist letztlich eine ziemlich armselige Figur und die Einbettung in einen überhöhten Glaubenskontext (Kirche, sorry, immer ein Problem) und einen fetten Vaterkomplex macht ihn, das kleine Männlein, leider brandgefährlich, wie auch wieder deutlich wird, dass Tabus und Unwissen Frauen immer wieder zu Opfern machen. Die psychische Konstellation von Dr. Weir wird am Anfang des Buches sehr gut herausgearbeitet, sein großes Ego, seine Komplexe, die ihn in eine vollkommen irrwegige Selbstwahrnehmung treiben. Gänzlich von seiner Familie isoliert, fehlt es auch an einem Korrektiv. Immer wieder überhöht er sich selbst.

Die Tabuisierung des Frauenkörpers, die bis heute stattfindet und immer noch zu einer Geschlechterungerechtigkeit in der Medizin mit teils fatalen Folgen führt, wird gut herausgearbeitet. Die Folgen für Frauen im 19. Jahrhundert: Einfach schlimm. Alles „Symptome“, die hier beschrieben wird, sind einfach nur ganz normale Emotionen und Langeweile, Lust, Lebenshunger. Schlimmstenfalls mal Depression, was nicht verwundert angesichts der Eintönigkeit, in die Frauen als Gebärmaschinen in der Zeit gezwungen wurden. Auch massiv deutlich, wie sehr Frauen, die als Arbeitskräfte genutzt wurden, nur wieder in die Funktionsfähigkeit gebracht werden. Und dann natürlich die dauerhafte Sedierung der Frauen und der bedenkenlose Einsatz von Suchtmitteln. Die Behandlung, neben der Dauerdroge Laudanum, mit Nikotin und Kokain, einfach krass!
Der Ton, den Oates wählt, beschreibt wirklich gut das patriarchale, chauvinistische Denken. Teilweise kaum auszuhalten, wie tief sie in das Denken des Schlächters eintaucht und uns daran lesend teilhaben lässt. Mit der Zeit kommt es aber auch hier zu Abnutzungserscheinungen, weil nichts Neues mehr hinzukommt.

Wichtig und richtig die Geschichte der „Hysterie“ zu beschreiben und hoffentlich auch vielen Menschen dann endlich Grund genug, dieses Wort nicht mehr in Verbindung mit Frauen zu verwenden. Wie Männer je auf die absolut absurde Idee kommen konnten, Frauen Organe zu entnehmen, um Emotionen zu unterbinden – ein weiteres Beispiel für die einfach krasse Misogynie, die auf unserer Welt herrscht und an die ich mich nie gewöhnen werde und will. Pure Folter, mensch kann es nicht anders nennen, wie hier mit Frauen umgegangen wurde.
Die Art, wie Oates in Nebensätzen die härtesten Infos dropped, ist ausnehmend geschickt, zeigt sie damit doch auch formal, was Frauen der Welt damals galten: nichts. Auch sehr gut, wie so viel schlimmer Alltag eingebettet wird aus der Zeit, die Sklaverei, die Gebundenheit von Dienstkräften, die Erbschulden, der Missbrauch an schon ganz jungen Frauen, der Platz, der Frauen generell in der Gesellschaft zugewiesen wird, einfach gruselig, das alles so gebündelt noch einmal zu lesen.

Dies könnte also ein großartiges Buch sein, wäre da nicht die große Weitschweifigkeit, die mich immer mehr ermüdet hat, die sich wiederholenden Topoi und Situationen, die merkwürdige Überhöhung von Personen und Handlungen, die immer wieder auftauchenden kleinen Fehler und Unlogiken in der Geschichte, die Monothematik auf sehr vielen Seiten, die gleichbleibende Sprache auch bei Perspektivwechseln, die medizinischen Fehler und unsachgemäßen Beschreibungen, die zunächst eingeführte Multiperspektive, die sich dann aber leider ganz schnell verliert, so wie der Fokus des Romans. 200 Seiten weniger hätten wahrscheinlich ein aufrüttelndes Buch ergeben. So wusste ich nach der Hälfte eigentlich alles und wollte das Buch ab dann nur noch beenden, weil sich nichts Neues mehr ergab. Diesem Buch hätte ich ein energischeres Lektorat gewünscht. So reicht es leider nur für drei Sterne bei einem sehr wichtigen Thema.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Erkenntnisse und Hilfe zum Thema „Unerwünschtes Bauchfett“

Die Ernährungs-Docs – Unsere 100 besten Anti-Bauchfett-Rezepte
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„Die Ernährungsdocs – Unsere 100 besten Anti-Bauchfett-Rezepte“ ist ein wirklich gut gelungenes Kochbuch mit Informationsteil für alle Menschen, die dem Bauchfett zu Leibe rücken möchten.

In einem Einführungsteil ...

„Die Ernährungsdocs – Unsere 100 besten Anti-Bauchfett-Rezepte“ ist ein wirklich gut gelungenes Kochbuch mit Informationsteil für alle Menschen, die dem Bauchfett zu Leibe rücken möchten.

In einem Einführungsteil erfährt die lesende Person alles Wichtige zum Thema Bauchfett und kann dabei wahrscheinlich ein paar neue Fakten kennenlernen, zum Beispiel, dass Fett leider nicht gleich Fett ist und dass gerade das Bauchfett verantwortlich für viele ernstzunehmende Erkrankungen sein kann. Auch neu für mich war der Teufelskreis, der entsteht, wenn erst einmal zu viel Bauchfett entstanden ist. Damit der Mensch mit dieser Erkenntnis nicht traurig zurückbleiben muss, bietet das Buch jede Menge praktische Hilfe. Diese geht über allgemeine und wirklich sehr leicht umzusetzende Maßnahmen über in einen großen Rezeptteil.

Unter den Rezepten sollte wirklich für jede Person etwas zu finden sein. Der Großteil ist vegetarisch, und ausreichend viele Rezepte sind leicht zu kochen und gut in den Alltag zu integrieren. Allein die Frühstücksideen sind nicht unbedingt die schnelle Nummer, hier kann mensch aber über meal prep einiges rausholen. Dennoch wäre es wünschenswert, hier noch ein paar Rezepte zu integrieren, die auch für Menschen, die morgens wenig Zeit haben, gut machbar sind. Toll ist aber die Vielfalt der Rezepte, sogar an den süßen Zahn wurde gedacht und auch die Portionsgrößen sind realistisch und machen satt. Das ganze Buch ist durchzogen von sehr schönen Abbildungen und die Rezepte sind großflächig angelegt, so dass das Lesen und Nachkochen noch mehr Spaß macht.

Für mich eine runde Sache, die mich sehr motiviert, dem Bauchfett den Kampf anzusagen. Eine gut gelungene Mischung aus Information und Kochbuch. Sehr zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Vom Träumen und Aufwachen

Dream Count
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„Dream Count“, der neue Roman von Chimamanda Ngozi Adichie, erschienen 2025 im S. Fischer Verlag, ist eine beeindruckende Erzählung über vier Frauen, die sich jede auf ihre Art in ihren Träumen verloren ...

„Dream Count“, der neue Roman von Chimamanda Ngozi Adichie, erschienen 2025 im S. Fischer Verlag, ist eine beeindruckende Erzählung über vier Frauen, die sich jede auf ihre Art in ihren Träumen verloren haben und dadurch das Träumen immer mehr verlernt haben, gebremst von einer nach wie vor zutiefst rassistischen und kolonialen Realität.

Chimamanda Ngozi Adichie schreibt gleichermaßen flüssig und hochkomplex, sieh scheut sich nicht davor, ihren Leser:innen eine Menge Inhalt zuzumuten, holt einen aber auch mit einer klaren und schwungvollen Prosa ab. Sie schreibt spannende Figuren, die es schwer als Lesende bleibt mensch ein bisschen draußen in der beobachtenden Position, was dem Gefüge sehr gut tut, da es nie gefühlig wird. Die vier Frauen, denen wir folgen, sind Chiamaka, Zikora, Kadiatou und Omelogor. Die Handlung spielt primär in Amerika, wichtig für alle Personen ist aber ein nigerianischer Hintergrund. Adichie positioniert alle Frauen zwischen Tradition und Emanzipation, zwischen Individualität und Zugehörigkeit, zeigt ihren Kampf um Autonomie und ihre Sehnsucht nach Gemeinsamkeit. Sie legt den Finger in die Wunde von toxischen Beziehungen und Alltagsrassismus, Unterdrückung und Ausbeutung der Frau, sexuelle Gewalt und Statuskampf, hinterfragt Wurzeln und Stempel, die Menschen aufgedrückt werden. Die vier Frauen sind miteinander verknüpft, auch wenn jeder ein eigener Abschnitt gehört, am Ende steht aber jede für sich allein.

Der Dream Count des Titels klingt nicht zufällig nach Body Count. Wo die einen Körper zählen, die sie berühren, zählen andere Träume, die sich ins Nichts auflösen. Was tun, wenn frau beim letzten Traum angekommen ist? Sehr verdichtet zeigt die Autorin wie patriarchale Strukturen im Großen und Kleinen wirken. Gleichzeitig lässt uns Adichie auch in komplexere, intersektionale Verbindungen blicken. Ihr Feminismus ist nicht. Sie zeigt die patriarchalen Strukturen so unaufgeregt auf, wie sie uns im Alltag begegnen.

Die Autorin reißt in ihrem Roman jedoch noch sehr viel mehr Themen an, die alle interessant sind, leider fehlt dem Roman insgesamt dadurch aber Fokus. Hier wäre weniger doch mehr gewesen, denn so bleiben Facetten der einzelnen Geschichten am Wegesrand liegen und gehen nicht in die Tiefe. So verliert sich das Buch nach vier interessanten Frauengeschichten im fünften Teil leider ein bisschen im Nirgendwo. Dennoch absolut lesenswert, wegen vier so verschiedenen Frauenfiguren, die alle auf ihre Art stumpf geworden sind an einem Leben, das sie täglich in Frage stellt – und wegen viel Learning über die Perspektive von People of Color.

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Veröffentlicht am 28.04.2025

Das Böse Erben oder das Gute tun?

Heir
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Mit „Heir“, dem ersten Band einer Fantasy-Dilogie, führt Sabaa Tahir die Lesenden zurück in die schon aus „An Ember in the Ashes“ bekannte Welt und steht dabei dieser Reihe, die für Begeisterung sorgte, ...

Mit „Heir“, dem ersten Band einer Fantasy-Dilogie, führt Sabaa Tahir die Lesenden zurück in die schon aus „An Ember in the Ashes“ bekannte Welt und steht dabei dieser Reihe, die für Begeisterung sorgte, in nichts nach. Das Buch ist optisch wunderschön aufgemacht und das stark atmosphärische Titelmotiv findet sich auch im Inneren des Buches immer wieder. Für alle, die sich Sorgen machen: Die Kenntnis der Reihe „An Ember in the Ashes“ ist nicht notwendig, Tahir gelingt es mühelos, ihr komplexes Worldbuilding auch für Neueinsteiger:innen absolut verständlich zu machen.

Womit wir direkt beim ersten großen Plus des Buches wären: Was für ein beeindruckendes und komplett durchdachtes Worldbuilding! Selten habe ich ein solches in dieser Komplexität bei gleichzeitiger Verständlichkeit gelesen. Diese Welt zieht die Lesenden vom ersten Satz an komplett in den Bann und erst 600 Seiten später kann man langsam wieder ausatmen.

Aiz, eine Waise, die in einem Klosterkontext aufwuchs, will Rache an dem Tyrannen nehmen, der ihr Leid verursacht hat. Dabei stößt sie auf Quil, Sufiyan und Aurelia, Kinder des Imperiums, sowie Sirsha, die auf ganz eigenen Pfaden wandelt. Die Schicksale der jungen Menschen verweben sich immer enger, denn es gibt eine düstere Gewalt, die sich anschickt, alles zu zerstören. Was steckt hinter dieser Macht und wird es eine Möglichkeit geben, sie aufzuhalten, bevor alles in Trümmern liegt?

Tahirs Roman ist ein hochspannender Pageturner, der sich neben einer Story voller unerwarteter Plottwists auf der Metaebene auch noch mit ganz anderen Fragen beschäftigt: Was ist Kultur? Kann es Macht ohne Gier geben? Wird es immer eine erste und eine dritte Welt geben, wird es immer Tyrannen und Ausgebeutete in den Krieg treiben? Wie stark ist die Macht des Wortes? Wie sehr müssen wir auf Worte achten, wie leicht entfesseln sie etwas, das wir gar nicht wollten? Diese tiefere Ebene zieht sich durch die Seiten und man kann leicht über sie hinweglesen in der treibenden Handlung, dennoch ist sie da und macht diesen Roman dadurch besonders, hebt ihn ab von anderer Fantasy.

Tahir schreibt brillant, ein Shout-Out auch an die gleich drei Übersetzenden, die hier ganze Arbeit geleistet haben. Stark sinnlich und bildhaft, mit vielen, jedoch nie zu vielen Details, einer guten Dosis Romance und Spice, die immer genau rechtzeitig aus dem Geschehen geht, extrem dicht und komplex geschrieben mit hohem Puls. Hier werden wirklich alle Register gezogen.

Der Band ist in sich abgeschlossen, wartet aber am Ende dennoch mit einem fetten Cliffhanger auf. Band zwei ist noch nicht geschrieben, aber zum Glück kann ich noch auf die Vorgängerreihe ausweichen, um die Wartezeit zu überbrücken. Absolute Leseempfehlung.

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